Der Milchpreis

Rasemann schrieb:
Was beim Milchpreis nicht stimmt ist: Gewinnmaximierung der Molkereien und vorallem des Handels zu ungunsten des Rohstoffproduzenten.
Die Milch im Regal kostet nicht weniger, wenn der Landwirt 10 Cent weniger bekommt!

Doch, ich denke schon. Jeder Milchverkäufer, sei es Lidl, Aldi oder der Kiosk nebenan haben einen Optimal-Preis, der von sehr vielen Faktoren abhängt. Bei diesem Preis gibt es nämlich eine Umsatzmaximierung mit der Milch. Während des Streiks kostete Milch mehr, die Nachfrage ging zurück. Obwohl der Verkäufer mehr für einen Liter Milch bekommen hat, hatte er am Ende weniger in der Kasse.

Wenn der Optimalpreis (so nenn ich das) für Aldi jetzt zum Beispiel 60 Cent beträgt, dann wird Aldi immer versuchen, auf diesen Preis zu kommen - natürlich abhängig davon, wieviel sie für die Milch bezahlen.

Wenn der Landwirt 10 Cent weniger bekommen wird die Molkerei wohl 2 cent für sich behalten und die Milch für 8 Cent weniger anbieten. Aldi bekommt die Ware und bietet sie dem Kunden für 6 Cent billiger an und behält die 2 Cent als Extra-Marge für sich. (Alle Zahlen fiktiv)
 
Der Landwirt bekommt jetzt für Milch weniger als noch vor ein paar Jahren.
Der Regalpreis ist nicht gesunken, sondern gestiegen. Komisch.

Und was ist da komisch am von der Komission festgesetzen Milchpreis und dem Kontingent?
Der Bauer liefert soviel er DARF und bekommt dafür soviel wie Handel und Molkerei sagt.
Der Handel hat 20Cent für sich behalten!

Warum das bei anderen landwirtschalftlichen Rohstoffen anders verläuft?
Weil man Milch nicht verheizen kann!

Für Milch gibt es nur EINEN Abnehmer, die Molkerei.
Für so ziemlich alles andere gibt es mehrere Interessenten.

@Thomas_7K
Wer sagt, daß das bei anderen Produkten nicht auch der Fall ist?
Europäische Textilindustrie, Fischindustrie, Obst überlebt auch nur, weil die Pflücker weniger bekommen als ein Chinafließbandsklave.
 
Zuletzt bearbeitet:
Deine Argumentationen zur Milchpreispolitik sind absurd.

Du schreibst im letzten Satz allen ernstes, dass ein Arbeiter in der Fischindustrie und Obstpflücker weniger bekommt als ein Chinafließbandsklave. Was soll man denn zu so einem Unsinn schreiben. Der Lohnkostensatz für einen solchen chinesischen Arbeiter wird bestimmt bei unter 4 €/h inkl. Sozialabgaben liegen, (wohl noch unter 3 €/h sogar).

Dann schreibst Du sinngemäß, dass man die anderen überschüssigen Landwirtschaftsprodukte verheizt, um mit Ihnen Erlöse zu erwirtschaften. Ganz tolle Spinnereien. Wer verheizt denn bitte schön Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Getreide (ok geht sogar technisch-wird aber derzeit nur Stroh verheizt) u.a.?

Klar bekommt der Bauer seinen Preis von der Molkerei und diese bekommt Ihren Preis vom Einzelhandel. Wer jetzt aber den Molkereien/dem Einzelhandel die Schuld in die Tasche schieben will, der sieht zu kurz, schaut nicht hinter die Fassade.
Bis auf Getreide, aber da auch nicht für alle Sorten, kann man keines der anderen Lebensmittel für etwas anderes einsetzen als ihren ureigensten Zweck, der Ernährung. Milch ist wie alle anderen Lebensmittel genauso vergleichbar.
Einzig die europäische Milchquote, auslaufend zum Jahr 2015, stellt eine Höchsterzeugungsmenge dar, die es so für andere Lebensmittel nicht gibt. (Ausnahme: Fischfangquote)
Wer sagt, daß das bei anderen Produkten nicht auch der Fall ist?
Wir alle hätten doch sicherlich mitbekommen, wenn in den letzten Monaten Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse, Getreide im größeren Stil weggeworfen/vernichtet wurden - oder ?
Wer schon etwas älter ist, sollte sich z. Bsp. an Aktionen der spanischen Apfelsinenproduzenten/Tomatenproduzenten in den 80er Jahren erinnern können.

