Wie machtlos sind Sucht"kranke"?

BessenOlli

Banned
Registriert
Dez. 2001
Beiträge
2.314
So, jetzt gibt es ein eigenes Thema für diese Diskussion, die sich in einem anderen Thread entwickelt hatte.

Es geht speziell um die Frage, inwiefern Sucht"kranke" selber für ihr Schicksal verantwortlich sind und inwiefern man individuelle Biographien berücksichtigen muss.

Für mich persönlich hat Justizia blind zu sein. Wesentlich blinder, als sie inzwischen ist. Strafbestände mit Biographien bzw. der berüchtigten "schweren Kindheit" oder dem "anderen kulturellen Umfeld" zu relativieren halte ich für gefährlich und naiv. Meiner Meinung nach sollte Kriminalität aus der Perspektive der Gesellschaft - und nur der Gesellschaft - die geschädigt wurde, beurteilt werden.

Konkret ging es dabei um Fälle von "Beschaffungskriminalität" und so weiter. Der Zweck sollte also nach meinen Maßstäben keinerlei Einfluss auf das Strafmaß haben. Warum jemand stiehlt oder raubt ist für mich daher nicht relevant - denn es ist für die Geschädigten auch nicht relevant.

Die Annahme, dass Süchtige "krank" seien, lehne ich des Weiteren auch absolut ab. Ich mache dabei als Hauptprobleme Disziplinlosigkeit und einen Hang zur Selbstzerstörung aus. Solchen Leuten zu sagen, sie hätten ihr Schicksal krankheitsbedingt nicht in der Hand, halte ich für kontraproduktiv. Disziplin vermittelt man so nämlich wohl kaum.

Wie steht ihr dazu?
 
Danke für die Verlegung der Diskussion.

Ich weiß im Moment nicht so recht, wo ich anfangen soll.
Aber ich gehe mal auf folgendes zuerst ein:

Ich finde es auch kontraproduktiv, einem Suchtkranken zu vermitteln, er hätte sein Schicksal nicht selber in der Hand.
Jedoch müssen Suchtkranke oft erst ein Gefühl für sich selber entwickeln und ein Gefühl für Grenzen.
Deswegen brauchen sie Menschen, die sie auf dem Weg begleiten und unterstützen.

Ob man einen Süchtigen als "krank" bezeichnet oder nicht, halte ich für eine eigentlich sehr nebensächliche und unwichtige Frage.
Sie spielt allerdings eine Rolle, wenn es um die Frage der Bezahlung von unterstützenden oder helfenden Maßnahmen wie Thearpien geht.
Aus diesem Grunde ist die Einstufung als "krank" sinnvoll.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Thema ist schon lange komplett Desensibilisiert ..

Ich sag dazu nur .. egal. Wenn jemand Suchtkrank ist, sagen wir krank oder einfach nur süchtig, dann zählt in erster Linie ausschließlich die Hilfe, nicht ob er selbst dafür verantwortlich ist: WEIL:
Sucht meistens eine tief psychologische Bindung voraussetzt, etwas was der Süchtige nicht selbst verschuldet haben kann und zweitens die körperliche Abhängigkeit, auch das ist nicht durch Worte beeinflussbar.

Wenn man jemanden zu seinem Glück zwingen muss, dann macht man das eben, wieso wesshalb warum ist dabei gleichgültig. Es geht darum dem Süchtigen etwas zu vermitteln, damit er von der Sucht loskommt.

Weißt du wieso das keinen Sinn hat drüber zu diskutieren? Weil da so gut wie jeder eine eigene Meinung hat und im Endeffekt niemald alles durchliest, was zu maximal einer 5-Köpfigen Diskussionsrunde führt wo sich niemand sonst mehr eingliedern kann o. zwecks Informationsmangel aus den vorherigen Beiträgen systematisch vom Betrachter/Teilnehmer ausgeschlossen wird.

mfg,
Markus
 
Selbst wenn man im Endeffekt nur mit ein paar Leuten ernsthaft diskutiert oder redet, es macht doch trotzdem Sinn.
In den meisten anderen Threads, die länger als zwei Seiten sind, ist das auch nicht anders. Dennoch bringen die Threads was.
Warum schreibst du als allererstes, dass das Thema desensibilisiert sei?
Die Desensibilisierung war doch dazu da, dass man da heute offen drüber reden kann.
Von daher verstehe ich nicht, was du damit bezwecken willst?


