Zivilcourage endet tödlich

Onkelhitman, die Leute reagieren deshalb nicht, weil sie unvorbereitet in eine Situation in der es nichts zu gewinnen gibt. Alle, die sagen, sie würden einschreiten, wenn sie so einem Fall wie in München gegenübertreten, werden diese Aussage vergessen haben, wenn sie in drei Jahren in der U-Bahn sitzen und an den Nudelauflauf der Freundin denken. Und dann geht alles ganz schnell, die Situation wird völlig anders sein.

Wenn man allerdings 10 Minuten vorher weiß, was auf einen zukommt und sich das ganze Prozedere durch den Kopf gehen lässt (110 rufen, Mitmenschen aktiv ansprechen), sieht es ganz anders aus.
Buttkiss schrieb:
Wenn mehrere Leute anwesend sind ist die Chance das jemand hilft immer geringer als wenn nur 1-2 Leute das mitkriegen.
Ja, weil die sich dann nicht rausreden können.

Wegen meines Vorschlags mit der finanziellen Belohnung, ich bin schon selbst drauf gekommen, warum das nix wird: Wenn A und B sich absprechen, dass B dem A gegen den fiktiven C geholfen hat und daraufhin 100€ einsackt... So wird's laufen und deshalb wird man das wohl auch nicht durchsetzen können.

Aber was soll man dann noch machen? In einem stinknormalen Omni-Bus sind doch jetzt schon vier Überwachungskameras aufgebaut. Höhere Strafen sind sinnlos, weil diese Täter irrational handeln und mehr Polizei bringt es auch nicht, weil die Beamten zu spät vor Ort sind. Ich denke, alles was man tun kann, ist jedem Ärger aus dem Weg zu gehen oder sich mit Anti-Personen-Waffen einzudecken.
 
Wenn man allerdings 10 Minuten vorher weiß, was auf einen zukommt und sich das ganze Prozedere durch den Kopf gehen lässt (110 rufen, Mitmenschen aktiv ansprechen), sieht es ganz anders aus.

So wird´s wohl sein. Laesst sich echt einfach sagen, dass man selber als Passant eingegriffen haette, aber wenn es erstmal so weit ist, denkt man einfach nicht gross nach.

War (zum Glueck) noch nicht in derartige Situation verwickelt gewesen und wuesste aus dem Stehgreif auch nicht, was ich machen wuerde, weil spontan kommen einem dann Instinkte, nach denen man handelt und gar nicht vorher ueberlegt.

Zu Videokameras und haerten Strafen: Glaube auch nicht, dass es sehr viel bringen wird. Den Mord haetten die Kameras auch nicht verhindert und haerte Strafen bringen auch nichts, wenn man im Affekt handelt.
 
Ich hab mal ein Video geschaut. Da ging es darum dass ein Schwarzer in der S-Bahn in Frankfurt fährt und von zwei Skins angepöbelt wird. Natürlich alles nur gestellt.

Das hat man ein paar mal gemacht, und niemand hat geholfen. Nur einmal ne Frau die hin ist und die Skins darauf hingewiesen hat dass sie Abschaum sind :D Übrigens sehr mutig, nachdem die Frau hin ist sind dann auch andere Fahrgäste aufgestanden und haben mitgeholfen. Initialzündung sozusagen.

Und ein Typ, der ein 30cm Messer gezogen hat...Da sind sofort die Kameraleute dazwischen und meinten "hey stop alles nur gestellt!"
 
Zivilcourage kann man nicht anordnen und Menschen dafür bei Nichtbefolgung sanktionieren.

Genau aus diesem Grund hat man beispielsweise die Ahndnung für "unterlassene Hilfeleistung am Unfallort" nur für bestimmte Menschen aufrechterhalten. Also für Menschen, die im Extremfall auf Grund ihrer beruflichen Fähigkeiten und Ausbildung überhaupt dazu in der Lage sind, zu helfen.

Viele Menschen sind in Extremsituationen völlig überfordert und deshalb kann man ihnen effektives Handeln in solchen Gefahrenlagen einfach nicht zumuten.

Genauso verhält es sich bei dem hier angesprochenen Vorfall. Die unfreiwilligen Zeugen waren der Situation nicht gewachsen, sie waren aus purer Angst einfach nicht dazu in der Lage, auch nur die einfachste Hilfestellung für die Opfer (die Kinder und der Mann) zu leisten.
Ich glaube nicht, dass dies etwas mit Gleichgültigkeit zu tun hat.