Zur Zeit wird einfach nach der europäischen Milchqote produziert und von den Milchbauern auf den Markt geworfen. So muss man es betriebswirtschaftlich/volkswirtschaftlich sehen!
Die europäische Milchquote soll eine Überproduktion und einen Milchpreisverfall verhindern, was sie aber im Moment für Deutschland nicht erfüllt. Alle anderen Länder in der EU wollten deshalb die Milchquote dieses Jahr für alle gleichstark absenken, damit der Milchpreis stabilisiert wird. 2 Länder (Deutschland +1) waren aber dagegen, um die heimischen Milchbauern vor Einnahmeausfällen zu schützen. Minister Seehofer ist sogar noch stolz auf seine Haltung und seinen Einsatz in dieser Sache.

Der Weltmarktmilchpreis und noch viel schlimmer, der Milchpreis in vielen umliegenden Ländern liegt aber deutlich unter dem des deutschen geforderten Preises von 40ct/Liter Rohmilch. Was passiert also ab 2015, wenn die Milchquote ausläuft?Der Handel wird dort einkaufen, wo er ein vergleichbares Produkt günstiger bekommt, genauso wie er das schon seit Jahren bei Fleisch, Fisch, Getränken, Obst und Gemüse und weiteren Lebensmitteln macht.
Frischmilch wird er weiterhin in Deutschland und maximal den angrenzenden Ländern kaufen (müssen). Ab 2015 wird dann jeder größere und effizientere Betrieb seine Milch auf den Markt werfen/anbieten. Wer das jetzt nicht in der Lage zu erkennen ist, der tut mir nur bedingt leid. Es ist deshalb völlig aussichtslos, jetzt einen Kampf um 40ct / Liter gewinnen zu wollen, wenn 2015 eh der Milchpreis sich auf ein europäisches Niveau einpendeln wird.
Der Landwirt bekommt jetzt für Milch weniger als noch vor ein paar Jahren.
Der Regalpreis ist nicht gesunken, sondern gestiegen. Komisch.
Ein Indiz dafür, dass hier der künstlich hochgehaltene Milcherzeugerpreis sich auf einen subventionsfreien Preis einpendelt.

Es ist unwahr, dass es für Milch nicht mehr als einen Abnehmer gibt.
Genauso ist es unwahr, dass andere Lebensmittelerzeuger mehr Auswahlmöglichkeiten beim Verkauf Ihrer Produkte haben.

Wenn niemand anders als die deutschen Molkereien die deutsche Milch haben wollen, dann ist das doch eindeutig ein Zeichen dafür, dass sie nicht wettbewerbsfähig ist. Die Milchbauern können doch wieder ihre eigenen genossenschaftlichen Molkereien aufmachen (gibts ja auch noch welche) und dann dem Handel die Milch für mehr Geld verkaufen wollen. Auf den gleichen Gedanken (eigener Großhandel setzt höhere Erzeugerpreise durch) kommen die anderen Lebensmittelproduzenten nicht, weil sie schon in der Marktwirtschaft angekommen sind.

Und was ist da komisch am von der Komission festgesetzen Milchpreis und dem Kontingent?
Damit wollte man die Milchbauern vor einer Überproduktion in billigeren EU-Ländern schützen. Aber wie weiter oben beschrieben, ist der deutsche Landwirtschaftsminister ja zu doof, um dieses Regularium aktuell den Gegebenheiten anzupassen (Quote senken). Fast alle anderen EU-Ländern haben dagegen die Notwendigkeit einer Milchqoutenabsenkung erkannt.

