Der Milchpreis

Skoll

Ensign
Registriert
Juni 2004
Beiträge
173
Quelle http://www.tagesschau.de/wirtschaft/milchpreis6.html

Da laufen sie also wieder, die Bauern. Und ich bin ratlos. Hatten wir vor einem Jahr nicht eine massive Preiserhöhung bei der Milch, wodurch u.a. Butter, Käse und alle weiteren Milchprodukte so teuer wurden? Ich hab da leider keine Entschuldigen von den Bauern gehört, warum der Preis so angezogen ist.
Soweit ich das sehe, sind diese Bauern die letzten Unternehmer, die für einen höheren Preis ihrer Produkte auf die Straße gehen und mit einem Boykott ihrer Waren drohen. Und nun demonstrieren sie, aber gegen wen eigentlich? Das Ziel sind immer die Discounter, die die Preise machen. Aber ich habe gelernt, dass Preise nur durch Angebot und Nachfrage entstehen. Wenn die Discounter meinen, dass sie mehr verdienen könnten, wenn sie die Milch teurer ein- und verkaufen, dann würden sie es wohl tun.
Oder kann es sein, dass die Bauern dort jetzt marschieren, damit der Staat einspringt. Vor kurzem erst habe ich hier im Forum gelesen, dass viele unserer Bauern nur noch der Subventionen wegen Landwirte sind. Also ist diese Demonstration jetzt ein Aufruf an den Staat, Gesetze zum Schutz ihrer Existenz zu etablieren oder was?

Ich bin sehr ratlos, muss ich sagen. Ein Bauer ist doch auch ein Unternehmer, der mit Kosten und Erlösen umgehen muss. Das tun alle anderen Betriebe in Deutschland doch auch so. Und ich habe auch gelernt, wenn ein Wirtschaftszweig zu wenig Erlöse absinkt, dann fahren die Betirebe ihre Produktion so weit zurück, bis der Preis wieder nach oben geht und ein Gleichgewicht entsteht.
Was ist jetzt mit der Milch anders?
 
Die Milchpreiserhöhung war wegen der gestiegenen Nachfrage.
Danach wurde die Milchquote angehoben und es wurde mehr Milch produziert.
Da es nun anscheinend wieder zuviel Milch gibt und die Nachfrage auch wieder zurückgegengen ist gibt es wieder einen Überschuß.

Dieses Überangebot nutzen jetzt Discounter und ihre Zuliefer-Molkereien aus um den Milchpreis unter das Niveau vor der Erhöhung zu drücken.

Das ist das eigentliche Problem.


Das Problem mit den Subventionen stimmt so auch nicht.
Die kleinen Betriebe, vor allem im Allgäu der Schwäbischen Alb und in Altbayern, bekommen so geringe Subventionen daß diese in der Bilanz keinen Rolle spielen.

http://wirtschaft.t-online.de/c/14/82/97/32/14829732.html
 
Zuletzt bearbeitet:
so eine kuh läßt sich nicht von heute auf morgen "herunterfahren" um weniger milch zu erhalten. die einzige chance auf weniger milch ist, sich endgültig von der kuh zu trennen.

solange aber die bauern keine eigenen molkereien besitzen, wird sich an der ganzen situation nix ändern, das die milchwirtschaft die preise diktiert. und solch ein milch"strike" kann j auch nicht ewig dauern. selbt wenn die gewonnene milch wieder an vieh verfüttert wird, braucht man auch energie, geld, futter etc. um alles am laufen zu halten. und irgendwann beist sich die katze doch in den schwanz.
 
Warum stellen nicht einfach mehr Bauern auf Biomilch um? Ist die Gewinnspanne da nicht zumindest ein wenig höher?

Naja, allgemein sollte es den Bauern eigentlich auch gar nicht sooo mies gehen. Immerhin können die heute auch was mit Biogas machen, Windräder auf das Feld bauen lassen, dann gibt es ja noch Möglichkeiten in Sachen Ethanol... oder sehe ich das falsch?
 
Na ja, ganz so einfach ist das sicher nicht. Die Umstellung auf BIO-Milch ist auch kostenintensiv.

Mit den Windrädern gibts auch ne Menge Probleme, einfach aufs Feld stellen geht in Deutschland nicht, der Aufwand für so eine Genehmigung ist emens und auch kostenintensiv auf jedenfall aber nervtötend.

Wir sind eben nicht in Amerika, leider.
 
Bei der letzten kurzzeitigen Milchpreiserhöhung zugunsten der Bauern hat der Milchpreis zum ersten Mal wieder an der Rentabilitätsgrenze gekratzt. Das war ein kurzes Aufatmern für die Bauern, nichts wofür sie sich hätten entschuldigen müssen.

Das Problem bei der Milch ist die extreme Überproduktion. Der kurze Anstieg des Milchpreises wurde direkt durch eine Steigerung der Produktion wieder kaputtgewirtschaftet. Die Bauern reagierten - wie im Markt üblich - auf den hohen Preis mit einer Produktionssteigerung, das Problem ist also teilweise hausgemacht. Auch die Franzosen steigerten ihre Milchproduktion enorm, sodass v.a. bayrische Bauern Probleme haben ihre Milch loszuwerden. Dazu kommen noch Milchpulverimporte z.B. aus den USA, ein günstiger Ersatz für Milchprodukte-Hersteller, schwacher Dollar sei Dank. Da bekommt man eben mehr für den Euro. Nur einige Gründe für den derzeitigen Verfall des Milchpreises.

Statt eines Streiks, der m.E. die wirklichen Probleme nicht lösen kann (zur Not wird eben Milch importiert, aus Osteuropa ist das ohnehin viel billiger als weiterhin deutsche Milch zu kaufen). Die Bauern müssten es schaffen, von der Überproduktion wegzukommen, um wieder einen vernünftigen Marktpreis durchzusetzen. Allerdings hätte diese Strategie für jeden einzelnen wahrscheinlich erstmal existenzbedrohende Folgen. Andererseits: Dass sich ein künstlich hochgehaltener Milchpreis noch lange halten kann, wage ich zu bezweifeln. Irgendwann wird auch dieser Sektor vor den Auswirkungen eines globalisierten Marktes nicht mehr davonlaufen können, wie wir ja gerade erleben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Komisch nur dass alleine aus Sachsen jedes Wochenende 36 Container mit je 28000L Milch nach Italien auf die Reise gehen wo sie offensichtlich fehlt.
 
@OMaOle

Möchte nicht wissen als was die Milch wieder nach DE zurückkommt und wieviele Grenzen die noch überquert.

@ BessenOlli

Wäre ja auch nur eine Umstellung von Agrar- auf Energiesubvention.
Wenn ich mich bei mir so umschaue wer eine Biogasanlage hinstellt dann muß ich leider feststellen das sind die gleichen Großbauern die schon längstens sämtliche Dächer mit Solarzellen vollgepflastert haben.
 
Zudem hat Biogas und ko einen gewaltigen NAchteil: Da sich es dort lohnt, wird irgendwann die Fläche für "Nahrungsgewinnung" zu gering, wodurch diese wieder Teuer werden, da die Bauern lieber Biogas produzieren... :) Ja ja, das leidige Thema, was bringt mehr Geld, was ist Sinnvoll, was bringt der Allgemeinheit was, was ist wirtschaftlich heute vielleicht Sinnvoll, könnte uns aber in Zukunft in den Po beißen...
Ich kauf definitiv nur "Bio"-Milch und zahl gerne für solche Produkte auch mal 10 - 20 Cent mehr. Obs was bringt, keine Ahnung, aber die Bauern sollen auch davon Leben.
 
Subvention hin oder her, ich glaube ohne Subventionen würden die Lebensmittel insgesammt sehr viel teurer werden und die Bauern nur noch das produzieren was Geld bringt.
Milch gehört derzeit jedenfalls nicht dazu.
 
Haltet ihr die Milchquote eigentlich für sinnvoll oder eher nicht? Ich denke sie ist sehr wichtig, was den deutschen Milchpreis angeht, oder?

Edit http://www.tagesschau.de/wirtschaft/milchpreis18.html
Agrarminister Horst Seehofer äußerte erneut großes Verständnis für den Lieferstreik. In Deutschland müsse eine leistungsfähige Landwirtschaft erhalten werden. Seehofer appellierte an die Abnehmer, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. "Das ist eine Frage von nationalem Belang", sagte der Minister. Sollte Europa von Nahrungsimporten abhängig werden, drohten "fatale Folgen auch für uns".
Damit ist wohl alles gesagt. In meinen Augen eine Verschwendung von Steuergeldern und unsinnige Panikmache.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es kann niemand unter Herstellungskosten verkaufen.
Ganz einfach.
Kommt zuwenig vom Konsument beim Bauern an, dann gehts eben nur mit Subvention oder der Verlagerung der Gewinnspannen von der Molkerei/Handel zum Bauern.
Es gibt bei uns beim Hofer/Aldi auch schon eine "Fair Trade" Milch, als würde sie aus der 2./3. Welt stammen, wie Kaffee...
Daß zuwenig ankommt ist aber beileibe nicht die Schuld des Milchpreises im Geschäft sondern da schneiden einige dazwischen SEHR kräftig mit.

ca. 30Cent pro Liter bekommt der Bauer, 90-130 Cent kostet die Milch im Laden...
Eine HL-Kuh gibt ca. 30 Liter am Tag.
Also muß die Kuh + Infrastruktur + Angestellte/Bauer um 9 Euro pro Tag/Kuh voll versorgt werden.
Unter 30 Kühe auf jeden Fall unrentabel, Verlustgeschäft, daher hören alle Kleinen auf und die großen werden immer größer.
300+ Kühe muß ein gesunder Betrieb haben, wenn er nicht im Nebenerwerb geführt wird!
Werte von Österreich.
 
Zuletzt bearbeitet:
ich lehne mich mal soweit aus dem fenster zu sagen, das bis in schätzungsweise 2 jahren n liter milch das doppelte kosten wird ^^
 
Oder es machen noch mehr Bauern dicht und die Milch kommt aus der Ukraine oder China.
Der Preis wird nicht zuletzt durch Milchpulverimporte aus den USA gedrückt.
Die Industrie verwendet ja Milchpulver.
Was "der Konsument" kauft hat nicht DIE Auswirkung.
Vor allem hat der Bauer NICHTS davon, ob die Packung jetzt 90 oder 1,20 kostet.
Er bekommt sein Geld von der Molkerei und darf nur soviel verkaufen wie Kontingent zugeteilt wurde.
DER REST WIRD AUSGESCHÜTTET! Wirklich, 100.000ende Liter täglich, Europaweit.
WEIL MAN FÜR ÜBERPRODUKTION STRAFE ZAHLT!

PERVERS das System.
 
Ich hab mich mal ein bißchen informiert, der Weltmarktpreis liegt bei 22 Cent. Wenn die Quote also 2015 abgeschafft wird, werden wir unsere Milch viel billiger bekommen und können mehr kaufen.
Bei Wiki steht noch das hier als Kontra-Argument
Bei Abschaffung der Milchquote ist die völlige Liberalisierung des Milchmarktes zu erwarten und damit ein Absinken des Milchpreises auf Weltmarktniveau. Dieses Niveau ist so niedrig, dass sehr viele Betriebe dann nicht mehr kostendeckend wirtschaften können und die Milchviehhaltung aufgeben müssten.
Nur ich versteh das eher als Pro-Argument. Der Verbraucher profitiert davon und der Markt wird bereinigt, also effizienter.

Und das mit Seehofer versteh ich gar nicht. Wieso meint er, es hätte fatale Folgen für Deutschland, wenn wir Nahrungsmittel importieren müssten? Wir importieren doch jetzt schon Benzin und Gas und exportieren dafür Maschinen und derartige Sachen. Kann es sein, dass der Mann von vorgestern ist und noch nicht ganz geschnallt hat, dass solche Dinge national überhaupt keine Bedeutung mehr haben? :(
 
Toll, endlich wird das Grundbedürfnis auf billige Milch befriedigt.

Einerseits wird immer darauf gepocht regionale Produkte zu kaufen, wegen der Ökobilanz, andereits sollte möglichst alles möglichst billigst aus aller Herren Ländern importiert werden.

Wenn das so weitergeht stell ich mir 2 Kühe in den Stall und werde mein Gemüsebeet vergrößern.
 
Peiper, genau das mach mal. :) Frische Kuh Milch ist was feines.
Aber wenn die Bauern hier pleite gehen, wird es irgendwann noch schlimmer, da wir dann von anderen Ländern abhängig sind, was für uns ein "Grundnahrungsmittel" ist. Und dann wirds richtig schlimm, wenn die da drüben wissen, wir sind von ihnen Abhängig. Nein danke, ich zahl lieber 1,50 Für den Liter Milch, die Bauern sollen ihre 40Cent und mehr bekommen und ich weiß wo sie her kommt!
 
Milch ist ein Grundnahrungsmittel und sollte so billig wie möglich sein.
Importe werden auf kurz oder lang sowieso teurer aufgrund des steigenden Ölpreises. Der Staat mal die Finger still halten könnte, würde sich das selbst regulieren.

Deutschland ist nun mal kein Agrarland mehr, der Anteil der Arbeitnehmer in diesem Sektor liegt im sehr niedirgen einstelligen Prozentbereich an der bevölkerung.

Und eine globale Wirtschaft funktioniert nunmal nur mit gegenseiteigen Abhängigkeiten, daran sollte man sich gewöhnen, auch Hr. Seehofer.
 
Skoll schrieb:
überflüssiges Zitat entfernt *klick*



Ja, es haette definitiv extremst Fatale folgen, wenn wir unsere Nahrungsmittel groesstenteils Importieren muessten.
Denn wenn mal die Energiepreise (Treibstoff) so ins unbezahlbare Steigen, dass nichts mehr Importiert wird, oder halt nur zu Unsummen, dann stehen wir von heute auf morgen mit nichts mehr da. Dann kannst du sehen wo du was zu beissen her bekommst.

Die Globalisierung wird sich spaetestens mit extremen Treibstoffkosten in Luft aufloesen, und dementsprechend auch der Import von allen Waren auf die wir angewiesen sind.

Es waere absolut kurzsichtig die Milchquote aufzuheben und das Bauernhofsterben noch weiter zu beschleunigen.
Denn irgendwann haben wir dann keine Hoefe mehr (Oder halt nur noch Grossgrundbesitzer), und wenn das o.g. Szenario eintritt, verhungern die meisten Leute in .de.

Ach ne: Das Essen kommt ja aus der Fabrik, fuer was brauchen wir dann noch Bauern, gelle?

Ich befuerworte den Streik absolut, und bin gerne bereit einen ausreichenden Milchpreis zu bezahlen.



greetz
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator: (Komplettzitat entfernt.)
Salut,

Skoll schrieb:
Da laufen sie also wieder, die Bauern. Und ich bin ratlos. Hatten wir vor einem Jahr nicht eine massive Preiserhöhung bei der Milch, wodurch u.a. Butter, Käse und alle weiteren Milchprodukte so teuer wurden? Ich hab da leider keine Entschuldigen von den Bauern gehört, warum der Preis so angezogen ist.

für was soll sich der Bauer entschuldigen? Etwa dafür, daß er einen angemessenen Betrag für sein Erzeugnis bekommt? Bevor du weiter so ein unsinniges Zeugs hier schreibst, geh mal nur ein Wochenende zu einem Milchbauern deiner Wahl und laß dir mal zeigen, wie Milch hergestellt wird. Vielleicht findest du ja an der Kuh den Schalter, mit dem die Milchausschüttung gedrosselt wird. Danach darfst du hier wieder schreiben, ob und wofür sich Bauern bei dir entschuldigen müssen.
 
Zurück
Oben