Viele Leute, die Opfer und Zeugen solcher Gewalttaten werden, sind sich leider nicht darüber im Klaren, dass derartige "Schlägertypen" im Grunde eigentlich nichts weiter als erbärmliche Feiglinge sind.
Solche Leute suchen sich entweder nur vermeintlich schwache Menschen als Opfer aus, oder wenn sie zahlenmäßig in der Überzahl sind. Beim kleinsten Widerstand oder bei zahlenmäßigem Gleichstand oder Unterzahl ziehen sie den Schwanz ein und machen sich schnell vom Acker.

Deshalb ist es wichtig, dass sich Menschen das nötige Selbstvertrauen aneignen und das holt man sich am besten über entsprechende Seminare oder durch Teilnahme an Selbstverteidigungskursen.
Denn auch durch das Erlernen von Kampfsporttechniken, also mit dem Wissen, sich in Extremsituationen notfalls effektiv schützen und verteidigen zu können, steigert man das Selbsbewusstsein und fördert eine dementsprechende Körperhaltung der Menschen. Gerade eine Selbsbewusstsein ausstrahlende Körpersprache kann bereits im Vorfeld aufkommende Konflikte im Keim ersticken.

Man kann gerade Menschen, die in Großstädten wohnen und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, immer nur wieder raten, an entsprechenden Seminaren teilzunehmen und/oder sich Kampfsportschulen anzuschließen.
 
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Micha45 schrieb:
Genau aus diesem Grund hat man beispielsweise die Ahndnung für "unterlassene Hilfeleistung am Unfallort" nur für bestimmte Menschen aufrechterhalten. Also für Menschen, die im Extremfall auf Grund ihrer beruflichen Fähigkeiten und Ausbildung überhaupt dazu in der Lage sind, zu helfen.

Viele Menschen sind in Extremsituationen völlig überfordert und deshalb kann man ihnen effektives Handeln in solchen Gefahrenlagen einfach nicht zumuten.
Seit dem Kindergarten werden allen Menschen eingebläut, wie sie sich mindestens ein einer Extremsituation zu verhalten haben (Stichworte 110, 112).

Das heisst, bei schweren, handgreiflichen Auseinandersetzungen die Polizei verständigen, bei Unfällen den Notruf. Niemand erwartet, dass man selber die Ärmel hoch krempelt und eingreift und sich dabei selber in Gefahr bringt. Oder das man die Ruhe bewahrt und wenigstens mit einem Verletzten spricht. Aber den Anruf tätigen und/oder Andere darauf aufmerksam machen, damit sie helfen (in welcher Form auch immer) ist das Mindeste.

Paar kleinere Einschränkungen gibt es dabei natürlich, wenn du direkt daneben stehst und dein Telefon rausholst und anfängst mit "Hallo Polizei, ich.." kann das ja schnell bös' für einen selber enden. Aber ich denke, man versteht, worauf ich hinaus möchte.

Selbstverteidigungstechniken helfen leider nicht sonderlich viel, wenn einer der Beteiligten dir aus kurzer Entfernung dann mit einer Gaspistole kommt im Gewühl oder oder oder.. in der heutigen Zeit leider nichts ungewöhnliches mehr. Und wie oft sind keine jungen und agilen Menschen vor Ort, sondern Alte und Gebrechliche. Aber meine Erwartungshaltung an jedermann ist, wenigstens die Ordnungskräfte und der Notruf kann (fast) immer verständigt werden. Egal ob Mitte 20, 2 Meter groß und 100kg schwer oder 70 Jahre alt, 1,60 klein und 50kg leicht.
 
Micha45 schrieb:
...Man kann gerade Menschen, die in Großstädten wohnen und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, immer nur wieder raten, an entsprechenden Seminaren teilzunehmen und/oder sich Kampfsportschulen anzuschließen.

Als ob ein Kurs in Selbstverteidigung helfen würde. Ich habe jahrelang Karate gemacht und würde nicht behaupten, das es effektiv in Notsituationen was bringt, diese Sachen anzuwenden. Wer nicht viel übt und ständig trainiert kann sich seine Selbstverteidigungstechniken in die Haare schmieren.

