VsteckdoseV
Commander
- Registriert
- Jan. 2008
- Beiträge
- 2.436
Mich hat die Meldung aus Köln, dass in der Neujahrsnacht junge Frauen massenhaft Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, aus zwei Gründen sehr schockiert. Einerseits schockiert mich die Tatsache, dass der Bahnhofsplatz trotz Polizeipräsenz für einen gewissen Zeitraum ein rechtloser Raum war, wo Frauen vergewaltigt (eine Vergewaltigung wurde bisher angezeigt) und ausgeraubt (insgesamt sind bisher 90 Anzeigen eingegangen) wurden.
Die zweite Tatsache die mich beunruhigt, ist, dass die Täter vornehmlich junge Männer sind, "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" (Aussage der Polizei, vgl. SPON) stammen. Der Zusammenhang zur Flüchtlingskrise ist dabei sehr schnell hergestellt, vor allem von Leuten aus dem konservativen und rechten Milieu, wobei man sagen muss, dass es sich hier nicht zwangsläufig um Flüchtlinge gehandelt haben muss.
Eine Frage stellt sich mir aber trotzdem: Kann man nach solchen Vorfällen die "Zweifler" an Merkels Flüchtlingspolitik noch mit einem "die wissen es entweder nicht besser oder haben keinen Sinn für Gerechtigkeit" abtun? Oder ist die Kritik daran, alle Asylsuchenden einreisen zu lassen, berechtigt?
Ich bin mir da sehr unsicher geworden. Einerseits glaube ich an den deutschen Rechtsstaat, der das Recht auf Asyl nicht einfach so aussetzen oder einschränken kann. Ich glaube ich an ein starkes und reiches Land, das mit vergleichsweise wenig Aufwand (20Mrd. € sollen es im kommenden Jahr werden. Zum Vergleich: Das Konjunkturprogramm in der Finanzkrise hatte zwischen 2008 und 2010 ein Volumen von 68Mrd.€) viel bewirken kann: Hilfsbedürftigen Menschen aus einer unverschuldeten Notlage retten, den eigenen soziodemografischen Problemen begegnen und nach zwei verbockten Weltkriegen endlich mal Moral und Anstand auf der Weltbühne zeigen.
Andererseits sehe ich auch die Probleme von Merkels Flüchtlingspolitik, die sich in sozialen Spannungen bei uns äußern. Zuerst einmal sorgt eine rasche Zuwanderung (der Großteil der Leute die hierher kommen kommen um zu bleiben, was die Frage aufwirft ob wir hierbei um Asylsuchende oder um Zuwanderer reden) zu mehr Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt und auf anderen Märkten auch, was vor allem die sozial Schwachen hierzulande unter Druck setzt. Wie man sieht kommt ein Großteil der Fremdenfeindlichen Äußerungen von sozial Benachteiligten, die weniger Lohn und weniger Bildung als der Durchschnitt haben. Dann gibt es noch die kulturellen Probleme. Nicht alle, die zu uns kommen, teilen unsere Normen und Werte, und einige betrachten ausgelassen feiernde und attraktiv bekleidete Frauen offenbar als Einladung zur Vergewaltigung. Bei so krassen Widersprüchen was Kultur angeht (ich setze jetzt einfach mal frech voraus dass die Rolle der Frau nicht der einzige kulturelle Widerspruch zu unserer Kultur ist) stelle ich mir die Frage, ob eine Integration am Fließband überhaupt Erfolg haben kann oder ob die Motivation einiger Zuwanderer/Asylsuchenden eher der attraktive deutsche Sozialstaat als eine gelungene Integration ist.
Selbst wenn dem so ist, ist die Schlussfolgerung keineswegs, alle Asylsuchenden/Zuwanderer über einen Kamm zu scheren und sie als potentielle Diebe und Vergewaltiger zu betrachten. Vielmehr muss man sich die Frage stellen, wie man diesem Problem begegnet und zu welchem Preis. Und das muss meiner Meinung nach viel offener kommuniziert werden.
Insofern kann ich sagen, dass bei mir die Ereignisse der Silvesternacht am Köllner Hauptbahnhof zwar nicht zu mehr Fremdenfeindlichkeit geführt haben und es die Ereignisse daher nicht als Grund sehe, die Flüchtlingspolitik grundsätzlich zu überdenken. Ich sehe aber auch die Ängste der Betroffenen und der potentiellen Opfer und muss die Frage zulassen, ob in der Flüchtlingsfrage jeder so liberal eingestellt sein muss wie ich. Es kann gute Gründe geben, es nicht zu sein, was ich jedem Opfer in Köln auch zugestehe.
Insofern führt die Silvesternacht in Köln bei mir persönlich nicht zu mehr Fremdenfeindlichkeit, aber zu einem gewissen Verständnis für solche Positionen, je nach Alter und Biografie. Wie seht ihr das?
