Wo fängt Notwehr an und wo hört sie auf?

@el.com

Man muss aber auch beachten, dass Medien grundsätzlich nach skandalträchtigen Einzelschicksalen suchen. Von daher wäre ich mit solchen Pauschalisierungen vorsichtig. Gleiches gilt für bello174 - gibt vermutlich noch genug "freundschaftliche" Kloppereien, aber die interessieren niemanden.
 
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Chepre schrieb:
nach einem eingesteckten Treffer,kann man und darf man sich auch verteidigen(nicht grade mit einem Messer bzw. Waffe,versteht sich von selbst).

Tja und das ist meiner Ansicht nach ein Problem. Vorweg: Ich bin kein Schläger, habe keine ewig lange Liste von Vorstrafen, suche nicht ständig Streit etc. Aber:

Wie lange soll man denn in so einer Situation - Unterzahl, Gegner auf Streit aus etc. - versuchen innerhalb der Notwehrgrenzen zu bleiben ? Was passiert denn wohl, wenn meine "Notwehr" aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen zu lasch ausfällt und die Situation dadurch nur eskaliert? Muss man sich wirklich gegen 4 oder 5 Leute im unbewaffneten Faustkampf stellen ? Da kann ich mich gleich auf den Boden werfen und flehen. Wenn es so wäre und Richter mehrheitlich so entscheiden, dann ist das ganze ein Papiertiger.
 
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h3@d1355_h0r53 schrieb:
Habe selber vor knapp 2 Wochen zugesehen wie ein Assi in Stuttgart bei den U Bahnen mit einer Paintballmaske nem anderen die Augenbraue aufgeschlagen hat (hing so halb weg) und die Nase blutig schlug. Da der Täter offensichtlich unter Drogeneinfluss war, ca. 2 Meter groß war und ~5 Kumpels mit ihm waren, bin ich nicht dazwischen aber direkt zur Polizeidienststelle, die 200 Meter entfernt war. Was ich dann erlebte ist so armselig für unseren Staat, da die 2 Beamten keinen Bock hatten, nach der Schlägerei zu sehen. Als ich sie auf ihre Pflicht mehrmals hinwies, lief der Täter samt Freunden an uns vorbei, rauchte eine und ging zur S-Bahn runter, die Polizei machte nichts und ging einfach in eine andere Richtung weg, meinten noch ich könne ja die anderen Beamten im Revier fragen... Bis die mich dann nach dem Klingeln ins Revier reingelassen haben war der Typ natürlich schon längst weg. Und jetzt zeige Mal Polizisten an wegen unterlassener Hilfeleistung, das verläuft sich komplett im Sand. Für uns hier in Stuttgart stehen solche Überfälle leider fast an der Tagesordnung (steht immer was in der Zeitung), aber "unsere" Polizei prügelt ja lieber Kinder auf Demonstrationen (bzw. hunderte Kollegen schauen dabei zu), schießt alte/junge/Rollstuhlfahrer mit Wasserwerfern ab oder sprüht Pfefferspray wahllos in die Menge, etc... Was ich damit sagen will, auf die Polizei ist kein Verlass.

OMG. Ich bin sprachlos. Das darf doch nicht wahr sein. o.O


Bezüglich des Eingreifens, wenn jemand anderes angegriffen/belästigt wird. Ich hab auch mal von einem Fall gehört, wo ein offenbar betrunkener Mann eine Frau massivst belästigt bzw. handgreiflich geworden ist. Daraufhin kam ein "Helfer" vorbei und griff den Mann an, der sich daraufhin die Nase brach. Vor Gericht bekam der Täter Recht und Schmerzensgeld vom eigentlichen "Helfer".

Solche Fälle Zeigen immer, wie armselig der Deutsche Staat sin solchen Fällen agiert. Die Zahl der Körperverletzungen ist in den letzten Jahren ständig gestiegen, was unternimmt der Deutsche Staat dagegen... fast gar nichts. :( Einfach nur noch traurig.


MFG Matze
 
ganz trivial gesagt beginnt Notwehr da, wo du selbst bei Nichtstun körperlichen Schaden nehmen würdest.

Die Aussage ist so trivial, wie sie falsch ist.

