JP-M schrieb:
Mich würde interessieren, wie weit diese Mentalität auch in anderen Unternehmen verbreitet ist.
Diese Mentalität ist heute immer noch in sehr vielen Firmen verbreitet, eigentlich in den meisten.
Das hat damit zu tun, dass gewisse Verhaltensweisen früher kein Problem darstellten, sogar teilweise geduldet wurden oder gar als angebracht gesehen wurden. Der bekannte "Klaps auf den Arsch" oder "Siehst gut aus Süße" wenn man im Büro sitzt und Co waren früher durchaus Alltag für Frauen. Viele Frauen haben das früher geduldet - auch wenn sie es nicht mochten - und man sagte, dass der Herr es ja nur nett meinte oder es ja ein Lob ist.
In den letzten Jahrzehnten hat sich aber das Selbstbild von Frauen geändert und damit auch die Ansicht zu so einem Verhalten. Während viele Frauen dieses Verhalten früher "ertragen" haben, weil sie ohnehin in Konflikten das Nachsehen hatten, trauen sie sich heute eher dieses Fehlverhalten nicht mehr zu tolerieren. Um eine gewisse Chance zu haben in diesem Konflikt, müssen Frauen aber heute immer noch primär die Öffentlichkeit suchen, weil gerade die männlichen Vorgestzen immer noch versuchen Fehlverhalten von männlichen Kollegen zu entschuldigen und zu relativieren.
JP-M schrieb:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Blizzard hier die Einzigen sind.
Nein, sind sie nicht. Nur trauen sich bis heute viele Frauen nicht das Fehlverhalten anzuzeigen, weil sie Angst um ihren Job haben usw.
JP-M schrieb:
Und ich würde auch gerne wissen, wieso in der Vergangenheit so lasch damit umgegangen worden ist.
Weil viele Frauen solches Verhalten nicht anzeigen und wo kein Kläger, da kein Richter. Du siehst doch bereits hier an dem Thema, wie damit umgegangen wird.
JP-M schrieb:
Für mich ist es nicht nachvollziehbar, das solches Verhalten so lange geduldet worden ist bzw. dass über Jahre hinweg - so stellt es sich bei einigen der jetzt öffentlich gemachten Fälle dar - einfach nichts passiert (im Sinne von Konsequenzen) ist außer einem Klapps auf die Hand.
Wenn du dir die Beiträge hier von manchen durch liest und wie damit bereits hier umgegangen wird - GameStar kann ich die Kommentarspalten von 2015 bis 2018 auch empfehlen. Du siehst da, dass hier dann oft davon gesprochen wird, dass man es entweder überbewertet, oder man nur wenn man es "Beweisen" kann an die Öffentlichkeit darf, oder dass die Frau ja sich nur rächen will oder sie ihre schlechte Leistung vertuschen möchte usw.
Es ist hier ja quasi schon alles gefallen, warum sich hier nicht viel ändert und es zeigt sich auch, warum man als Frau sich quasi nur an die Öffentlichkeit wenden kann.
DerHechtangler schrieb:
Was ist daran ein Problem, dass hier angeblich mehr männliche Teilnehmer unterwegs sind?
Es sind nicht nur angeblich mehr männliche Teilnehmer hier unterwegs, das ist eine Tatsache.
Das Problem daran ist, dass entsprechend hier in der Regel eine männliche Sicht auf diese Probleme vorherrscht, dabei können viele der Teilnehmer hier die Probleme überhaupt nicht wirklich nachvollziehen und erst recht auch nicht erfassen, was man an deinen Beiträgen im übrigen sehr gut merkt.
DerHechtangler schrieb:
Was soll da nicht stimmen? Warum ist das Geschlecht so wichtig, wenn wir doch alle gleich sein sollen?
Ah, dieses Argument. Ich will dir an der Stelle nicht zu nahe treten, aber ich denke, dass ich an der Stelle schon recht gut einschätzen kann, in welches politische Lager du gehörst, wobei das Gesamtbild durch die weiteren Textstellen durchaus gestützt wird. Genau diese Verallgemeinerung der Gleichberechtigung liest man nämlich primär im rechts-konservativen bis rechts-populistischen Lager, ohne dass das stimmt.
