Ich schließe mich in dieser Sache weitestgehend der Meinung von buzz89 und Micha45 an.
Anfangs hat mich die Berichterstattung verwundert. Für so sonderlich interessant hielt ich das Kredit-Thema nicht, aber einige Medienvertreter wollten mal wieder ein Fass aufmachen. Man wollte wohl mal was anderes als von der Schuldenkrise berichten. Ich nahm eigentlich an, das würde relativ schnell wieder aus der Presse verschwinden, weil einfach zu belanglos. Dem war aber dann nicht so, wegen dieser Telefonatsgeschichte.
An diesem Punkt musste ich das erste Mal eingestehen - okay, wenn diese Vorwürfe stimmen, dann ist das definitiv nicht in Ordnung. Das hat Wulff aber auch eingesehen und sich entschuldigt (bzw. um Entschuldigung gebeten). Dass er das nicht nochmal so machen würde, glaube ich ihm gern. Davon ist er geheilt.
Trotz allem finde ich an dieser ganzen Kiste die Berichterstattung am schlimmsten. Der Inhalt ist im Vergleich dazu fast schon banal. Es ekelt mich an, wie die Medien (z.B. auch SPON, wo ich recht oft lese) jeden Tag unzählige neue Räuberpistolen raushauen und jedes Haar in der Suppe suchen. Ich bekomme den Eindruck, es geht einzig und allein darum, die Macht der Medien zu demonstrieren indem man an Wulff ein Exempel statuiert. Es kann nicht angehen, dass den Medien dermaßen viel Macht zufällt, denn sie sind alles andere als unabhängig und das Volk sind sie (bzw. die Meinung des Volkes vertreten sie) nicht. Meine zumindest nicht und wie die Meinung des Volkes tatsächlich ist, ist schwer zu beurteilen, weil sämtliche in den Medien (!) gezeigte Umfragen andere Bilder ergeben. Wenn dann auch noch mit Facebook-Gruppen-Größen argumentiert wird, dann setzt es bei mir wirklich aus. Facebook-Trolle sind für mich kein Indikator.
Die Demonstration mit dem Schuh-Gezeige fand ich fast schon lächerlich. Was soll dieses Nachgeäffe von arabischen Angewohnheiten? Haben wir keine eigene Demonstrationskultur? Die Leute sind sich wirklich zu nichts zu schade. Würde mich sehr interessieren, wer den Ansporn dazu gegeben hat.
Abschließend möchte ich zu dem Ausgangsthema (Kredit) sagen, dass das seltsamste für mich an der Sache ist, dass ein Bundespräsident sich nicht mal ein Eigenheim leisten kann und bei anderen Leuten betteln muss. Da läuft für mich etwas falsch. Alle beschweren sich nur darüber, dass er seine Pension sichern will. Ich empfinde die eben beschriebene "Armut" unseres Staatsoberhauptes (ich weiß, nur repräsentative Funktion) als Armutszeugnis. Der Mann ist nun mal weder Hinz noch Kunz, sondern der Bundespräsident. Dann lasst ihm doch den unverschämt günstigen Kredit, meine Güte...