Notwehrfähig ist nicht nur die körperliche Unversehrtheit sondern bspw. auch das Eigentum oder die persönliche Ehre.

ich weiss nicht ob es auch noch gilt wenn ein anderer körperlichen Schaden nehmen würde.

Wenn sich ein Angriff auf Rechtsgüter eines anderen richtet, dann kann man diesen unter den Vss. der Notwehr ebenfalls abwehren (Nothilfe).
 
Ich hatte vorallem bezüglich der Zivilcourage mal eine Unterhaltung mit einem bekannten Polizisten. Ein Beispiel des Einmischens und danach als Dummer dastehen wurde ja bereits genannt.
Der Polizist meinte das gerade wenn du solche Situationen siehst bereits mit deiner Stimme sehr viel ausmachen kannst. Ein Unverhofftes lautes "Halt, Polizei" (oder ähnliches) kann Wunder bewirken (und wenn du schnell im rennen bist reicht es vielleicht um vom Opfer abzulenken um diesem dann wiederum die Flucht zu ermöglichen). Die meisten die dich belästigen sind sich ihrer Sache nicht genug sicher und lassen sich relativ einfach von ihrem Vorhaben abbringe. Deeskalation wird nicht umsonst in der Ausbildung eines Polizisten grossgeschrieben.
Natürlich schützt eine Uniform nicht vor Angriffen.
Ich weiss nicht wie das bei euch in Deutschland ist, bei uns kommt immer wieder die Diskussion der Stopmunition auf. Einige Stadtpolizeistellen setzen diese ein, andere nicht. Für viele Politiker ist diese Munition ein Dorn im Auge da sie schwere Verletzungen herbeiführen kann, für die meisten Hüter des Gesetzes sind genau diese jedoch unverzichtbar. Ein Schuss in die Bauchgegend stoppt ein auf dich Zurennender nicht sofort, der macht noch ein paar Meter und hat keine Probleme das Messer genüsslich in dich hineinzustossen. Ausserdem muss immer darauf geachtet werden das niemand durch den Querschläger verletzt werden kann. Alles Nachteile die in Kauf genommen werden um die Verletzung eines Kriminellen zu schmälern... Der Kollege sagte selbst das ein Angriff mit einem Messer etwas vom Gefährlichsten ist das ist man froh wenn man ihn weit von sich halten kann.
Ergo ist es in jedem Fall besser frühzeitig das Weite suchen oder verbal sein bestes zu geben. Jeder Angriff seitens vom Opfer macht die Sache nur schlimmer.
 
Manchmal ist leider
Schläpfi schrieb:
Angriff seitens vom Opfer
die einzige Möglichkeit, um
Schläpfi schrieb:
zu können.

Gerade wenn man z.B. von einer Gruppe offensichtlich Gewaltbereiter eingekreist wird, ist der sofortige Einsatz der maximal vertretbaren Gewalt u.U. der einzige fluchtermöglichende Weg.

Ich werde, sollte ich jemals in eine solche Situation kommen, jedenfalls nicht versuchen rauszufinden ob ich die Gruppe auch noch verbal davon abhalten kann, mich zusammenzuschlagen/auszurauben usw.
Was für ein böser Mensch ich doch bin . . . :freak:
 
Sehe ich auch so ähnlich.
 
Zuletzt bearbeitet:
mdave schrieb:
Ich werde, sollte ich jemals in eine solche Situation kommen, jedenfalls nicht versuchen rauszufinden ob ich die Gruppe auch noch verbal davon abhalten kann, mich zusammenzuschlagen/auszurauben usw.
Was für ein böser Mensch ich doch bin . . . :freak:

Was dann? die 5 Jungs mit deinen Laseraugen erschießen? ;)

maeusekuchen schrieb:
Leider überschätzen sich 99 % aller Beteiligten - auf beiden Seiten ...
 
Situation von dir ist gut beschrieben, ich war glücklicherweise noch nicht in so einer.

Die beste Strategie ist immer Deeskalation. Nur wenn das nicht mehr hilft, worunter ich auch das Entfernen vom Gefahrenort zähle, kann man bzw. muss man als Opfer Gewalt einsetzen.

