Guttenberg und das Wort "vernichten" im Einsatzbereicht zum Tanklasterangriff

Dieses Wort in diesem Zusammenhang zu gebrauchen kann nun mal für Zündstoff sorgen.
Ich bin sicher, unter anderen Umständen ist es nicht so verwerflich.

Den Vermittler zwischen Militär und Volk kann er in dieser Situation nicht mehr spielen. Jetzt gilt es erstmal eine Krise zu bewältigen. Ein Minister, ein Generalinspekteur und ein Generalsekretär sind ja bereits zurückgetreten. Wieso sollt man rücksicht auf einem Oberst nehmen?
 
Weils ungerecht ist, den Oberst öffentlich für etwas abzuurteilen, das kein Grund ist. Klar, ein minister, der gegen die Bildzeitungslogik argumentiert, kann schnell gestürzt werden, aber müssen wir deshalb gut finden, dass sich unsere Volksvertreter dermaßen zum Sklaven der Bildzeitung machen lassen? Was wenn jetzt irgenein geistig verwirrter Autonomer losrennt und dem "Unmenschen" Oberst Klein einen Molotow-Cocktail ins Wohnzimmer wirft? Rufschädigung ist meiner Meinung keine Sache, die man einfach so akzeptieren kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
Marcel^ schrieb:
Nimmt die Leute noch jemand ernst? Es wird so geredet, dass der anderen Partei geschadet oder sich selbst geholfen wird.

Ich habe mir den Bericht gerade angesehen und stimme dir vollinhaltlich zu. Erst mal ist die böse Opposition schuld, dann die Medien, dann die Klofrau vom ARD und zuletzt Muttis Liebling, der Mann mit dem schlechten Friseur, bzw. Styleberater.
 
Wenn man etwas nur anders nennt, existiert es immer noch. Diese ganze Diskussion regt wieder sehr zum Schmunzeln an. Aber sowas ist toll: Jeder darf mitmachen! Deutschland sucht das Superwort als Ersatz für "Vernichten". ;)
 
"Wenn man etwas nur anders nennt, existiert es immer noch."

Du hast nicht aufgepasst ;) Das militärische "vernichten" ist gar nicht schlimm, das Wort soll
nur die Soldatenseele ein bisschen aufbauen ("Wieder was vernichtet! Strrrrike!").
 
Zuletzt bearbeitet:
MountWalker schrieb:
...dass sich unsere Volksvertreter dermaßen zum Sklaven der Bildzeitung machen lassen?

Jeder halbwegs gebildete Bürgen kann sehr wohl differenzieren worum es da ging. Schließlich können auch die Leute außerhalb von Forumbase ein bischen denken.
Aber es ist nun mal so wie es ist. Als Politiker muß man sich nach allen Seiten absichern, gegebenfalls nach allen Seiten schießen. Das ist nicht erst seit diesem interview so.

Ich denke du bewertest diese Situation ein wenig zu arg.
 
@Haudrauff: bei allem optimismus, aber da muss ich dir wiedersprechen. Jeder halbwegs normal gebildete bürger sollte eigentlich bei dem Zugangserschwerungsgesetztes sehen, dass es sich dabei um Zensur im Internet handelt und gegen das Grundgesetzt verstößt. kaum einer findet dieses gesetz erschreckender weise falsch, viele sind sogar für diese Zensur

wenn nun also jeder halbwegs gebildete Bürger so gut differenzieren kann, warum glauben dann so viele was in der Bild steht? ich geh noch zu schule (in die 13. um genau zu sein) und muss oft mit erschrecken feststellen, dass viele einfach die argumente bringen die in der bild und konsorten stehen, vorallem bei diesem heicklen thema Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Die leute haben ihre eigene Meinung aus der Klatschpresse! die meisten wissen gar nicht, dass es evtl. gegenargumente gibt, warum wir z.b. beispiel in afghanistan sind und was die soldaten da unten machen!? erzähl mir da bitte nicht, dass jeder halbwegs gebildete bürgen da differenziert. Ich behaupte nur ein kleiner teil deutschlands kann das!

herr zu guttenberg redet sich um den kragen und ist definitiv nicht der richtige für den job. entweder hat er sein ministerium nicht im griff und wusste wircklich nix von dem KSK einsatz oder hier werden dinge vertuscht. das er jetzt kräftig austeilt zeigt eindeutig, dass irgendwas nicht stimmt und man ablenken möchte. Soll er ruhig weitermachen, irgendwann kostet es ihm eh den kragen, auch wenn ich herrn guttenberg für fähig halte, hat er hier definitiv das falsche ministerium gewählt, bzw. bekommen.
 