Ich sag dazu nur .. egal. Wenn jemand Suchtkrank ist, sagen wir krank oder einfach nur süchtig, dann zählt in erster Linie ausschließlich die Hilfe, nicht ob er selbst dafür verantwortlich ist: WEIL:
Sucht meistens eine tief psychologische Bindung voraussetzt, etwas was der Süchtige nicht selbst verschuldet haben kann und zweitens die körperliche Abhängigkeit, auch das ist nicht durch Worte beeinflussbar.

Mich interessiert, was du damit zu erzählen versucht hast. Aber ich verstehe es nicht zu 100%.
Könntest du das bitte nochmal in anderen Worten versuchen und eventuell etwas ausführlicher beschreiben?
 
Zuletzt bearbeitet:
du hast bei deinem standpunkt einen wesentlichen punkt vergessen. auch ein suchtkranker wird danach beurteilt ob er für seine taten verantwortlich gemacht werden kann, also schuldfähig ist (hätte erkennen können/müssen, dass er unrecht handelt).

dies berücksichtigt, ergibt sich eine weitere abstufung im findungsprozess der bewertung einer straftat. sucht mit schuldfähigkeit und sucht mit schuldunfähigkeit. wie auch immer. ich stimme mit dir überein das justitia gerade was den punkt der schuldunfähigkeit (schwere kindheit etc) oft zu lasch bewertet. dies liegt aber in der mentalität unseres rechtssystems begründet, welches in erster linie die resozialisierung von straftäter anstrebt.
 
dies berücksichtigt, ergibt sich eine weitere abstufung im findungsprozess der bewertung einer straftat. sucht mit schuldfähigkeit und sucht mit schuldunfähigkeit. wie auch immer. ich stimme mit dir überein das justitia gerade was den punkt der schuldunfähigkeit (schwere kindheit etc) oft zu lasch bewertet. dies liegt aber in der mentalität unseres rechtssystems begründet, welches in erster linie die resozialisierung von straftäter anstrebt.


In dem Zusammenhang liegt mir eines besonders am Herzen.
Bitte macht nicht den Fehler und vermischt drogensüchtige Ladendiebe, Mörder, Vergewaltiger und Kinderschänder zu einem Brei!

Ich denke auch, dass die Justiz oftmals zu sehr schwer nachvollziebaren zu laschen Urteilen kommt.
Daneben gibt es aber sicher auch mehr als genügend Fälle, wo die Strafe zu hoch ausfällt.
So pauschal lässt sich das eh nie mit Gewissheit sagen.
Wenn man zu einem angemessenen Urteil kommen möchte, dann muss man sowieso seine eigenen Gefühle zu dem jeweiligen Thema allergrößtenteils außen vor lassen.
Man muss da mit kühlem Kopf ran gehen.


Was Drogensucht und Justiz angeht:
Ich bin der Meinung, dass die Justiz da nichts zu suchen hat.
Denn es ist die Entscheidung eines jeden selbst, ob er Drogen konsumieren möchte oder nicht.
Zudem wirken manche Drogen bei vielen Menschen auch wie Medikamente.
Heroin z.B. ist ein hervorragendes Schmerz- und Beruhigungsmittel.
Andere Medikamente werden ja auch nicht verboten, obwohl sie teilweise noch viel schlimmer abhängig machen.


@ Bessen Olli

Warum jemand stiehlt oder raubt ist für mich daher nicht relevant - denn es ist für die Geschädigten auch nicht relevant.