PS. was ich möchte ist eine sachliche Diskussion über die Auswirkungen der Kölner Silvesternacht auf Wahrnehmung und Einstellung zu Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Ich möchte nicht, dass hier politisch einseitige Ansichten und Hassbotschaften verbreitet werden. Ich hoffe das reicht den Ansprüchen der Mods und ist ihnen thematisch nicht zu heikel.
Die zweite Tatsache die mich beunruhigt, ist, dass die Täter vornehmlich junge Männer sind, "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" (Aussage der Polizei, vgl. SPON) stammen. Der Zusammenhang zur Flüchtlingskrise ist dabei sehr schnell hergestellt, vor allem von Leuten aus dem konservativen und rechten Milieu, wobei man sagen muss, dass es sich hier nicht zwangsläufig um Flüchtlinge gehandelt haben muss.
Eine Frage stellt sich mir aber trotzdem: Kann man nach solchen Vorfällen die "Zweifler" an Merkels Flüchtlingspolitik noch mit einem "die wissen es entweder nicht besser oder haben keinen Sinn für Gerechtigkeit" abtun? Oder ist die Kritik daran, alle Asylsuchenden einreisen zu lassen, berechtigt?
Ich bin mir da sehr unsicher geworden. Einerseits glaube ich an den deutschen Rechtsstaat, der das Recht auf Asyl nicht einfach so aussetzen oder einschränken kann. Ich glaube ich an ein starkes und reiches Land, das mit vergleichsweise wenig Aufwand (20Mrd. € sollen es im kommenden Jahr werden. Zum Vergleich: Das Konjunkturprogramm in der Finanzkrise hatte zwischen 2008 und 2010 ein Volumen von 68Mrd.€) viel bewirken kann: Hilfsbedürftigen Menschen aus einer unverschuldeten Notlage retten, den eigenen soziodemografischen Problemen begegnen und nach zwei verbockten Weltkriegen endlich mal Moral und Anstand auf der Weltbühne zeigen.
Andererseits sehe ich auch die Probleme von Merkels Flüchtlingspolitik, die sich in sozialen Spannungen bei uns äußern. Zuerst einmal sorgt eine rasche Zuwanderung (der Großteil der Leute die hierher kommen kommen um zu bleiben, was die Frage aufwirft ob wir hierbei um Asylsuchende oder um Zuwanderer reden) zu mehr Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt und auf anderen Märkten auch, was vor allem die sozial Schwachen hierzulande unter Druck setzt. Wie man sieht kommt ein Großteil der Fremdenfeindlichen Äußerungen von sozial Benachteiligten, die weniger Lohn und weniger Bildung als der Durchschnitt haben. Dann gibt es noch die kulturellen Probleme. Nicht alle, die zu uns kommen, teilen unsere Normen und Werte, und einige betrachten ausgelassen feiernde und attraktiv bekleidete Frauen offenbar als Einladung zur Vergewaltigung. Bei so krassen Widersprüchen was Kultur angeht (ich setze jetzt einfach mal frech voraus dass die Rolle der Frau nicht der einzige kulturelle Widerspruch zu unserer Kultur ist) stelle ich mir die Frage, ob eine Integration am Fließband überhaupt Erfolg haben kann oder ob die Motivation einiger Zuwanderer/Asylsuchenden eher der attraktive deutsche Sozialstaat als eine gelungene Integration ist.
Selbst wenn dem so ist, ist die Schlussfolgerung keineswegs, alle Asylsuchenden/Zuwanderer über einen Kamm zu scheren und sie als potentielle Diebe und Vergewaltiger zu betrachten. Vielmehr muss man sich die Frage stellen, wie man diesem Problem begegnet und zu welchem Preis. Und das muss meiner Meinung nach viel offener kommuniziert werden.
Insofern kann ich sagen, dass bei mir die Ereignisse der Silvesternacht am Köllner Hauptbahnhof zwar nicht zu mehr Fremdenfeindlichkeit geführt haben und es die Ereignisse daher nicht als Grund sehe, die Flüchtlingspolitik grundsätzlich zu überdenken. Ich sehe aber auch die Ängste der Betroffenen und der potentiellen Opfer und muss die Frage zulassen, ob in der Flüchtlingsfrage jeder so liberal eingestellt sein muss wie ich. Es kann gute Gründe geben, es nicht zu sein, was ich jedem Opfer in Köln auch zugestehe.
Insofern führt die Silvesternacht in Köln bei mir persönlich nicht zu mehr Fremdenfeindlichkeit, aber zu einem gewissen Verständnis für solche Positionen, je nach Alter und Biografie. Wie seht ihr das?
PS. was ich möchte ist eine sachliche Diskussion über die Auswirkungen der Kölner Silvesternacht auf Wahrnehmung und Einstellung zu Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Ich möchte nicht, dass hier politisch einseitige Ansichten und Hassbotschaften verbreitet werden. Ich hoffe das reicht den Ansprüchen der Mods und ist ihnen thematisch nicht zu heikel.