Meteor Lake: Intel Core Ultra startet mit H- & U-Modellen ins AI-Zeitalter

Volker Rißka
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Meteor Lake: Intel Core Ultra startet mit H- & U-Modellen ins AI-Zeitalter

Heute startet endlich Intels neue CPU-Generation Meteor Lake in Form von elf U- und H-Modellen bei allen namhaften Partnern. Das heißt, über 35 OEMs und 30 Retailer sollen kurzfristig 30 Designs im Handel anbieten – nicht erst 2024. Die Plattform soll den Start in ein neues Zeitalter markieren – an gleich mehreren Fronten.

Details und Ersteindruck

Nach zahlreichen Vorabankündigungen lüftet Intels CEO Pat Gelsinger heute höchstpersönlich den Vorhang für Meteor Lake und schickt die Plattform in den Handel. Viele Notebook-Hersteller folgen dem Ruf direkt und sprechen von ab sofort lieferbaren Modellen, andere setzen auf die CES 2024 Anfang Januar, die als gewohnte Showbühne für Neuvorstellungen dient.

Der Start heute soll – entgegen so mancher Vorahnung – also keinesfalls ein rein symbolischer sein, Intel will zeigen, dass man auch zum Ende des Jahres noch etwas vorstellen kann (und Meteor Lake und Emerald Rapids keine Prozessoren des Jahres 2024 werden).

Erste Tests mit dem Acer Swift Go 14

Einen Vorgeschmack gibt es mit dem Acer Swift Go 14, das die Redaktion direkt von Acer für knapp zwei Tage in dieser Woche begutachten konnte. Intel selbst hat im Vorfeld kein Muster, auch kein „Whitebook“ zur Verfügung gestellt:

Acer Swift Go 14 mit Intel Meteor Lake
Acer Swift Go 14 mit Intel Meteor Lake

Meteor Lake alias Core Ultra im Überblick

Meteor Lake ist der Codename für Intels erste CPU, bei der vier einzelne Tiles zu einem Komplettpaket vereint werden, die zum Teil ganz neue Funktionen tragen.

Aus Core i werden Core und Core Ultra

Der aus Intels Perspektive wegweisende Schritt hat eine neue Nomenklatur zur Folge: Meteor Lake ist Intel Core Ultra, in Zukunft werden darunter Intel-Core-CPUs platziert. Das „i“ aus der Klassenkennzeichnung 9, 7, 5 und 3 fällt weg und ganz offiziell will Intel auch nicht mehr von „Generationen“ reden. In der CPU-Bezeichnung steckt sie aber weiterhin. Details zum neuen Branding im Artikel Neues Branding: Mit Meteor Lake teilt Intel „Core i“ in „Core Ultra“ und „Core“.

Meteor Lake setzt auf Tiles und auch auf TSMC

Intel übernimmt bei Meteor Lake nur die Fertigung der CPU-Kacheln, die drei anderen, GPU, SoC und I/O, fertigt TSMC. Auf einem Package werden sie dann zusammengesetzt.

Intel Meteor Lake Package
Intel Meteor Lake Package

In der CPU-Tile macht Intel lediglich kleine Schritte. Die maximal sechs Performance-Kerne (P-Cores) werden von acht Effizienzkernen (E-Cores) begleitet. Leistungssteigerungen gibt es nur bei den E-Cores, bei den P-Cores bleibt es wie beim Vorgänger. Anders hingegen bei der GPU-Kachel: Hier wird nun der Stand Intel Arc erreicht, was zwei Mal mehr Leistung als zuletzt mit Intel Xe im Notebook verspricht.

Die interessanteste Kachel von Meteor Lake ist die SoC-Tile. Hier hat Intel zwei E-Cores eingebaut, theoretisch kann allein die SoC-Tile ohne CPU-, GPU- und I/O-Tile nun ein System antreiben, da auch Speichercontroller, Display- und Media-Engines sowie alles Notwendige an Anschlüssen allein im SoC verbaut sind. Die angegrenzte I/O-Tile ist nur noch für zusätzliche Anschlüsse notwendig.

Weitere Details zu Intel Meteor Lake hat ComputerBase bereits in mehreren Berichten verarbeitet. Dazu zählt auch ein Besuch in der Test- und Packaging-Einrichtung in Malaysia, in der Meteor Lake zusammengesetzt wird.