Für mich ist diese Geschichte geradezu exemplarisch für die Entwicklung unserer Gesellschaft.
Politische Korrektheit ist zur Zeit mehr als nur eine Modeerscheinung. Meiner Meinung nach nimmt es beinahe schon aberwitzige Züge an.

Man kann schlecht von vernichten sprechen, wenn wir uns offiziell nicht im Krieg in Afgahnistan befinden. Sondern auf einer Friedensmission. Und die Worte Frieden und vernichten passen halt sehr schlecht zusammen.

Unangenehme Worte, Kritik und auch geschlechterspezifische Dinge werden heutzutage so verpackt, das man möglichst niemanden damit auf die Füsse treten kann.
Kleine Kostprobe: Es heisst bei uns neuerdings nicht mehr Mitarbeitergespräch sondern Kooperationsgespräch. Das Wort Mitarbeitergespräch wäre geschlechterspezifisch und demnach diskriminierend. Also ist es nicht mehr zu verwenden.

Man möchte beinahe schon lachen, wenn dann nicht plötzlich jemand um die Ecke kommt und dem armen Tropf, der noch unbedacht Mitarbeitergespräch sagt, wegen Diskriminierung vor ein Gericht zerren will.

Wen wundert es da also, das sich auch ein Guttenberg nicht traut, die Dinge beim Namen zu nennen. Es ist ja auch der sprichwörtliche Eiertanz: Er muss als Verteidigungsminister der Truppe den Rücken stärken und gleichzeitig Political Correctness wahren.

Dort unten findet vor aller Augen Welt ein asymmetrischer Krieg statt: Nur geredet werden darf darüber nicht. Ich würde als verbale Abschwächung auch noch Konflikt gelten lassen.

Man könnte auch noch darüber sinnieren, welch "lustiger" Widerspruch sich aus der propagierten Friedensmission und der geplanten "Exit-Strategie" ergibt. Wie kann man denn aus dem Frieden aussteigen?
Vermutlich nur mit strategisch geplanter politischer Korrektheit.
 
Es nervt einfach nur noch, die Medien haben sich an einem Thema festgefressen und reizen es bis aufs letzte aus.

Als das es nichts wichtigeres gibt als diese paar Tanklaster, welche in die Luft geflogen sind. Versteht mich nicht falsch aber das ist nun seit Wochen im TV, ich kann es nicht mehr hören.
 
@Mountwalker

Du hast leider nicht ganz recht denn das Wort "vernichtet" wird bei der Bundeswehr nicht gebraucht. Es gibt auch kein "erfolgreich bekämft". Es gibt nur "bekämfpt". Es heißt "Ein Ziel bekämft!". Wenn es bekämpft ist dann ist es auch vernichtet (wie der Zivilist sagen würde) und erfolgreich bekämpft ist doppelt vernichtet. Man kann ja auch nicht erfolgreich Vernichten.

Grüße
 
Zuletzt bearbeitet:
Interessanter Thread, danke für den Beitrag Mountwalker. Ich habe gestern abend auch Beckmann geschaut und fand das "vernichtet" unangemessen, zumal Guttenberg es ja als "bermerkenswert" hervortat. Dass das anscheind zum gewöhnlichen Militärjargon gehört und eine nüchtern-beschreibende Formulierung sein soll, hätte ich nicht erwartet. Das liesse den Bericht des Oberst Klein wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Aber war der Guttenberg nicht selber beim Militär und sollte das eigentlich wissen?
 
Ich habe nicht alles gelesen, aber egal wie es für uns klingt, Fachtermini sind Fachtermini. Das hat sich etabliert und jeder weiß, der sich damit auskennt, worum es geht. Das muss auch so bleiben. Wer sich nicht auskennt, hat nicht mit zu reden.

