@ America's Army
c137 schrieb:
Dann beenden wir doch diese Meta-Diskussion: Einigen wir uns auf einen Maßstab. Dann kann man die dazu relative Einordnung von Spielen in diesem Thread diskutieren.
Vom Abstrakten ins Konkretere zu gehen ist hier eben ein bisschen aufwendig.
Aber lass mich das Problem veranschaulichen: Selbst bei einem für uns so offensichtlich ideologisch geprägten Spiel wie America's Army könnte ein US-Amerikaner (anderer Kulturkreis!) sagen, wir wären hier Anhänger einer amerikafeindlichen Ideologie, einfach weil er andere Werte hat und daher möglicherweise glaubt, dass AA die US Army korrekt darstellt.
Ähm, nope, diese 'Einigung' wäre ja der Stillstand der Diskussion. Nur verbunden mit der Frage, was Ideologie ist, lässt sich doch auch darüber diskutieren, ob Videospiele Ideologieträger sind. Nur bringt es niemanden was zu sagen: "Ideologie sind Werte und Zielvorstellungen". (Eine etwas unlautere Vermutung: Du hast dich vorher noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt, dann auf Wikipedia [das in Diskussionen kategorisch nicht benutzt werden sollte, das dient immer nur als Autoritätsargument] eine 'Definition' herausgesucht und redest um diese herum. Das wäre mir auch egal, wenn es nicht so enervierend wäre, immer gegen Leute anzudiskutieren, die ihre Ad-Hoc-Theorien krampfhaft verteidigen und dann Wikipedia als autoritären Rückzugsort nutzen. In jedem besseren Uni-Seminar wird man dazu aufgefordert, die Behauptungen, wenn schon nicht an einer Quelle, so doch zumindest am Diskussionsgegenstand zu belegen, also anstatt sich in den Höhen der Abstraktion zu verlieren, zu schreiben: Bei Spiel XY zeigt sich das hier und da, bei Spiel YX ist das ähnlich und zeigt sich in anderer Form dort und hier).
Du nimmst
America's Army als Beispiel, das ist doch schon mal ein Fortschritt. Du stellst eine Perspektive gegenüber, in der eine Person das Spiel verteidigt, eine andere es verachte. Begründest das aber mit einem sehr ominösen Faktor "Kulturkreis". Du hast ja schon gravierende Unterschiede zwischen Kuhdorf X und einem zwei Kilometer entfernten Kuhdorf Y, wie willst du da -
en passant - die Bewertung einfach so mit dem 'amerikanischen Kulturkreis' erklären. Die USA sind Beispiel schlechthin für einen föderalen Staat ("
e pluribus unum" im Sinne eines Blumenstraußes, nicht eines Schmelztiegels), es wäre also bereits ideologisch anzunehmen, hier handle es sich um eine homogenen 'Kulturkreis' - das ideologische Moment daran: Die Vorstellung - wie ich oben bei
WoW bereits erwähnte - die Welt sei in homogene Sippen und Horden naturwüchsig organisiert, was man heute dann aufgrund der Größe mal Kultur, mal Nation usw. nenne. Das ist insofern ideologisch, als das es ein gesellschaftliches Verhältnis einer bestimmen Zeit/Epoche tendenziell in einen Geschichtsstrom auflöst, der gar keine qualitative Veränderung, sondern nur Ausdifferenzierung kennt. Da ist dann eben alles nur 'Kulturkreis', was gerade bei den USA eine absurde Behauptung ist, da deren 'Kultur' ja gerade ein Musterbeispiel für 'kulturellen Vielfalt' wäre und nicht für Homogenität.
Es spricht also mehr für die These, diese Behauptung (wie auch die meisten anderen Behauptungen über die USA in diesem Thread) speist sich ebenso aus "amerikafeindlichen Ideologie" (wie du das nanntest), wie das Spiel selbst auch ideologisch - in einem banalem manipulationstheoretischem Sinne - ist, weil es junge Amerikaner dazu bringen soll, die Armee ganz dufte zu finden. Also kein Entweder/Oder oder gar ein "Im Kulturkreis der USA sieht man das so, hier sieht man das so", sondern eher ein 'sowohl als auch'.
