Blade Shadow Cloud-PC: Konkurrenz für GeForce Now und den lokalen PC

David Pertzborn
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Blade Shadow Cloud-PC: Konkurrenz für GeForce Now und den lokalen PC

tl;dr: Blade Shadow soll jedermann im Abo einen schnellen Rechner in der Cloud bereitstellen. Zum Start stehen Spieler im Fokus, der Dienst tritt also auch in Konkurrenz zu Nvidia GeForce Now. ComputerBase hat mit dem Startup in Paris über die hoch gesteckten Ziele gesprochen und den Dienst ausprobiert. Ersteindruck: positiv.

Der Computer als Service im Abo

Vor gut zwei Jahren mit dem Ziel gegründet, den „Computer der Zukunft“ zu erschaffen, will Blade den Rechner aus der Cloud nach dem Start in Frankreich „bis zum Sommer“ auch nach Deutschland bringen. Das zur CES 2018 gesteckte Ziel, noch im 1. Quartal starten zu können, wurde also nicht ganz erreicht.

Doch was steckt überhaupt hinter Shadow Blade? ComputerBase hat Emmanuel Freund, Mitbegründer der Firma, kurz vor Ostern in Paris getroffen und sich das Angebot und das Unternehmen dahinter erklären lassen.

Der Tag begann mit einem Rundgang durch das Büro, das wie ein zu groß geratenes Jugendzentrum mit High-Tech und Designermöbeln wirkte. Jeder Mitarbeiter schien dabei irgendwie an allen Ecken gleichzeitig zu arbeiten. In einer Ecke standen vier Monitore, auf jedem lief das aktuelle Doom und jeder Mitarbeiter war angehalten zu spielen und zu erraten, welcher Monitor an einem lokalen Rechner hängt und welcher nicht. Zwei Räume weiter fand sich ein kleines Studio, um den eigenen Youtube-Channel mit Videos zu versorgen und daneben war ein Mitarbeiter damit beschäftigt eine Charge eigens entwickelter Latenzmessgeräte für den Versand an einen großen Spieleentwickler vorzubereiten. Kurz und knapp: Startup-Atmosphäre pur.

Zwischen eigenem Rechner und Streaming

Die Idee, an der hier gearbeitet wird, ist schnell zusammengefasst. Der eigene Rechner soll in Zukunft nicht mehr unter dem heimischen Schreibtisch stehen, sondern zentral in einem Datenzentrum. Dort verfügt er stets über die aktuelle Hard- und Software.

Mit Hilfe einer App für iOS und Android oder entsprechender Software für Mac oder Windows wird jedes Gerät mit Bildschirm und unterstütztem Betriebssystem zum Monitor für den Cloud-PC und die volle Leistung eines gut ausgestatteten Spielerechner steht überall dort zur Verfügung, wo das Internet schnell genug ist. Im Gegensatz zum Konkurrenten Nvidia GeForce Now (Test) soll es sich aber nicht um ein ausschließlich auf Spieler ausgerichtetes Angebot handeln, auch wenn sie zu Beginn im Fokus stehen. Grundsätzlich kann der Cloud-Computer aber für alles genutzt werden, was unter Windows 10 möglich ist. Andere Betriebssysteme gibt es nicht.

Spieler am Anfang im Fokus

Auf die Frage, warum ein solcher Service, der ganz deutlich auch im professionellen Umfeld angesiedelt sein könnte, in erster Linie an Spieler vermarktet wird, nennt Freund die Besonderheit dieser Zielgruppe.

Einerseits seien Spieler zwar oft technikaffin und dazu bereit etwas neues zu testen, aber auf der anderen Seite auch höchst anspruchsvoll. Ein Spieler, der zwei Mal auf Grund eines Problems mit dem Stream stirbt, dreht sich also um und geht. Dieser Herausforderung wollte sich der Anbieter stellen. Und wenn die Hürde genommen ist, soll auch eine Vermarktung an professionelle Kunden und Privatanwender abseits von Spielen erfolgen.

