- Registriert
- Okt. 2008
- Beiträge
- 783
Hallo zusammen,
ich möchte hiermit mal eine Grundsatzdiskussion zur aktuellen gesetzlichen Lage in Deutschland und eurer Meiung zum Thema Notwehr beginnen. Hintergrund ist, dass ich in vergangener Zeit verhäuft das Gefühl habe, dass das Recht manchmal mehr auf der Seite der Täter zu stehen scheint, als dass es die Opfer schützt.
Zuerst mal die gesetzliche Definition gemäß §227 Abs. 2 BGB:
Prinzipiell wird man jetzt sagen, dass die Notwehrhandlung auch in einer gesunden Relation zur aktuellen Bedrohung stehen muss. Wenn mir also jemand auf der Straße aufgrund seiner schlechten Laune Prügel androht, schieße ich ihm deshalb nicht gleich eine Kugel in den Kopf oder ramme ihm ein Messer in die Kehle mit der Begründung "der hat mein Leben bedroht". Das würde natürlich - vollkommen zurecht - vor keinem Gericht in diesem Land standhalten.
Aber gehen wir mal von einer ernsthaften Situation aus:
Angenommen, ich bin abends alleine unterwegs und werde von einer Gruppe, die mir eindeutig überlegen ist, bedroht und man möchte mich um mein Bargeld, Handy und eventuelle andere Wertgegenstände die ich bei mir trage erleichtern. Es ist ja nicht so, dass Fälle dieser Art selten passieren würden. Generell steht mir jetzt das Recht zu, mich dagegen zur Wehr zu setzen (Grundsatz "Das Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen"). Gehen wir auch mal davon aus, dass ich umzingelt bin und somit die Möglichkeit zur Flucht nicht mehr gegeben ist.
Und hier setzt die Frage an, was in dieser Situation als angemessen gilt: ich weiß, dass wenn ich die verlangten Wertgegenstände nicht freiwillig herausrücke, meine Gesundheit oder gar mein Leben akut bedroht ist. Die Herren werden mich nämlich kein zweites Mal freundlich bitten. Weiterhin kann ich doch nicht wissen, ob die mich jetzt nur ein Bisschen zusammentrimmen wollen um mir eine Lektion zu erteilen, oder ob die sogar meinen Tod in Kauf nehmen würden. Ich nenne da mal den Fall Dominik Brunner, der Zivilcourage gezeigt hat und dafür sein Leben lassen musste. Als er den Jugendlichen in der Bahn geholfen hat, wird er wohl auch nicht damit gerechnet haben, dass er in einigen Minuten tot sein wird. Ich persönlich würde also grundsätzlich vom schlimmsten Fall ausgehen, und das ist nunmal die Bedrohung meines Lebens. Steht mir also nun das Recht zu, mich mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen? Zum Beispiel den erstbesten Angreifer mit einem Messerstich niederzustrecken, auch wenn ich dadurch den eigentlichen körperlichen Angriff beginne? Denn wenn ich erst mal warte, bis der erste Angreifer zugeschlagen hat, kann es bereits zu spät sein. Wenn der Schlag sitzt, bin ich möglicherweise nicht mehr in der Lage mich zu wehren, noch dazu wenn der Rest dann über mich herfällt.
Ich war dieses Jahr für sechs Monate in den USA und habe dort jemanden aus Kentucky kennengelernt, der mir was Interessantes zu dem Thema erzählt hat. Ohne verifiziert zu haben ob es tatsächlich stimmt (also Achtung: Halbwissen!), hier mal seine Aussage zur rechtlichen Lage in seinem Staat: bricht jemand in sein Haus ein, hat er das Recht ihn durch einen Schuss seiner Waffe kampfunfähig zu machen (z.B. Schuss in Arm, Bein, Schulter). Hindert ihn das allerdings nicht am Fortsetzen seiner Tat (z.B. weil er unter Drogen steht) und er kommt weiter auf ihn zu, darf er ihn auch mit einem tödlichen Schuss niederstrecken.
Sollte mir dieses oder ein vergleichbares Recht nicht auch in Deutschland zustehen? Ich bin ja schließlich nicht daran Schuld, dass der Kerl in mein Haus eingebrochen ist oder jemand versucht mich auf der Straße auszurauben. Die Täter haben sich ja selbst dafür entschieden, also sollten sie auch mit allen möglichen Konsequenzen rechnen.
Ich bin vor einigen Jahren selbst in eine Situation verwickelt gewesen, wo ein wildfremder Typ vollkommen grundlos auf offener Straße plötzlich auf mich eingeprügelt hat. Ich habe den nie zuvor gesehen, geschweige denn ihm irgendwas getan. Nachdem er mich erst lautstark beleidigt hat und ich erst versuchte die Lage zu deeskalieren hatte ich plötzlich eine Faust im Gesicht. Darauf habe ich mein Messer gezogen, das ich zufällig noch in der Tasche hatte (normalerweise trage ich keins mit mir herum) und habe ihn damit bedroht. Damit aber wirklich zuzustechen hätte ich nicht gewagt, weil ich genau wusste, dass ich sonst nachher auf der Anklagebank sitzen würde. Um das zu vermeiden nehme ich auch gerne mal ein angeknackstes Nasenbein in Kauf.
