Bachelorarbeit Vergütung: Werde ich ausgebeutet?

swaggerino

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Ich studiere Informatik und habe eine Stelle in einer kleinen Firma angenommen um dort meine Bachelorarbeit zu schreiben.
Dort bekomme ich aktuell 8,50 die Stunde (wird aber bald auf 10/Stunde angehoben). Wenn die Bachelorarbeit angemeldet wird, soll ich einen Festen Lohn von 480€ im Monat bekommen, mit 3 Anwesenheitstagen (8 Stunden) in der Firma. Alternativ würde ich für 5 Tage die Woche 800€ im Monat bekommen.

Ich denke 800€ im Monat für eine Bachelorarbeit ist durchaus angemessen und normal, aber dafür eine 40h Woche in der Firma? Während der Zeit in der Firma soll ich auch nur an dem Projekt programmieren, nicht die Bachelorarbeit selbst schreiben, das soll ich Zuhause machen. Reicht da überhaupt die Zeit um die Arbeit zu schreiben? Ich müsste ja alles am Wochenende machen, da ich wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme nach dem Essen eigentlich direkt wieder schlafen gehen kann.

Ein Kommilitone von mir bekommt fest 11/Stunde und geht nur zum Programmieren zu seiner Arbeitsstelle. Ein anderer bekommt 850€ pro Monat aber hat nur eine 20h Woche (!) in seiner Firma, also quasi mehr als das doppelte von meinem Lohn. Und die beiden sind auch nur bei kleinen Firmen.

Meint ihr ich soll da nochmal versuchen zu verhandeln oder wäre das dreist?

Wie war das bei euch?
 
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Selbstverständlich ist das Ausbeutung. Die Firma dankt, einem fast fertigen Akademiker, dem nur noch mehr die Bachelorarbeit fehlt, für 8,50€/h zu bekommen.

Aber solange es nur zur Ableistung einer Studienleistung dient, ist es in Ordnung. Ich musste auch im Rahmen meines Studiums ein Praktikum machen und hab dort auch nur etwa 5€ pro Stunde bekommen. Ich hab mich dementsprechend auch nicht sonderlich angestrengt und oft gefaulenzt, Kaffee getrunken, am Klo gesessen, im Internet gesurft, etc.

Wenn du nicht auf das Geld von der Firma angewiesen hast und noch die Möglichkeit hast, die Bachelorarbeit alleine durchzuziehen, würde ich zur Firma gehen und sagen: Entweder das ganze läuft zu meinen Konditionen ab oder ich zieh mein Ding alleine durch.

Wenn schon alles in die Wege geleitet wurde und du den Vertrag schon unterzeichnet hast: Verträge sind einzuhalten. Beiss in den sauren Apfel und lerne aus deinen Fehlern.

Verkauft euch niemals unter Wert!
 
Das mit dem faulenzen und nicht anstrengen geht bei einer Bachelorarbeit halt schlecht, immerhin gibt's darauf ja auch eine Note (Die 50% von meinem Betreuer aus der Firma kommt).
Alleine durchziehen ist für mich keine Option, dann hätte ich einen Stundenlohn von 0€. Würde mir dann eher eine andere Firma suchen die angemessen zahlt. Aber große Motivation habe ich dafür nicht, ich müsste eben alles was ich bisher erarbeitet habe verwerfen und ganz neu beginnen.

Ich habe bisher lediglich meinen Werkstudentenvertrag unterschrieben und werde zur Zeit auch noch dementsprechend nach Stunden bezahlt. Für den neuen Vertrag, der dann ab Anmeldung der Bachelorarbeit auf 3 Monate befristet ist müsste ich dann wohl noch eine neue Unterschrift setzen (hoffe ich).
 
Zuletzt bearbeitet:
kingler schrieb:
Die Firma dankt, einem fast fertigen Akademiker, dem nur noch mehr die Bachelorarbeit fehlt, für 8,50€/h zu bekommen.