Technische Details: Intel und Nvidia

Zum Start in Deutschland wird es Shadow nur in einer Konfiguration geben, die leistungstechnisch auf Höhe mit einem High-End-PC liegen soll. Spezifisch spricht Blade im Gespräch von folgenden aktuell verwendeten Komponenten.

Hardwarekomponenten
Grafikkarte CPU Arbeitsspeicher Festplatte Betriebssystem
Nvidia GTX 1080 oder
Nvidia Quadro P5000
4 Kerne+HT
Intel Xeon @ 3,0 GHz
12 GB 256 GB SSD Windows 10

Wichtig ist dabei das Wort aktuell, denn der Service soll unter anderem ständig aktualisierte Komponenten enthalten. Das bedeutet derzeit (aber ohne exakten Zeitplan), dass daran gearbeitet wird, dem Kunden 16 GB RAM und höher getaktete Prozessorkerne anbieten zu können. Technisch bewegt sich das Angebot damit auf einem Niveau mit Nvidia GeForce Now.

Preise und Verfügbarkeit

Angeboten wird das alles ab 29,95 Euro pro Monat bei Abschluss eines Jahresabonnements, 44,95 Euro kostet die monatlich kündbare Option. Wie lange der Anwender den Service am Tag nutzt, hat auf die Kosten also keinen Einfluss.

Die Freischaltung in Deutschland soll zwischen Mai und Juli für eine kleine Gruppe früher Tester erfolgen und dann Etappenweise weiter ausgebaut werden. In Frankreich war das Unternehmen erfolgreich damit, sehr früh bekannte Streamer, Spieler und Progamer von Overwatch bis Streetfigher anzuwerben und von Shadow zu überzeugen. Inwieweit die erste Phase auch in Deutschland nach diesem Prinzip abläuft, bleibt abzuwarten.

Nur gefühlt der eigene Rechner

Auch wenn das Unternehmen immer davon spricht, dass der persönliche Rechner in der Cloud landet, erwirbt man mit dem Abonnement keinen Anspruch immer wieder exakt dieselbe Hardware zu erhalten. Die einzige sichere Konstante ist die Festplattenpartition, die einzigartig für jeden Nutzer ist. Alle anderen Komponenten werden bei jedem neuen Einwählen neu zugeschaltet und müssen nicht identisch sein. Davon merkt der Nutzer in der Praxis jedoch nichts, da es üblicherweise keinen Unterschied zwischen zwei verschiedenen Grafikkarten oder Arbeitsspeicherriegeln gibt, solange es sich um dasselbe Modell handelt.

Sollte zwischen zwei Logins nur eine relativ kurze Zeit von maximal einigen Stunden liegen, gilt dies übrigens nicht. Solange diese Zeitspanne nicht überschritten wird, kann die aktuelle Sitzung punktgenau dort wieder aufgenommen werden, an der sie zurückgelassen wurde. Und dabei ist es völlig irrelevant, von welchem Endgerät auf die Sitzung zugegriffen wird.

Das Internet muss nicht schnell aber stabil sein

Wichtiger als das Endgerät ist im ersten Kontakt mit Blade Shadow die Qualität der Internetverbindung. Während schon eine Verbindungsgeschwindigkeit von 15 Mbit/s für eine Bildqualität reicht, die auf den ersten Blick nicht vom Original zu unterscheiden ist, zeigt sich, dass eine simuliert instabile Verbindung mit viel Paketverlust deutlich stört.

Bis zu 4k oder 144 Hz

Wenn die Verbindung stabil und die Geschwindigkeit hoch genug ist, liefert der Service bis zu 144 Hz in Full HD, 60 Hz in Ultra HD oder 90 bis 100 Hz in WQHD. Dabei kann der Stream je nach verwendetem Endgerät auf H.264 oder H.265 eingestellt werden. Ersterer läuft auch auf älteren Geräten effizient und braucht weniger Leistung, während der neuere H.265 (HEVC) stärker komprimiert und damit auch bei langsamerem Internet noch gute Qualität liefert. Dafür sind die Anforderungen an die Hardware des Endgeräts höher und nur relativ neue Hardware kann dieses Format effizient decodieren.