Es geht bei Gleichberechtigung nicht darum, dass wir Menschen alle gleich sein sollen, sondern darum, dass jeder Mensch unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, sexueller Orientierung oder dem Glauben, die gleichen Chancen haben soll und ebenso, dass man diese Menschen unabhängig dieser Attribute auch gleichwertig behandelt.
DerHechtangler schrieb:
Was ist an konservativ bis rechts konservativ auch falsch?
Oh, daran wäre in der Regel nichts verkehrt, wenn nicht gerade die rechts-konservative Seite zeigen würde, dass sie zwar schnell dabei ist sich als Opfer aufzuspielen, wenn sie die eigenen Befindlichkeiten bedroht sieht, gleichzeitig aber auch versucht die eigenen Befindlichkeiten allen anderen aufzwingen. Auch immer ein wenig problematisch ist die Tatsache, dass gerade die rechts-konservativen anderen sagen, dass sie nicht hysterisch oder polemisch sein sollen, dieses aber in der Regel selbst sind.
Ebenso ein Problem ist, dass diese Gruppe immer darauf besteht, dass man auf ihre Befindlichkeiten gefälligst Rücksicht nehmen soll, sie das aber allen anderen Gruppen nicht zugestehen wollen.
DerHechtangler schrieb:
Wie soll man denn damit umgehen? hysterisch und polemisch? Statt nüchtern und sachhlich?
Es hat keiner geschrieben, dass man hysterisch oder polemisch sein sollen - was auch nicht der Artikel ist. Aber auch hier zeichnet sich durchaus auch ein Bild von dir und bestätigt auch das weitere, was ich geschrieben haben, warum diese Missstände bis heute in vielen Firmen vorherrschen und warum viele Frauen, aber auch andere Menschen die diskriminiert, gemobbt oder sexuelle belästigt werden, nicht zum Chef gehen und auch nicht an die Öffentlichkeit. Man wird in der Regel als hysterisch hingestellt, das Fehlverhalten andere wird heruntergespielt.
Das Problem ist, dass man sich ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch mit Hysterie und Polemik helfen kann, weil die meisten einen sonst nicht ernst nehmen, gerade was solche Sachen angeht.
Und da sind wir schon wieder bei der Eingangsfrage: Warum ist es ein Problem, dass hier überwiegend männliche Teilnehmer sind? Weil die meisten hier nie in dieser Situation waren und nie kommen werden und daher die Probleme höchsten nachvollziehen können, aber nicht verstehen.
DerHechtangler schrieb:
Gibt es denn schon Urteile diesbezüglich?
Es ist irrelevant, ob es schon Urteile gibt oder nicht. Wenn wir gesellschaftliche Missstände nur ansprechen dürfen, wenn es "Urteile" gibt, dann können wir uns die Diskussion eigentlich schenken. Urteile sind primär für juristische Beurteilung relevant. Für die soziokulturelle Beurteilung sind ganz andere Faktoren wichtig, die man hier auch mal erläutern könnte.
Nur die soziokulturelle Diskussion wird in der regel von rechts-konservativen gerne mit dem Hinweis, dass es ja keine Urteile gibt - abgewürgt. Da wären wir halt auch wieder bei dem Problem mit Rechtskonservativ in dieser Diskussion.
DerHechtangler schrieb:
Wenn nicht, ist das nichts anderes als polemisch und hysterisch.
@JP-M hier haben wir nun das, worunter man nun ein Q.E.D. schreiben kann. Ich hoffe, du erkennst, worauf ich hinaus wollte.
Sexuelle Übergriffe auf dem Arbeitsplatz werden bis heute durch eben solche Aussagen, wie du sie hier liest, unterminiert, kleingeredet oder relativiert. Viele Frauen trauen sich nicht solche Missstände anzusprechen, weil sie oft auf Unverständnis stoßen und keine Hilfe bekommen. Probleme werden klein geredet, relativiert. Viele Frauen schlucken das dann runter, bis es irgendwann zu viel wird und sie an die Öffentlichkeit gehen. Da erleben wir dann aber oft ein Aufbauschen oder die Generalverurteilung einer Firma und deren Mitarbeiter, was dann genauso falsch ist.