Zudem ist das Spiel explizit von der Armee zur Manipulation entwickelt worden, was in einem ganz anderem Verhältnis steht zu z.B. der Battlefield-Reihe, deren hauptsächlicher Motivator die Wert-Verwertung ist, also Geld damit zu machen. Das gelte es bei diesem Beispiel gegenüberzustellen.
Man müsste diskutieren, welchen Unterschied das (direkte Manipulation als Ideoloie und Wert-Verwertung als Ideologiemotor) ausmacht. Nicht etwas ominöses wie "Amerikaner sehen das so, Deutsche so... fertig!"
---------------------------------------------
c137 schrieb:
... Grund ... Konsequenz ... subjektiv ... objektiv...
Das sollten wir tatsächlich stilllegen. Ich habe nicht das Gefühl, dass du dich damit einmal auseinandergesetzt hast. Zu jedem Erkenntnisprozess gehört ein Verhältnis und die Vermittlung von Subjektivem und Objektivem. Du schreibst so, als gebe es diesen Vermittlungsprozess, der sich Erkennen nennt, gar nicht, sondern redest hier einem Dualismus das Wort, der diese Pole einfach auseinanderreißt. Das kann man vielleicht im naiven Realismus der Naturwissenschaften machen, das ist sozusagen deren notwendige Prämisse für den Erkenntnisprozess. Aber doch nicht, wenn man über sowas wie Ideologien redet. Gänzlich suspekt wird es, wenn man behauptet, diese oder jene Idee oder Weltanschauung hätte irgendwann irgend jemand einfach so in die Welt gesetzt, Flatus vocis usw. und die hätte sich dann ganz zufällig von Subjekt zu Subjekt geschlichen (wäre das überzufällig, käme man nämlich wieder auf jene objektive Bedingungen, die dafür sorgten, das einige Ideen/Ideologien sich durchsetzten, andere nicht) Das sind Positionen der Frühscholastik, die, wenn man sich ein wenig damit auseinandergesetzt hätte, nicht bedienen würde. Im Common Sense ist natürlich alles irgendwie subjektiv und relativ... da kann man sich dann aber wirklich die Diskussion sparen.
Edit: Was ich in diesem Kontext vergaß: Dein Vorgehen enthält auch einen sog. performativen Widerspruch: In deiner Argumentation willst du ja meine Behauptungen widerlegen - du argumentierst dagegen. Das kann man aber ja nur, wenn man - wie ich oben bereits schrieb - notwendig unterstellt, dass ein Diskussionsgegenstand auch objektiv erkannt werden kann. Der Inhalt deiner Argumentation (alles ist irgendwie subjektiv) unterminiert deinen Anspruch, meine Argumente/Sichtweise/Meinung als falsch oder zumindest weniger plausibel im Vergleich dastehen zu lassen. Das lässt sich ja nur tun, wenn man einen Maßstab unterstellt, auf dessen Grundlage sich das entscheiden ließe. Sonst könnte man sich
Gegenargumente sparen, sondern jeder sagt einmal seine Meinung und dann ist man fertig. Wenn man aber in einer Diskussion herausschälen will, welche Meinung plausibler oder gar richtig ist im Vergleich zu einer anderen, muss man notwendig unterstellen, dass man das erkennen kann. Wenn der Entwickler von
America's Army analog zu dem Beispiel "Ich glaube an Gott" (was deiner Meinung nach 'absolut objektiv wahr' sei) sagt "ich habe das Spiel entwickelt, damit junge Menschen Spaß haben, nicht mehr, keine weitere Absicht dahinter" oder (was sie tatsächlich sagen) "damit sollen Jugendliche sich nur über die Armee informieren, nicht mehr" müsste das ebenso "absolut objektiv wahr" sein. Und das ist ja nun offensichtlich absurd. Woher kommt also deine Überzeugung, America's Army sei ideologisch, wenn die Entwickler doch sagen, dass es das nicht sei?