Botcruscher schrieb:
Das klassische Problem von AMD ist und bleibt der fehlende Gewinn.
AMD ist momentan profitabel, also fehlt der Gewinn nicht.
aus dem 10-Q von AMD für 2024
Der relativ geringe Gewinn von 1641 Mio. USD nach GAAP resultiert aus Amortization of acquisition related intangibles (Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte). Das waren 2394 Mio. USD. Ohne diese Abschreibungen hätte der Gewinn (net income) ca. 4 Mrd. USD betragen. Kein Vergleich zu Nvidia, aber trotzdem sehr ordentlich. Diese Amortization of acquisition related intangibles gab es auch 2023 (2811 Mio USD) und 2022 (3548 Mio USD).
Diese acquisition related intangibles kommen vor allem aus der Übernahme von Xilinx. Ga diese Übernahme rein aus Aktien bezahlt wurde, geht AMD dadurch kein Cash verloren.
Grund des ganzen ist, dass AMD vor allem für Xilinx weit mehr bezahlt hat, als Xilinx an bilanzierten Werte mitbrachte. Die Differenz zwischen Kaufpreis und bilanzierten Werte wird als Goodwill und immaterielle Vermögenswerte in die Bilanz übernommen. Einen Teil dieser immateriellen Vermögenswerte hat AMD als zeitgebunden verbucht. Und wenn diese Vermögenswerte "abgelaufen" sind, werden sie aus der Bilanz genommen und AMD weist dies als Abschreibungen in der Gewinn- und Verlustrechnung aus.
Das sind insgesamt 27,52 Mrd USD von denen AMD bis Ende 2024 8,752 Mrd USD abgeschrieben hat. D. h. es stehen von 18,93 Mrd USD zur Abschreibung an. 2025 wird AMD 2,225 Mrd USD abschreiben.
Vindoriel schrieb:
Wieso ist fehlender Gewinn ein Problem? Wenn man das Geld z.B. gleich in Forschung steckt, anstatt den Gewinn versteuern zu müssen, ist es doch gut angelegt.
Das Problem wenn Unternehmen zu sehr auf den Gewinn fixiert sind, ist dass meist etwas leidet.
Wenn man bei der Entwicklung neuer Produkte spart, die Mitarbeiter vergrault oder die Kunden über den Tisch zieht, ist es nur eine Frage der Zeit bis die Gewinne wegbrechen.
Botcruscher schrieb:
Geld ist in Forschung nur zur Sicherung von noch mehr Gewinn sinnvoll angelegt.
Geld im Forschung und Entwicklung zu investieren ist die Grundvoraussetzung, dass das Unternehmen auch in Zukunft Produkte verkaufen kann.
Die einzige Funktion die ein Unternehmen hat ist Produkte zu verkaufen. Die Gewinne sind notwendig um das Unternehmen am Leben zu erhalten. Wenn die Gewinne zum Selbstzweck werden, ist Ärger vorprogrammiert.
Zum Thema ATI
Dieses "ohne die Übernahme von ATI hätte AMD nicht überlebt, ist IMO zu einfach gedacht". Ohne die Übernahme von ATI wäre AMD eine ganz andere Firma, die sich anders entwickelt hätte. Die Übernahme von ATI war ein wichtiger Faktor der auch zur kritischen Lage von AMD beigetragen hat. Diese Übernahme hat AMD verändert und die CPU-Entwicklung bei AMD beeinflusst.
Der Kauf von ATI war 2006 für AMD nur deshalb notwendig, weil ATI in den Jahren zuvor praktisch jedes Unternehmen, das GPUs entwickelte, aufgekauft hatte, außer Nvidia. Es gab für AMD nur drei Alternativen
- Nvidia
Hier ist der allgemeine Tenor, das das scheiterte weil Jensen Huang darauf bestanden hat der CEO des neuen Unternehmens zu werden.
- AMD entwickelt die GPU IP von Grund auf selbst. Das hat sich AMD nicht zugetraut, wohl zurecht
- ATI
Man kann nun darüber philosophieren, was die ständigen Strategiewechsel und fehlende Vision für GPUs bei ATI/AMD verursacht hat.
- Die Führung von AMD
- Der Abgang von sehr vielen Führungskräften von ATI
- Die Vorgeschichte von ATI, das selbst gerade erst dabei war, die vielen Übernahmen zu verdauen.
Die Übernahme von ATI hat AMD komplett in Cash abgewickelt. Dafür gingen die Rücklagen für die Fabs drauf. Zusätzlich hat AMD sich eine hohe Schuldenlast aufgeladen. Theoretische Alternativen wären eine Fusion gewesen, dabei wäre ein neues Unternehmen entstanden oder ein Kauf auf Aktien gewesen. Ich denke aber keines von beiden war möglich.
Als dann unmittelbar nach der Übernahme weder die CPUs noch die GPUs überzeugt haben, nahm das Desaster seinen Lauf. Die Übernahme von ATI durch AMD wurde zu einem Schulbuchbeispiel für eine fehlgeschlagene Übernahme. Das Projekt Fusion war ein kompletter Fehlschlag und brachte im Grunde nichts.
Natürlich hätte AMD ohne GPU IP nicht die Konsolen APUs für Microsoft und Sony entwickeln können. Und das Geschäft mit den Kosolen APUs war wesentlich dafür, dass AMD nicht das Geld ausging bevor Zen auf den Markt kam.
Aber es ist nun Mal so, dass erst dann, als das ganze eigentlich schon gescheitert war, bei den Kosolen APUs die Zusammenarbeit zwischen den CPU und GPU Teams funktioniert hat.
P.S. Lisa Su war bei IBM direkt verantwortlich für den Cell Prozessor. Dem Herzstück der Playstation 3.
P.P.S. Ein interssanter Fund auf Twitter, bei dem es auch um die Übernahme geht:
https://x.com/philparkbot/status/1809326295609930135
Sie wurde wohl intern von einigen so empfunden: AMD + ATI = DAMIT (geschrieben geht einiges verloren, ausgesprochen ...)
Wilfriede schrieb:
Vieles musste im Anschluss von ATi verscherbelt werden, wie z.B. Mobile Chips die nun in Smartphones sehr erfolgreich sind (Bis heute).... der Preis war einfach zu hoch.
Verscherbeln trifft es nicht.
Welche Alternative hatte AMD?
Wie hätte AMD diese GPU IP vermarkten sollen?
Wilfriede schrieb:
Es wäre für ATi wie AMD besser gewesen wenn man "anders" fusioniert wäre. Ohne diese Unsummen hätten sich beide Unternehmen befruchten können, win win.
Die hohen finanziellen Belastungen sind ein wichtiger Aspekt, aber nicht der einzige.
Die ehemaligen Führungskräfte von ATI haben AMD in Scharen verlassen.
Aber ein anderer Aspekt ist, dass der Clash der Kulturen die Zusammenarbeit zwischen CPU- und GPU-Teams wohl massiv beeinträchtigt hat.