In dem Punkt gebe ich dir Recht, normalerweise sollte dir Notwehr erlauben, den Täter sofort kampfunfähig zu machen, auch wenn du ihn dabei tötest. (was ja dann seine Schuld ist und nicht deine möge man meinen.)

Die deutsche Gesetzeslage wird dich in diesem Fall leider zu dem Täter machen und der eigentliche Schädling ist das Opfer.

Da ist uns die USA einen guten Schritt voraus. Die Story mit der Waffe und dem Hausrecht ist mir auch so bekannt. Könnte mir gut vorstellen, dass das erlaubt ist. Wobei ich sagen muss, ich bin kein Waffen Freund und auch nicht dafür das Waffenrecht der Amys zu kopieren.
 
Solange man rein theoretisch diskutiert kann man natürlich immer viel sagen.
Aber wenn man nicht vorher drüber nachgedacht hat, dann muss man es in der Situation tun, in der schlicht die Zeit dazu fehlt.
Ich persönlich weiß zu 100%, was ich in welcher Situation tun wollen würde.
Ob ich es jeweils hinbekomme das auch abzurufen, was ich vorher für mich beschlossen habe, das ist sicher noch eine andere Sache.
Bisher bin ich zum Beispiel noch nie von jemandem bedroht worden, vor dem ich tatsächlich Angst hatte.
Also Angst im Sinne von emotionaler Angst und damit wahrscheinlich einhergehendem Verlust rationaler Denkweisen.

Andererseits hat mir schonmal jemand eine Pistole an den Kopf gehalten.
Eine Privatparty in einem gemieteten Raum war gerade vorbei und ich noch mit anderen am aufräumen.
Plötzlich kommen drei unbekannte, sturzbesoffene Gestalten rein (Party in einer gemieteten Lokalität, Türen waren logischerweise offen) und wollten noch saufen (waren keine Partygäste).
Direkt nach der Ankunft der Drei hat einer von denen mit dem Handy "seine Leute" angerufen und gesagt, dass es kostenlosen "Alk" gibt und wo sie waren.
Nach erst freundlicher Aufforderung zu gehen, folgender deutlicher Aufforderung SOFORT zu gehen und der Androhung die Polizei zu rufen zieht einer der Drei eine Pistole aus seinem Hosenbund.
(Die hatte ich vorher nicht gesehen, damit auch nicht gerechnet, aber die Situation in Gedanken viel früher schonmal durchgespielt.)
Zu dem Zeitpunkt war niemand mehr am Aufräumen, sondern alle Leute (die 3 Chaoten, 4 Helfer und ich) konzentrierten sich auf die Auseinandersetzung.
Natürlich war mir die prinzipielle Gefahr bewusst, aber die Überlegenheit hatte ich gefühlt auf meiner Seite (Ich war 100% nüchtern und körperlich hätte ich zumindest zwei von denen alleine überwältigen können).
Mir war auch schon länger klar, dass diese Auseinandersetzung nicht friedlich enden würde, obwohl ich mit der Waffe nicht gerechnet habe.
Ich hatte also die Umgebung schon nach Flaschen oder sonstigem abgesucht, es gab aber nichts was ich direkt hätte greifen können.
Im Nachhinein kann ich nicht mehr sagen, ob mir wirklich aktiv bewusst war, dass die Pistole noch gesichert war.
Trotzdem habe ich einen Moment seiner Achtlosigkeit, er war grad dabei mich anzuschreien und den übergebliebenen Alkohol zu fordern, sofort genutzt und zugeschlagen.
Der erste Schlag gegen die Hand mit der Waffe, der zweite ins Gesicht und dann habe ich seinen Kopf in Richtung einer steinernen Fensterbank geschickt.
Ich habe dann noch mehrfach, so ca. drei bis fünf Mal, mit voller Kraft auf Arme und Oberkörper eingetreten.
Was genau ich ihm dabei an Verletzungen zugefügt habe kann ich nicht sagen, aber gebrochene Knochen waren definitiv dabei.
Die Waffe lag auf dem Boden, der Typ war komplett außer Gefecht (aber nicht bewusstlos) und ich konnte die Pistole an mich nehmen.
Hätte ich in der Situation erst nachdenken müssen, was ich machen möchte, dann hätte ich mich vielleicht anders verhalten.
Jedenfalls haben die anderen beiden dann, nachdem ich ihnen mit der von mir entsicherten Pistole gedroht habe, ihren Kumpel genommen und sind mit ihm abgehauen.
Die anderen beiden sind nicht so aggressiv gewesen wie der Pistolen-Typ, waren von der Pistole offensichtlich selbst überrascht und haben auch keine Anstalten gemacht einzuschreiten oder loszuprügeln...

