sHinO schrieb:
Ein stereo verstärker braucht kein einmess systen....
Wenn ich über avr stereo höre Dann direct.... Dann ist auch alles abgeschaltet....
Schau dich nach den denon avr 3500 um....
Und ein stereo für 500€ wird besser sein als ein avr für 1000€
@sHinO
Mir scheint es so, als ob du dich bisher nie wirklich mit dem Thema der Raumakustik beschäftigt hast. Dabei ist die Raumakustik neben der Aufstellung der Lautsprecher DER entscheidende Faktor für ein gutes Klangergebnis. Die Generalisierung, dass ein Stereoverstärker für 500€ besser klingen wird als ein AVR für 1000€, ist daher einfach komplett unhaltbar. Das lässt sich anhand mehrerer Gründe ableiten:
Ein Einmesssystem kann auch bei einem Stereo-Setup eine erhebliche Veränderung bzw. Verbesserung des Klangs bewirken. Gerade dann, wenn die Raumakustik und die Aufstellung der Lautsprecher ungünstig ausfallen. Und in absolut JEDEM Raum ist zu beobachten, dass bestimmte Frequenzen im Bassbereich überbetont werden. Und da spielt sich der Vorteil des AVR dann gewaltig aus. Während ein AVR mittels Raumkorrektur diese Raummoden abdämpfen und bei einer ungünstigen Lautsprecheraufstellung eine Laufzeitkorrektur vornehmen kann, bist du mit dem Stereo-Verstärker absolut machtlos. Die Raumkorrektur begrenzt sich also nicht nur auf Sourround-Systeme, sondern hat ebenso im Stereo-System eine sehr große Daseinsbereichtigung. Nicht umsonst haben sowohl Yahama als auch Denon inzwischen Stereoreceiver entwickelt, welche ebenso mit den Raumkorrektursystemen Audyssey und YPAO ausgestattet sind. Hier ein Beispiel:
Yamaha MusicCast R-N803D
Nur weil beim Stereoverstärker weniger Endstufen verbaut sind, heißt dies im Umkehrschluss nicht automatisch, dass diese hochwertiger sind und entsprechend eine höhere Klangqualität liefern. Denn gerade die Endstufen sind im Vergleich zu den anderen Komponenten bei der Produktion realtiv günstig, zudem werden die AVRs in viel größeren Stückzahlen produziert als Stereoverstärker. Dadurch sinken die Produktionkosten für einen AVR dratisch. Das Argument, dass ein Stereoverstärker in der gleichen Preisklasse besser klingen MUSS als ein AVR, ist daher nicht haltbar.
Man sollte endlich mal aufhören immer zu denken, dass AVRs nicht für Steroemusik geeignet sind. Das ist in heutiger Zeit absoluter Unsinn. Mach doch mal einen ORDENTLICH durchgeführten Blindtest zwischen einem AVR und einem Stereoverstärker jeweils in der gleichen Preisklasse: Verschiedene AVRs und Stereoverstärker ohne jegliche Klangprogramme bei exakt gleicher Lautstärke wiederholt gegeneinander hören, ohne dabei die Preisklasse des jeweiligen Geräts zu kennen. Ich bin mir mir sehr sicher, dass 99% der Leute nicht in der Lage sein werden, die vermeintlichen Unterschiede korrekt zuzuordnen. Auch mehrere Studien haben immer wieder gezeigt, dass die Zuordnung der gehörten Unterschiede nach dem Zufallsprinzip erfolgt. Das Ergebnis hat immer wieder einer lupenreinen Zufallsverteilung entsprochen. Ich garantiere dir, dass du bei einem korrekt durchgeführten Blindtest auch nach mehrmaligem Hören den Klang nicht korrekt zuordnen können wirst. Weshalb also sollte ich dann unbedingt auf die sinnvollen Neuerungen eines AVRs verzichten? Raumkorrektur, Anschlussvielfalt, Erweiterungsmöglichkeiten zum Sourroundsystem, Trennfrequenzeinstellung für einen Subwoofer (falls mal einer angeschafft werden sollte) um mal einige Vorteile zu nennen. Man bleibt zu jeder Zeit flexibel für Änderungen.
Vor allem im Bassbereich treten die größten Probleme durch Verzerrungen im Frequenzgang auf. Ich persönlich habe dann lieber gar keinen Bass, als einen dröhnenden Bass. Das jedoch solche Raummoden vorliegen werden ist so sicher wie das Amen in der Kirche und Resultat der Physik. Gerade dann ist es dann umso wichtiger mit akustischen Maßnahmen zu arbeiten (Absorber, Diffusor, Resonator...), da sich Auslöschungen und Überhöhungen noch viel stärker bemerkbar machen werden. Und dann wirst du umso glücklicher sein, wenn du zum damaligen Zeitpunkt dich dann doch für einen AVR vernünftigem Einmesssystem entschieden hast, denn der Stereoverstärker wird dich in diesem Fall dann komplett im Stich lassen, wenn es im Raum dröhnt. Den Löwenanteil der Klangqualität machen die Lautsprecher und die Raumakustik aus. In Lautsprecher investieren viele immer sehr viel Geld. Die Raumakustik wird hingegen meist Stiefmütterlich behandelt oder ganz außer acht gelassen. Dabei hat die Raumakustik weit weit mehr Einfluss auf den Klang (schon fast mit der Qualität der Lautsprecher gleichzusetzen) als die Bautteilqualität des Verstärkers. Wenn keine realen Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik vorgenommen werden können, dann kann in einem akustisch unbehandelten Raum solch ein Einmesssystem eines AVRs trotzdem noxhmal einiges an Klangverbesserung bewirken.
Manche Leute kaufen sich die teuersten Lautsprecher und den teuersten Stereoverstärker, stellen die Lautsprecher in die Ecken direkt an die Wand in einem akustisch unbehandelten Raum mit kaum Möbeln und kahlen Wändern und starkem Nachhall, wundern sich dann aber, dass der Klang absolut beschi**en klingt. In akustisch optimierten Raum mit sinnvoller Lautsprecheraufstellung klingt dann selbst eine Stereoanlage der Einsteigerklasse besser.
Wenn du einen perfekt akustisch optimierten Raum hast und dazu die Lautsprecher perfekt aufgestellt sind, dann hätte das Einmessystem des AVR wirklich keine Daseinberechtigung. Solch ein Fall wird aber niemals vorliegen, da der Raum IMMER den Frequenzgang der Lautsprecher verzerren wird.
Würden die Lautsprecher draußen im Freien stehen, so würden die Lautsprecher den Klang tatsächlich unverfälscht wiedergeben. Der Raum allerdings nimmt einen riesen Einfluss auf den Klang durch die Reflexion der einzelnen Frequenzen an den Wänden, wodurch Frequenzüberhöhungen aufgrund von positiver Überlagerungen und Auslöschungen aufgrund negativer Überlagerungen resultieren. Daraus folgt, dass der eigentlich neutral ausgegebene Klang des Lautsprechers auf dem Weg zum Zuhörer so stark verzerrt wird, dass er alles andere als linear bzw. neutral beim Zuhörer angelangt und vielmehr der Aufzeichnung eines Seismographen während eines Erdbebens gleicht. Und genau hier kommen die Equalizer um Einsatz, welche diesen Misstand korrigieren sollen, sodass der beim Zuhörer ankommende Klang wieder linearisiert wird, sodass alle Frequenzbereiche gleichermaßen klingen. Die Hifi-Puristen sehen die Equalizer als "Klangverfälscher" an, doch dabei vergessen sie eben den Einfluss des Raums. Ein Equalizer verzerrt nicht den Klang, sondern bewirkt genau das Gegenteil: Er korrigiert den durch den Raum verzerrten Frequenzverlauf, sodass er so beim Hörer angelangt, wie es die Produzenten im Tonstudio es angedacht haben. Und genau nach diesem Prinzip handeln auch die Einmesssysteme der AV-Receiver: Sie versuchen die negativen Einflüsse des Raums durch Korrekturen bestmöglich zu eliminieren. Auch Absorber, Diffusoren und Resonatoren zielen auch den gleichen Effekt ab und das Potential sollte in keinem Fall unterschätzt werden, da dieses noch höher ausfällt als der Einsatz eines Equalizers. Daher sollte man den Klang im Raum am besten zuerst mit solchen "realen" akustischen Maßnahmen optimieren.