Unyu schrieb:
Falsch. Ich lege wiederholt dar, das 15,8% der Wähler keine Kleinigkeit sind. Diese Stimmen zu übergehen ist demokratisch fragwürdig. Nun ganz ohne Beispiel, weil du damit nicht zurecht kommst.
Ich zähle mal auf, wer zur letzten Bundestagswahl an der 5% Hürde gescheitert ist und dennoch Zweitstimmen auf sich vereinen konnte.
- PBC - 18.542 Zweitstimmen - 0,0%
- BIG - 17.743 Zweitstimmen - 0,0%
- BüSo - 12.814 Zweitstimmen - 0,0%
- Nichtwähler - 11.349 Zweitstimmen - 0,0%
- Bündnis 21/RRP - 8.578 Zweitstimmen - 0,0%
- Die Violetten - 8.211 Zweitstimmen - 0,0%
- FAMILIE - 7.449 Zweitstimmen - 0,0%
- PSG - 4.564 Zweitstimmen - 0,0%
- Die Rechte - 2.245 Zweitstimmen - 0,0%
- BP - 57.395 Zweitstimmen - 0,1%
- Volksabstimmung - 28.654 Zweitstimmen - 0,1%
- Rentner - 25.134 Zweitstimmen - 0,1%
- Partei der Vernunft - 24.719 Zweitstimmen - 0,1%
- MLPD - 24.219 Zweitstimmen - 0,1%
- REP - 91.193 Zweitstimmen - 0,2%
- Die Partei - 78.674 Zweitstimmen - 0,2%
- Pro Deutschland - 73.854 Zweitstimmen - 0,2%
- Tierschutzpartei - 140.336 Zweitstimmen - 0,3%
- ÖDP - 127.088 Zweitstimmen - 0,3%
- Freie Wähler - 423.977 Zweitstimmen - 1,0%
- NPD - 560.828 Zweitstimmen - 1,3%
- Piraten - 959.177 Zweitstimmen - 2,2%
- AfD - 2.056.985 Zweitstimmen - 4,7%
- FDP - 2.083.533 Zweitstimmen - 4,8%
Schaue ich mir nur einmal die Parteinamen an, braucht es nicht viel Fantasie um sich auszumalen, wie unterschiedlich deren politische Ziele sind. Dein wiederholter Hinweis, dass alle zusammen zwar 15,7% der Wähler darstellen ist in sofern völlig surreal, als das für sich gesehen alle 24! Parteien ganz individuelle Ziele haben, die offensichtlich nicht mehrheitsfähig sind und eine parlamentarische Zusammenarbeit damit völlig illusorisch ist.
Dir ist bewußt, dass sich die Redezeit der Abgeordneten im Bundestag an der Fraktionsstärke orientiert? Vermutlich nicht.
Dir ist bewußt, dass bei Abstimmungen im Bundestag meist eine einfache Mehrheit genügt? Offenbar nicht.
Dir ist bewußt, dass Kleinstfraktionen faktisch gar keine Wahl haben, als sich den Mehrheitsbeschlüssen der großen Parteien entweder anzuschließen und eigene Gesetzesinitiativen Vorstöße schon zahlenmäßig als chancenlos betrachtet werden müssen.
Dir ist bewußt, dass es 5% der Mitglieder des Bundestags bedarf um eine Fraktion zu gründen und nur Fraktionen, neben der Bundesregierungen, die Möglichkeit haben Gesetzesentwürfe einzubringen?
Dir ist bewußt, dass es rund ein Viertel aller Bundestagsmitglieder bedarf um einen Untersuchungsausschuss zu gründen?
Im Fazit:
Du kannst dein Mantra noch so heftig wiederholen, du bist nach wie vor nicht in der Lage darzulegen, wie eine Interessenvertretung der Wähler durch Kleinstparteien im Bundestag bewerkstelligt werden soll. Abgesehen dass uns die Abgeordneten eine Menge Geld kosten würden, ist deren Einfluss auf die parlamentarische Arbeit gleich Null.
Demokratie heißt indes nicht: Jede Stimme wird gehört, sondern die Mehrheit an Stimmen entscheidet. Und im besonderen Fall der Bundesrepublik noch mit dem starken Zusatz des Minderheitenschutzes, wie er im Grundgesetz festgeschrieben ist und einer Tyrannei der Mehrheit entgegenwirkt. Letzteres ist übrigens sehr stark mit der AfD zu befürchten.
Unyu schrieb:
Liegt daran, das du etwas reininterpretieren willst, um mich ins schlechte Licht zu rücken. Übliche Praxis bei Diskussionen gegen ungeliebten Meinungen.
In Ordnung. Ich stelle dein Zitat noch einmal vor. Wir merken uns, ich
interpretiere aus dieser Aussage, dass du behauptest, die etablierten Parteien halten hauptsächlich aus dem Grund an der 5% Hürde fest, dass sie um ihren Machterhalt fürchten. Du sagst, dass stimmt so nicht, dass sagst du damit überhaupt nicht aus.