Intel Core Ultra mit Meteor Lake
Intel Core Ultra mit Meteor Lake (Bild: Intel)

34 TOPS: AI-Leistung im Fokus

Das Thema künstliche Intelligenz (AI) wird seit Monaten auch durch Intel vorangetrieben. Dabei betont der Hersteller, dass es aber eben nicht so neu ist, wie es gerade den Anschein erweckt, denn mit vielen Zusatzinstruktionen im CPU-Bereich und Optimierungen bei der GPU wurde in dem Segment bereits vor Jahren der Grundstein gelegt. Nun kommt jedoch eine NPU hinzu – bisher war sie extern, jetzt ist sie integriert.

Intel gibt an, dass seine Meteor-Lake-CPUs im Zusammenspiel aus CPU, GPU und NPU bis zu 34 TOPS erreichen können. Der Wert liegt ziemlich exakt im gleichen Rahmen wie bei AMDs neuer CPU-Generation Hawk Point, die der Hersteller letzte Woche angekündigt hat und die im ersten Quartal gegen Intels Meteor Lake bestehen soll. Hawk Point bietet laut AMD kombiniert sogar bis zu 39 TOPS.

Intel Core Ultra mit Meteor Lake
Intel Core Ultra mit Meteor Lake (Bild: Intel)

Allein sagt der Wert bekanntlich aber nicht viel aus, die Umsetzung vor allem durch Software ist der springende Punkt. Hier sieht sich Intel weit vorn, AMD steckt in vielen Bereichen hier definitiv noch in den Kinderschuhen. Intel pusht entsprechend, hat viele Partner im Boot und viel mehr sollen es bis zum Sommer 2024 werden.

Noch eine Anmerkung zu den TOPS. Unter 40 TOPS sind für die nächste Generation von Windows respektive bereits für den vollen Copilot beispielsweise sogar noch zu wenig – das haben AMD und Intel hier gemein. AMD warb deshalb bereits mit der nächsten Gen Strix Point, auch Intel dürfte hier in der nächsten Runde deutlich zulegen.

Intel Core Ultra mit Meteor Lake (Bild: Intel)

Beim Takt noch hinter dem Vorgänger

Etwas, was sich bereits in den technischen Sessions im August und später zur Hausmesse Intel Innovation angedeutet hatte, wird nun ebenfalls klar beziffert. An die Taktraten der Generation Raptor Lake kommt Intel 4 noch nicht ganz heran. Das schnellste Modell, der einzige Core i9, kommt in einer höheren TDP-Klasse – das schreit nach Arbeiten nahe oder bereits über der sprichwörtlichen „Kotzgrenze“.

Ein wenig erinnert das an den Intel Core i7-1068G7, der seinerzeit bei Ice Lake-U als einziger die 4-GHz-Marke übertreffen sollte, das aber auch nur mit viel Verspätung und hoher TDP schaffte. Ice Lake-U war bekanntlich Intels erste CPU für den Massenmarkt in 10 nm. Meteor Lake ist nun die erste in 7 nm mit EUV, neuerdings im Marketing aber Intel 4 genannt.

Intels 1. Gen Core Ultra H-Serie im Detail

Intel Core Ultra in der H-Serie tritt die Nachfolge der aktuellen P-Serie an. Das heißt, im Kern sind es 28-Watt-CPUs mit Spiel nach oben, das Taktgefüge ist in vielen Lagen für die Prozessorkerne recht ähnlich. Anders hingegen bei der Grafik, denn hier geht es deutlich nach oben hinaus, wenngleich die Architekturen in dem Fall auch deutlich unterschiedlich ausfallen.

An der Spitze steht ein einziger Core Ultra 9 mit 45 Watt, darunter ersetzen neue Core Ultra 7 und 5 bisherige Core i7 und i5. Unterm Strich ist das Portfolio an CPUs in dem Bereich ziemlich ähnlich aufgestellt, die Neulinge unterstützen jedoch allesamt DDR5-5600 bis zum Maximalausbau an 96 GByte SO-DIMM und alternativ bis zu 64 GByte LPDDR5x-7467.