Da bist du aber ganz schon vorurteilig.
Woher nimmst du die Kenntnis, dass sich Drogensüchtige keine Gedanken über ihre Straftaten machen?
Lies dir mal Bücher zu dem Thema durch!
Da wirst du feststellen, dass das in den meisten Fällen sogar so ist, dass die Leute sich immer mehr betäuben "müssen", weil sie ihre Schuldgefühle nicht ertragen können.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich habe selber einen suchtkranken Menschen in meinem direkten Umfeld.
Von da her kann ich sagen es ist wirklich als Krankheit anzusehen.
Der Süchtige hat sich nicht freiwillig dazu entschlossen abhängig zu werden!

Der Süchtige hat oft auch gar keinen Bezug zu seiner Krankheit - fragst Du ihn wird er Dir sagen alles wäre OK und dies würde er tatsächlich ernsthaft glauben - die eigene Abhängigkeit zu erkennen würde bedeuteten er müsste reflektierend sich selbst betrachten und das kann bzw. tut er nicht.
Unterbewust weiß der Suchtkranke nämlich was los ist, nur wahrhaben will er es nicht, es wird verdrängt, und je tiefer er sinkt, je schlimmer es wird, desto mehr verkriecht er sich in sich selbst.
Das führt dazu das es mit fortschreitender Krankheit immer schwieriger wird an diesen Menschen heran zu kommen bzw. ihn zu therapieren.

Denn eines ist völlig klar, willigt der Süchtige nicht selber in eine Therapie ein - will er nicht selber, freiwillig, aus eigenem Antrieb heraus die Sucht überwinden - sind Zwangsmaßnahmen sinnlos und zermürben nur diejenigen die nur helfen wollen.

Eine Abhängigkeit ist zwar primär erstmal eine rein körperliche Sache - die man zur Not auch unter Zwang - behandeln kann aber die Ursachen liegen doch woanders. Der Kranke wird sich immer wieder in das Abhängigkeitsverhältnis begeben da es ihm scheinbar hilft mit sich selber und seiner Umwelt klar zu kommen. Da kann man Apelle an einen gesunden Menschenverstand gleich sein lassen da selbiger bei diesen Personen schlicht nicht mehr vorhanden ist.

Fragt man den Suchtkranken könnte er niemals Gründe nennen die ihn letztendlich so weit gebracht haben, für den Süchtigen gilt es primär nur sich hinter seiner Sucht zu verstecken, alles andere ist belanglos...

Der Kranke richtet seine völlige Aufmerksamkeit auf die Suchtbefriedigung, dieses bestimmt sein weiteres tägliches Leben vollständig. Auch wenn man sich dies vor Augen hält erkennt der Kranke seine Krankheit nicht. Jedenfalls erkennt er keinen Ausweg, wer Weg führt nur immer weiter in die Abhängigkeit hinab. Je mehr er fühlt das die Sucht ihn von anderen distanziert desto weiter geht er. Das dies ein Kreislauf ist der zwangsläufig zu seinem Ende führt begreift er nicht.

Es ist zwar hart aber diese Menschen muss man fallen lassen und selbst wenn sie am Boden liegen liegen lassen, erst wenn er um Hilfe bittet wird geholfen, eine aufgezwungene Hilfe ist vergeblich und wird im schlimmsten Fall nur in einer Verstärkung der Abhängigkeit münden.

Man muss durchaus diferenzieren. Man muss stets und immer auch den Hintergrund einer Tat durchleuchten sonst wäre unser Rechtssystem unfair.
Jeder soll gleich behandelt werden, richtig! Aber jeder muss auch von seinem individuellen Punkt abgeholt werden sozusagen. Schuldunfähig oder nicht ist erstmal egal, se gilt auch zu bewerten in wie fern eine Strafe für den einzelnen überhaupt eine Strafe darstellt...

