Zornbringer schrieb:
ich habe den eindruck, fleichesser fühlen sich mit diesem thema direkt angegriffen.
Nein, wir haben nur evolutionäre Gründe. 1Mio Jahre Menschheitsgeschichte, oder selbst 10.000 Jahre Siedlungsgeschichte, lassen sich nicht mit ner kleinen Reportage im Spiegel (huhu, Axel Springer... die Spiegel BILD) wegdiskutieren.
Nein, viel eher sind es die Grünfutterfreunde, die hier überaus emotional reagieren. Kau einem Vegetarier ein richtig schönes, saftiges Rindersteak (natürlich medium oder englisch) vor. Sieh zu, wie seine Gesichtsfarbe sich dem angleicht, was aus den Schnittflächen des Steaks sickert. Mach dazu noch "hmmmm" und "mjam", sieh zu wie Freund Brokkoli dich am liebsten mit seiner Salatgabel erstechen würde.
ich möchte auch noch mal den unterschied zwischen regionaler landwirtschaft und masstierhaltung betonen. artgerechte haltung halte ich für gerechtfertigt. massentierhaltung nicht.
Aha. Aber trotzdem sollen wir Vegetarier werden? Obwohl artgerechte Haltung ok ist?
Ich bevorzuge auch qualitativ hochwertiges Fleisch von unserem lokalen Dorf-Fleischer. Die Qualität ist signifikant höher als im Kaufland oder Netto. Es kost mehr, aber bei unserem Fleischer kann ich das Hack bedenkenlos roh essen (-> lecker Hackepeter, mti etwas Zwiebel, Salz, Pfeffer... ein Traum).
geschmack. ein vegetarischer döner schmeckt mindestens genau so gut wie ein döner mit fleisch. in einem vegetarischen döner ist aber definitiv kein gammelfleisch. vielleicht ne raupe im salat aber damit kann ich leben.
Ich hab genug Gemüse und vor allem Gemüsebratlinge gegessen um zu sagen: NÖ!
Klar kann ein Tofu-Burger genau so schmecken wie einer von Burger King, ABER:
1.) kam das Tofu aus Fernost... Hektoliter Schiffsdiesel gingen für diesen Burger drauf.
2.) besteht das Zeug doch nur noch aus synthetischen Gewürzen, die alle nur dazu dienen, den Geschmack von echtem Fleisch zu emulieren.
der ökologische aspekt. das futter für die tiere in der massentierhaltung muss irgendwo angebaut werden. erstmal werden dafür wälder abgeholzt. darüber hinaus entstehen monokulturen, die quasi ein funktionierendes ökosystem zerstören.
Bei ökologischer Haltung, also außerhalb der Massentierhaltung, ist der ökologische Fingerabdruck von nem Schwein oder einer Kuh signifikant niedriger als bei deinen Tofu Bratlingen. Denk immer daran: Dein Tofu wächst auf dem Dünger, den meine Kuh ausgeschissen hat. Keine Viehzucht -> kein nat. Dünger -> signifikant schlechtere Qualität und Quantität des Getreides etc.
der wirtschaftliche aspekt. durch die massenproduktion ist das fleisch mittlerweile so billig, dass kleinen landwirten die existenz genommen wird. in einer wohlhabenden gesellschaft ist das vielleicht weniger problematisch aber in ärmeren ländern wird landwirten die existenz genommen. vorallem, wenn in deutschland die fleischproduktion durch massentierhaltung schon so billig ist, dass wir in diese ärmeren länder exportieren.
Einerseits gilt dasselbe auch für Getreide, Mais, Reis,... Versuch mal als Kleinbauer für deinen Weizen so zu halten, wie ihn ein Großkonzern aus dem amerikanischem Wheat Belt kann. Keine Chance
Andererseits kann man das auf internationaler Ebene leicht regeln.... z.B. so wie es einige skandinavische Länder machen: Einfuhrzölle, und zwar extreme. Ein Stück deutsche Butter kostet in Norwegen mal eben ein Vielfaches von dem, was es hier kostet, einfach damit norwegische Bauern mit ihrer niedrigeren Produktivität (aufgrund des Klimas) eine Chance haben.
evolution. also, tiere essen ihr fleisch alle roh. der mensch muss das fleisch ja erstmal kochen. nur wenige fleischsorten sind bedenkenlos roh zu essen. aber unser verdauungstrakt ist für rohes fleisch eigentlich nicht mehr vorgesehen. damals, in der steinzeit, als wir noch richtige hauer als vorderzähne (nicht diese zurückgebildeten ansäzte von vermeindleichen reißzähnen) hatten und wir noch kein feuer kannten, war unser verdauungstrakt noch anders aufgebaut.
