Wofür brauchen wir in Zeiten wo eh Bündnisse wie EU und Nato die Aussenpolitik bestimmen noch eine eigene nationale Armee?
Das war mir klar, dass diese Frage kommen würde. Ich wollte sie aber nicht in einem Nebensatz abhaken.
Der erste Grund ist die Geschichte. Man stelle sich vor, alle Staaten dieser Welt wären von Grund auf pazifistisch eingestellt. Alles nur lächelnde Tibeter sozusagen. Alle Staaten – mit Ausnahme von (wahlweise) Russland, Irak, China, USA, Frankreich …). Wie lange würde es dauern, bis die bis an die Zähne bewaffnete Armee des einzig militärisch ausgerüsteten Staates sich über die Grenze wagen würde, um Tribut zu kassieren, Rohstoffe zu plündern, Frauen zu stehlen, sich die Goldreserven unter den Nagel zu reißen usw? Die Geschichte zeigt, dass nicht militarisierte oder hoffnungslos unterlegene Staaten irgendwann geschluckt werden.
Der zweite Grund ist, dass wir Mitglied in einem Bündnis sind. Was nützt ein Bündnis, bei dem man sich gegenseitig die Unterstützung im Verteidigungsfall zusichert, wenn die Verbündeten nur mit Plüschfedern bewaffnet sind? Das wäre ein sehr einseitiges Bündnis. Ich sage ja nicht, dass der Feind unmittelbar vor der Tür steht und wir um unser Leben fürchten müssen. Aber die Zeiten ändern sich doch vergleichsweise schnell, wenn ich mal die letzten 100 Jahre Revue passieren lasse. Und man darf nicht glauben, dass sich eine Armee bei Bedarf innerhalb von ein bis zwei Jahren aus dem Boden stampfen ließe.
Drittens kommt hinzu, sofern das politisch gewollt ist, dass die Bundeswehr auch außerhalb Deutschlands eingesetzt werden kann: Afghanistan, Usbekistan, Bosnien und Herzegowina, Libanon, Georgien, Kosovo, Horn von Afrika. Das deckt derzeit so ziemlich alles ab. Vieles davon läuft unter der Schirmherrschaft der UNO, manches innerhalb der NATO. Ob das alles so richtig oder falsch ist, darüber entscheidet in Deutschland der Bundestag.