So, die Gesellschaft soll also entscheiden, so quasi Lynchjustiz oder wie?
Zu sagen es spielt keine Rolle warum eine Straftat begangen wurde ist in meinen Augen eine extrem egoistische Ansicht. Du könntest in einem Atemzug fordern alle Anwälte abzuschaffen, warum überhaupt noch Gerichte, an die Wand und fertig, geht schnell und spart Geld... feine Sache!!!

Und wehe es träfe Dich selber... "Ja, aber aber und weil..."
 
andiac schrieb:
Denn es ist die Entscheidung eines jeden selbst, ob er Drogen konsumieren möchte oder nicht.

Richtig. Aber warum soll dann die Gesellschaft die Pflicht haben, den Leuten später zu helfen?

Eine andere Sache wäre es natürlich, selbst harte Drogen (unter strengen Auflagen) legal verfügbar zu machen. Dann könnte man sie versteuern und wäre dennoch unter dem Preis auf dem Schwarzmarkt, den man so zerstören würde (was auch Geld einsparen würde).

Wobei dann natürlich die Frage wäre, wer z.B. Heroin herstellt. Und ob es vertretbar wäre, wenn derjenige dann Gewinne damit erwirtschaften würde. Immerhin gäbe es dann jemanden, der ein Interesse daran hätte, dass Menschen Heroin nehmen. Und da wird es dann sehr schnell sehr bedenklich. Und wenn der Staat jetzt z.B. zu Bayer gehen würde, damit die Heroin zu den Herstellungskosten an den Staat geben... warum sollte Bayer sich ohne Gewinnaussicht das Image mit sowas beschädigen?

Immerhin haben selbst die Holländer was "Drogenhanf" angeht einige Probleme, was die Produktion im eigenen Land angeht. Vermutlich aus ähnlichen Gründen.

KnolleJupp schrieb:
Zu sagen es spielt keine Rolle warum eine Straftat begangen wurde ist in meinen Augen eine extrem egoistische Ansicht. Du könntest in einem Atemzug fordern alle Anwälte abzuschaffen, warum überhaupt noch Gerichte, an die Wand und fertig, geht schnell und spart Geld... feine Sache!!!

WTF? Die Frage von Schuld oder Unschuld ist etwas gänzlich anderes, als die Relativierung von nachgewiesener Schuld. Und was du "egoistisch" findest, nenne ich objektiv.

KnolleJupp schrieb:
Der Süchtige hat sich nicht freiwillig dazu entschlossen abhängig zu werden!

Willst du damit sagen dass die Leute den Stoff für harmlos gehalten haben, als sie ihn erstmals benutzt haben?

Natürlich wird jemand mit der nötigen Disziplin selbst von Drogen wie Heroin längst nicht automatisch abhängig. Aber wenn jemand seine Disziplin überschätzt, dann ist er selber schuld. Ich würde es auch durchaus interessant finden, Sachen wie LSD mal zu probieren - aber da ich nicht sicher sein kann, dass ich die Disziplin habe, nicht darauf hängen zu bleiben, lasse ich es. Zumindest solange ich nicht davon ausgehen muss, dass mein Leben ohnehin aus anderen Gründen in Kürze enden wird. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Wie willst Du etwas objektiv - sprich allumfassend und von eigenen Meinungen und Vorurteilen ausgeklammert - beurteilen wenn Du es Dir nicht in seiner gänze, vollständig ansiehst?
Es wäre sehr nett wenn Du diese Frage beantworten würdest.

Du beurteilst nur das Resultat aber nicht den Weg dorthin.
Wie willst Du beurteilen ob eine Stafe - wie immer die dann im Einzelfall auch aussieht - sein Ziel erreicht?
Oder spielt das für Dich etwa keine Rolle?
Bitte beantworte auch diese Fragen.

Wenn es nur darum gehen würde die Gesellschaft vor Straftätern zu schützen wären wir wieder bei der Wand vor die sie sich alle stellen können...

