Guttenberg und das Wort "vernichten" im Einsatzbereicht zum Tanklasterangriff

MountWalker

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Mir ist gestern abend bei Guttenberg in der Sendung Beckmann aufgefallen, dass er sich über das Wort "vernichten" echauffierte. Offensichtlich liegt da ein massives Unwissen über die Sprache der Bundesweher beim Verteidigungsminister vor - ich gehe mal davon aus, das wird bei den meisten Bürgern dann nicht anders aussehen. Damit wir wenigstens hier bei CB und nicht in Bildmanie gegen Oberst Klein aufhetzen lassen müssen, mal eine kurze Klarstellung von einem der wenigen, die noch einen Wehrdienst geleistet haben:

In der Bundeswehrsprache ist "vernichten" das völlig gewöhnliche und sachliche, in keinster Weise emotionale Wort zur Erklärung, dass ein bekämpftes Ziel soweit erfolgreich bekämpft wurde, dass es sich nicht mehr mit Kampf welcher Art auf immer melden kann. Es gibt dafür in der Bundeswehrsprache, die immer unmissverständlich sein jsuss, damit der vorgesetzte, dem ich etwas melde, genau wei, was los ist, keine Alternative. In der Bundeswehrsprache existieren keine Synonyme, damit es nicht zu missverständnissen kommen kann. Demzufolge existieren auch keine abmildernden Synonyme.

Ich wäre dafür, dass die Gesellschaft jetzt nicht gegen das Wort "vernichten" skandaliert, damit man nicht in Zukunft noch Kunstworte erfinden muss um die Gesellschaft zufrieden zu stelen. Es hat mich in meiner Wehrzeit jedenfalls schon massiv genervt, immer nur mit dem linken Fuß losgehen zu dürfen, damit der Bundeswehr nicht nachgesagt werden kann, sie wäre rechts.

Der Bundeswehrdienst hat so schon genug Absurditäten, wenn in Zukunft noch das Wort "vernichtet" für die soweit reichende Bekämpfung eines Ziels, dass dieses nicht nur abgeduckt ist oder sich nur zurückzieht, sondern keine Chance mehr hat zurückzuschießen, verboten wird und damit eine Solche Formulierung unnötig in die Länge gezogen wird, macht man die Bundeswehr zur Witzfigur unter den Armeen der Welt.
 
Ich finde das alles Schwachsinn. Wenn man Krieg spielt gibt es halt auch Tote. Ich Frage mich eh was wir da oben zu suchen haben (Denke liegt nurnoch am Druck von den Amis und Engländern)

Im nachhinein Rechtfertigungen suchen ist doch Blödsinn.

1) Wie schon gesagt herrscht Krieg
2) Bringt das die Toten auch nicht zurück
3) Was soll denn bitte die Konsequenz bzw Schlussfolgerung von den Diskussionen sein?

Mir ist klar das Menschen gestorben sind und ich sage auch nicht das ich die Aktion gut heiße. Aber Guttenberg jetzt an den Pranger zu stellen bringt auch nichts
 
Darum gings mir gar nicht - mir gehts darum, dass Guttenberg hier selbst eine Formulierung offenbar zu brutal findet und das Oberst Klein vorwirft, obwohl die Formulierung das überhaupt nicht ist.
 
@Thomas Silent

Soll man dein Beitrag jetzt tatsächlich ernst nehmen oder wie? :eek:

Krieg ist "Spiel"? Es gibt halt mir nichts dir nichts einfach "Tote"?

Meine Fresse...! :freak:

Vllt. solltest du dir mal überlegen, was genau der Auftrag der Bundeswehr da unten ist, inwieweit ihre Aktionen durch das Bundestag-Mandat abgedeckt sind und wie man sich korrekt gegenüber der Öffentlichkeit verhält.

@MountWalker

Die Formulierung "vernichten" ist der Sprachlaut der Bundeswehr! So what? 99% der Leute raffen das nicht, und ein Guttenberg will das offensichtlich gar nicht ändern. Für mich persönlich kein Problem, muss er halt mit den Konsequenzen (hoffentlich) leben!
 
Zuletzt bearbeitet:
für mich ist ein krieg - wo ich weder ein ziel sehe (krieg gegen terror <-- mehr als el o el), noch irgendwelche vorteile sehen kann, ein machtpolitisches spiel (vllt hat der zusatz machtpolitisch gefehlt)

falls ihr rechtfertigungen für deutsche kampfverbände in afgahnistan habt bin ich sehr gespannt.

zu dem mandat. wenn dir die kugeln um die ohren fliegen, oder du dein leben in gefahr siehst, ich verspreche dir du wirst auf das mandat "schei****". krieg lässt sich nunmal schwer bürokratisch regeln und man kann auch nicht jedesmal ewig diskutieren bevor man handelt. da keiner von uns direkt vor ort ist/war können wir da eigentlich nichtmal ernsthaft mitreden.


ich bin mir über den auftrag im klaren. der hauptpunkt soll anscheinend die sicherung unserer zugeteilten region sein. nur genaues wird uns auch nicht erzählt. oder hat jemand von euch schon in den zeitungen von den xxxxx ksk einsätzen gehört. da unten sterben schon länger menschen durch deutsche kugeln...

guttenberg redet sich zurzeit um kopf und kragen und wie das windchen weht. wird aber auch von den medien dazu gezwungen. im moment tut er mir ehrlich gesagt leid.

vernichten=auslöschen=zerstören/töten, wie man es dreht und wendet kommt doch immer das gleiche raus. ob der wortlaut angebracht ist oder nicht ist halt wieder eine andere sache. wenn es wirklich normal ist im militärjargon, finde ich ist es aktzeptabel.

ich persönlich denke nur wir haben da oben einfach nichts zu suchen.
Vllt. solltest du dir mal überlegen, was genau der Auftrag der Bundeswehr da unten ist

um nochmal kurz darauf zurückzukommen.
was ist denn deiner meinung nach der auftrag? ich weiß ihn eigentlich würde nur gerne von dir hören was du denkst/weißt. das die offizielle seite(medien/regierungsrechtfertigungen) nicht ganz koscher ist sollte dir auch klar sein. da finde ich aussagen von offizieren oder soldaten welche vor ort waren und das geschehen live erlebt haben deutlich aussagekräftiger - selbst diese leute fragen sich nach dem sinn des ganzen...
 
@ Justin_Sane

Wieso muss Guttenberg mit Konsequenzen leben? Welche sollen das denn sein? Die Konsequenz aus Guttenbergs Erstaunen über das Wort vernichten wird sein, dass er im Volk beliebt bleibt, und einige Bataillonskommandeure in Zukunft das Wort "vernichten" verbieten, so wie sie das Abtreten mit dem rechten Fuß verboten haben.
 
dämliches schöngerede.

jeden tag sieht man wie xxxx menschen elendig ins gras beißen und um solchen firlefanz wird dann rumdiskutiert.

was wollen die denn eigentlich? eine gesellschaft in der man tagtäglich von gewaltmeldungen (vorallem auf die medien bezogen) überschwemmt wird aber das wort vernichten fraghaft sein soll


argh sorry, aber ich steh da wirklich auf dem schlauch und frage mich ob wir nicht die wesentlichen dinge vergessen. aber unliebsame dinge werden ja gerne unter den teppich gekehrt.
 
Als Minister kann er tatsächlich nicht im Bundeswehr-Jargon sprechen. Denn als Minister steht er in der Öffentlichkeit, vor dem Medien, er spricht zum normalen Volk zuhause an den TVs.

Und nicht zu vergessen ist, er ist Politiker. Die haben sowieso immer eigene Wortsynonyme. Wie z.B. die Unwahrheit der etwas schönerer Ausdruck für Lügen ist.

Vielleicht sollte er statt "vernichten" lieber geowned oder gefraggt sagen, hehe. So verstehen auch die Kiddis was gemeint ist.

Ich finde jedenfalls, vernichten sollte er nicht unbedingt im TV sagen. Da hat er schon recht wenn er auf einen anderen Begriff beharrt. Ist mir aber irgendwie gar nicht aufgefallen gestern....
 
Wer ein Wort wie "vernichten" als "völlig gewöhnliche und sachliche, in keinster Weise
emotionale" Bezeichnung für einen Vorgang nimmt, muss sich nicht über Unverständnis
wundern. So sieht es aus. Ob das Bundeswehrjargon ist oder nicht.

Ich würde "neutralisiert" nehmen, das ist unbedenklich und "neutral" :)

"Gefraggt" ist auch gut, das gibt der ganzen Sache etwas spielerisches :D
 
gefragged :D:D

sorry aber ich kann nichtmehr....ist ja echt ein ernstes thema aber des is einfach zu geil^^

ich stells mir schon vor: " heute wurden im irak wieder .... gefragged o_0"

mir isses auch nicht aufgefallen, wie 95% der anderen wahrscheinlich. einer hat es halt gesehen, es plattgetreten und jetzt muss diskutiert werden. ist eh viel leichter als taten sprechen lassen
 
MountWalker schrieb:
In der Bundeswehrsprache ist "vernichten" das völlig gewöhnliche und sachliche, in keinster Weise emotionale Wort zur Erklärung, dass ein bekämpftes Ziel soweit erfolgreich bekämpft wurde, dass es sich nicht mehr mit Kampf welcher Art auf immer melden kann.

Im englischen Militärjargon spricht man von "destroy" (z.B. im Rahmen eines Search/Seek and Destroy Einsatzes). Dabei ist das Zerstören/Vernichten neutral gemeint im Sinne von "ausschalten".

Dem bösen deutschen "vernichten" würde eher das englische "annihilate" entsprechen.
Beide Begriffe gehen IMHO über das einfache "töten" hinaus, denn speziell "annihilate" suggeriert die zusätzliche Zerstörung der Leiche (jedenfalls deutlich mehr als ein einfacher Kopfschuss, der ausreicht um einen Gegner zu töten und auszuschalten).

Dazu kommt noch, das der Begriff "vernichten" durch unsere Vergangenheit problematisch ist.

Leider darf man wg. den linken Gutmenschen auch nicht vom Töten sprechen, aber das ist nunmal der Job von Soldaten in einem Krieg. :rolleyes:
 
@ CHAOSMAYHEMSOAP

Deine Erklärung kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen - man sagt in der Bundeswehr gerade deshalb vernichten und nicht zerstören, weil man nicht "kaputtmachen", was zerstören aussagen würde, meint.

"Ziel vernichtet" wird von jedem Grundwehrdienstleistenden in seiner Gefechtsausbildung hunderte Male gemeldet, da ist nicht das geringste verwunderliche dran.

@ Haudrauff

Er kann sagen was er will, darum gehts nicht, es geht darum, dass er sich über Oberst Klein echauffiert, weil Oberst Klein in seinem Einsatzbericht, ein Militärdokument, keine Pressekonferenz, das Standardwort vernichten wählt - Oberst Klein hätte da nichts anderes schreiben können, denn in einem Einsatzbericht hat er sich natürlich an die Semantik der Bundeswehr zu halten und nicht an das semantische Chaos der deutschen Umgangssprache.
 
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"Vernichten" geht nach meinem Sprachverständnis weit über "zerstören" hinaus.

Hier kollidiert Fachsprache mit Umgangssprache, das ist immer schwierig und kein Grund für Diskussionen.
 
ich kann ein Ziel aber vernichten ohne es zu zerstören - wenn die Besatzung eines Kampfpanzers durch gasangriff getötet wird, ist das Zoel vernichtet, aber nicht zerstört, weil der Panzer benutzt werden kann.

Es ist auch üblich, dass bei normalem Vernichten eines Kampfpanzers mit einem Hochgeschwindigkeitsgeschoss oder einer Hohlldung die Besatzung verbrennt, aber ein Großteil des Panzers nicht zerstört ist und zumindest noch als Ersatzteillager dienen kann.
 
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das hast du recht core2quad, vor allem hat ja jeder eine andere interpretation (der eine findet das wort schlimmer, der andere das wort)

neutralisieren ist für mich fast noch schlimmer als vernichten. aber vllt da es in vielen vielen filmen und games normal ist (feind neutralisiert) und sich bei mir so festgesetzt hat

töten bleibt aber töten, ob ich terminiert, gefragged, geowned, vernichtet oder neutralisiert sage ist doch da relativ belanglos.

@mount

ich verstehe vernichten eher als vollständig zerstören, ist ein gutes beispiel für die verschiedenen interpretationen. ein zerstörter panzer kann ja z.b auch nur an den ketten kaputt sein, also auch wieder nach reperatur einsatzfähig. vernichtet versteh ich da eher als raketentreffer so dass nurnoch ein haufen metall über bleibt.
 
In BW-Sprache meint "vernichten" was anderes als der Volksmund, das wissen wir mittlerweile. Ich finde das immer noch keine Diskussion wert. Guttenberg wird's noch lernen.
 
Ah, mir war jetzt nicht wirklich ersichtlich um was es konkret ging. Ich wollte schon nachfragen.

Also regte er sich über die Wortwahl im Einsatzbericht auf? Naja, ich denke schon das er sehr genau weiß was es bedeutet. Nur muß er bei diesen heiklen Thema eben beschwichtigen wo er kann.
 
Wenn man das Wort "neutralisieren" betrachtet, meint es (in diesem Zusammenhang) einfach, dass ein Ziel von einem potentiell gefährlichen zu einem neutralen Ziel wurde. Wie auch immer.
 
Ich glaube Guttenberg hats schon vor langer langer Zeit gelernt, aber als Medienschönling geht er hier bewusst über Oberst Klein hinweg und lässt es zu, dass der in der Öffentlichkeit wegen dem Wort vernichten als Unmensch dargestellt wird, damit Guttenberg selbst öffentlich beliebt bleibt. Sowas könnte man Rufschädigung nennen - als Verteidigungsminister hat er meiner Meinung eigentlich auch eine Vermittlungsfunktion zwischen Militär und Volk, die er hier seiner Beliebtheit opfert.
 
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Nimmt die Leute noch jemand ernst? Es wird so geredet, dass der anderen Partei geschadet oder sich selbst geholfen wird.

Diese ganze Diskussion um Klein total schwachsinnig - im Nachhinein wissen es (vor allem die idiotischen Politiker) alle besser.
 
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