Intel Core Ultra H vs. Core i-13x0P im Notebook ab Q4/2023
Modell Kerne/Threads Takt/mit Turbo
(P-Core)
Takt/mit Turbo
(E-Core)
L3-Cache Grafik PBP
(TDP/PL1)
MTP
(PL2)
Core Ultra 9 185H* 16 (6P + 8E + 2 LPE)/22 ?/5,1 GHz ?/3,8 GHz 24 MB 8 Xe Cores, 2,35 GHz 45 Watt 115 Watt
Core i7-1370P 14 (6P + 8E)/20 1,9/5,2 GHz 1,3/3,9 GHz 24 MB 96 EU, 1,50 GHz 28 Watt 64 Watt
Core Ultra 7 165H 16 (6P + 8E + 2 LPE)/22 ?/5,0 GHz ?/3,8 GHz 24 MB 8 Xe Cores, 2,3 GHz 28 Watt 64/115 Watt
Core i7-1360P 12 (4P + 8E)/16 2,2/5,0 GHz 1,6/3,7 GHz 18 MB 96 EU, 1,50 GHz 28 Watt 64 Watt
Core Ultra 7 155H 16 (6P + 8E + 2 LPE)/22 ?/4,8 GHz ?/3,8 GHz 24 MB 8 Xe Cores, 2,25 GHz 28 Watt 64/115 Watt
Core i5-1350P 12 (4P + 8E)/16 1,9/4,7 GHz 1,4/3,5 GHz 12 MB 80 EU, 1,50 GHz 28 Watt 64 Watt
Core i5-1340P 12 (4P + 8E)/16 1,9/4,6 GHz 1,4/3,4 GHz 12 MB 80 EU, 1,45 GHz 28 Watt 64 Watt
Core Ultra 5 135H 14 (4P + 8E + 2 LPE)/18 ?/4,6 GHz ?/3,6 GHz 18 MB 7 Xe Cores, 2,2 GHz 28 Watt 64/115 Watt
Core Ultra 5 125H 14 (4P + 8E + 2 LPE)/18 ?/4,5 GHz ?/3,6 GHz 18 MB 7 Xe Cores, 2,2 GHz 28 Watt 64/115 Watt
* Breit verfügbar ab Q1/2024

Im kommenden Jahr wird Intel über der H-Serie mit Meteor Lake noch die HX-Serie positionieren. Sie wird aber noch einmal als Refresh der bestehenden HX-CPUs erscheinen und daher auch als 14. Gen Core. Erst mit dem Meteor-Lake-Nachfolger dürfte auch die HX-Serie im neuen Branding erscheinen, weil sie auf derselben Plattform basiert. Die Aktuellen H-CPUs der 13. Generation werden nicht neu aufgelegt, sie haben in den heute vorgestellten Core-Ultra-H-Prozessoren bereits Nachfolger gefunden.

Intels 1. Gen Core Ultra U-Serie im Detail

Die U-Serie darf auf ein anderes Package als die H-Serie und damit auch auf andere Kacheln vertrauen. Diese Information hielt Intel bis zuletzt zurück, doch haben H– und U-Modell letztlich nur die SoC-Tile gemein, beim U-Modell ist der Rest quasi halbiert. Nur noch zwei statt sechs P-Cores halbiert die Größe der CPU-Tile, nur noch vier statt acht Xe-Cores die der GPU-Kachel – diese darf dann auch nur noch Intel Graphics statt Intel Arc heißen. Und bei der I/O-Tile spart man sich unter anderem komplett die PCIe-5.0-Lanes und noch einiges mehr, auch sie wird so deutlich kleiner.

Hier setzt Intel letztlich erstmals um, wozu eben dieser Tile-Ansatz auch gedacht ist: Weniger Fläche spart Kosten an allen Enden. Leider gibt der Konzern keine exakten Angaben preis, verschleiert sogar das Bild gegenüber dem H-Package etwas, um Rückschlüsse zu verhindern.

Am Ende ähneln sich Vorgänger und Nachfolger aber auch hier deutlich, die Unterschiede liegen im Detail.

