Hmm, habe bisher bei nur einem von euch das Gefühl gehabt, dass er von der Materie wirklich Ahnung hat. Also, der piezoelektrische Effekt ist schon seit Ewigkeiten bekannt (1880) und wird in der Industrie auch schon seit ner ganzen Weile eingesetzt, sowohl in der Sensorik als auch der Aktorik. Herausragendstes Beispiel dürfte wohl der allseits bekannte Schwingquarz sein. Eine andere mittlerweile doch recht bekannte Anwendung ist meiner Meinung nach auch die Kraftstoffeinspritzung bei Dieseln (--> Aktor).
Oder bei uns am Institut wird an nem geregelten Gasfederdämpfer gearbeitet, der auf nen Ring aus PZT setzt (Aufbau für euch zu kompliziert zu erklären). Und da hier einige auch schon das Beispiel Autoreifen gebracht haben: Gibts schon. Die Energie nutzt man glaub ich für den Betrieb der Reifendrucksensoren.
Generell existiert schon ein Haufen Zeugs im Bereich Energy Harvesting, da wäret ihr wohl die letzten, die nen tollen Einfall haben. Und Energy Harvesting beschreibt auch nicht wirklich eine Energiegewinnung im großen Stil, sondern vielmehr die "Erzeugung" kleiner Mengen elektr. Energie an, ich nenn es mal schwierigen Stellen, also z.B. Autoreifen oder eben im menschlichen Körper.
Achja, das Material leidet natürlich auch mit der Zeit und wird immer schwerer polarisierbar, was effektiv zu einer Verringerung des Kopplungsfaktors führt (beschreibt, wie viel zugeführte Energie in nutzbare umgewandelt wird). Folglich wäre die Idee mit unter den Pflastersteinen verbauen mal vollkommener Humbug, oder wollt ihr, dass die da ständig am Buddeln sind? Außerdem beachtet keiner, dass auch die Herstellung solcher Teile ne Menge Energie verschlingt. Die Ökobilanz könnt ihr damit nicht aufbessern.
Und zum Thema Seebeck-Effekt: Zum einen ist die Effizienz ja mal total grottig, zum anderen scheint ihr zu vergessen, wie der Aufbau aussieht. Man benötigt nämlich zwei unterschiedliche Temperaturen, die nach Möglichkeit weit auseinander liegen sollten. Wie wollt ihr das im/am menschlichen Körper schaffen? Außerdem gibts das leidlich Problem des Wärmetransports entlang der Metallleiter durch Gitterschwingungen (phononische Wärmeleitung). Könnte man zwar unterbinden, indem man eine genügend große Lücke in die Leiter einbaut, jedoch müssten dann die Elektronen durch diese Lücke tunneln, was wieder einen erheblichen Verlust bedeutet. Solange letzteres Problem keiner löst (und danach sieht es mom aus), sind Produkte, die den Seebeck-Effekt nutzen eher eine Randerscheinung.
PS: Vllt. könntet ihr noch die Überschrift ändern, denn die suggeriert doch etwas falsches.
EDIT: Die Effizienz von 80% bezieht sich wohl nur auf die PZT-Keramik, die die da geschafft haben herzustellen, nicht auf das gesamte Gebilde inkl. Silikon-Gummi. Rechnet also nicht mit einem Gesamtwirkungsgrad von 80%.