dahum schrieb:
Der Staat hat keinen Pfennig in meine Bildung investiert (und komm' jetzt nicht mit Professorengehalt etc., ich habe mir alles zu Hause selbst erarbeitet, das Lehrangebot war immer miserabel),
Aha, und die Prüfungen hast Du dann also über Themen gemacht, die Du Dir selbst erarbeitet hast? Und die Prüfungen selbst hast Du Dir auch selbst abgenommen? Und Referate musstest Du nie halten? Keine Hausarbeiten geschrieben? Und auch keine Abschlussarbeit? Das ist doch Unsinn! Das Lehrangebot orientiert sich an der Prüfungsordnung und die Prüfungsleistungen werden von den Dozenten abgenommen. Da kannst Du zuhause lernen solange Du willst, irgendwann muss jeder Student an die Uni und sich darüber prüfen lassen, was das Lehrangebot hergegeben hat. Und das alles wird Dir von einer Universität zur Verfügung gestellt, die "der Staat" finanziert. Dass dieser also keinen Pfennig in Deine Bildung investiert hat, kann also nur stimmen, wenn Du gar nicht studiert hast.
dahum schrieb:
ich hingegen tausende von Euro in Semestertickets, die ich nicht brauche, in Lehrmaterialien, die mir niemand gestellt hat, und vor allem habe ich eine gewaltige Menge an Lebenszeit investiert, die ich etwa bei der Rentenberechnung verliere.
An welcher Uni hast Du denn studiert? Normalerweise kostet das Semesterticket entweder verdammt wenig oder man kann es optional erwerben.
Für gewöhnlich gibt es Büchereien, Uni-Bibliotheken (inklusive Instituts-Bibs), Landesbibliotheken usw., in denen man Lernmaterialien aka Bücher ausleihen kann. Und wenn die gewünschten Bücher vor Ort nicht verfügbar sind, dann kann man sich in der Fernleihe Bücher aus dem Bibliothekenverbund schicken lassen.
Und was die Rente anbetrifft, so kann man entweder die Beiträge freiwillig abdrücken oder wie Du arbeiten, dann hast Du übrigens als sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer sicher auch Rentenbeiträge abgeführt.
dahum schrieb:
Eine Gesellschaft muss, ...
Eine Gesellschaft muss erstmal gar nichts. Um Deine Ausführungen zu subsumieren: jeder ist seines Glückes eigener Schmied. Wenn jemand studieren will, so sollte er sich vorher darüber informieren, was die Studieninhalte sind, welchen Abschluss man erreichen kann, wie lange das Ganze dauert und wie die Jobaussichten sind.
Mit dem 12-jährigen Schulweg sind die Studentinnen 18 oder 19, wenn sie ihren Bachelor beginnen. Nach zirka sechs bis sieben Semestern, also nach drei Jahren haben sie dann ihren Abschluss. Da ist alles andere als die biologische Uhr abgefahren. Und selbst wenn sie dann weiter im akademischen Bereich bleiben wollen, so müssen sie immer nebenher arbeiten, entweder an der Uni selbst oder nach dem Master in der freien Wirtschaft. Und da ist es die persönliche Entscheidung, ob man Kind, Karriere oder beides haben will. Und dass die Entscheidung für oder gegen ein Kind eine persönliche ist, haben die Studien zu diesem Thema auch so erkannt.
dahum schrieb:
Ich kenne viele Studenten, die wortwörtlich gehungert haben, weil sie neben dem Studium nicht genug Zeit zum Arbeiten hatten, oder die ihr Studium deshalb abgebrochen haben, oder, dank der neoliberalen Einführung der begrenzten Bachelor/Maserstudiengänge gleich rausgeworfen wurden, von meinem Jahrgang haben es kaum ein Dutzend in die Endprüfung geschafft.