Und ich wohne seit eh und je in Großstädten; den Einwohner einzureden, das sie besonders gefährdet leben und sie Kurse zur Verteidigung machen sollen ist idiotisch. Ich wurde in Bahnen und auf anderen öffentlichen Plätzen noch nie attakiert, noch habe ich das als Zeuge mitbekommen. Angriffe sind schlimm, aber wirklich nur selten und nicht die Regel.

Zur Courage: niemals selber eingreifen, Handy raus, anrufen, Hilfe leisten wenn möglich, aber nicht eingreifen.
 
Was wir brauchen ist ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel, insbesondere in der Jugendkultur:

Machen wir doch mal einen Aufriss dessen, was in der Jugendkultur vor sich geht:

Als "cool" gelten Leute (in bestimmten gesellschaftlichen Schichten), die sich über alles und jeden hinwegsetzen. Autoritäten werden nicht anerkannt. "Respekt" gilt demjenigen, der "sich durchsetzen kann", nicht durch Worte oder gute Argumente, sondern mittels Gewalt.

Man kann auch sagen: Respekt gilt demjenigen, der andere derart einzuschüchtern vermag, dass sie sich nicht mehr trauen, sich zu wehren (sei es körperlicher oder rechtsstaatlicher Natur).

Analysieren wir mal für einen Moment das Wort "cool" (ich gebe zu, ich verwende diesen Begriff genauso wie jeder andere hier):
"Cool" = kalt = gefühlskalt.
Das gilt als toll und nachahmungswürdig in manchen (großen) Teilen der Jugendkultur. Selbst junge Mädchen verfallen dem, denn solche Leute gelten als "Alphamännchen", genau wie im Tierreich, wobei dieses noch "humaner" verfährt.

Rapper, die von den Ermordungen verfeindeter Gangmitglieder singen, gelten als angesagt. Leute wie "Sido" (aggro Berlin, allein der Begriff... !) werden mit ihrem "Arschf...song" bejubelt.

"Abziehen" (was nichts weiter ist als ein Raub) gilt als "normal".

Kurz gesagt: Das Recht des Stärkeren siegt. Wer dem anderen "was an die Fresse haut", gilt als toller Typ.

Wenn wir dies zusammennehmen: Weshalb sollten die Täter im hier in diesem Thread angesprochenen Fall überhaupt ein Unrechtsbewusstsein haben? Im Gegenteil, sie fühlen sich besser denn je. Sie fühlen sich als Helden.

Was tut unsere Justiz dagegen? Sie verurteilt sie zu einer Judendstrafe von fünf oder sieben Jahren (von denen ohnehin nur zwei Drittel der Zeit abzusitzen sind). Argumente wie "jugendlicher Leichtsinn" ersparen ihnen eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Justiz ringt nach Argumenten, weshalb ihr Verhalten "ja doch nicht so schlimm" zu werten sei, Argumente, weshalb bei einem Judendlichen keine so hohen Strafen drohen dürfen wie einem Erwachsenen, werden ohne Betrachtung der Gegenargumente in den Vordergrund gedrängt. Argumente wie "nicht gefestigt" oder die Tatsache, dass die betreffenden Täter noch bei ihren Eltern leben, werden als strafmildernde Argumente berücksichtigt.

Diese Täter wissen das genau und fühlen sich nicht veranlasst, ihre geplanten Aktionen zu überdenken (selbst der Dümmste kann das - selbst ein Achtjähriger kann zwischen Recht und Unrecht unterscheiden).

Genau deshalb - und hier muss ich politisch werden - kann ich linksgerichtete Meinungen nicht verstehen, die nachhaltig einem Täterschutzprinzip folgen.

Ich stimme zu, dass kurzfristig gesehen härtere Strafen für derartige Täter nicht die gewollte Wirkung zeigen, doch langfristig durchaus. In dem Moment, wo allgemein bekannt wird, dass Gewaltstraftaten sehr hart sanktioniert werden, wird ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden. Und dieses Umdenken ist in der Jugendkultur - siehe oben - dringend erforderlich.