Und nein, der Süchtige hat es sich nicht ausgesucht süchtig zu werden, als er die Dinge "benutzte" die ihn in die Abhängigkeit brachten waren sie für ihn nur Mittel zum Zweck! Und der Zweck war nicht abhängig zu werden sondern andere Probleme damit zu verdrängen!!!
Das es sie in eine Abhängigkeit bringen würde spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle für diese Menschen und da fängt die Ignoranz schon an.
Natürlich klingt das dämlich - so was würde doch keiner machen... - aber scheinbar warst Du - glücklicherweise - noch nie in einer Situation wo so etwas eine Rolle spielte!
Selbst das kannst Du nicht objektiv bewerten! Du bist darauf angewiesen auf die Meinung anderer zu Vertrauen.

Darum werden fast nur psychisch labile Menschen anhängig. Weil alle anderen bereits VOR dem Konsum erkennen würden wohin sie das bringen würde!!!
 
Zuletzt bearbeitet:
Richtig. Aber warum soll dann die Gesellschaft die Pflicht haben, den Leuten später zu helfen?

Weil Menschen Fehler machen.
Oder willst du auch alle Autos verbieten, weil du gehört hast, dass da mal einer nen Unfall gebaut hat?

Zudem möchtest du ja auch im Krankenhaus behandelt werden, wenn du nen Unfall gebaut hast, den du selber verschuldet hast.

Und außerdem: Es gibt auch viele Drogenabhängige, die bereits mit 9, 10, 11, 12 oder 13 Jahren mit den Drogen angefangen haben. Ohnehin fangen die allerwenigsten erst im Erwachsenenalter damit an.


Wobei dann natürlich die Frage wäre, wer z.B. Heroin herstellt. Und ob es vertretbar wäre, wenn derjenige dann Gewinne damit erwirtschaften würde. Immerhin gäbe es dann jemanden, der ein Interesse daran hätte, dass Menschen Heroin nehmen. Und da wird es dann sehr schnell sehr bedenklich. Und wenn der Staat jetzt z.B. zu Bayer gehen würde, damit die Heroin zu den Herstellungskosten an den Staat geben... warum sollte Bayer sich ohne Gewinnaussicht das Image mit sowas beschädigen?

Warum sollte das ein Problem sein?
Ich sag ja, es gibt unzählige weitere Medikamente (Sunstanzen), die abhängig machen.
Warum sollte gerade das Heroin da imageschädigend sein?
Leute, die Bayer dafür diskreditieren, die haben nicht mehr alle Tassen im Schrank oder leben hinter dem Mond.
 
Zuletzt bearbeitet:
andiac schrieb:
Weil Menschen Fehler machen.

Wo kann ich das unterschreiben?

..und jeder hat eine zweite Chance verdient.
Na ja, Kinderschänder vielleicht nicht aber selbst die - selbst die - sind letztendlich nur Opfer ihrer kranken Vorlieben.

Wobei das auch immer eine Frage ist was die aktuelle Gesellschaft unter Sitte, Anstand und Moral versteht, und das war zu anderen Zeiten und an anderen Orten schon immer höchst unterschiedlich.

Du läßt Dich bei der Findung des Strafmaßes also schonmal von der Gesellschaft beeinflussten, so ganz objektiv kann das also schonmal gar nicht sein...
 
Willst du damit sagen dass die Leute den Stoff für harmlos gehalten haben, als sie ihn erstmals benutzt haben?

Natürlich wird jemand mit der nötigen Disziplin selbst von Drogen wie Heroin längst nicht automatisch abhängig.

Das Bittere ist ja leider, dass am Anfang jeder Sucht eine Droge mal ausprobiert wird, und der Benutzer ziemlich selbstbewusst denkt, dass er die Droge vollkommen unter Kontrolle hat. Dies stimmt am Anfang ja auch, selbst bei richtig harten.
Die Sucht entsteht, während der dann Süchtige noch felsenfest davon überzeugt ist, er hätte alles unter Kontrolle. Wei oft hört man zum Beispiel langjährige Raucher, die einem erzählen, sie könnten ja jederzeit aufhören.
Deshalb würde ich auch nicht sagen, dass nur psychisch labile süchtig werden: Kokain ist eine Modedroge unter vielen Intellektuellen, Menschen mit großer Verantwortung, Professoren trinken, Präsidenten Rauchen. Vor allem die besser gestellten dachten wohl sie wären soo stark.

