cerasus schrieb:
So ein Schwachsinn. Wenn Heroin legal wäre, dann wäre für die meisten Alkohol nicht mehr so interessant, somit hätten wir nicht mehr so viele Alkis, weil wir viel zu viele Heroinjunkies hätten. Also Alkohol hat deswegen die meisten "Anhänger", weil Alkohol für die Masse die stärkste und legalste Droge ist. Wenn du die Latte höher setzt, dann wird der nächste Stoff am weit verbreitetsten sein.
Da lese ich die für unsere Gesellschaft typische indoktrinierte Dämonisierung vereinzelter Substanzen mit einer Prise Unkenntnis heraus.
Heroin wie auch andere Opiode (z.B. Morphin, Methadon, Buprenorphin usw.) haben im Gegensatz zu Alkohol keine chronische Toxizität für den Körper. Alkohol führt hingegen zu Schäden im gesamten Organismus, vor allem an Leber, ZNS und Bauchspeicheldrüse und erhöht das Risiko für viele schwere Folgekrankheiten, z.B. Diabetes, Krebs oder Demenz. Selbst bei leichtem Alkoholkonsum lassen sich nach einiger Zeit Hirnatrophien nachweisen. Opioide von medizinischem Reinheitsgrad hingegen können auch dauerhaft verabreicht werden, ohne dass die Betroffenen gesundheitlich darunter leiden. Im Rahmen von Substitutions- oder Schmerztherapien hat sich dies über viele Jahre hinweg erwiesen - übrigens wird auch seit Juni 2009 Heroin dafür eingesetzt. Die Unterschiede zum illegalen Konsum liegen hier einerseits darin, dass der Stoff nicht mehr durch Streckmittel verunreinigt wird (wodurch dann eben doch Schäden auftreten), zum anderen in den hygienischen Konsumbedingungen, die sonst nicht gegeben sind. Das sind die wesentlichen Faktoren, die dazu führen, dass die Gesundheit der Betroffenen den Bach runtergeht. Entweder durch die Streckmittel oder durch das hohe Infektionsrisiko für Hepatitis oder HIV, das durch Needle Sharing und allgemein unhygienische Bedingungen zustande kommt, was letztlich eine Folge der Illegalisierung ist.
Kommen wir zur akuten Toxizität. Hier liegt beim Heroin durch die atemdepressive Wirkung ein erhebliches Gefahrenpotential, das bis zum Tod führen kann. Alkohol hat in hohen Dosen allerdings eine ähnliche Wirkung. Koma, Verlust der Schutzreflexe, Verlegung der Atemwege durch Mageninhalt oder seine Aspiration. Da Schwarzmarktheroin stark schwankende Reinheitsgrade aufweist, kann sich ein Konsument nie ganz sicher sein, wie viel Wirkstoff er sich überhaupt zuführt, während jemand, der Alkohol trinkt, noch ungefähr abschätzen kann, wieviel er zu sich nimmt. Die Gefahr der ungewollten Überdosierung lässt sich also ganz eindeutig auf den schwankenden Reinheitsgrad des Straßenheroins zurückführen, und auch das ist wiederum eine Folge der Repression.
Der nächste Punkt ist das Suchtpotential. Auch hier hat Heroin einige Gefahren aufzubieten. Neben einer psychischen Abhängigkeit entwickelt sich auch schnell eine körperliche. Allerdings sind die Entzugserscheinungen medizinisch unbedenklich, auch wenn sie für vom Betroffenen als höchst unangenehm empfunden werden. Aber auch beim Alkohol entwickelt sich neben dem Saufdruck auch noch eine körperliche Abhängigkeit, wenn auch deutlich langsamer. Nur sind die Entzugserscheinungen, die im Rahmen eines Alkoholentzugs auftreten, lebensgefährlich. Etwa jeder fünfte unbehandelte Entzug würde tödlich verlaufen aufgrund verschiedener Komplikationen wie Krampfanfällen oder Delirium tremens. Hier weisen beiden Substanzen erhebliches Gefahrenpotential auf, aber ich könnte nun nicht sagen, dass Alkohol hier weniger gefährlich sein soll.
Durch die Illegalisierung sind auch die Preise für Heroin exorbitant höher als für Alkohol. Während sich der Alkoholiker seine Ration billigen Fusel im Supermarkt für ein paar Cent abholt, muss ein Heroinsüchtiger bei aktuellen Preisen bis zu 100 Euro täglich aufbringen, um seinen Stoff auf dem Schwarzmarkt zu besorgen. Dadurch gerät er in einen 24/7-Beschaffungsdruck, der in den meisten Fällen sogar in die Beschaffungskriminalität oder Prostitution führt. Um Stoff und Geld zu sparen, ist er zum Spritzdrogenkonsum gezwungen, da rauchen oder sniefen teurer wäre, da hierfür mehr Stoff benötigt wird - woraus zusätzliche Gefahrenpotentiale (Inefktionskrankheiten, Abszesse, Entzündungen der Venen) entstehen.
Jemand, der durch eine Substitutionstherapie aus diesem Kreislauf rausgeholt wird, erholt sich gesundheitlich ziemlich schnell, nimmt oft auch wieder Arbeit auf, darf sogar nach bestandener MPU wieder Auto fahren - obwohl er weiterhin Opioide zugeführt bekommt. Der Unterschied ist schlicht, dass er es nun auf legale Weise tut und die ganzen Risiken, die durch die Illegalisierung entstehen, wegfallen. Dem Alkoholiker, der sein Suchtmittel weiterhin legal konsumiert, geht es dagegen deutlich schlechter. Seine Gesundheit befindet sich im Verfallsprozess.
Mit den Schäden für die Gesellschaft und die sozialen Sicherungssystem fange ich nun nicht mehr an.
Aber ich glaube, ich werde hier sowieso nicht verstanden. Mein Beitrag ist auch nicht als Verharmlosung von Heroin zu verstehen, sondern als Versuch, das Gefahrenpotential von Alkohol hervorzuheben und die Sinnhaftigkeit seiner Legalisierung zu hinterfragen. Ich hoffe, dass wenigstens das klar geworden ist.