sidestream schrieb:
Ich mache nicht den Politikern oder Mediengiganten den Vorwurf, die Menschen manipulieren zu wollen. Naiv, wer glaubt, das wäre nicht der Fall. Ich mache dem Manipulierten den Vorwurf, drauf reinzufallen und sich dem ergeben.
Hast du dich schon einmal gefragt, was dazu nötig ist, nicht darauf hereinzufallen?
Es ist eine breite Palette an Fähigkeiten, die man erst erlernen muss, die aus unserer angeblichen Bildungsrepublik sogar zunehmend, vom Staat gelenkt, eleminiert werden (G8 und Bolognareform, erlauben nun einmal weniger kritische Auseinandersetzung, ein "über den Tellerrand blicken", den Rest vergessen wir lieber komplett, die wenigen noch engagierten und nervenstarken Lehrkräfte bleiben außen vor). Natürlich nebst Akzeptanz der Tatsache, oft nicht mehr zur "Herde" dazuzugehören, welche per Kritik allenfalls Außenseiter zurechtweist, ihresgleichen herabstuft, aber niemals an all dem zweifelt.
Jetzt kommt der eigentliche Punkt: Kinder und Jugendliche
Erwachsenen kannst du die Eigenveratwortung durchaus zubilligen, wenn ihr Bildungshintergrund es wirklich zulässt, bei den Kleineren sieht das jedoch anders aus. Die müssten eigentlich durch Eltern und Schule den richtigen Umgang mit den modernen Medien, auch ihrer Inhalte, erlernen, bevor sie frei und offen mit ihnen umgehen können. Unter Umgang versteht sich nicht nur das Hinterblicken bis ins letzte Detail, sondern vorrangig das richtige Einordnen dessen, was sie konsumieren, egal ob asoziales Verhalten, Sexualtiät, Brutalität usw. .
Wie sieht die Realität denn wirklich aus? Alleinerziehung, Berufstätigkeit beider Elternteile ist heute Alltag, aber auch bei denjenigen wo es nicht so ist, werden Kinder trotzdem gerne vor Glotze "geparkt", wo Prekariatsgestalten oder asoziale Eliten die "Helden" sind, Gewalt Mittel zum Quotenzweck ist. Internet, Mobiltelefone bereichern das Feld, was im TV nicht läuft, im Internet gibt's das für jeden, egal ob er gerade eingeschult wurde, oder in der Seniorenresidenz sitzt. Soziale Probleme kann man dabei ausklammern, die sind das Sahnehäubchen.
Lehrkräfte, gefangen in einem chronisch unterfinanziertem staatlichen Schulsystem, gegängelt mit extremen Klassengrößen und bevormundet von Kultusministerien können da wenig helfen, eigentlich müsste es ein Fach Medienkompetenz schon in Grundschulen geben, stattdessen lernt man im Kindergarten schon einmal Chinesisch für die Karriere im Irgendwo.
Ich habe das alles selbst für nicht so voll genommen, kann mich noch sehr gut an jemanden erinnern, der als Problemfall und Sitzenbleiber bekannt, ein paar von uns Jungs auf dem Schulhof in der vierten Klasse Horrorfilmplakate präsentierte, und von Pornos geschwärmt, Abitur haben wir anderen 9 Jahre später gemacht, was aus ihm wurde weiss ich nicht.
Aber die Schritte von sowas zur Verrohung sind kürzer als man denkt, da ist es dann auch nicht das eine Killerspiel, was einen Amokläufer heranzieht, es ist ein komplettes verinnerlichtest Welt- und Gesellschaftsbild.
Die Medien sind nicht schuld, Politiker auch nicht, wir kommen damit nur nicht zurecht... Wo packt man eigentlich ein Problem an, am Kopf oder am Ende?