Daneben gibt es völlig richtig auch das Suchtmuster, dass jemand aus persönlichen Problemen heraus in den Suchtzustand flüchtet und ihm Komplikationen oder Abhängigheiten von Anfang an völlig egal sind.
 
KnolleJupp schrieb:
Wenn es nur darum gehen würde die Gesellschaft vor Straftätern zu schützen wären wir wieder bei der Wand vor die sie sich alle stellen können...

Du hast alle Fragen schon selber beantwortet. Ich bin für eine blinde Justiz, die bestimmte Tatbestände mit bestimmten Strafen ahnt. Ganz egal wer hinter der Tat steht. Abgesehen vom Vorstrafenregister - das ist objektiv und gehört natürlich berücksichtigt.

Du solltest mir mal beantworten, wie du von meinem Standpunkt zu der zitierten Wand kommst. Eigentlich bin ich mir recht sicher, dass ich hier nirgendwo die Todesstrafe für jede Art von Fehlverhalten gefordert hätte. Ich kann dir da absolut nicht folgen und betrachte das als sinnlose Provokation.

KnolleJupp schrieb:
Und nein, der Süchtige hat es sich nicht ausgesucht süchtig zu werden, als er die Dinge "benutzte" die ihn in die Abhängigkeit brachten waren sie für ihn nur Mittel zum Zweck! Und der Zweck war nicht abhängig zu werden sondern andere Probleme damit zu verdrängen!!!

Und wenn ich einen schlechten Tag habe und jemanden vor einen Bus stoße, dann bin ich eigentlich nicht verantwortlich. Denn ich wollte ja niemanden verletzen oder töten, sondern mich nur abreagieren.

Ich finde diese Logik absurd.


Silverhawk schrieb:
Wei oft hört man zum Beispiel langjährige Raucher, die einem erzählen, sie könnten ja jederzeit aufhören.

Können sie auch. Aber sie haben nicht den Willen dazu. Ich habe selbst nach über 8 Jahren rauchen von Ende Januar bis Anfang März nicht mehr geraucht. Dann hatte ich leider aus persönlichen Gründen nicht mehr den Willen dazu, darauf zu verzichten. Und dafür bin ich selber verantwortlich und niemand anderes.
 
Zuletzt bearbeitet:
Richtige Sucht ist tatsächlich eine Krankheit, die man eben nicht in jedem Fall so einfach lösen kann. Eben weil die Drogen den Körper in eine Abhängigkeit versetzen, das Gehirn diese aktiv unterstützt und vorgaukelt. Gerade bei den harten Drogen kann ich mir den Zwang zur Beschaffung um jeden Preis zur Befriedigung durchaus vorstellen. Bei einigen kommt man ja zeitlebens nicht mehr völlig weg davon und muß Ersatzdrogen nehmen, um überhaupt wieder halbwegs lebenswert leben zu können.

Daher brauchen diese Leute Hilfe von außen. Jeder könnte die Drogennahme natürlich von herein verhindern, aber nicht jeder hat einen eisernen Willen, Optimismus und Kraft mit seinen Lebenssituationen fertig zu werden, manche gelangen sogar unverschuldet in die Situation Drogen zu nehmen. Manches entwickelt sich auch erst zum Problem, bspw. Alhoholismus. Die Dosis machts.
Präventiv ist natürlich immer der bessere Weg, aber diese Leute alleine aufgrund dessen zu ächten und zu pauschalisieren halte ich für falsch.
Und nicht zu vergessen. Unser Strafgesetz ist vordergründig auf öffentliche Ordnung, Schutz der Bevölkerung und Rehabilitation der Betroffenen in die Gemeinschaft ausgelegt, nicht auf Genugtuung, Abschreckung und Rache.
Das mag ja in anderen Staaten anders aussehen, bei uns nunmal nicht.
 