Unyu schrieb:
Aber im Bundestag wäre es eben ein Sitz, der der CDU fehlt und damit ein gut dotierter Ministerpöstchen für solche kleine Parteien wie die CSU, die gerade mal halb so Viele Stimmen wie die Sonstige geholt hat. Eine demokratische Abschaffung der Hürde wie im EU Parlament wird es daher nicht geben. Denn da müssten vor allem CDU und SPD zustimmen.
Ok, was möchtest du denn jetzt
konkret damit aussagen. Ich will schließlich nichts in deine Aussagen hinein interpretieren.
Unyu schrieb:
Dabei ist es doch so naheliegend, das man sich nicht den eigen Ast absägt. Alleine rein wirtschaftlich betrachtet.
Also doch Machterhalt....?
Möchtest du diese Aussage auch in irgendeiner Form belegen, also abgesehen von deinem "naheliegend". Naheliegend ist es übrigens auch, in Abwesenheit von stichhaltigen Argumenten irgendetwas zu behaupten und den Beweis dafür schuldig zu bleiben, während die Argumente für die 5% Hürde stichhaltig, nachlesbar und vor allem überprüfbar sind.
Beim Bund kennen wir den Spruch: "Klar, laut, falsch!" oder "Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit."
Unyu schrieb:
"Verringerung der Komplexität".
Übersetzt Meinungseinfalt. Also genau das, was die Wahl 2013 hervorgebracht hat. 4 Parteien, dabei kaum Uneinigkeit zwischen den Parteien.
Kann man machen. Drei Wörter aus einem ganzen Absatz herauslösen und darauf argumentieren.... kann man machen.... ja....
Hier nochmal der ganze Absatz:
Demokratische Politik ist der Versuch, mit einem fundamentalen Problem der Gesellschaftsgestaltung fertig zu werden: die millionenfache Vielfalt von einzelnen politischen Meinungen und Überzeugungen zu konkreten Entscheidungen zu verdichten, von denen man annehmen kann, dass eine Mehrheit der Bevölkerung sie unterstützt. Für diese Verdichtung (oder, um mit Niklas Luhmann zu sprechen: für diese Reduktion von Komplexität) <--- deine drei Worte gibt es in der repräsentativen Demokratie verschiedene Verfahren. Das wichtigste davon ist die Wahl des Parlaments, bei der aus den Stimmen von Millionen Bürgern die Mandate einiger hundert Abgeordneter werden.
Liest sich plötzlich etwas weniger drastisch. Wenn du mit dem
Absatz nicht einverstanden bist, hast du bestimmt eine Idee oder grobe Stoßrichtung, wie man dem fundamentalen Problem der Gesellschaftsgestaltung anders fertig werden könnte?
Unyu schrieb:
Was jedoch nicht aus dem Dossier hervorgeht ist der Grund für 750 Abgeordnete, wenn man doch wenig unterschiedliche Meinungen will. Liest sich so, als ob da 700 Abgeordnete Däumchen drehen würden. Weil eine eigene Meinung würde eine Zersplitterung der Meinungen bedeuten.
Das man wenig unterschiedliche Meinungen möchte, ist allein deiner Fantasie geschuldet. Das geht ja auch an keiner Stelle des Dossiers so hervor.
Im Gegenteil geht er sogar auf den Fall eines zersplitterten Parlaments und die tatsächlichen Gefahren für die parlamentarische Arbeit ein.
Die vielleicht größte Gefahr eines stark zersplitterten Parlaments aber ist, dass Mehrheiten nur noch durch eine dauerhafte Zusammenarbeit der größten Fraktionen zustande kommen
Und warum wir 750 Abgeordnete haben, kann auch gar nicht da drinnen stehen. Es sind nämlich 598 plus 32 Überhangmandate. 750 ist schon wieder eine "Was-Wäre-Wenn-Worst-Case" Fantasterei deinerseits.
Unyu schrieb:
Der Erfolg der CDU liegt nicht am Wahlprogramm!
Stimmt. Sondern aus den daraus entstandenen Handlungen.
Unyu schrieb:
Ein Anwesender vertritt die Interessen besser als ein Abwesender, der einen völlig anderen Partei angehört. Hatte ich doch dargelegt, die Sitze, die die Sonstigen bekommen würden, werden auf die übrigen Parteien verteilt. Ergo sitz da Jemand, der im Schlimmsten Fall exakt das Gegenteil von dem macht, was der Sonstige Wähler wollte.
Anwesende fraktionslose Abgeordnete (siehe oben) vertreten genau Niemanden Interesse, abgesehen die des Caterers in der Bundestagskantine. Abgeordnetenbezüge und Pensionsansprüche wären auch noch so eine Sache.
Unyu schrieb:
Erkläre du doch einfach, was dieser genannten Punkt irgendwie mit demokratischer Vertretung zu tun hat.
Nicht jede Stimme muß gehört werden, sondern ausschließlich die Mehrheit an Stimmen. Wir reden hier nicht von 15,7% Zweitstimmen einer Partei sondern im Schnitt von 0,65% pro Partei.