Eure Meinungen?
ich möchte hiermit mal eine Grundsatzdiskussion zur aktuellen gesetzlichen Lage in Deutschland und eurer Meiung zum Thema Notwehr beginnen. Hintergrund ist, dass ich in vergangener Zeit verhäuft das Gefühl habe, dass das Recht manchmal mehr auf der Seite der Täter zu stehen scheint, als dass es die Opfer schützt.
Zuerst mal die gesetzliche Definition gemäß §227 Abs. 2 BGB:
Notwehr ist diejenige Verteidigung, welche erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.
Prinzipiell wird man jetzt sagen, dass die Notwehrhandlung auch in einer gesunden Relation zur aktuellen Bedrohung stehen muss. Wenn mir also jemand auf der Straße aufgrund seiner schlechten Laune Prügel androht, schieße ich ihm deshalb nicht gleich eine Kugel in den Kopf oder ramme ihm ein Messer in die Kehle mit der Begründung "der hat mein Leben bedroht". Das würde natürlich - vollkommen zurecht - vor keinem Gericht in diesem Land standhalten.
Aber gehen wir mal von einer ernsthaften Situation aus:
Angenommen, ich bin abends alleine unterwegs und werde von einer Gruppe, die mir eindeutig überlegen ist, bedroht und man möchte mich um mein Bargeld, Handy und eventuelle andere Wertgegenstände die ich bei mir trage erleichtern. Es ist ja nicht so, dass Fälle dieser Art selten passieren würden. Generell steht mir jetzt das Recht zu, mich dagegen zur Wehr zu setzen (Grundsatz "Das Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen"). Gehen wir auch mal davon aus, dass ich umzingelt bin und somit die Möglichkeit zur Flucht nicht mehr gegeben ist.
Und hier setzt die Frage an, was in dieser Situation als angemessen gilt: ich weiß, dass wenn ich die verlangten Wertgegenstände nicht freiwillig herausrücke, meine Gesundheit oder gar mein Leben akut bedroht ist. Die Herren werden mich nämlich kein zweites Mal freundlich bitten. Weiterhin kann ich doch nicht wissen, ob die mich jetzt nur ein Bisschen zusammentrimmen wollen um mir eine Lektion zu erteilen, oder ob die sogar meinen Tod in Kauf nehmen würden. Ich nenne da mal den Fall Dominik Brunner, der Zivilcourage gezeigt hat und dafür sein Leben lassen musste. Als er den Jugendlichen in der Bahn geholfen hat, wird er wohl auch nicht damit gerechnet haben, dass er in einigen Minuten tot sein wird. Ich persönlich würde also grundsätzlich vom schlimmsten Fall ausgehen, und das ist nunmal die Bedrohung meines Lebens. Steht mir also nun das Recht zu, mich mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen? Zum Beispiel den erstbesten Angreifer mit einem Messerstich niederzustrecken, auch wenn ich dadurch den eigentlichen körperlichen Angriff beginne? Denn wenn ich erst mal warte, bis der erste Angreifer zugeschlagen hat, kann es bereits zu spät sein. Wenn der Schlag sitzt, bin ich möglicherweise nicht mehr in der Lage mich zu wehren, noch dazu wenn der Rest dann über mich herfällt.
Ich war dieses Jahr für sechs Monate in den USA und habe dort jemanden aus Kentucky kennengelernt, der mir was Interessantes zu dem Thema erzählt hat. Ohne verifiziert zu haben ob es tatsächlich stimmt (also Achtung: Halbwissen!), hier mal seine Aussage zur rechtlichen Lage in seinem Staat: bricht jemand in sein Haus ein, hat er das Recht ihn durch einen Schuss seiner Waffe kampfunfähig zu machen (z.B. Schuss in Arm, Bein, Schulter). Hindert ihn das allerdings nicht am Fortsetzen seiner Tat (z.B. weil er unter Drogen steht) und er kommt weiter auf ihn zu, darf er ihn auch mit einem tödlichen Schuss niederstrecken.
Sollte mir dieses oder ein vergleichbares Recht nicht auch in Deutschland zustehen? Ich bin ja schließlich nicht daran Schuld, dass der Kerl in mein Haus eingebrochen ist oder jemand versucht mich auf der Straße auszurauben. Die Täter haben sich ja selbst dafür entschieden, also sollten sie auch mit allen möglichen Konsequenzen rechnen.
Ich bin vor einigen Jahren selbst in eine Situation verwickelt gewesen, wo ein wildfremder Typ vollkommen grundlos auf offener Straße plötzlich auf mich eingeprügelt hat. Ich habe den nie zuvor gesehen, geschweige denn ihm irgendwas getan. Nachdem er mich erst lautstark beleidigt hat und ich erst versuchte die Lage zu deeskalieren hatte ich plötzlich eine Faust im Gesicht. Darauf habe ich mein Messer gezogen, das ich zufällig noch in der Tasche hatte (normalerweise trage ich keins mit mir herum) und habe ihn damit bedroht. Damit aber wirklich zuzustechen hätte ich nicht gewagt, weil ich genau wusste, dass ich sonst nachher auf der Anklagebank sitzen würde. Um das zu vermeiden nehme ich auch gerne mal ein angeknackstes Nasenbein in Kauf.
Eure Meinungen?

Zuletzt bearbeitet: