Es kommt halt auch immer ganz drauf an, was für Regeln aufgestellt werden, wofür die Regeln gemacht sind und was sie nach sich ziehen.
Eigentlich ist das Thema ja wirklich nicht lustig, obwohl rabenschwarzer Humor und trockene Wahrheit meist zur mittelbaren Heilung von illusionsgeplagten und unter Realitätsverlust leidenden Eltern und Lehrern führen.
Nur auf das "wie" kommt es an. Und da in meinem Fall, der ja (zumindest was die Sichtweise der Schule betrifft) nicht so weit vom Druchschnitt weg ist, das "wie" einfach nur ein Schnellschuss von überforderten Pädagogen war konnte ich nicht mehr ganz an mich halten.
Denn ich sehe das Problem, dass sich die Jugend und die Medienkompetenz der Schüler (auch der Siebtklässler) schneller entwickelt haben als die Kompetenzen der meisten Lehrer und Politiker.
Und wie das immer so ist haben die Lehrer und Politiker die sich in der Verantwortung sehen, was ja erstmal sehr löblich ist denn soviele gibts davon nicht, vor dem Unbekannten Angst.
Insbesondere wenn dann Kinder anfangen Pornos zu gucken und Gewaltvideos zu drehen.
Bei einigermaßen gut erzogenen Jugendlichen sind zumindest Pornos und Fun-Videos nicht soooo das Problem (weil die davon ja nicht direkt Schaden nehmen), aber diese Gewaltvideos sind ja eine reale Bedrohung von körperlicher bzw seelischer Unversehrtheit der Kinder/Jugendlichen und nicht im Ansatz weniger gefährlich als Gewalttäter und Vergewaltiger die vor Schulen rumlungern (ja, das ist überspitz).
Die Lösung KANN aber nicht sein die Defizite in Medien- und Technikkompetenz auf seiten des Lehrpersonals dadurch zu egalisiern, dass man den Schülern einfach alles wegnimmt oder verbietet.
Denn erstens kann man gar nicht alles überwachen wie man an den Toiletten gesehen hat, auf denen dann Tippgeräusche das Plätschern und Platschen vom üblichen Geschäft ersetzt haben.
Zweitens will auch kein vernünftig denkender Mensch aus Selbstzweck einen Überwachungsstaat an der Schule schaffen.
Und drittens hat man in der DDR ganz gut gesehen, wohin der massenhafte Raub von Selbstbestimmung und Entfaltungsfreiheit führt.
Elektrokrams zu verbieten bzw. dessen Nutzung zu unterbinden kann also keine Lösung sein, denn die Entwicklung zur vollelektronischen Informationsgesellschaft hat unaufhaltsam begonnen und wird sicher nicht an den Schulen gestoppt.
Man muss also bereits bei den kleinsten Kiddies dafür sorgen, dass ihnen die Technik mit ihren vernünftigen Seiten näher gebracht wird und ihnen die Verantwortung vor Augen führen, die sie tragen.
Als ich in den USA zur Schule gegangen bin, gab es eine Fahrschulklasse für alle Schüler in der ECHTE Videos von Unfällen und toten Jugendlichen gezeigt wurden die Alkohol getrunken haben und Auto gefahren sind. Dort wurden Leute interviewt und begleitet die schwer Drogenabhängig waren und in hohem Maße selbstzerstörerisch gelebt haben.
Es wurden Schüler die schon lange auf der Schule waren und vertrauenswürdig waren dazu genutzt um einen Verkauf von Drogen und Betäubungsmitteln in der Schule zu betreiben.
Und außer den "Käufern" und "Dealern" waren keine Schüler eingeweiht, es wussten alle nur von dem Gerücht das "der da" ein Dealer ist und "der da" ein Junkie.
Die nächste Woche kam die D.E.A. (Drug Enforcement Agency, Spezialeinheit zur Bekämpfung von Drogen) mit voller Bewaffnung und Helikoptern und Straßensperren und hat die Leute IM KLASSENRAUM aufgesucht, verhaftet und abtransportiert.
Verdammt hat das gesessen. Da denkt man nicht nur zwei- oder dreimal drüber nach ob man wirklich versuchen soll an einen Joint zu kommen.
Dort wurden Stuntmen engagiert die direkt auf der Straße vor der Schule und vor den Augen der zur Sommeransprache versammelten Schülerschaft einen Verkehrsunfall gespielt haben.
Die haben einen ECHTEN Unfall direkt vor den Augen der Schüler inszeniert und erst als ein "Toter" und drei "Schwerverletzte" mit Hubschrauber und Polizei- bzw. Feuerwehr abtransportiert waren wurde gesagt dass es nur Show war.
Ich war absolut geschockt, weil vor meinen Augen jemand "gestorben" ist und ein Wagen ausgebrannt ist.
Eins steht fest, die Jungs und Mädels haben nicht vorm Fahren Alkohol getrunken.
Und genaus DAS ist die Art von Vermittlung von sozialen Werten und Verhaltensregeln die nötig ist.
Kein Lehrer ist Schuld, wenn nur 20% der Klasse wirklich mit dem Kopf zuhören wenn er über Gewaltvideos spricht und wie schlimm das ist.
Aber wenn man 80% der Schüler nicht durch Frontalunterricht zu solchen Themen erreicht, dann muss man... nein dann DARF man nicht versuchen 100% der Schüler mit einem Verbot zu beeindrucken.
Denn solange man das Verbot nicht vor den Augen der Allgemeinheit durchsetzt wird das nichts.
Und Handys auf dem Klo zu verbieten ist wohl ECHT schwierig.
Also muss man kreativ sein und mit Workshops und Dialogen zu den Schülern vordringen.
Denn wenn du die ganzen Kids auf deiner Seite hast, dann bringen die den Lehrern bei mit der neuen Technik umzugehen und alle haben gewonnen.
Dann kann ich in der Schule ganz normal meine Musik hören und in der Pause mal telefonieren wenn ich damit keinen störe.
Dann können sich alle über die PowerPoints freuen, ohne die ein Vortrag meist nur halb so interessant ist.
Und vor allem wird dann kein künstlicher Streit zwischen Schülern und Lehrern gesäht, der nur aus der pflichtbewussten Durchsetzung von kontraproduktiven Regeln rührt...
Ich habe fertig.
Grüße vom:
Jokener
P.S.: Das war jetzt vielleicht nicht so lustig wie mein letzter Beitrag, soll aber zeigen dass ich mir durchaus meine Gedanken gemacht habe und nicht nur Regeln brechen will weil sie grade da sind.