Die guten Politiker werden damit aber konfrontiert und müssen, immer Wählerstimmen im Hinterkopft habend, solche Fragen beantworten. Ich glaube kaum, dass Herrn Gutenberg der Begriff ein Dorn im Auge ist, aber das muss er so präsentieren, denn seine Reputation ist sein Kapital.
Die Presse, die ihn mit solchen Fragen festnageln will tritt die ganze sinnlose Diskussion los nur damit die Verkaufszahlen stimmen. Ach usw..
Alles nur Verdummung. Solange man sich über Worte streitet können "ungesehen" Menschen sterben und weit aus wichtigere Probleme unter den Tisch gekehrt werden.

Cu
Lasyx
 
MountWalker schrieb:
Deine Erklärung kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen - man sagt in der Bundeswehr gerade deshalb vernichten und nicht zerstören, weil man nicht "kaputtmachen", was zerstören aussagen würde, meint.

Daß die Nazis und ihre Wehrmacht einen Vernichtungskrieg gegen Polen und die Sowjets führten, ist dir wohl entgangen.
Daß es dabei nicht nur um das Töten von Menschen, sondern auch ihre industrielle Verwertung (das Töten wurde ja auch schon industriell organisiert) ging und daß die Leichen anschließend vernichtet wurden, so daß nur noch Asche übrig blieb scheinst du auch zu übersehen.

Allerdings sind auch andere Begriffe wie "Töten" oder "Zerstören" problematisch, da die linken Gutmenschen sich eine "Friede Freude Eierkuchen" Armee wünschen.
Daß eine Armee im Krieg zum Töten ausgeschickt wird, ist dem Bundesbürger doch nur schwer vermittelbar.

Zum Glück waren die Allierten im 2. Weltkrieg nicht solche Weicheier. Zum Glück sprachen sie nicht von bedauerlichen "Kollateralschäden" als sie deutsche und japanische Städte Nacht für Nacht in Schutt und Asche legten.

Und genau darum leben wir jetzt in Freiheit. ;)
 
Hammelkopp schrieb:
@Mountwalker

Du hast leider nicht ganz recht denn das Wort "vernichtet" wird bei der Bundeswehr nicht gebraucht. Es gibt auch kein "erfolgreich bekämft". ...
Das ist falsch, denn erfolgreich bekämpft bedeutet eben vieles, ua. kann es bedeuten, dass sich die bekämpfte Einheit aufgrund des Angriffs zurück zieht - will ich aber ausdrücken, dass ich die Einheit soweit bekämpft habe, dass sie als diese Einheit nicht mehr existiert, muss ich schon sagen, dass ich das Ziel vernichtet habe. Oberst Klein hat also in dem bericht zum Ausdruck gebracht, dass er den zu bekämpfenden vermeintlichen Rebellen/Taliban/Partisanen/whatever keine Chance zum Rückzug gewähren wollte, mehr nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Geht es überhaupt um den Begriff oder eher darum, dass sich Guttenberg jetzt jenseits seiner Kernkompetenzen profilieren muss?
Dieses Prinzip ist weitverbreitet: Man kritisiert oder lobt eine bestimmte Sache, obwohl man sehr genau weiß, dass die Fachwelt das ganz anders sieht (und recht hat). Da kennen wir doch alle genügend Beispiele in Bereichen, wo wir Profis sind. Ich denke da an gewaltätige Computerspiele, Internetzensur, Familienpolitik etc.
Einfach nichts bei denken, das ist politischer Alltag.
 
Odium schrieb:
Geht es überhaupt um den Begriff oder eher darum, dass sich Guttenberg jetzt jenseits seiner Kernkompetenzen profilieren muss?

Angesichts der deutschen Vergangenheit geht es auch um den Begriff, aber wohl eher um die Frage, ob die Bundeswehr töten darf.

Die linken Gutmenschen der BRD sind ja empört darüber, daß der Oberst Klein es gewagt hat ein paar Taliban, die keine unmittelbare Bedrohung darstellten, wegzubomben.

Daß diese Taliban bereits ca. 30 deutsche Soldaten getötet haben und die Truppen bei Kunduz z.T. täglich beschossen wurden, wird von diesen Gutmenschen natürlich bewußt ausgeblendet. Wenn der Oberst jetzt also ein paar Taliban wegbomben läßt (er hatte ja Informationen, daß die lokalen Taliban samt Anführern sich bei den Tanklastern versammeln), wird das von den linken Gutmenschen schon fast wie ein Kriegsverbrechen gewertet.
 
Mir fällt auf das unsere Herren Politiker immer mehr den Bezug zur Realität verlieren. Genauso wie die meisten die jetzt Guttenberg kritisieren, gar seine Absetzung verlangen.

Ich finde hier passt der Spruch " Wo gehobelt wird da fällt Späne" sehr gut. Man kann doch nicht ernsthaft erwarten ein Land mal eben so zu "kolonialisieren" ohne auf Widerstand zu treffen. Da oben herrscht Krieg, das es sich immernoch um eine Friedensmission handelt können die sonst wem erzählen - mir nicht. Und der arme Guttenberg darf das jetzt ausbügeln und soll für eine Sache geradestehen welche er selber nichteinmal Verantworten kann, meiner Erkenntnis nach wurde er ja erst nach dem Angriff informiert. Das wird jetzt aber so dermaßen plattgetreten - natürlich nur politisch korrekt!

Bürokratie ftw...
 
ThomasSilent schrieb:
zu dem mandat. wenn dir die kugeln um die ohren fliegen, oder du dein leben in gefahr siehst, ich verspreche dir du wirst auf das mandat "schei****". krieg lässt sich nunmal schwer bürokratisch regeln und man kann auch nicht jedesmal ewig diskutieren bevor man handelt. da keiner von uns direkt vor ort ist/war können wir da eigentlich nichtmal ernsthaft mitreden.


ich bin mir über den auftrag im klaren. der hauptpunkt soll anscheinend die sicherung unserer zugeteilten region sein. nur genaues wird uns auch nicht erzählt. oder hat jemand von euch schon in den zeitungen von den xxxxx ksk einsätzen gehört. da unten sterben schon länger menschen durch deutsche kugeln...

http://www.tagesschau.de/inland/afghanistanmandat102.html
http://www.tagesschau.de/ausland/bundeswehrtaliban100.html

Der Auftrag der BW ist, die afghanische Regierung bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit zu unterstützen - mit militärischen Mitteln.

Das einzige, was einen an der Situation wundern sollte ist, dass es scheinbar Leute und Politiker gibt, die überrascht sind, dass es dort unten Tote gibt. Was haben die Leute denn erwartet ? Die schicken zig tausend Mann mit Bewaffnung und schwerem Gerät da runter und sind nachher entsetzt, dass es Tote gibt ? Was haben die geglaubt, was dort unten vor sich geht ? Großwildsafari ?

CHAOSMAYHEMSOAP schrieb:
Allerdings sind auch andere Begriffe wie "Töten" oder "Zerstören" problematisch, da die linken Gutmenschen sich eine "Friede Freude Eierkuchen" Armee wünschen.

CHAOSMAYHEMSOAP schrieb:
Leider darf man wg. den linken Gutmenschen auch nicht vom Töten sprechen, aber das ist nunmal der Job von Soldaten in einem Krieg. :rolleyes:

CHAOSMAYHEMSOAP schrieb:
Die linken Gutmenschen der BRD sind ja empört darüber, daß der Oberst Klein es gewagt hat ein paar Taliban, die keine unmittelbare Bedrohung darstellten, wegzubomben.

CHAOSMAYHEMSOAP schrieb:
Daß diese Taliban bereits ca. 30 deutsche Soldaten getötet haben und die Truppen bei Kunduz z.T. täglich beschossen wurden, wird von diesen Gutmenschen natürlich bewußt ausgeblendet. Wenn der Oberst jetzt also ein paar Taliban wegbomben läßt [...] wird das von den linken Gutmenschen schon fast wie ein Kriegsverbrechen gewertet.

Ist ja gut, Berlusconi.
Komm, kurier dich erstmal aus, bevor dir vor Aufregung deine Nähte platzen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Naja, die Tagesschau wird ja auch von der Regierung "zensiert"

Das einzige, was einen an der Situation wundern sollte ist, dass es scheinbar Leute und Politiker gibt, die überrascht sind, dass es dort unten Tote gibt. Was haben die Leute denn erwartet ? Die schicken zig tausend Mann mit Bewaffnung und schwerem Gerät da runter und sind nachher entsetzt, dass es Tote gibt ? Was haben die geglaubt, was dort unten vor sich geht ? Großwildsafari ?

das frage ich mich auch immer...
Das meinte ich ja in meiner ersten Aussage mit "Wenn man Krieg spielt..."
Und für viele Politiker ist Krieg ein Spiel was ausdisskutiert werden kann - ach mich regt die Regierung einfach auf
 
Zurück
Oben