Angst vor einer milchbauernfreien Zone in Deutschland brauchen wir aber zukünftig nicht zu haben. Genausowenig wie wir nicht bedeutsame Mengen an anderen Lebensmitteln aus China+Afrika+Asien einführen, wird zukünftig Milch von dort herkommen.
 
Bist du Landwirt oder ich?
Wem außer der Molkerei soll ich denn meine Milch verkaufen, mit der ich eh schon aufgehört habe.
Auch bei Fleisch und Obst und Fisch(Frankreich z.B.) war der Preisverfall unglaublich, aber nicht so existenzbedrohend wie bei der Milch.
Auch beim Weizen war es lange so, daß man fürs Stroh mehr Geld bekam, als für das eigentliche Produkt.
Das hat sich erst geändert, nach dem der Weizen als Energiepflanze erkannt und genutz wurde.

Man muß sehen, daß man für Lebensmittel noch nie so wenig bezahlt hat wie jetzt, umgelegt aufs Einkommen haben sich die Ausgabe für Lebensmittel glatt halbiert.

Äh...es kommen keine bedeutsamen Lebensmittelmengen aus den Ausland?
Schon einmal einkaufen gewesen in den letzten Jahren?
Oder sollte das in der BRD gänzlich anders als in Österreich sein?

Von der Lebensmittelindustie ganz zu schweigen, da wird ohnehin nur Milchpulver und Eier verwendet, nach Produktionsmethoden die bei uns schlicht und einfach verboten sind.

Der Chinesische Durchschnittsarbeiter verdient 70CENT die Stunde.
Ein Deutscher Arbeitsloser bekommt 1 Euro(1 Euro Jobs)+ die Arbeitslose.
Ein Ukrainischer/Weißrußischer/Polnischer Gurkerlpflücker kommt auf......3-4 Euro die Stunde in Deutschland(Gesetz 4,75€), dafür 12-14h am Tag und schlafen in Zelten, stimmt mein Vergleich mit China war ein wenig übertrieben.
Unsere Taglöhner auf meinem Anwesen, in den 60er Jahren, mussten noch mit einem Essen als Lohn zufrieden sein, dafür durften sie im Heustadel schlafen.
http://freepage.twoday.net/stories/3604416/

Man muß den Lohn in der Relation zu den Herkunftsländern sehen.
Im polnischen Fiatwerk, zum Beispiel, sind sie für polnische Verhältnisse gut bezahlt, mit 400-500 Euro im Monat...

Aber es wird sich schon alles regeln.
Billiger für die Gesellschaft insgesamt wird es nicht mit weniger Bauern.
Ich bekomme z.B eine Entschädigung von der Gemeinde nur für die Landschaftspflege.
680 Euro für 3ha Wiese mähen und Wege freihalten, für die Spaziergänger, Moutainbiker und Reiter.
Da ich kein Vieh mehr habe brauche ich auch kein Futter mehr und keine dadurch verwildert die Landschaft, das will aber der Tourismusverband nicht, der so stolz in seinen Prospekten mit der gepfegten Kulturlandschaft wirbt....
Jo, und nur aus Spaß an der Freud mäh ich nicht...habe ja nicht einmal mehr das Gerät dazu...
So freut sich halt irgendeine Gartenarbeits/Maschinenringfirma über den unprofitablen Milchpreis, den dann alle Bürger über die Stadtkasse ausgleichen...

Es hängt eben alles irgendwie zusammen, und sei es der Milchpreis mit dem mähen der Wiese für den Tourismus....
 
Zuletzt bearbeitet:
Also kann man sagen, dass die Anzahl der Milchbauern bis 2015 langsam absinkt (im Moment laut Wiki jährlich -5%) und sobald die Milchquote wegfällt, werden die Bauern massenweise Konkurs anmelden? Ich kann mir das nicht vorstellen, bei solchen Geschichten (das sind Top-Nachrichten) schaltet sich doch immer ein Politiker ein, der mit Steuergeldern um sich wirft. Na, ich bin gespannt was da passiert.
 