Danach habe ich mich sofort mit "meinen" Leuten ins Auto gesetzt und bin zur Polizei.
(Um die Waffe abzugeben und damit die nach den Typen suchen konnten, außerdem waren ja noch mehr Typen unterwegs zu dem Haus der Auseinandersetzung.)
Gefunden wurden die damals nicht und die Pistole war "nur" eine Gaspistole.
Es kam dann nur ein Amtsarzt vorbei, der die Verletzung an meiner Hand (vom Schlag ins Gesicht) dokumentiert hat und uns alle einmal durgecheckt hat.
Die Ermittlung wurde dann recht zügig eingestellt, weil die Typen halt trotz halbwegs akkurater Beschreibung nicht zu finden waren.

In der Situation hat es mir jedenfalls sehr geholfen, dass ich in Gedanken schonmal alles durchgespielt hatte.
Der Effekt ist der gleiche wie der eines Fahrsicherheitstrainings, was auch dazu führt, dass bestimmte Reaktionen automatisiert werden können.

Und wenn ich im Nachhinein eine Sache bereue, dann nur, dass ich den Typen nicht schwerer verletzt habe.
(Ins Krankenhaus ist er nicht gegangen, aber solange ich ihm keinen Arm gebrochen habe wäre das ja auch nicht nötig gewesen...)
Ich hätte ihm ein Knie zerstören, einen Arm brechen oder eine sehr schwere Gehirnerschütterung zufügen sollen.
Damit hätte er zu einem Arzt gehen müssen und man hätte ihn dranbekommen.

Rechtlich kann man das ganze natürlich bewerten wie man möchte.
Es gab jedenfalls nie eine Untersuchung gegen mich, obwohl ich auch der Polizei gesagt habe, das ich auf ihn eingetreten habe.
Der Polizist meinte dann nur, dass es zwar keine 3-Sekunden-Regel gibt, aber ich ja nicht wissen konnte ob er außer Gefecht war oder nicht.
Und ohne den Typen gesehen zu haben konnte die Polizei ja auch nicht feststellen wie viel er abbekommen hat.
Es gab dann später nochmal eine Diskussion inwiefern ich mich korrekt verhalten habe, ob ich die aggressive Grundstimmung verstärkt habe.
Aber ich hatte ja vier Zeugen/Zeuginnen, die mein Auftreten als sehr bestimmt, aber nicht agressiv beschrieben haben.
(Lustigerweise war der "Dialog" zwischen mir und dem Pistolen-Typen von jeder Person anders beschrieben worden, der grundsätzliche Inhalt passte aber zusammen...)

Von daher sehe ich es genau so wie mdave: Wenn ich bedroht werde, dann setze ich erstmal alle mir zur Verfügung stehende Gewalt ein.
Von herumstehenden Flaschen, Messern, Schusswaffen oder Wurf-Objekten würde ich alles und jederzeit benutzen.
Und zwar mit der schlichten und grundsätzlichen Intention erstmal soviel Schaden anzurichten wie mir irgend möglich.
Wer mich zum zuschlagen bekommt, der hat genug falsch gemacht, dass ich unter keinen Umständen Gewissensbisse bekommen muss, egal wie der andere aus dieser Situation hervorgeht.
Denn auch wenn sich das jetzt alles recht martialisch liest... Ich bin ein zutiefst friedfertiger, geselliger und freundlicher Mensch, solange man mir nichts tut.
Wenn es eine Möglichkeit der Deeskalation gibt, dann ist die natürlich immer vorzuziehen.
Wenn man weglaufen kann und davon ausgehen kann auch davonzukommen, dann sollte man die Konfrontation vermeiden. (Vielleicht ist/sind der/die andere(n) ernsthaft gefährlich, weiß man ja nicht.)
Aber wenn es dann mal zum äußersten kommt, dann ist es mir schlicht egal, was dem anderen passiert, solange ich selbst davonkomme.

