Odium
Captain
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- Okt. 2003
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- 3.643
andiac schrieb:Da denke ich eben ganz anders.
Ich hab als Kind und Jugendlicher täglich stundenlang Fußball gespielt.
Mein Antrieb war größtenteils die Freude am Spiel selber. Aber ich wollte mich auch weiter entwickeln, d.h. auch immer besser werden.
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Also auch so, aus dem freien Willen heraus, kann man neues entwickeln.
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Wenn bereits im Kindesalter der freie Wille gefördert wird, und wenn genügend Möglichkeiten für die freie Entwicklung geboten werden, dann hat man schon fast eine Garantie für später hochmotivierte "Arbeitskräfte".
Der Mensch wird mit größter Wahrscheinlichkeit auch dann noch nach Innovationen suchen.
Wobei das Geld in einer solchen Gesellschaftsform garnicht mehr so eine entscheidende Rolle spielen würde.
Das heißt viel mehr.. Geld würde weiterhin ein begehrtes Tauschmittel sein.
Aber es kann den Menschen nicht mehr soviel Macht geben. Und auf der anderen Seite würde Geld natürlich auch keinen so großen Druck mehr ausüben können.
[...]
Du bist Idealist, das ist gut. Ich nehme auch erst nur Stellung zum Thema Motivation. Da kann man einen Blick in die Geschichte oder Gegenwart werfen, um zu sehen, dass der Mensch im Grunde ein sehr rationales Wesen ist, was Arbeit angeht. Oder anders ausgedrückt: Er arbeitet nie, ohne einen Grund zu haben. Dieser Grund kann vieles sein, aber alles beginnt mit der Notwendigkeit sich am Leben zu erhalten und endet bei der Selbstverwirklichung (siehe die Maslowsche Bedürfnisspyramide)
Auch wenn die Grundbedüfnisse extern (über einen Grundfreibetrag von etwa 1200€) geleistet werden, könnte es noch Menschen geben, die nach mehr streben. Doch, ich hielt das damals schon für fraglich und habe aus diesem Grund diese Umfrage hier im Forum erstellt. Bis jetzt haben 291 Leute (die meisten sind männlich und jung) teilgenommen und etwa 55% sagen eindeutig, dass sie nur deshalb arbeiten, um Geld zu verdienen. Soviel zur Motivation. Und dabei muss man noch den Gruppenzwang beachten, wie ihn keshkau mit der Kassiererin angedeutet hat. Während du damals Fussball gespielt hast, hat ein Schlachter ein Rind geschlachtet, dass du am Abend, ohne einen Hintergedanken, gegessen hast. Dein damals kurzes sorgloses Leben, dass dem Fussball galt, wäre ohne unsere Aufgabenverteilung undenkbar.
Ohne Anreize wirst du keine Motivation erzielen, denn gerade das macht unsere Spezies ja aus: Wir denken nach. Wir sind keine instinktgesteuerten Tiere - wir würden keine niederen Beutetiere jagen, wenn ihr Fleisch woanders einfacher zu bekommen ist. Durch einen Minimum an Aufwand ein Maximum an Ertrag zu bekommen, das galt damals und das gilt auch heute.
Was die Innovationen (Veränderungen im System) angeht, die sind eine sehr logische Sache. Sie entstehen immer aus der unmittelbaren Notwendigkeit, sich an neue Umstände anzupassen. Alles andere wäre nämlich eine Verschwendung und es gibt nicht viel, was ein Mensch bewusst verschwenden will.
Während damals viele Innovationen und Erfindungen von bekannten und unbekannten Einzelpersonen erbracht wurden (jeder kennt solche Leute), so haben heute Unternehmen die meisten Patente, während der Staat nur noch in sehr wenigen Fällen Innovationen durchsetzt. Dabei handelt es sich meistens um Projekte, die zum langfristig zum Wohl aller dienen, die aber kurz- und mittelfristig keinen Ertrag abwerfen. Dazu zählt der Unterhalt unserer Armee, die Unterstützung des ITER-Projekts und allgemeine Mittel für die Forschungsanstalten dieses Landes.