MfG,
Dominion.
 
dominion, du redest da von einer Minderheit. Alle Jugendlichen wissen heute, dass sie sich in der Schule ranhalten müssen, um später eine Chance zu haben. Laissez-faire ist Vergangenheit, es heißt Nachhilfestudenten und ranklotzen. Schon Kinder bekommen den Druck zu spüren und jene, die dann Aggressionen in der Öffentlichkeit ablassen und Menschen erschlagen, sind schlichtweg nur Verlierer und sind in 30 Jahren immer noch Verlierer. Und die wissen das, keine Frage. In einem anderen Thread fragt sich einer, ob als Problemlösung härtere Erziehungsmethoden in Frage kommen, hier wiederum geht es darum, ob man die Symptome durch eine stärkere Zivilcourage dämpfen könnte. Dazu kommt die Forderung an die Politik für härtere Strafen, bessere Überwachung etc.

Die gesellschaftliche Diskussion geht also in eine Richtung, in der man aufgegeben hat, die Ursache zu bekämpfen. Die Ursache ist hierbei das Elternhaus, Armut, Hoffnungslosigkeit und keine Möglichkeit Aggressionen sinnvoll einzusetzen. Die Tendenz geht eben mehr in Richtung Staatseingriff, also frühzeitiger Entzug des Sorgerechts, härtere Jugendstrafen, Abschreckung.
Sowas kann nur scheitern, aber vielleicht sind die Alternativen, nämlich eine Hilfe dieser Menschen, schon ausgeschöpft, weiß ich nicht.
 
Richtig.
Danke!
Vllt liest ja wer deinen Beitrag ... meiner wurde ja übergangen, da man nicht einfach mit "Jugend ist scheiße" oder "Ich hätte eingegriffen!" darauf antworten konnte.

Lautstark Symptome bekämpfen kann jeder ...beständig ändern kann man Dinge jedoch nur an der Ursache. Dafür braucht es aber Verständnis und nicht nur Kritik von oben herab.
 
Die Jugend ist meines erachtens ein exaktes Spiegelbild dieser Gesellschaft und diese Gesellschaft ist kalt.
Mein Haus , mein Auto , mein Boot...

Wo keine "wahren" Werte gelebt werden da wird halt ein "Dummchen" wie zb. P. Hilton schnell zur Ikone und Bildungslücken werden mit gefährlichem Halbwissen geführt.
Die Regierung steht in der Verantwortung diese Lücken mit Bildung innerhalb der Schulen zu füllen und verspricht seit Jahren Besserung.
Nichts davon ist passiert, die Schüler werden immer dümmer und können nur bedingt auf einfachste Fragen antworten. Nicht weil Ihre Hirne nicht mehr aufnehmen können sondern weil diese nicht mit Wissen versorgt werden sondern von überarbeitetenden und überlasteten Lehrkräften schlichtweg am Rande einer Gesellschaft stehen gelassen werden.

Diese Gesellschaft trägt Verantwortung nimmt diese allerdings kaum war. In der Politik schwafeln Politiker seit Jahren von mehr Bildung für ein marodes Schulsystem, passiert ist leider nichts.
Schulsysteme wie z.b. Hauptschulen sind zu Rekrutierungslagern für Hartz IV Empfänger verkommen und elitäre Schulen kann sich nur leisten, wer die Kohle hat diese zu bezahlen.
Faktum steht die Bundesrepublik Deutschland ganz weit unten auf einer Bildungsskala von 1- 10, wenn es allerdings um die Verteilung von Wissen geht profilieren sich die meisten Politiker nur mit Wahlsprüchen und investieren Millionen an Steuergeldern in Ihr Wahlkampf- Geschwafel...
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben und wer von Haus aus kein Geld hat um seine "Zöglinge" gut auszubilden der lebt halt mit der Gewissheit daß "Kinder" ohne schulische Bildung irgendwann einmal gefährlich werden können.
Das mein Thread eine gewisse Resonanz findet habe ich mir schon gedacht und vieles was Ihr geschrieben habt ist hoch interessant und zeigt gleichzeitig wie sehr es unserer Gesellschaft gut tut Dinge anzusprechen die unangenehm sind.
Danke allen die sich aktiv daran beteiligen Dinge zu ändern, sei es auch nur in einem Forum wie diesem.

Eine solche Tat kann unmöglich nur durch mangelndes Wissen gerechtfertigt werden aber wer nur Gewalt kennt wird auch nur Gewalt leben können.