BessenOlli schrieb:
Die Annahme, dass Süchtige "krank" seien, lehne ich des Weiteren auch absolut ab. Ich mache dabei als Hauptprobleme Disziplinlosigkeit und einen Hang zur Selbstzerstörung aus. Solchen Leuten zu sagen, sie hätten ihr Schicksal krankheitsbedingt nicht in der Hand, halte ich für kontraproduktiv. Disziplin vermittelt man so nämlich wohl kaum.
Es gibt auch durchaus andere Dinge außer Drogen, nach denen man süchtig sein kann. Ich war definitiv früher süchtig nach Computer-Spielen... Im Grunde kann sogar jedes Hobby in gewisser Weise zu einer Sucht werden, ohne dass man es im Grunde merkt.
Die Gründe, warum das passiert, v.a. wenn es mal nicht direkt um Drogen geht, sind sehr vielschichtig, und meist kann man als Betroffener halt echt nichts dafür, und mittlerweile weiß ich auch, warum ich wohl so offen für eine solche Sucht war.

Ich hab mir das vorher nicht ausgesucht, dass es in meinem Leben eine Zeit lang quasi nur um Computer-Spiele ging und ich deshalb auch Freunde vernachlässigt habe...

Alle Sucht-Betroffenen unter einen Kamm zu kehren ist einfach unsinnig, man muss die Situationen individueller betrachten, auch soziale Hintergründe.

Und nur weil jemand weiß, dass er etwas falsch macht, heißt es nicht, dass er die Kraft hat, auch etwas dagegen zu tun. Menschen machen Fehler, und wer noch keine solche Phase hinter sich hat, dem fällt es dann leicht, mit dem Zeigefinger auf andere zu zeigen und zu sagen, was sie falsch machen. Man macht es sich zu leicht wenn man sagt, diese Menschen seien zu disziplinlos etc...

Auf jeden Fall hoffe ich, dass euch keine Sucht aus welchen Gründen auch immer packen wird... es kann ein Schickschalsschlag sein (z.B. Ehefrau bei Unfall gestorben...) etc... denn unsere Psyche spielen in der ganzen Sache durchaus eine wichtige Rolle... und leider gibt es eben Dinge aber auch Krankheiten, die unsere Psyche beeinflussen (z.B. Stichwort Depressionen) und uns damit oftmals auch offener für eine Sucht machen...
 
Deshalb würde ich auch nicht sagen, dass nur psychisch labile süchtig werden

Über den Satz musste ich dreimal nachdenken.
Denn es stimmt, dass nur psychisch labile Menschen abhängig werden.
Allerdings gibt es natürlich unzählige Menschen, die sich selber völlig überschätzen.
Und es gibt auch viele, denen ihre psychische Labilität garnicht bewusst ist.
Deswegen ist die Aussage "nur psychisch labile Menschen werden abhängig" zwar inhaltlich stimmig, aber mit Vorsicht zu genießen.


Ich war definitiv früher süchtig nach Computer-Spielen...

Das kenn ich von mir auch.
Ich hab auch vor Jahren mal ne Zeit lang andauernd Nächte durchgemacht, weil ich von irgendwelchen Fußballmanager-Spielen nicht los kam.
Das war wie ein Zwang. Ob das ne Sucht war, weiß ich garnicht. Ich hab das jedenfalls als Zwang empfunden.
Mein Verstand konnte mir sagen, was er wollte. Ich hab mich einfach nicht loseisen können.
Total verrückt war das.
 
Zuletzt bearbeitet:
Relict schrieb:
Richtige Sucht ist tatsächlich eine Krankheit, die man eben nicht in jedem Fall so einfach lösen kann. Eben weil die Drogen den Körper in eine Abhängigkeit versetzen, das Gehirn diese aktiv unterstützt und vorgaukelt. [...]

