Tandeki schrieb:
Ganz einfach: Du hast eine Meinung, also rede von "ich" und nicht von "wir". Und wenn Du verstehst, dass Deine Meinung als Individualmeinung jedem Menschen zugesteht, dann kannst Du auch schnell nachvollziehen, dass es beim Meinungsaustausch von Individuen nur um einen subjektiven und nicht kollektiven Vorgang geben kann, also weder ein "wir" noch ein "ihr" existiert.
Achso, dich stört also nicht die Trennung an sich, sondern dass ich in Mehrzahl gesprochen habe, anstatt in Einzahl. Das ist doch nur eine Redeart. Ob ich jetzt ich - du sage oder wir - ihr, ist doch das gleiche. Das ändert doch die Argumentation oder den Inhalt des Gesagten nicht. Ich kann natürlich ab jetzt versuchen nur noch die Einzahl zu verwenden, aber das wird nicht immer der Fall bleiben, weil es manchmal keinen Sinn macht.
Das kannst Du prinzipiell. Allerdings hat das zwei Implikationen:
1. Du zeigst Größe und Reife, wenn Du eben nicht auf die unsachlichen Antworten Deines Gegenübers mit der selben Unsachlichkeit antwortest und
2. Eine solche Form der Diskussion führt grundsätzlich nur zu Ressentiments auf beiden Seiten und nicht zum Austausch von Argumenten (also bringt die Diskussion in keiner Form weiter).
Du kannst gerne Leuten deine andere Backe hinhalten, ich tue das aus Prinzip nicht. Ich behandle jeden so, wie er es in meinen Augen verdient und meistens hängt es davon ab, wie sie mich behandeln. Meine Größe und Reife bekommen nur die ab, bei denen ich ein Gutwillen erkenne. D.h. zum Beispiel könntest du meinen ich wäre die schlimmste Person der Welt, trotzdem würde ich versuchen munter mit dir weiter zu diskutieren. Weil bis jetzt habe ich den Eindruck gewonnen, dass du zumindest versuchst neutral und nett zu bleiben. Selbst wenn ich mit allem, was du sagt, nicht einer Meinung wäre, würde ich mein bestes tun um dich nicht zu verletzen auf irgendeiner Art. Respekt kann nur auf Beidseitigkeit beruhen. Wer mir keinen Respekt entgegen bringt, den behandle ich gleichermaßen. Ich zeige auch keine Gnaden, weil Gnaden verdienen nur die, die gutwillig sind. Belohnen tue ich doch nicht die, die von Anfang an böswillig sind. Und wer gut- oder böswillig ist, dass bestimmt jeder für sich. Ich versuche natürlich auf sachlicher Ebene festzustellen, ob jemand tatsächlich die Absicht hat Meinungen auszutauschen oder doch die Absicht hat zu hetzen.
Noch bedenklicher finde ich allerdings, dass eine öffentliche Analyse dieser Phänomene wohl nicht stattfinden kann, weil eine Diskussion darüber gerne wieder viel zu schnell in das "wir" und "ihr" übergeht. Also in eine polarisierte, emotionsgeladene Diskussion, die dann nicht mehr auf der Sachebene stattfindet.
Wie gesagt. Ich für meine Person versuche mein Bestes Leute aufzuklären. Vielleicht ist meine Meinung falsch, vielleicht bin ich nicht neutral genug, was auch immer. Aber, ich bin immer offen für eine Diskussion und versuche das aufrecht zu halten. Nur, ich werde niemals die andere Backe hinhalten. Ich versuche niemals der Auslöser dieser polarisierenden Diskussion zu sein. Ich bin immer der reaktive Anteil und werde es auch immer so bleiben. Aus Prinzip finde ich es falsch Leute respektlos zu behandeln, aber auch aus Prinzip lasse ich es auch nicht durchgehen, wenn andere respektlos sind, denn dann greift die Ausnahme zu.
Auch international agierende Firmen und Firmen mit Sitz im Ausland müssen sich an die Gesetze der Länder halten, in denen sie ihre Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Dafür benötigt man keinen lokalen Ableger der ausländischen Firma. Wozu auch?