Ein Bauer meldet nie/selten Konkurs an, man stellt einfach die Landwirtschaft ein.
Man kann auch von Kühen auf Schafe, Ziegen oder Strauße umsteigen oder auf die Viecherei ganz verzichten und Raps anbauen.
Echt treffen tut der Milchpreis eher die Milchindustriebetriebe, die kein Land haben und das Futter zukaufen, die haben genau NULL Alternative.

Was für Folgeprobleme es bringen kann, wenn der Bauernstand wegfällt, habe ich ja geschildert, eine ungemähte Wiese und verwahrloste Wege sind wohl das geringste aller Probleme.

Artikelausschnitt zum Thema:
Es gibt nur mehr zweihunderttausend Bauern in Österreich, von denen rund 80 % nur mehr im "Nebenerwerb" bzw. "Zuerwerb" überleben können. D. h. sie müssen einen zweiten Beruf ausüben, um die Landwirtschaft überhaupt erhalten zu können. Von 1995 (dem Jahr des EU-Beitritts) bis 2000 - in nur fünf Jahren, mußten 70.000 Bauern ihre oft jahrhundertelang bestehende Landwirtschaft aufgeben und wurden auf den ohnehin überfüllten "Arbeitsmarkt" gedrängt. In den 60er Jahren gab es in Österreich noch 430.000 Bauern...
ENDE


Also ist für 80% der "Bauern" der Bauernhof mehr ein teueres Hobby als ein Einkommen - Nebenerwerbslandwirtschaft = Arbeiten gehen um den Hof bewohnbar erhalten zu können.

Ich habe ganz aufgehört und habe mir nur 6ha behalten, das reicht für den Eigenbedarf an Brennholz und Obst(Apfel/Birnensaft, Most, usw.)
42ha für 2,5 Euro den m2 ans Land verkauft(1982), bin einer der Letzten in der Gegend, Stadtbereich aber leider Grüngürtel = auf ewig kein Bauland.
Eine Verpachtung war nicht möglich, weil kein Nutzer in der Gegend noch mehr Grund brauchte.

Ein bissl eine Info zur Sache:
http://www.initiative.cc/Artikel/2004_03_01 Bauernsterben.htm
 
Zuletzt bearbeitet:
So ist das Leben. Aber wieso meldet ein Landwirt keinen Konkurs an? Ist doch ein Unternehmer: Er beschäftigt Angestellte, kauft Rohstoffe, produziert eine Ware und verkauft sie.
 
Weil die Aktiva meist gewaltig sind, es wird wohl kaum ein Bauer Jahrzehnte draufzahlen....

Ein Landwirt ist auch Großgrundbesitzer, heute mit meist mehreren 100 Hektar(1ha=10.000m2).
Eine "guter" Unternehmer dreht ja auch zu, wenn eine wirtschaftliche fortführung des Unternehmens nicht möglich ist.

Welche Angestellte?
Seine Frau und seine Kinder, in den allermeisten Fällen.

Ein Problem haben die Betriebe die jetzt mit Millionenaufwand die Eu-Auflagen erfüllt habe, bzgl. Stallungen usw. und jetzt nix mehr für ihr einziges Produkt bekommen.
Das sind aber keine eigentlichen Bauern mehr sondern ganz normale Agrarfirmen, mit vielen Angestellten.


Naja, es wird nicht besser werden für die Landwirte.
Stirbt der Landwirt stirbt das Land.
So sagt man.
 
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Milchgipfel-Berlin-Bauer,/632601.html

Da stehen einige interessante Sachen drin. Zum Beispiel
Hinzu kommt die relativ geringe Größe. Nordmilch etwa, Nummer eins hierzulande, macht nur ein Drittel des Umsatzes vom dänischen Wettbewerber Arla. "Bei heutiger Größe haben wir nur wenig Macht in den Verhandlungen mit dem Einzelhandel", klagt der Vertreter einer großen deutschen Molkerei, der sich gern mit Konkurrenten verbünden würde.

Ich kann mir gut vorstellen, was die Milchbauern in 10 Jahren so erzählen. "Das waren goldene Zeiten damals, als wir für den Liter noch 34 Cent bekommen haben, was?"
 
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