Grüße vom:
Jokener

P.S.: Wer denkt ich habe keine Ahnung davon und kann nicht abschätzen, wie es sich anfühlt jemanden zu töten... Stimmt.
Aber direkt vor meiner Haustür gabs mal einen Unfall mit einem Motorradfahrer.
Ich habe es von drinnen gehört und bin sofort rausgerannt.
Mein Erste-Hilfe-Training vom Führerschein war erst wenige Monat her, also hab ich auch richtig gehandelt.
Bevor ich beim Motorradfahrer war, hatte ich schon den Krankenwagen gerufen und der braucht zu mir nur zwei Minuten Fahrzeit.
Trotzdem ist der Mann in meinen Händen gestorben, weil schlichtweg nichts mehr zu machen war.
(Abends, Massiv überhöhte Geschwindigkeit, Kreuzung ohne Ampel, seitlich in ein Auto, auf/gegen den Bordstein an der Ecke gestoßen/gerutscht/geflogen...)
Geschockt war ich dann schon etwas, nachdem der erste Krankenwagen mit dem Motorradfahrer weg war und er Notarzt sich um mich und den unverletzten Autofahrer kümmern konnte.
Aber nach 10 Minuten konnte ich wieder klar denken, 4 Red Bull und 3 Liter Cola später gings mir wieder gut.
Ich habe zwar noch nachgedacht, ob ich was falsch gemacht habe und ob ich ihn hätte retten können...
Nachdem die Überlegung aber fertig gedacht war und ich keinen wirklichen Fehler finden konnte bin ich ins Bett gegangen und hab seelenruhig geschlafen.
(Mein einziger "Fehler" war, dass ich den eigentlichen Unfall beim Notruf nicht gut genug beschrieben habe, aber es kamen genug Krankenwagen, von daher gabs keine negativen Folgen daraus...)
 
Zuletzt bearbeitet:
@ Bookstar

Na, das Verteidigungsrecht in den USA hat auch seine Nachteile. Es gibt dort nach wie vor etliche Unfälle, z.B. dass Familienangehörige erschossen werden, weil sie zu ungewohnter Stunde nach Hause kommen und man sie mit einem Einbrecher verwechselt.

Pauschalisieren kann man sowas natürlich nicht, aber größere Sicherheit aus besserer Bewaffnung herleiten zu wollen, erscheint mir zweifelhaft. Das ist zumindest nicht, was man anhand der USA herleiten könnte.

Genauso wenig kann man behaupten, die Justiz sei immer auf Seiten des Täters. Das stimmt schlicht nicht. Sehr wohl wird der Staatsanwalt ein Auge auf das Vorleben der Streithansel werfen. Wenn dann jemand bereits zwanzig Mal antanzen durfte, weil er dafür berühmt ist, immer gleich draufzuhauen, dürften seine Karten vor Gericht deutlich schlechter sein als die eines unbescholtenen Bürgers, der dafür bekannt ist, keiner Fliege etwas zu Leide tun zu können.

Wir alle (ich schließe mich ausdrücklich ein!) lassen uns nur zu gerne von den Medien blenden und neigen natürlich dazu, das dort Gezeigte als lautere Wahrheit anzusehen.

Mein Vater (emeritierter Prof für Öff-Recht) ist einige Male interviewt worden, auch fürs Fernsehen, und hat noch jedesmal wie ein Rohrspatz darüber geschimpft, wie sie seine Äußerungen teilweise so zusammengeschnitten haben, dass der Sinn entweder verzerrt oder sogar ins genaue Gegenteil verkehrt wurde.

Fazit: In Deutschland fahren wir noch sehr gut.
 
Wintermute schrieb:
Was dann? die 5 Jungs mit deinen Laseraugen erschießen? ;)

Nein, keine Zeit mit Labern / Warten verschwenden bis eine Flucht unmöglich ist, sondern sobald klar ist dass ich eingekreist werden soll versuchen auszubrechen. Zur Not eben mit Schubsen, Pfeffergel und was sonst noch möglich ist.
Umso überraschender das kommt, um so größer sind die Chancen noch wegzukommen.

