bensen schrieb:
Es ist absurd zu glauben, China hätte nicht in die Halbleiterentwicklung investiert, wenn es die Sanktionen nicht gegeben hätte.
Die Wahrheit ist, dass das schon weit vor den Sanktionen angefangen hatte.
China hat jetzt vielleicht noch mehr Ressourcen drauf geworfen, aber ob das jetzt negativ oder positiv ist wird sich noch zeigen müssen.
Fakt ist aber, dass alles downstream extrem eingebremst wurde. Chinas Chipdesign wäre jetzt schon deutlich weiter. Die waren nicht weit weg von westlichen Produkten. Jetzt taugt das selbst auf dem heimischen Markt eher halbwegs gut.
Und noch weiter runter wäre China mit ihren Geldeinsatz und Energieverfügbarkeit ebenfalls ganz woanders in Sachen AI. China wurde schon extrem ausgebremst.
Die USA waren da eher noch zu zögerlich. Auch wenn ich von Protektionismus nicht viel halte. Hätten sie die Beschränkungen aggressiver durchgesetzt, hatte China deutlich mehr Probleme bei DRAM und NAND Fertigung.
Du übersiehst hier den entscheidenden Unterschied zwischen „Geld investieren“ und „eine autarke, heimische Industrie erzwingen“. Natürlich hat China schon vorher investiert, aber sie haben westliche Technologie gekauft und darauf aufgebaut. Sie waren bequeme Kunden. Die Sanktionen haben diesen Zustand über Nacht beendet.
Schau dir an, wo China vor den Sanktionen stand: Sie hatten kein eigenes konkurrenzfähiges Smartphone-oder PC/Notebook OS, keine eigene High-End-Lithografie und keine geschlossene, rein heimische Halbleiter-Lieferkette. Warum auch? Es gab ja TSMC, ASML, Android, Windows, und Nvidia, AMD und Intel.
Die Sanktionen haben China kurzfristig ausgebremst, ja – aber langfristig haben sie Entwicklungen massiv
beschleunigt, die sonst wohl Jahrzehnte gedauert hätten. Und genau da liegt der strategische Fehler der USA und Europas, der sich jetzt rächt:
Bis vor wenigen Jahren hatten Nvidia, Intel und AMD einen Marktanteil von über 75 % bei CPUs und GPUs; ähnlich Qualcomm bei den Mobilen Chips in China. Windows und macOS hielten fast 100 % im PC-Markt, Android und iOS bei Smartphones. Diesen gigantischen Markt hat der Westen quasi per Dekret abgesägt. Das schwächt die eigene Wirtschaft und entzieht unseren Unternehmen das Kapital für zukünftige Innovationen.
Die chinesischen Alternativen (ob HarmonyOS, Huawei-Chips oder eigene KI-Beschleuniger) reifen gerade im riesigen Heimatmarkt heran. Sobald sie dort vollends etabliert sind, werden sie auf die globalen Märkte drängen – nach Südamerika, Afrika und in den Rest Asiens. Da entsteht gerade eine Konkurrenz, die es ohne den Sanktionen-Druck so schnell nicht gegeben hätte.
Und China wird durch diesen erzwungenen Umbau in Summe vollkommen autonom. Und das ist das größte geopolitische Eigentor: Welche wirtschaftlichen Druckmittel will der Westen denn in fünf oder zehn Jahren noch gegen China in der Hand haben, wenn man jetzt schon die schwersten Geschütze verschossen und China dagegen immun gemacht hat?