Das ist nicht richtig. Du solltest dich damit mal auseinandersetzen. Wenn du zum Beispiel ein Produkt aus den USA bestellst, kannst du die Firma hier in Deutschland nicht verklagen oder irgendwie auf Rückgaberecht pochen etc. Da gilt das Recht, wo die Firma ihren Sitz hat.
Glücklicherweise haben die meisten große Konzerne irgendwo in der EU einen Sitz, weshalb es für den EU Bürger solche Dinge nicht bewusst ist, weil das für sie eine Selbstverständlichkeit darstellt. Aber außerhalb der EU ist es nicht so, da muss jedes Land hart solche Rechte erkämpfen. Wie im Fall der Türkei.
Nach meinen aktuellen Informationen gab es übrigens keinen richterlichen Beschluss, mit dem auf Wikipedia zugegangen wurde. Anscheinend wurde nur behördlich ein Antrag an Wikipedia gestellt, nach dem Inhalte gelöscht werden sollten, die der "Terrorunterstützung" dienen. Das hat Wikipedia abgelehnt.
Quelle:
http://www.faz.net/aktuell/feuillet...er-tuerkei-wissen-als-bedrohung-14995407.html
https://www.youtube.com/watch?v=LKTN579XKKQ
Ganz frisch von heute. Laut dem Chef dieser Behörde waren für einige Webseiten die juristischen Verfahren abgeschlossen, weshalb man nun die Sperre anhängen musste. Er sagt, dass es ihm Leid tue, aber jedermann Gesetze achten müsse und da dieser Fall in der Justiz gelandet ist, kann er nicht viel dazu sagen. Er betont auch, dass er (sie) alles tun werden, also mit Wikipedia kooperieren werden, damit die Sperre aufgehoben wird.
Ich meinte damit die Regelung, dass man a) staatstreue Chinesen in lokalen Firmenniederlassungen installiert und b) eine lokale und physikalische Vertretung haben will, um notfalls persönlich Druck ausüben zu können.
Selbst wenn das wahr wäre, also man staatstreue Türken installieren will, was absurd ist, wir sind nicht in China, ist es doch nur fair.
Stelle dir doch mal vor, selbst wenn das Land autokratisch, diktatorisch oder was auch immer ist. Die nationalen Firmen müssen alle das befolgen. Es ist natürlich eine andere Sache, ob diese Gesetze/Regeln in Ordnung sind, darüber kann man ja diskutieren, aber erst einmal müssen die nationalen Firmen dies befolgen. Es ist doch also unfair, wenn ausländische Firmen dies nicht tun müssen und dennoch im selben inländischen Markt agieren. Das verschlimmert die Situation doch noch mehr. Nicht nur, dass man autokratisch behandelt wird, die Konkurenzen, die im Ausland agieren, haben zusätzlich auch noch nicht die gleichen Bürden, wie die inländischen...
Naja, so einfach ist das nicht. Erstens gibt es keine "Regelungen", sondern Richtlinien, Entscheidungen, Verordnungen und Entscheidungen sowie Empfehlungen und Stellungnahmen. Nicht alle dieser sekundärrechtlichen Vorgänge haben a) per se eine Verbindlichkeit in den Mitgliedsstaaten, b) eine auf alle Bereiche erstreckende Wirksamkeit und c) überhaupt einen bindenden Charakter.
Ich sagte nicht, dass es so einfach ist. Es dauern Jahre, bis sich die EU entschließt eben "Regelungen" (ich habe es als Oberbegriff benutzt) zu beschließen. Aber die sind bindend.
Siehe;
Es gibt derzeit zwei Arten von EU-Gesetzen: Richtlinien und Verordnungen. Richtlinien sind Rahmengesetze der EU; sie stellen eine politische Forderung an die Gemeinschaft und müssen von den nationalen Parlamenten der Mitgliedstaaten innerhalb einer gesetzten Frist in nationales Recht umgesetzt werden. Verordnungen sind dagegen EU-Gesetze, die sofort und unmittelbar in allen Mitgliedstaaten gelten.