Intel Core Ultra U vs. i-13x5U mit Pentium im Notebook ab Q4/2023
Modell Kerne/Threads Takt/mit Turbo
(P-Core)
Takt/mit Turbo
(E-Core)
L3-Cache Grafik PBP
(TDP/PL1)
MTP
(PL2)
Core Ultra 7 165U 12 (2P + 8E + 2 LPE)/14 ?/4,9 GHz ?/3,8 GHz 12 MB 4 Xe Cores, 2,0 GHz 15 Watt 57 Watt
Core Ultra 7 164U* 12 (2P + 8E + 2 LPE)/14 ?/4,8 GHz ?/3,8 GHz 12 MB 4 Xe Cores, 1,8 GHz 9 Watt 30 Watt
Core i7-1365U 10 (2P + 8E)/12 1,8/5,2 GHz 1,3/3,9 GHz 12 MB 96 EU, 1,30 GHz 15 Watt 55 Watt
Core Ultra 7 155U 12 (2P + 8E + 2 LPE)/14 ?/4,8 GHz ?/3,8 GHz 12 MB 4 Xe Cores, 1,95 GHz 15 Watt 57 Watt
Core i7-1355U 10 (2P + 8E)/12 1,7/5,0 GHz 1,2/3,7 GHz 12 MB 96 EU, 1,30 GHz 15 Watt 55 Watt
Core i5-1345U 10 (2P + 8E)/12 1,6/4,7 GHz 1,2/3,5 GHz 12 MB 80 EU, 1,25 GHz 15 Watt 55 Watt
Core Ultra 5 135U 12 (2P + 8E + 2 LPE)/14 ?/4,4 GHz ?/3,6 GHz 12 MB 4 Xe Cores, 1,9 GHz 15 Watt 57 Watt
Core i5-1335U 10 (2P + 8E)/12 1,3/4,6 GHz 0,9/3,4 GHz 12 MB 80 EU, 1,25 GHz 15 Watt 55 Watt
Core Ultra 7 134U* 12 (2P + 8E + 2 LPE)/14 ?/4,4 GHz ?/3,6 GHz 12 MB 4 Xe Cores, 1,75 GHz 9 Watt 30 Watt
Core i5-1334U 10 (2P + 8E)/12 1,3/4,6 GHz 0,9/3,4 GHz 12 MB 80 EU, 1,25 GHz 15 Watt 55 Watt
Core Ultra 5 125U 12 (2P + 8E + 2 LPE)/14 ?/4,3 GHz ?/3,6 GHz 12 MB 4 Xe Cores, 1,85 GHz 15 Watt 57 Watt
Core i3-1315U 6 (2P + 4E)/8 1,2/4,5 GHz 0,9/3,3 GHz 10 MB 64 EU, 1,25 GHz 15 Watt 55 Watt
Core i3-1305U 5 (1P + 4E)/6 1,6/4,5 GHz 1,2/3,3 GHz 10 MB 64 EU, 1,25 GHz 15 Watt 55 Watt
Intel Processor U300 5 (1P + 4E)/6 1,2/4,4 GHz 0,9/3,3 GHz 10 MB 48 EU, 1,10 GHz 15 Watt 55 Watt
* Verfügbar voraussichtlich ab Q1/2024, nur LPDDR5x-6400-Support

Explizit zwei Modelle legt Intel in der U-Serie für geringe TDP auf. Dies erinnert an die vormalige Y-Serie, eine TDP von 9 Watt ist hier gesetzt. Theoretisch lassen sich damit lüfterlose Designs bewerkstelligen, sie sollen jedoch erst zu Beginn des neuen Jahres verfügbar werden.

Das Gesamtpaket soll überzeugen

Das Ziel von Meteor Lake ist nur das Notebook. Und so wurde die Zielstellung ausgegeben, CPU-seitig hohe Leistung bei viel geringerem Energiebedarf zu ermöglichen. In Single-Core-Szenarien führt dies nahezu zu einem Gleichstand mit Raptor Lake, Multi-Core gewinnt der Neuling leicht. Die Grafikleistung wird verdoppelt, dies zeigt sich auch im ersten Test, ebenso wie die CPU-Ergebnisse, die Intels Behauptungen untermauern.

Hinsichtlich der Spiele-Performance zeigt sich, das Intels Behauptungen „doppelte Leistung“ zutreffen können. Im ersten Test der Redaktion von Meteor Lake im Acer Swift Go 14 kann die neue GPU die doppelte Leistung liefern, als bisher mit Intel Xe im Notebook verfügbar war.

Das reicht dann stellenweise auch, um AMDs Radeon 780M in den Ryzen-APUs zu schlagen respektive mit ihr gleichzuziehen. Wie üblich kommt es dabei aber extrem auf das Spiel und die Treiberunterstützung an. Würde man in Intels eigener Analyse die drei besten Werte entfernen, wäre es quasi schon fast ein Patt.

Intel-Benchmarks zur Grafik von Meteor Lake
Intel-Benchmarks zur Grafik von Meteor Lake (Bild: Intel)

Wo Meteor Lake dann glänzt, ist das Thema Leerlauf – dank der neuen LPE-Kerne in der SoC-Tile, die den kompletten restlichen Teil des Prozessors abschaltet. Genau in diesem Punkt will man so natürlich auch AMD ganz weit hinter sich lassen. Zu messen ist dies schwerer, da hier viel vom Notebook und von der jeweiligen Einstellung abhängt. Hier werden die kommenden Wochen dann echte Real-World-Ergebnisse liefern, wenn Serienprodukte zum Einsatz kommen. Eins hat Intel im Vergleich zu Apple, deren M-SoCs klarer Gegner der Meteor-Lake-CPUs sind, nicht: Eigene Notebooks, die CPU-Fortschritte abseits der in der Windows-Welt üblichen Plattformeinflüsse deutlich sichtbar machen.

Intel Core Ultra mit Meteor Lake (Bild: Intel)

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Intel unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

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