Das Zitat mit der Überschätzung kannst du dir sparen. Ich bin mir sehr wohl darüber im Klaren dass ich bei spätestens 2 Jugendlichen keine Chance mehr habe, wenn die halbwegs koordiniert vorgehen.
Genau deshalb will ich es auch um jeden Preis vermeiden umzingelt zu werden.
Hier werden alle paar Tage nachts Leute von *südländischen Jugendlichen* (laut Polizei Pressestelle) zusammengeschlagen und ausgeraubt.
Es ist also klar was passiert wenn ich mich nicht sofort wehre, zu verlieren habe ich nichts.

aber größere Sicherheit aus besserer Bewaffnung herleiten zu wollen, erscheint mir zweifelhaft. Das ist zumindest nicht, was man anhand der USA herleiten könnte.

Wenn man die Situation in den USA nicht verzerrt darstellt wie es unsere Presse zu tun pflegt, durchaus.
Aber das Konzept "Viele Bundesstaaten, viele Gesetzgebungen, viele Kriminalitätsstatistiken" überfordert scheinbar sowohl den Durchschnittsschmierfinken als auch den Durchschnittsbürger. ^^ (Nicht auf dich bezogen!)
 
Zuletzt bearbeitet:
Solange man rein theoretisch diskutiert kann man natürlich immer viel sagen.
Aber wenn man nicht vorher drüber nachgedacht hat, dann muss man es in der Situation tun, in der schlicht die Zeit dazu fehlt.

Ein wichtiger Punkt, wurde bislang übersehen. Wer kein klares Konzept hat, wird im Ernstfall kreidebleich anlaufen und den potentiellen Angreifern alles an Wertgegenständen überreichen, was sie haben wollen. Das ist sicherlich nicht die schlechteste Reaktion, aber eine schnelle Flucht oder ein paar gezielte "Präventivschläge" hätten einiges an Kosten und Demütigung erspart.

Nochmal zum Thema Waffen: Wir hatten heute im Kampfsport mal wieder zwei Stunden lang Messerkampf. Und Hergott - einmal zu langsam, einmal nicht aufgepasst oder einfach einen erfahreneren Gegner, und man ist hinüber. Das geht so verdammt schnell, selbst im kontrollierten Training ist es nicht möglich, alle Angriffe abzuwehren. Gegen eine Pistole ist Nahkampf wohl die beste Wahl, da im Gemenge nicht gezielt geschossen werden kann (Chapeau, Jokener!), aber gegen ein Messer wirklich nur als allerletzte(!) Möglichkeit.
 
Ich denke auch, dass ich vor einem Messer deutlich mehr Respekt gehabt hätte.
Und bei einem nüchternen Angreifer, der auch nur irgendwie den Eindruck macht als wüsste er was er tut...
Der bekommt dann schon von mir was er will oder sieht mich nur noch davonrennen.
(Natürlich nicht unbedingt wenn er eine Pistole hat und auf offener Straße steht, da tut man ihm mit dem beherzten Sprint einen Gefallen...)

Aber diese drei Vögel waren wirklich struzbesoffen. Die konnten zwar noch halbwegs geradeaus gehen, aber das war's auch.
Und hätte er mir die Pistole nicht mit dem Lauf an den Kopf gedrückt, dann wäre es wieder was anderes gewesen.
Aber so war er genau da, wo ich ihn am besten treffen konnte.
Dadurch das er auch noch abgelenkt war hat er mich schlichtweg in absoluten Zugzwang gebracht, weil er mir in dieser Situation den letzten Ausweg geboten hat, den ich selbst kontrollieren konnte.
Es wäre natürlich nicht der Untergang gewesen, wenn die jetzt den Alkohol eingepackt und verschwunden wären.
Aber potentiell gefährliche Chaoten, deren Freunde auf dem Weg, meine Freunde/Freundinnen auch noch dabei und damit in Gefahr...
Da war alles vorprogrammiert, weil alles an mir lag und ich keinen anderen Ausweg mehr gefunden habe.
Und als er mich dann einschüchtern wollte indem er mir aus 15cm mit voller Lautstärke ins Gesicht brüllt, da sind bei mir alle Schalter gleichzeitig umgesprungen.