Aber solange es nur zur Ableistung einer Studienleistung dient, ist es in Ordnung.
Wie schnell sich doch...

kingler schrieb:
Die 8,50€ sind Mindestlohn. Selbst ein rumänischer Spargelpflücker, der kein einziges Wort Deutsch versteht, bekommt das (nichts gegen Rumänen oder Spargelpflücker, aber zum Spargelpflücken brauch ich keine Zertifikate).

Ich kann echt nicht verstehen, wie jemand so blöd sein kann, in Deutschland für 8,50€ zu arbeiten.
...eine Meinung ändern kann.

Am Rande erwähnt: Es sind Spargelstecher und nicht Spargelpflücker, Spargel wird gestochen und nicht gepflückt, Spargel wächst nicht auf einem Baum.

kingler schrieb:
Verkauft euch niemals unter Wert!
Müsste ein fast fertiger Akademiker, dem nur noch die Bachelorarbeit fehlt, nicht mehr wert sein als ein rumänischer Spargelstecher (der kein einziges Wort Deutsch versteht) ?

swaggerino schrieb:
Meint ihr ich soll da nochmal versuchen zu verhandeln oder wäre das dreist?
Versuchen kann man das immer, im nachhinein kann der Schuss aber nach hinten losgehen, es wäre aber besser gewesen das vor Vertragsunterzeichnung zu verhandeln.

swaggerino schrieb:
wird aber bald auf 10/Stunde angehoben
Es wäre klüger wenn du versuchst an diesem Zeitpunkt, wenn deine Leistungen in Ordnung sind, mehr raus zu holen.

Grüße Tomi
 
Zuletzt bearbeitet:
Profitiert die Firma denn von dem Projekt? Wenn nicht dann ist die Bezahlung in Ordnung, da es im Grunde ja wie so Praktikum ist wo es oft gar keine Bezahlung gibt.

Ansonsten stellt sich die Frage wie stark die Firma profitiert oder ob das Resultat des Projektes nur ein nicetohave ist.
 
Entscheidend an der Sache ist meiner Meinung nach, ob das Projekt in der Firma auch dein Bachelor-Projekt ist.

Wenn du also dort arbeitest und das alles hat nix mit deiner Bachelorarbeit zu tun, finde ich den Lohn zu niegrig. Ansonsten ist das doch vollkommen in Ordnung. Auch wenn du das eventuell anders siehst, aber Studenten machen auch viel Arbeit. Je früher im Studium, desto größer der Aufwand.
An dem Institut an dem ich arbeite ist es üblich Studenten nicht zu bezahlen (außer die Hiwis natürlich). Und trotzdem muss man sich schon genau überlegen, ob man einen neuen Praktikanten ode Bachelorarbeiter haben möchte. Da fragt auch der Chef nochmal kritisch nach, ob man sicher ist, dass man am Ende mehr von profitiert als man investieren muss.

Nur um die mal die Sicht aus einer anderen Perspektive zu zeigen.
 
ForenTroll schrieb:
Entscheidend an der Sache ist meiner Meinung nach, ob das Projekt in der Firma auch dein Bachelor-Projekt ist.

Ich arbeite 100% der Zeit an dem Projekt, welches auch meine Bachelorarbeit ist.

ForenTroll schrieb:
Wenn du also dort arbeitest und das alles hat nix mit deiner Bachelorarbeit zu tun, finde ich den Lohn zu niegrig. Ansonsten ist das doch vollkommen in Ordnung. Auch wenn du das eventuell anders siehst, aber Studenten machen auch viel Arbeit. Je früher im Studium, desto größer der Aufwand.

Naja, ich habe meinen Bachelor quasi in der Tasche und war auch vorher als Werkstudent wo anders tätig. Die Firma profitiert auch auf jeden Fall von dem Projekt, ich entwickle etwas was später auch so eingesetzt wird, kein Prototyp oder sowas.
 
Hier hat ja jemand totale Luxus-Probleme.

1. ja, man kann 40 Stunden arbeiten und am Wochenende eine Bachelor-Thesis schreiben
2. die Vergütung ist für ein Praktikum angemessen
3. schau dir den Inhalt des Projekts und sowie deine Aufgaben an - kannst du diese für zukünftige Vorstellungsgespräche gut verkaufen?

Gerade der 3. Punkt ist aus meiner Sicht wichtig. Lieber 40 Stunden arbeiten und bei Bewerbungen später mit den Projektaufgaben punkten als 20 Stunden nur ein bisschen was zu machen. Auch kann man dann nachher im Vorstellungsgespräch die Leistung "40 Stunden gearbeitet + nebenbei die Thesis angefertig" ebenfalls punkten.

Ansonsten bleibt ein Praktikum nunmal ein Praktikum - aus diesem sollte man persönlich so viel wie möglich "an Honig saugen" ... die Vergütung hingegen hat nichts mit dem zukünftigen Gehalt zu tun. Ist somit nur nice-to-have.
 
swaggerino schrieb:
Ich arbeite 100% der Zeit an dem Projekt, welches auch meine Bachelorarbeit ist.



Naja, ich habe meinen Bachelor quasi in der Tasche und war auch vorher als Werkstudent wo anders tätig. Die Firma profitiert auch auf jeden Fall von dem Projekt, ich entwickle etwas was später auch so eingesetzt wird, kein Prototyp oder sowas.

Soweit ich weiß entsteht in jeder Abschlussarbeit ein Prototyp und kein fertiges Stück. Ist auch gar nicht möglich...

Zur Klärung nochmal: Du erledigst eine Bachelorarbeit und bekommst 450€ pro Monat bei 3 Tagen Anwesenheit/Woche, die restliche Zeit darfst du daheim arbeiten und "schreiben" ?

Grundsätzlich stellt sich mir erstmal die Frage ob du dafür überhaupt bezahlt werden darfst. Erlaubt oder verbietet das deine Uni/FH? Falls nicht sicher, nachfragen! Sonst bist du ganz schnell bei nicht bestanden wenn das raus kommt.

Falls du Geld bekommen darfst, finde ich 450€ im Prinzip ok, wenngleich wohl bis 8XX€ drin vertretbar wären. Bedenke, dass du theoretisch die Arbeit vergütet bekommst.

Auf der anderen Seite sind 8,50€/h definitiv zu wenig für einen Hiwi Job. Solch eine Ausbeuterfirma hatte ich auch mal. Selbst wenn man noch keinen Abschluss hat eine Frechheit.



_killy_ schrieb:
Ansonsten bleibt ein Praktikum nunmal ein Praktikum - aus diesem sollte man persönlich so viel wie möglich "an Honig saugen" ... die Vergütung hingegen hat nichts mit dem zukünftigen Gehalt zu tun. Ist somit nur nice-to-have.

Es ist doch gar kein Praktikum?
 
swaggerino schrieb:
Naja, ich habe meinen Bachelor quasi in der Tasche und war auch vorher als Werkstudent wo anders tätig. Die Firma profitiert auch auf jeden Fall von dem Projekt, ich entwickle etwas was später auch so eingesetzt wird, kein Prototyp oder sowas.

Die Frage ist ja wie sehr die Firma davon profitiert. Wenn es nur etwas ist was der Firma zwar hilft, aber nicht unbedingt notwendig wäre, dann ist die Bezahlung sicher angemessen.
Wenn es etwas ist was die Firma mehrfach weiterverkaufen kann und damit paar Tausender einnimmt, dann kann man ruhig nochmal verhandeln.

Ich müsste ja alles am Wochenende machen, da ich wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme nach dem Essen eigentlich direkt wieder schlafen gehen kann.
Du hast also 2-3 Stunden Fahrtweg? Denn 40 Stundenwoche heißt 8 Stunden am Tag. Selbst mit ner Stunde Pause geht das dann von 8-17 Uhr.
Da hat man nach der Arbeit doch locker 3 Stunden Zeit, außer man hat einen sehr langen Fahrtweg.

Es ist doch gar kein Praktikum?
Ich würde das als vergütetes Praktikum definieren. Denn er ist weder festangestellt, noch eine wirkliche Hilfskraft (denn er arbeitet ja nur an seinem Projekt und hilft nicht wirklich aus).
 
Krass wie unterschiedlich die Meinungen hier sind :)

NuminousDestiny schrieb:
Soweit ich weiß entsteht in jeder Abschlussarbeit ein Prototyp und kein fertiges Stück. Ist auch gar nicht möglich...

Ich entwickle einen Teil der in eine bestehende, große Anwendung integriert wird. Für mich ist das kein Prototyp.
NuminousDestiny schrieb:
Zur Klärung nochmal: Du erledigst eine Bachelorarbeit und bekommst 450€ pro Monat bei 3 Tagen Anwesenheit/Woche, die restliche Zeit darfst du daheim arbeiten und "schreiben" ?
480€, aber soweit korrekt.
NuminousDestiny schrieb:
Grundsätzlich stellt sich mir erstmal die Frage ob du dafür überhaupt bezahlt werden darfst. Erlaubt oder verbietet das deine Uni/FH? Falls nicht sicher, nachfragen! Sonst bist du ganz schnell bei nicht bestanden wenn das raus kommt.
In der Informatik ist es ziemlich normal, dass man in Firmen dafür Geld bekommt. Hab auch noch nie davon gehört, dass man für eine Bachelorarbeit nicht bezahlt werden darf. Bei mir ists jedenfalls erlaubt.
 
Hm also ich hatte glaube ich bei meiner Bachelorarbeit in der Industrie 600€ und keinerlei Anwesenheitspflicht. Finde die 480€ daher ok, außer wir reden hier von München/Hamburg/Frankfurt/etc. Da würde ich versuchen noch etwas mehr rauszuhandeln.
Bei uns gab es glaube ich auch eine zusätzliche Vergütung falls man extra für die BA zugezogen ist. Das waren meine ich 160€ pro Monat zusätzlich.
Außerdem gab es für eine gute Arbeit einen einmaligen Bonus von bis zu 1500€.

Am Fraunhofer bekommen Abschlussarbeiter keinen Cent, an den Lehrstühlen auch nicht.

Edit:
Ich spreche von einem Großkonzern. Ein kleiner Mittelständler rechnet natürlich anders.
 
Cerubis schrieb:
Am Fraunhofer bekommen Abschlussarbeiter keinen Cent, an den Lehrstühlen auch nicht.

Das ist in dieser allgemeinen Formulierung einfach nur falsch.
Es gibt Institute die bezahlen, andere nicht. Das ist nicht von der Zentrale vorgegeben und wird daher von den einzelnen Insituten selbst entschieden.
 
Entspricht die Vergütung dann dem Umfang der HiWi-Bezahlung? Höre ich zum ersten Mal, betrifft dann vermutlich eher die Gutverdiener wie IPA oder IIS?
 
Ist doch völlig normal, dass man von der Firma Geld bekommt. Irgendwovon muss der Student ja auch leben und die Wohnung bezahlen.
Ich hab auch >1000€ für die Diplomarbeit bekommen. Wäre ja noch schöner, wenn man noch einen Kredit aufnehmen müsste um die Abschlussarbeit zu machen. Viele machen die Abschlussarbeit ja nicht in ihrem Heimatort.
 
Mir ist unklar was daran völlig normal sein soll? Ich musste mir während meines Studiums auch einen Job besorgen um Leben zu können.
Viele haben nicht das Glück eine Firma zu finden in der sie ihr Projekt machen können und noch dafür bezahlt werden.
 
Versteh auch nicht, woher das Selbstverständnis herkommt. Die Abschlussarbeit ist Teil des Studiums und dafür bezahlt einen auch keiner*.

Wenn man einen Studiengang hat indem das am Ende klappt ist ja schön, aber es ist wirklich nicht "völlig normal".



*Jaja, gibt Ausnahmen (Bund, Eltern...), ich weiß.
 
Also wenn du auf der Arbeit an einem ganz anderen Projekt arbeitest, dann würde ich die 3 Tage und die 480€ nehmen. Dann hast du ohne das Wochenende 2 Tage wo du dich voll und ganz deiner Bachelorarbeit widmen kannst.

Ich hätte bei meiner Bachelorarbeit auch gar kein Geld bekommen, hatte aber so gesehen aber auch keine Anwesenheitspflicht. Für die 12 Wochen Praktikum davor habe ich insgesamt 1500€ bekommen.
 
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