Gruß Scalesoldat
 
Wisst ihr was mich hier in Deutschland aufregt und mich auch nicht wundert dass sowas passiert ist?
Klingt hart aber es ist die Wahrheit und die Realität.Die Menschen denken nur an ihren Arsch und haben ANGST vor sich selber und denken dass ihnen das gleiche dann blüht wenn sie in dieser Situation einschreiten.
 
Zuletzt bearbeitet:
"Hier in Deutschland"? Vielleicht solltest du mal nur zum Spaß lokale Blättchen aus anderen Ländern konsumieren. Damit meine ich explizit nicht die BAMS auf spanisch oder italienisch oder ein Wirtschaftsblatt auf englisch sondern eine stink normale Tageszeitung und dir da mal die dortigen Diskussionen und Verbrechen ansehen. Es gibt keinerlei größere Unterschiede in den Erste-Welt-Ländern.

Ich finde das immer sehr einfach, mit dem Finger auf andere zeigen und rufen "ihr macht nichts!" aber ich kann dir versichern, dass es
a) in der Situation plötzlich ganz anders aussieht wie in einem Forum (oder am Stammtisch) viele Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt.
b) zumindest einige hier sehr genau wissen, was ihnen blüht, weil sie schon mal eingeschritten haben und das Ergebnis jeden Tag bestaunen können (sofern die zu Hilfe eilende Person noch lebt).
c) willst du Leuten wirklich vorwerfen, dass sie rational begründbare Angst haben? Es ist eine Sache sich mit Lara Croft gegen Ali und die 40 Räuber zu behaupten.
 
Ich zitier mal aus dem Spiegel-Artikel
Seine Zivilcourage wird postum gewürdigt: Dominik B., Opfer des tödlichen Angriffs auf einem Münchner S-Bahnhof, wird mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.
[...]
Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, sagte bei der Kabinettssitzung in Berlin: "Dominik B. ist ein Vorbild. Unser tiefes Mitgefühl gehört den Angehörigen."
[...]
Wo kann man öffentliche Hilflosigkeit in den Medien noch besser erkennen? Da stirbt jemand einen offenbar selbstlosen Tod und wird jetzt als Held gefeiert. Hätte er sich so verhalten wie alle anderen, könnte er heute abend noch die Tagesschau gucken.
Das erinnert mich an Auszeichnungen beim Militär, wo Begriffe wie Ehre, Pflicht und Patriotismus eine Atmosphäre erzeugen sollen, die dem ganzen den faden Beigeschmack nimmt. Es war schon immer wichtig, die Moral bei Soldaten aufrecht zu erhalten. Nun drängt sich dieser Vergleich mit einfachen Bürgern auf, die weiterhin in Zügen und Bussen gegen den Feind antreten sollen - und zwar dann, wenn er entscheidet.

Was jetzt? Diese Gewalt wird es wieder geben und wollen wir eine Gesellschaft aus Menschen, die im öffentlichen Leben die pure Zivilcourage versprüht? Wintermute hat ja schon angedeutet, dass wir hier zwei Schichten haben. Einmal die Täter, die in einer entkoppelten, eigenen Realität leben und einmal die restliche Nation, die nicht so recht versteht, warum das passiert, warum Menschen wegschauen und warum nichts hilft.

Das Kernproblem ist doch nicht fehlende Zivilcourage. Wir sind es, wir können nicht akzeptieren, dass solche Ausbrüche von Gewalt menschlich sind. Wir schütteln nur mit dem Kopf, versuchen uns von solchen Jugendlichen zu distanzieren. Dabei verpassen wir die Chance, die Ursache zu finden.
Entweder können wir diese Ursache beheben oder wir versuchen zumindest, mit den Auswirkungen besser klar zu kommen. Wenn wir beim nächsten Fall von Brutalität daran denken, dass das völlig irrationale Menschen sind, treffen wir hoffentlich die richtige Entscheidung.
 
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Sehr interessant wieviele Leute sich durch meinen Post angesprochen gefühlt haben.
Dem Orden haftet, ähnlich wie Militärsorden, in der Tat eine gewisse Lächerlichkeit an.
Zuerst schert man sich nicht um einen Mitmenschen, bzw schickt sie in ein Kriegsgebiet, wobei man in beiden Fällen ihren Tod billigend im Kauf nimmt.
Statts ihren Tod zu vermeiden ist es wohl einfacher an die Gestorbenen posthuman Medallien zu verteilen, ihren Tod als Opfer zu loben und Strassen nach ihnen zu benennen.
Ein klein wenig heuchlerisch wie ich finde. Zusätzlich sollte man noch bedenken, dass der größte Wunsch der Toten nicht gewesen wäre, eine Medallie zu bekommen, sondern dass ihre Familie eine angemessene Rente erhält. Hierdurch würden die Hinterbliebenen wenigstens nur die Trauer und nicht auch noch finanzielle Ängste verspüren. Aber so ein kleines Stück Metall ist ja billiger . . . . . .
 
Zuletzt bearbeitet:
Die beiden Täter dürften nach ihrer Entlassung wohl umgehend zum Sozialhilfefall werden. Der Arbeitsmarkt für Ex-Mörder dürfte nicht allzu groß sein.
 
Nicht in jedem Job wird ein polizeiliches Führungszeugniss verlangt. Lebensläufe kann man auch tunen.
Sollten sie wirklich geläutert aus den Knast kommen wirds schwer für sie. Aber es ist nicht unmöglich.

Die Rückfallquote ist natürlich bei der Vorgeschichte nicht zu verachten. Ich wünsche denoch das sie nach dem Knast noch ne Zukunft haben werden.
Lieber ein Mörder der versucht aus seinem restlichen Leben noch etwas zu machen statt einem Mörder der aus der Sache nichts gelernt hat (und den ich finanzieren muß).
 
Stefan_Sch schrieb:
Die beiden Täter dürften nach ihrer Entlassung wohl umgehend zum Sozialhilfefall werden. Der Arbeitsmarkt für Ex-Mörder dürfte nicht allzu groß sein.

Das ist nicht sicher, zumal der Prozeß erst stattfindet wenn die öffentliche Meinung und Empörung eingeschläfert werden konnte.

Dann finden sich sicher Anwälte(Scheißjob eigentlich) die überzeugend darlegen wie unreif Ihre Mandanten doch seien, oder auf grund Ihrer schweren Kindheit emotional geladen:evillol:
und überhaupt ist das ja alles aus Versehen passiert...:o

Ende vom Lied Jugendstrafe und großzügige Wiedereingliederung, in einer Zeit wo das keinen mehr interessiert.
 
Solange in unserer Gesellschaft solche Taten nicht wirklich hart bestraft werden, sondern die Täter sich auf den Täterschutz verlassen können und ihre Tat als Hiferuf verstanden wird, solange werden auch anderen Täter nicht von zukünftigen Taten abgeschreckt werden.
 
Ich bezweifle, dass die Leute in diesem Zeitpunkt das Ausmass ihrer Handlungen bewusst gewesen ist.
Und genau hier fehlt einfach der Verstand. Die Härte der Bestrafung ist leider immer wieder Auslegungssache.
Wenn man bedenkt, dass Kameraden im Ausland unter Notwehr bspw. zum Schutz des eigenen Leib und Lebens 2fach angeklagt werden, aus ihrem Beruf unehrenhaft entlassen werden und im Nachhinein haufenweise Einträge in die Akten bekommen, anderererseits aber mutwilliger Totschlag (ich nenne es mal so) in die strafrechtlich gleiche Schublade gesteckt wird, bekomme ich 200 Puls...

Ich wäre für ganz andere Bestrafungen.. Aber das ist meine Meinung.
Beruflich habe ich solche Stinkhirne zu Genüge zu ertragen. Aber das ist leider der Lauf der Dinge. Spielte man früher mit seinen Jungs Fussball, wird heutzutage eben auf einen Anderen draufgeknüppelt. Man möchte cool sein, kommt mit seinem eigenen Leben nicht klar und lässt die Wut natürlich an Anderen heraus. Leider gibts solche Leute/Menschen/Jugendlichen.
 
Haudrauff schrieb:
Nicht in jedem Job wird ein polizeiliches Führungszeugniss verlangt. Lebensläufe kann man auch tunen.

Es geht nicht nur um das Führungszeugnis. In der Regel wird die Frage gestellt werden, was der Bewerber die letzten Jahre getan hat. Da müssen die beiden sich aber mächtig beim Lügen und Fälschen ins Zeug legen, um die 10 Jahre im Knast unter den Tisch fallen zu lassen.
 
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