Ich habe im Nachhinein sicherlich Fehler gemacht.
So gab es einen Lagerraum in dem unser Alkohol gelagert war. Da gabs keine Türgriffe sondern nur Knäufe, der einzige Schlüssel war in meiner Jacke im Auto.
Die drei in den fensterlosen Abstellraum zu sperren und die Feuerschutztür hinter ihnen zu schließen wäre wohl intelligenter gewesen.
Ich hätte auch direkt auf "Kumpel" machen können und unauffällig die Polizei rufen.
(Das hab ich nicht gemacht, weil ich schon mehrfach Fremde von meinen/anderen Parties weggeschickt hab und nie Probleme hatte...)
Insgesamt gab es einige Möglichkeiten die Situation gewaltfrei zu lösen, die ich in dem Moment nicht erfasst habe.

Aber daraus lernt man und mittlerweile überprüfe ich erstmal die Räumlichkeiten, mache Notfallpläne und so weiter...
Genauso wie man beim Autofahren in jedem Augenblick die potentiellen Fehler anderer durchgehen und Notfall-Wege suchen sollte.
Daher würde ich einfach empfehlen sich die notwendigen Gedanken vorher zu machen...
Viel mehr kann man nicht tun, weil man sich letzten Endes doch nicht so gut einschätzen kann.
Aber unter Umständen sind die Gedanken von gestern der Lebensretter von hehte.

Grüße vom:
Jokener
 
Kraligor schrieb:
Ein wichtiger Punkt, wurde bislang übersehen. Wer kein klares Konzept hat, wird im Ernstfall kreidebleich anlaufen und den potentiellen Angreifern alles an Wertgegenständen überreichen, was sie haben wollen. Das ist sicherlich nicht die schlechteste Reaktion, aber eine schnelle Flucht oder ein paar gezielte "Präventivschläge" hätten einiges an Kosten und Demütigung erspart.

Eben. Und wenn Geld und Handy einmal weg sind: wer sagt denn, dass die Polizei die Täter überhaupt je findet? Gut, ich lebe dann noch, wahrscheinlich auch ohne Blessuren davon getragen zu haben. Aber schauen wir uns mal den Fall von Jokener an. Ehrlich gesagt: ich glaube, du hast absolut richtig gehandelt. Aber die Polizei hat die Täter trotzdem nicht aufgreifen können. Also würde ich in dem von mir dargestellten Fall ohne meine Wertgegenstände aber dafür körperlich unversehrt darstehen. Wer ersetzt mir jetzt den Schaden? Richtig, auf den Kosten bleibe ich allein sitzen. Wenn man jetzt mal annimmt, dass der gleiche Fall am nächsten Wochenende auf dem Nachhauseweg von der letzten Party wieder auftreten könnte, stecke ich wieder in der gleichen Situation.
 
Naja... Das Leben ist nunmal nicht Wünsch-Dir-Was.
Ich weiß, das ist jetzt überspitzt formuliert und der Ernsthaftigkeit der (imaginären) Situation bzw dieser Diskussion nicht ganz angemessen.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn dir jemand einen Schaden zufügt.
Ich kenne auch jemandem, dem aus seinem Auto das Navi, eine Handtasche, ein Laptop und eine Kamera gestohlen wurde.
Alles war "versteckt", die Navi-Halterung nicht in der Windschutzscheibe und das Kofferraum-Verdeck war geschlossen.
Trotzdem hat er einen Schaden erlitten und die Versicherung hat nicht gezahlt.
(Selbstbeteiligung der Vollkasko waren 300€ und die eine zerstörte Seitenscheibe kostete für die A-Klasse weniger, der Rest ist nicht versichert.)

Das ist zwar alles sehr unangenehm, aber man muss lernen damit umzugehen.

Dazu ist es ratsam sich über die tatsächlichen Gefahren zu informieren und vor allem emotionale Gefahrenwahrnehmung zu vermeiden und zu rationalisieren.
Ganz in der Nähe meines Hauses gibt es einen (nachts) dunklen Pfad, vor dem viele Frauen Angst haben (es gibt einen 5 Minuten längeren Umweg).
Wenn man das aber objektiv betrachtet, dann ist es erstens eine ordentliche Gegend, zweitens ein Privathaus daneben, drittens ist die Grundschule direkt daneben außen mit Kameras überwacht (also der Außenbereich).
-> Die Gefahr ist eigentlich relativ gering und sicher nicht höher als auf einer beleuchteten Straße vor einer Kneipe, wo sich "Gesindel" trifft.
(Gesindel ist wieder so ein dummes Wort. Aber es gibt eben bestimmte Kneipen deren Kundenkreise in alkoholisiertem Zustand nicht in meine Welt passen...)

Und wenn man die Gefahren dann kennt, dann kann man sich gegen materielle Schäden ganz gut verischern.
Auch Raub, also gewaltsamer Diebstahl, ist in manchen Versicherungen enthalten bzw. kann "hinzugebucht" werden.
Mein Handy ist beispielsweise mit einem Schutzbrief versichert.
Wenn ich also mit jemand anderem gemeinsam überfallen werde und denen ein neues iPhone 4 gebe, dann sind die tendentiell schonmal zufrieden und hauen ab.
(Ist mir jetzt noch nicht passiert, aber ich kenne genug Leute die bei der Polizei arbeiten, Polizisten ausbilden oder in dem Bereich tätig sind. Die bestätigen das.)
Wenn du wirklich nichts dabei hast, dann ist das zwar so, trotzdem hat dein Gegenüber nichts bekommen und ist eher gewaltbereit als wäre er "erfolgreich" gewesen...

Dann kann man natürlich noch versuchen die eigenen Chancen präventiv zu verbessern.
Pfefferspray, Alarm-Signale, Schlagstöcke, Kevlar-Handschuhe mit Bleipulver/Quarzsand über den Knöcheln (gegen Messer) oder sogar Taser (natürlich nur die Variante der Polizei, die also die Sonden verschießen kann).
Alles das sind Mittel, mit denen man sich IN DER RICHTIGEN SITUATION angemessen verteidigen kann.
Und bis auf den Schlagstock kann man sowas auch ganz entspannt in einer Hosen- oder Handtasche mitführen ohne aufzufallen.
Natürlich hilft ein Pfefferspray nicht, wenn man es selber abbekommt und ein Taser bezwingt keine Gruppe...
Man muss sich mit seiner Ausrüstung auskennen, sonst kann man sie eigentlich auch gleich dem Angreifer übergeben ! ! !

Aber das wichtigste ist für mich nach wie vor die eigene körperliche Unversehrtheit.
Selbst wenn mir jemand mein Geld, mein Telefon und die Handtasche meiner Freundin abnimmt.
Solange meine Begleiter und ich selbst unverletzt davonkommen ist mir der Rest relativ egal.
Ich versuche, das habe ich ja schon vorher beschrieben, mich bestmöglich dagegen abzusichern.
Und wenn ich denke, dass ich in der Situation nicht den kürzeren ziehe oder andere in Gefahr bringe...
DANN mache ich einen Baukasten aus dem/den anderen. DANN kann man sich verteidigen.
Aber ich lasse mir lieber zweimal alle meine Sachen abnehmen, als einmal dafür verantwortlich zu sein, dass jemand im Krankenhaus landet, der mit mir unterwegs war.

Wie gesagt: Macht nichts, was sich nicht definitiv wie eine gute Idee anfühlt. Sonst geht das schnell daneben.

Grüße vom:
Jokener
 
Zuletzt bearbeitet:
@ mdave

was willst Du mir mit dem Absatz sagen? Dass es in den USA eben doch sicherer ist? Statistiken sind, zugegebenermaßen, trügerisch, weil sie oft genug so oder so interpretiert werden können, aber wenn ich nach dem gehe, was ich bisher gelesen habe, beschleicht mich eben doch der Eindruck, dass meine Aussage nicht grundfalsch ist.

Gute Bewaffnung setzt ja auch voraus, dass man vernünftig damit umgeht und eine entsprechende Ausbildung genossen hat, sonst ist man u.U. für sich selber oder Unschuldige eine größere Gefahr als für einen Angreifer.
 
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