Prinzipiell ist immer die Frage zu beantworten, ob eine solche Maßnahme gegen privatwirtschaftliche Firmen demokratisch legitimiert ist. Und zweitens muss es immer die Möglichkeit geben, mit rechtsstaatlichen Mitteln gegen solche Eingriffe vorzugehen. Wie gesagt ist das Vorgehen in der Türkei weder demokratisch legitimiert, noch hat Wikipedia eine Möglichkeit, sich dagegen rechtlich zur Wehr zu setzen.
Natürlich ist es demokratisch legitimiert. Alle haben sich an Gesetze zu halten. Alle.
Diese Mittel gibt es auch in der Türkei. Deine Behauptung, dass dies nicht geben würde, ist bestens gesagt eine falsche Meinung, im schlimmsten Fall eben eine Propaganda, was ich dir nicht unterstellen werde, weil du bis jetzt nichts derartiges vorzuweisen hast.
Denn Wikipedia hat bei der türkischen Justiz Einspruch gelegt und auf die Entscheidungen bezüglich Youtube und Google aufgezeigt (auch da gab es Sperrungen, und nein, nicht wegen der autokratischen Regierung, sondern weil der Staatsgründer Atatürk in Videos beleidigt wurde, was laut dem türkischen Gesetz eben nicht erlaubt ist (ob das Gesetz Sinn macht, ist eine andere Frage, das Gesetz ist nun mal da)) und die Sperrungen mussten aufgehoben werden.
So wie es eben in einem demokratischen Land passiert. Business as usual. Aber wenn es die Türkei ist, gibt es plötzlich keine Möglichkeit sich zu wehren... Woher diese Information überhaupt?
Auch wenn das nichts mit dem Thema zu tun hat: ich halte die gesamte Aktion um den "anti-hate speech code of conduct" für den völlig falschen Ansatz mit diesem Phänomen umzugehen. Denn mit dem Löschen beseitigt man nur die Symptome, geht aber die Ursachen nicht an.
Mag sein, aber wie du siehst, immer scheint der Westen die Weisheit für sich gepachtet zu haben. Wenn der Westen dies tut, dann ist es ok. Wenn andere Ländere es tun, zum Beispiel die Türkei, sind wir plötzlich in einer Diktatur. Das ist Heuchelei wie immer. Interessiert das aber jemanden? Nein. Dreck bleibt eben stecken...
Da stimme ich Dir absolut zu! Ich halte es für unerträglich, wenn deutsche Politiker grinsend ihre Zustimmung dafür ausdrücken, dass eine Veranstaltung unter dem Vorwand abgesagt wurde, es gäbe nicht genügend Parkplätze. Diese Umgehung eines demokratischen Rechts unter Missbrauch einer Verwaltungsvorschrift ist meiner Meinung nach undemokratisch.
Vielen Dank, aber das interessiert doch niemanden. Leute wollen Köpfe rollen sehen. Die Hetze gegen die Türkei ist keine Unterstellung, sondern eine Tatsache. Das kann man an zig Handlungen sehen, die nur so von Doppelmoral strotzen.
Ich kann nachvollziehen, dass deutsche Bürger sich ärgern, wenn auf so einer Veranstaltung sowohl vom Redner als auch von Teilen der Besucher solche Dinge gesagt werden wie "Deutschland ist keine Demokratie" oder "sagt euch von den Nazi-Enkeln los". Denn dass Deutschland eine Demokratie ist und wir nicht mehr wie Nazis handeln, ermöglicht ja gerade so etwas wie Meinungsfreiheit.
Solche Dinge werden auch gar nicht erst in Veranstaltungen gesagt. Auch das ist so ein Vorurteil. Bei den meisten Veranstaltungen werden die inländischen Dinge eigentlich nie angesprochen, sondern Themen, die in der Heimat gerade aktuell sind. Da gibt es zig Videos auf Youtube. Du kannst dir gerne zig Veranstaltungen anschauen und nachgucken, um zu sehen, was diskutiert wird. Dafür müsstest du aber Türkisch können... Weil du das nicht kannst, hast du eine Fantasie, wo die Leute in dem Land, wo sie eine Veranstaltung machen, gegen sie hetzen, was nicht der Fall ist.