Der Homo Sapiens hat nicht sehr viel an Kieferkraft eingebüßt. Und es gibt genug Fleisch, dass roh und vor allem frisch essbar ist. Rindfleisch sowieso, Wild funktioniert oftmals, sehr frisches Schwein geht auch (siehe Hackepeter). Nur Geflügel ist ein klein wenig problematisch.
Die Zubereitung von Speisen erweitert unseren Speiseplan und ermöglicht uns, Nahrung effektiver aufzunehmen. Gegrilltes Steak verdaut sich leichter als rohes. Denk dabei aber auch daran, dass auch Pflanzen zubereitet werden. Bohnen sind roh giftig, sie enthalten eine ordentliche Dosis pures Zyankali. Viele Pilze sind roh giftig. Rohe Kartoffeln sind auch keine so gute Idee.
wenn man sich auf keine siegel mehr verlassen kann, so siegel wie das bio siegel, dann sollte man seine tiere am besten selbst schlachten.
Du müsstest sie in hermetisch abgegrenzten Biotopen aufziehen. Übrigens fehlen dir die nötigen Kenntnisse, um ein Nutztier fachgerecht zu töten. Sobald der Stresslevel zu hoch ist verdirbt das Fleisch. Oh, und das Zerlegen von Viechern ist auch nicht einfach.
Necrol schrieb:
Manche Leute behaupten auch Pflanzen seien Lebewesen, was sollen denn Vegetarier machen wenn die auch mal zu der Überzeugung kommen?
Sind sie auch... Vegetarische Prediger sind nur der Meinung, dass Möhren keinen Schmerz fühlen, Hoppelhäschen hingegen schon. Beide nehmen aber Verletzungen wahr, beide reagieren auf äußere Einflüsse. Beide leben.
redsector schrieb:
Und tonnenweise Gewüze, Soße etc. drüberzukippen, um einen Hauch von Geschmack zu erzeugen, kann nicht Sinn der Sache sein.
Jep, das ist auch so ein Punkt.
Ein qualitativ hochwertiges Rindersteak braucht genau 3 Dinge, um richtig lecker zu werden: Etwas Hitze, etwas Salz, etwas Pfeffer. Keine BBQ-Soße, kein Ketchup, keine Glutamate, kein Koreander, Oregano,.... Nur Salz und evtl. Pfeffer.
Ein Gemüse-Bratling besteht zu gefühlten 20% aus international hergestellten Gewürzen und Geschmacksverstärkern, nur damit das Zeug leidlich so schmeckt, wie es ein guter Braten von Haus aus tut.
Der Mensch hat eben mehr elementare Geschmäcker als nur Süß, Salzig, Bitter, Sauer... Es ist wissenschaftlich belegt, dass wir auch noch Geschmacksknospen für etwas haben, dass als "umami" bezeichnet wird.
Wieso nehmen wir "umami" wahr und bewerten es auch noch positiv, wenn wir doch kein Fleisch brauchen?
Ich sage bewusst nicht "widersprechen", weil vegetarische Ernährung funktionieren KANN, aber eben nicht muss.
Sie kann funktionieren, weil unsere Industrie es überhaupt erst einmal ermöglicht.
Lassen wir mal Importe außen vor, versuchen wir mal vom eigenen Land zu leben.... Was macht der Deutsche im Winter? Ok, er hat Äpfel und Kartoffeln im Keller, er hat Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen,... eingekocht. Evtl. hat er getrocknete Gewürze. Aber kann er davon wirklich den ganzen Winter überstehen? Wird er nicht doch 2-3x im Winter ein Tier schlachten? Wird er sich nicht freuen, dass seine Hühner auch im Winter jeden Tag ein Ei legen und die Kuh die ganze Zeit Milch gibt?
Unser Klima sorgt schon dafür, dass wir nicht wie im Regenwald das ganze Jahr über frische Papayas mampfen können.