Angenommen, man fängt an auf Diplom oder Magister zu studieren. Dann wird man keineswegs von einem neu eingeführten Bachelor- oder Masterstudiengang tangiert. Wieso sollte man da also rausfliegen?
Und dass es Studienabbrecher gibt und es nicht alle ins bzw. durchs Examen schaffen, ist auch kein Wunder. Das Studium ist ja keine "ich geh hin, dann bekomme ich automatisch einen akademischen Grad"-Veranstaltung. Man muss dafür auch hart arbeiten und vor allem einen Bezug und eine Leidenschaft für die zu behandelnden Themen haben. Eigenschaften, die in Examensprüfungen oftmals angezweifelt werden müssen. Vor allem bei Kandidaten, die man nach vielen Semestern des Studiums bei der Examensprüfung zum ersten Mal sieht.
dahum schrieb:
Ich selbst wurde fast exmatrikuliert, obwohl ich einer der besten Studenten war, weil ich Geld verdienen musste und deshalb die Regelstudienzeit überschritten hatte: und womit?
Keine Ahnung. Das Hochschulrahmengesetz erlaubt eigentlich keine Exmatrikulation aufgrund von Studienlängen. Deshalb wurden ja auch zwischenzeitlich vielerorts Langzeitstudiengebühren eingeführt. Ich kann mir nur vorstellen, dass Du Prüfungsleistungen nicht erbracht hast und deshalb exmatrikuliert werden solltest.
dahum schrieb:
Ich habe alleine Pflichtlehrveranstaltungen für Studenten gegeben, für 6€ die Stunde, weil die Uni zwei volle Stellen gestrichen hatte, die sonst diese Veranstaltung gegeben haben. Hätte ich diesen Kurs nicht gegeben, hätten ein paar Dutzend Studenten entweder im Treppenhaus bei völlig überfüllten Alternativkursen sitzen müssen, oder ihre Regelstudienzeit nicht einhalten können. Die fertigen Magister, die diesen Job gerne hätten, werden hingegen nicht eingestellt, um Geld zu sparen. Das ist Ausbeutung, wie sie zynischer nicht sein könnte.
Das halte ich allerdings für eine haltlose Behauptung. Welche Uni, welcher Lehrstuhl und welche Veranstaltungen waren das genau? Du warst ja gar nicht prüfungsberechtigt, insofern dürften die von Dir erstellten Scheine ungültig und die Prüfungsleistungen durch die Studierenden nicht erbracht worden sein. Das Prüfungsamt dürfte solche Leistungen mangels Prüfungsberechtigung Deiner Person aber auch abgewiesen haben.
dahum schrieb:
Es geht hier um eine gesellschaftliche Tendenz ... die immer mehr Menschen ins Abseits stellt und deshalb menschenunwürdig ist, weil sie Menschen dazu zwingt, Dinge zu tun, die nicht ihren Interessen und Vermögen entsprechen.
Wie zum Beispiel Studieren? Äh, verstehe ich nicht. Wenn jemand kein Interesse und keine Fähigkeiten zum Studieren hat, dann sollte derjenige einfach nicht studieren. Wo liegt das Problem? Es muss ja nicht jeder studiert haben, nur weil es Leute gibt, die das tun.
Odium schrieb:
Ich weiß nicht, ob man die Promotion überhaupt noch zum Studium zählen kann. Sie ist für die meisten Leute eine freiwillige Sache, ...
Insofern finde ich es nicht richtig, sich hier mit einem Student oder Arbeitslosen zu vergleichen, weil die Ausgangslange schon vorher klar war.
Da kann ich Dir nur zustimmen und das entspricht genau meiner Empfehlung für Schüler, die überlegen zu studieren. Aber eigentlich finde ich es ja schon irre, dass man hier Empfehlungen aussprechen muss. Sich vorher zu informieren, was man nachher machen wird, ist doch eine Grundvoraussetzung für das menschliche Dasein. Wozu hat denn der Mensch sonst seine ach so gepriesene Intelligenz?