bender_
Banned
- Registriert
- Nov. 2012
- Beiträge
- 8.311
@Scheitel Es geht aber zuerst Mal um die tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten. Das hat mit Gewicht und Verbrauch erstmal nix zu tun. Komisch dass gerade ein Tempolimitgegner diese Argumentationsschiene wählt.
Begegnen wir der Thematik doch mal aus rein physikalischen Gesichtspunkten. Dazu muss ich leider ein paar Annahmen machen, die mich natürlich angreifbar machen werden. Ich hoffe am Ende kommt doch ein einigermaßen realistischer Vergleich dabei heraus. Die gesamte Betrachtung gilt natürlich nur für BABs ohne Begrenzung (übrigens über 70% der Strecken).
Bleiben wir bei den beiden besagten Fahrzeugen. Zudem nehmen wir mal an, dass ein Tempolimit von 130km/h eingeführt wird.
Als Quelle für die meisten Angaben nutze ich das offizielle, aktuell gültige Papier "Umweltauswirkungen von Geschwindigkeitsbegrenzungen" des Bundesumweltamts von 1999: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3136.pdf
1. Statistische Ermittlung der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit
Mit Hilfe der Funktion "VARIATION" aus Excel, die einen exponentiellen Trend ermitteln kann, habe ich anhand der Daten aus dem Papier bis ins Jahr 2022 statistisch ermitteln lassen. Wirkliche Messungen gibt es nur aus den Jahren 1982 bis 1992. Sieht dann wie folgt aus:
V85 beschreibt dabei die Geschwindigkeit, die 85% der PKW Fahrer nicht überschreiten.
2. Ermittlung der Bedarfe an kinetischer Energie.
Der Einfachheit halber gehe ich bei den Geschwindigkeiten davon aus, dass lediglich die Energie aufgewendet werden muss um den Luftwiderstand zu kompensieren um so die Geschwindigkeit zu halten. Der Wirkungsgrad ist leider schwer einzuschätzen. Aus diversen Quellen im Internet dürfte optimistischer Weise der Wirkungsgrad des Golf im Mittel bei 30% liegen. Der vom Opel etwa 5% weniger.
Technische Ausgangsdaten:
Notwendige kinetische Energie um die Geschwindigkeit zu halten:
Was sagt mir das nun?
Zuerst zeigt sich, dass der Golf lediglich 8% mehr kinetische Energie benötigt um die gleiche Geschwindigkeit zu halten obwohl er 50,5% schwerer ist als der Opel. Wer Lust hat, kann an dieser Stelle gerne noch den Einfluss des Rollwiderstands mit einrechnen - überschlagsmäßig fällt er ab 120km/h nicht mehr sonderlich ins Gewicht.
Beide Fahrzeuge benötigen 22,2% mehr Energie um die errechnete tatsächlich gefahrene Durchschnittsgschwindigkeit in 2017 von 143,7km/h zu halten, die aber lediglich 10,5% über dem angedachten Tempolimit von 130km/h liegt.
Durch den besseren Wirkungsgrad benötigt der Golf 11,4% weniger Kraftstoff als der Opel um das zu erreichen.
Unterm Strich bleibt also bei 130 eine Einsparung von 10,8% eines aktuellen Autos auf geschätzt aktuelle tatsächlich gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeiten.
Vom Energiebedarf her sieht es so aus, dass die in 30 Jahren Automobilentwicklung entstandenen Spritsparmethoden gerade mal dafür ausreichen, dass man sich mit ca. 142 anstatt 130km/h im Mittel fortbewegen kann um den gleichen Verbrauch zu haben. Spart auf 600km Langstrecke immerhin 23,4 Minuten Zeit
Wenn man etwas weiter spielt, findet man raus, dass irgendwo zwischen 180 und 190km/h mit einem aktuellen Auto der Punkt erreicht ist, an dem der Energiebedarf doppelt so hoch ist wie bei 130km/h. Wenn die Annahmen oben stimmen würden, wären aktuell ca. 15% der Autofahrer mit solch einem Tempo unterwegs und verursachen soviel Energieverbrauch wie 2 Fahrzeuge die 130km/h fahren würden...
3. Wie die Bundesregierung rechnet.
Sehr einfach. Sie nutzt die Zahlen aus der Tabelle oben, die unter 1992 stehen. Behauptet, dass die meisten Autofahrer sowieso im Mittel unter 130km/h fahren und nur 35,9% aller Fahrleistungen mit mehr als 130km/h erfolgen und nur 15% der Fahrer überhaupt schneller als 148,2km/h fahren und damit ein Tempolimit von 130km/h keine nennenswerte ökologischen Effekte hat.
Mir ist bewusst, dass dieses Zahlenspiel viele Punkte hat, an denen man drehen kann. Dennoch halte ich es für eine einigermaßen plausible Betrachtung, um einerseits darzustellen, wie wichtig es wäre aktuelle Zahlen zu erfassen und andererseits zu zeigen, dass die vermeintlichen Errungenschaften der Automobilindustrie zur Reduzierung des Verbrauchs nicht so rosig sind wenn weiterhin auf die Tube gedrückt werden darf.
Begegnen wir der Thematik doch mal aus rein physikalischen Gesichtspunkten. Dazu muss ich leider ein paar Annahmen machen, die mich natürlich angreifbar machen werden. Ich hoffe am Ende kommt doch ein einigermaßen realistischer Vergleich dabei heraus. Die gesamte Betrachtung gilt natürlich nur für BABs ohne Begrenzung (übrigens über 70% der Strecken).
Bleiben wir bei den beiden besagten Fahrzeugen. Zudem nehmen wir mal an, dass ein Tempolimit von 130km/h eingeführt wird.
Als Quelle für die meisten Angaben nutze ich das offizielle, aktuell gültige Papier "Umweltauswirkungen von Geschwindigkeitsbegrenzungen" des Bundesumweltamts von 1999: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3136.pdf
1. Statistische Ermittlung der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit
Mit Hilfe der Funktion "VARIATION" aus Excel, die einen exponentiellen Trend ermitteln kann, habe ich anhand der Daten aus dem Papier bis ins Jahr 2022 statistisch ermitteln lassen. Wirkliche Messungen gibt es nur aus den Jahren 1982 bis 1992. Sieht dann wie folgt aus:
Geschwindigkeit/Jahr | 1982 | 1987 | 1992 | 1997 | 2002 | 2007 | 2012 | 2017 | 2022 |
Mittel (km/h) | 112,3 | 117,2 | 120,4 | 125,0 | 129,4 | 134,0 | 138,8 | 143,7 | 148,8 |
V85 | 139,2 | 145,1 | 148,2 | 153,8 | 159,2 | 165,0 | 171,3 | 177,9 | 185,1 |
2. Ermittlung der Bedarfe an kinetischer Energie.
Der Einfachheit halber gehe ich bei den Geschwindigkeiten davon aus, dass lediglich die Energie aufgewendet werden muss um den Luftwiderstand zu kompensieren um so die Geschwindigkeit zu halten. Der Wirkungsgrad ist leider schwer einzuschätzen. Aus diversen Quellen im Internet dürfte optimistischer Weise der Wirkungsgrad des Golf im Mittel bei 30% liegen. Der vom Opel etwa 5% weniger.
Technische Ausgangsdaten:
Fzg. / Daten | Gewicht (kg) (aus LG + 100kg) | cw | Stirnfläche (m²) | Wirkungsgrad |
Opel | 1090 | 0,30 | 2,328 | 25% |
Golf | 1640 | 0,29 | 2,594 | 30% |
Notwendige kinetische Energie um die Geschwindigkeit zu halten:
Fzg. / Speed | 100 | 130 | 140 | 143,7 | 150 | 160 | 170 | 180 | 190 | 200 |
Opel | 269,5 | 455,4 | 528,2 | 556,4 | 606,3 | 689,8 | 778,8 | 873,1 | 972,8 | 1077,9 |
Golf | 290,2 | 490,5 | 568,8 | 599,3 | 653 | 743 | 838,7 | 940,3 | 1047,7 | 1160 |
Was sagt mir das nun?
Zuerst zeigt sich, dass der Golf lediglich 8% mehr kinetische Energie benötigt um die gleiche Geschwindigkeit zu halten obwohl er 50,5% schwerer ist als der Opel. Wer Lust hat, kann an dieser Stelle gerne noch den Einfluss des Rollwiderstands mit einrechnen - überschlagsmäßig fällt er ab 120km/h nicht mehr sonderlich ins Gewicht.
Beide Fahrzeuge benötigen 22,2% mehr Energie um die errechnete tatsächlich gefahrene Durchschnittsgschwindigkeit in 2017 von 143,7km/h zu halten, die aber lediglich 10,5% über dem angedachten Tempolimit von 130km/h liegt.
Durch den besseren Wirkungsgrad benötigt der Golf 11,4% weniger Kraftstoff als der Opel um das zu erreichen.
Unterm Strich bleibt also bei 130 eine Einsparung von 10,8% eines aktuellen Autos auf geschätzt aktuelle tatsächlich gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeiten.
Vom Energiebedarf her sieht es so aus, dass die in 30 Jahren Automobilentwicklung entstandenen Spritsparmethoden gerade mal dafür ausreichen, dass man sich mit ca. 142 anstatt 130km/h im Mittel fortbewegen kann um den gleichen Verbrauch zu haben. Spart auf 600km Langstrecke immerhin 23,4 Minuten Zeit

Wenn man etwas weiter spielt, findet man raus, dass irgendwo zwischen 180 und 190km/h mit einem aktuellen Auto der Punkt erreicht ist, an dem der Energiebedarf doppelt so hoch ist wie bei 130km/h. Wenn die Annahmen oben stimmen würden, wären aktuell ca. 15% der Autofahrer mit solch einem Tempo unterwegs und verursachen soviel Energieverbrauch wie 2 Fahrzeuge die 130km/h fahren würden...
3. Wie die Bundesregierung rechnet.
Sehr einfach. Sie nutzt die Zahlen aus der Tabelle oben, die unter 1992 stehen. Behauptet, dass die meisten Autofahrer sowieso im Mittel unter 130km/h fahren und nur 35,9% aller Fahrleistungen mit mehr als 130km/h erfolgen und nur 15% der Fahrer überhaupt schneller als 148,2km/h fahren und damit ein Tempolimit von 130km/h keine nennenswerte ökologischen Effekte hat.
Mir ist bewusst, dass dieses Zahlenspiel viele Punkte hat, an denen man drehen kann. Dennoch halte ich es für eine einigermaßen plausible Betrachtung, um einerseits darzustellen, wie wichtig es wäre aktuelle Zahlen zu erfassen und andererseits zu zeigen, dass die vermeintlichen Errungenschaften der Automobilindustrie zur Reduzierung des Verbrauchs nicht so rosig sind wenn weiterhin auf die Tube gedrückt werden darf.