AW: Batman The Dark Knight Rises ! Kritik
Hab den Film in der Premiere im OV letzte Woche Mittwoch gesehen und inzwischen 2 weitere Male (OV-Kino war recht klein).
Ich war nach dem ersten Mal noch recht enttäuscht. Die Tatsache, dass ich mich mit den Comics auskenne (Knightfall z.B.) hat einige Überraschungen vorweggenommen. Doch das eigentliche Problem für mich war das Erzähltempo und Pacing des ersten Akts (1. Std.), welches aufgeblasen und etwas wirr wirkte beim ersten Mal schauen.
Diese Probleme waren bei der zweiten Vorführung wie verschwunden, warum kann ich nicht ganz erklären, jedoch liegt es wohl daran, dass zuviele Story-Threads erst recht spät in einander konvergieren und somit die Sprünge zwischen diesen den Zuschauer schnell überfordern. Ein definitives Manko des Screenplays. Die Story an sich wirkt jedoch solide. Speziell beim zweiten Mal gucken und wenn man bedenkt, dass die Charakter-Entwicklung von Bruce Wayne über die Trilogie hinweg abgeschlossen wird mit den prägnantesten Querverweisen zu den Vorgängern und viele Comic-Inhalte diesem Treu ins "realistische" Nolan Universum gebracht wurden ("Lazarus"-Pit, Talia).
Zur deutschen Syncro muss ich sagen, dass Bane sehr gut auch in der Art und Weise getroffen wurde. Auch OV Banes Betonung war sehr wirr. Ein viel größeres Problem hatte ich mit Batmans Stimme die noch tiefer und knurrender klingt als das ohnehin schon überzogene Original.
Also war der Film perfekt oder enttäuschend? Irgendwo beides.
Handwerklich ist er über jeden Zweifel erhaben, die Cast ist durchaus überzeugend im Schauspielerischen, wobei klare Zugeständnisse in den Martial Arts Fähigkeiten gemacht werden müssen (speziell Hathaway). Marion Cotillard (Miranda Tate) sowie Matthew Modine (Foley) wirken hier am schwächsten, haben aber auch das schwächste Material bekommen (für Cotillards letzte Szene hab ich jedoch kein Verständnis).
Cinematographisch werden einige sehr hübsche Szenen eingefangen, jedoch teilweise auch der selbstverliebten Cinematography zuliebe was sich negativ auf das Screenplay auswirkt (Polizei vs. Banes Armee laufen auf einander zu, sieht Top aus, macht aber aufgrund vollautomatischer Waffen keinen großen Sinn; Batman chillt nochmal auf irgendeinem hohen Gebäude rum und lässt sein Cape flattern, obwohl er es eigentlich recht eilig wohin muss; Stock Market Exchange Jagd Szene beginnt tagsüber und ist innerhalb weniger als 8 Minuten eine Nachtszene mit zig Polizeiautos mit Sirenen ).
Auf der anderen Seite muss man Nolan auch etwas in Schutz nehmen. Das Studio wollte zwingend einen PG-13 (FSK 12/16) Film. Die Story war jedoch keinesfalls PG-13 Material. Es herrscht Anarchie auf den Straßen, die Polizei darbt 5 Monate in der Kanalisation vor sich hin, Blackgate wurde gestürmt (Bastille!) und tausende Kriminelle frei gelassen, die Vergewaltigung von Talias Mutter, Banes Verstümmelung. Es herrscht Krieg in Gotham. Thematisch ist TDKR sogar düsterer als TDK jedoch hat man es mit 2 grundverschiedenen Darstellungen von Schurken zu tun. Der Vergleich mit einem Warlord drängt sich bei Bane auf, beim Joker trifft jedoch der Begriff des Terroristen besser zu. Chaos und Schrecken lässt sich leichter im Rahmen der PG-13 Vorgabe realisieren als die Kriegssituation in TDKR.
Man braucht nur reinzuhören in den Soundtrack:
http://www.youtube.com/watch?v=LsC1R1dfYu8
Ich denke jeder erinnert sich an diese unbehagliche Gefühl als man zum ersten Mal dieses krächzend kreischende Musikstück vom Joker gehört hat und wieviel Spannung und Gefahr es erzeugt hat.
http://www.youtube.com/watch?v=Wm_Z34Fyww8
Insgesamt wirkte der Hans Zimmer Soundtrack jedoch musikalisch etwas dünn und mehr auf theatralisches Getöse bedacht. James Newton Howard wäre eine willkommene Verstärkung gewesen. "Why do we fall" wirkt mit Abstand am stärksten im Soundtrack.
Nolan hätte definitiv ohne die PG-13 Vorgabe auch die Filmthematik stärker ausreizen können (Schmerz, Verglichen mit Chaos in TDK und Angst in BB), vermutlich hätten kleine Szenen wie die leidenden Polizisten im Untergrund, die Anarchie und Gewalt auf den Straßen Gothams das Geschehen bereits besser eingefangen.
Aber hier kommen wir auch schon zum zweiten Problem, dass Nolan hatte. Wegen dem 70mm Film Format für IMAX Kinos durfte der Film nicht länger als 170 Minuten sein. Und TDKR reizt es mit 164 Minuten fast komplett aus. Speziell nach dem ersten Mal schauen dachte ich der Film wäre aufgeblasen und zu lang, nach dem 2. dachte ich eher der Film wäre zu kurz, und es ist sehr gut möglich dass vieles an Material der Schere zum Opfer viel (Ein Blick in die Trailer reicht, denn diverse Szenen sind nicht im Film zu finden). Vieles wird dadurch im Film nur kurz angedeutet wie z.B. Miranda Tate's Liebe zu Bruce Wayne oder wirkt überflüssig wie der komplette Charakter von Dagget, der nur ein Zahnrad in der Story ist um sie vorran zubringen.
Ich bin momentan noch der Meinung, dass TDKR der schwächste Teil der Trilogie ist, dennoch überzeugt dass es ein guter Film ist. Kleinigkeiten stören mich (viele Rückblenden zu den Vorgängern und teilweise neue Szenen mit den alten Bösewichtern schlagen Brücken zu diesen, jedoch wirkt der Ausschluss des Jokers geradezu krampfhaft, auch wenn ich die menschlichen Beweggründe dahinter voll verstehen kann und gut heiße) aber das Gesamtprodukt der Trilogie ist stimmig.
Es ist keine Batman Trilogie, sondern eine Bruce Wayne Trilogie und die Geschichte wie er starb (Vergleicht gerne auch Rachel's & Bruce Dialog am Ende von BB), mittels Batman die Arbeit seines Vaters fortführte, wiedergeboren wurde im Lazarus Pit und Batman letztendlich zum unsterblichen und unkorrumpierbaren Symbol wurde.
"A legend Mr. Wayne" Ra's al Ghul