Der Artikel hat im Grundsatz Recht. Aber eigentlich hat sich zu früher nicht viel verändert. Nur der Maßstab ist größer geworden. Viele haben früher in der Stadt gelernt bzw. einen Arbeitsplatz gesucht und gefunden, in der sie aufgewachsen sind. Hat man sich in seiner Jugend zu sehr und zu offensichtlich in der Öffentlichkeit daneben benommen, hätte einem das schon damals auf die Füße fallen können. Nun ist alles etwas weitläufiger. Viele schrecken nicht mehr davor zurück ans andere Ende des Landes oder gar ins Ausland zu ziehen, womit man dieses lokale, öffentliche Gedächtnis vermeidet. Nun gibt es aber das Internet. Aber wieso sollte es hier anders sein? Und warum sollte jemand der sich im Netz nicht benehmen kann, dies im öffentlichen Leben tun?
Drehen wir den Spieß einfach mal um. Jemand hat sich im Internet (bis auf ein paar witzige Fotos von Parties) nie daneben benommen, ernsthafte Beiträge zu interessanten Themen verfasst und alles in allem ein gutes Bild von sich hinterlassen. Das wäre ein immenser Vorteil dann durch einen Headhunter mit diesem Profil gefunden zu werden. Es sollte vorallem die Chancen derjenigen verbessern, die das Internet nicht als absolut anonymen und rechtsfreien Raum sehen.
Und warum sollte man nicht für seine Äußerungen und Taten (im virtuellen wie im realen) die Konsequenzen tragen? Ich verstehe die angedeutete Paranoia des Artikels irgendwie nicht.
Und das Thema "Party-, Festival- oder Spaßbilder in Communities" kann man auch sehen wie man will. So lange da nicht unbedingt Bilder zu sehen sind, wie man kotzend in der Ecke liegt (was auch ein Indiz für Unreife ist) oder ähliches, kann es auch positive Auswirkungen haben. Man sieht vielleicht, dass die Person einen intakten, großen Freundeskreis hat (Teamfähigkeit, soziale Kompetenz) und dass auch mal andere Dinge im Vordergrund stehen, als Arbeit/Schule [(Stress-)Ausgleich] oder dergleichen. Außerdem war von denen die diese Dinge beurteilen, sicherlich auch mal jeder jung und hat seine Leichen im Keller, ist immer nur die Frage wie viele...
Man kann den Arbeitskraftsuchenden heute eigentlich keinen Vorwurf machen diese Mittel zu nutzen. Wer kauft schon gerne die Katze im Sack?
Doch wer dich im Internet "klickt" der bekommt eben viel zu schnell ein Bild von dir, welches ganz und gar nicht dem entspricht wie du wirklich bist. Vor allem da, und hier ist der Artikel ja wirklich eindringlich, das Bild im Internet ein Sammelsurium von Informationen ist welche über Jahre hinweg gesammelt wurden.
Auf privater Ebene mag das stimmen. Dort bildet man sich meist eh viel zu schnell ein Urteil über Menschen. Meist noch ehe man sie eigentlich kennengelernt hat. Aber ich denke auf professioneller Ebene, kommt diese vorurteilsgeladene Meinungsbildung eher selten zu stande. Wenn tatsächlich über eine Person recherchiert wird, dann werden die meisten Facetten im richtigen Gewicht bewertet. Sollte jedenfalls so sein, andernfalls kann man das (sollte man soweit kommen) bei einem Gespräch immer noch klar stellen oder gerade rücken.