Daher brauchen diese Leute Hilfe von außen.

Nehmen wir mal an die Beschaffungskriminalität führt mittelfristig zu einer Gefängnisstrafe. Vorausgesetzt das Gefängnis funktioniert wie es soll, erübrigt sich die körperliche Abhängigkeit spätestens dann. Nach der Logik wäre die Krankheit dann geheilt.

Und für verbleibende psychische Probleme gibt es im Gefängnis sicherlich auch Ansprechpartner. Und gegebenenfalls könnte man den Betroffenen nach der regulären Haftstrafe ja in eine Anstalt einweisen lassen.

1668mib schrieb:
Menschen machen Fehler, und wer noch keine solche Phase hinter sich hat, dem fällt es dann leicht, mit dem Zeigefinger auf andere zu zeigen und zu sagen, was sie falsch machen.

Du würdest dich wundern, wenn du wüsstest, was ich hinter mir habe und noch immer so alles durchmache. Nur weil ich mit Sicherheit selber von unserem derzeitigen Justiz-System profitieren würde (und das würde ich), finde ich das noch lange nicht gut und richtig.
 
Zuletzt bearbeitet:
Nehmen wir mal an die Beschaffungskriminalität führt mittelfristig zu einer Gefängnisstrafe. Vorausgesetzt das Gefängnis funktioniert wie es soll, erübrigt sich die körperliche Abhängigkeit spätestens dann. Nach der Logik wäre die Krankheit dann geheilt.


Ja. So denkt der Gesetzgeber ja auch.
Und das wird auch sehr oft so gehandhabt.
Wenn du wg. eines Drogendeliktes im Gefängnis landest, kannst du dort vor Ablauf deiner Gesamtstrafe einen Antrag für eine Entwöhnungstherapie stellen.

Nur: Man muss nicht ins Gefängnis, um sich von der körperlichen Abhängigkeit zu befreien.
Dafür gibt es Entgiftungs-Stationen in den verschiedensten Kliniken.


Und für verbleibende psychische Probleme gibt es im Gefängnis sicherlich auch Ansprechpartner. Und gegebenenfalls könnte man den Betroffenen nach der regulären Haftstrafe ja in eine Anstalt einweisen lassen.

Das ist allerdings Wunschdenken.
Soweit ich weiß, hast du im Gefängnis mit deinem Sozialarbeiter allerhöchstens ein Gespräch im Monat.
 
Zuletzt bearbeitet:
andiac schrieb:
Nur: Man muss nicht ins Gefängnis, um sich von der körperlichen Abhängigkeit zu befreien.
Dafür gibt es Entgiftungs-Stationen in den verschiedensten Kliniken.

Ja, da hätte man hingehen können, bevor man etwas tut, was laut geltendem Recht mit Freiheitsentzug geahndet wird. Hilfe schön und gut, aber auf Strafe gänzlich verzichten? Das halte ich für pädagogisch falsch. Dadurch lernt der Betroffene ja sogar noch, dass er unter solchen Umständen von der Sucht profitiert!
 
Zuletzt bearbeitet:
@BessenOlli: Hey, das hab jetzt aber nicht ich gesagt :-)

Und versteh mich nicht falsch, mir ging es in meinem Post weniger um die Drogen-Abhängigen, sondern auch um die Leute mit Sucht, welche von vielen vielleicht gar nicht als Sucht wahrgenommen werden...

Ach ja und allgemein wegen den Strafen usw... in meinen Augen sind viele Abhängige durch ihre Abhängigkeit im Grunde schon schlimmer bestraft, als es sein sollte. Ich spreche mich hier nicht für Straffreiheit aus oder so, aber es sind auch Menschen... Leider fehlt diesen Menschen halt auch später eine Perspektive, und damit bleiben sie nun mal häufer offen für eine erneute Sucht... aber wie gesagt: Solche Dinge wie Strafen usw muss man eben auch von Fall zu Fall betrachten...
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben