@Mustis: Ich habe selbstverständlich auch keine Lust, dir die Fragmente zusammenzusuchen, in denen abschätzig von körperlicher Arbeit geschrieben wird. Natürlich ist administrative Arbeit auch Arbeit, natürlich gab es dafür auch Ansehen und Geld ... und natürlich war das höher angesehen, als die Arbeit eines Färbers (auch weil die "einfacheren Leute" halt kaum Schriftzeugnisse hinterlassen haben).
Der Begriff "Kunst" soll nur verdeutlichen, wie stark sich die Begriffe in den letzten 2.000 Jahren gewandelt haben.
Auch wenn wir noch heute die scheionbar gleichen Begriffe verwenden, so meinen wir damit nicht das gleiche ... allein schon weil einzelne Bedeutungen der damals genutzen Begriffe für uns keinen Sinn mehr ergeben.
Wenn man die Schriften liest, dann liest man sie in aufbereiteter Form, mit teilweise ziemlich seltsamen Ergänzungen (durch Übersetzer, Editoren, Setzer, Redakteure) ... teilweise werden diese Fragmente erst durch diese Ergänzungen in eine "scheinbar sinnvolle" Reihenfolge gebracht.
Sinnvoll liegt immer im Auge des Betrachters, und das bedeutet, dass die eigene Erlebnis- und Erfahrungswelt dabei eine größere Rolle spielt, als das, was da tatsächlich steht (im meist sehr lückenhaften "Original" ).
Natürlich kann man das lesen und interpretieren, man sollte dabei aber nie vergessen, wie viel "Eigenleistung" da dann drin steckt (über Generationen hinweg immer wieder - fast ein bisschen wie stille Post).
Ich bin mir etwas unsicher, inwiefern Cicero oder Platon eine aktuelle Übersetzung ihrer eigenen Texte überhaupt noch "verstehen" würden, wenn man sie wieder in ihre Muttersprachen übersetzt ... die haben die letzten 2.000 Jahre Philosophie- und "Platon/Cicero"-Rezeptions- und Redaktionsgeschichte nämlich nicht mitbekommen.
Den Größten Unterschied dürfte aber wohl der Begrffszusatz "Lohn" machen ... heute ist Arbeit als Lohnarbeit definiert. Demnach gilt uns heute nur das als Arbeit, was auch entlohnt wird ... wir haben im Unterschied zur Antike einen sehr begrenzten Arbeitsbegriff, denn Arbeit ohne Lohn, ist für uns keine Arbeit ... sie mag anstrengend sein, sie mag wichtige Dinge erledigen, aber solange sie nicht bezahlt ist, guilt der jenige der sie verrichtet nicht als Arbeiter.
Es gibt viele Bereiche, in denen das sehr krass zu tage tritt ... z.B. Haus- oder Erziehungsarbeit.- beides ist Arbeit (ohne jeden Zweifel), es macht für uns aber scheinbar einen gewaltigen Unterschied, ob diese Arbeit entlohnt wird. erledigen wir unsere Gartenarbeit selber, dann kostet sie uns Zeit und Energie ... bringt uns aber indirekt Geld, welches wir für einen Dienstleister auszugeben hätten.
Machen wir exakt die gleiche Arbeit als Dienstleister, werden wir dafür bezahlt ... und jemand anderes vberdient daran mit.
Letzteres scheint bei uns das zentrale Merkmal von Arbeit zu sein ... jemand anderes verdient daran mit und zwar nicht Zeit, Bequemlichkeit oder Ansehen sondern einfach Geld (der Rest hängt da dann dran).
Das ist mMn der Hauotunterschied ... Hr. Prof. Dr. Lesch hat es den ökonomischen Imperativ genannt ... nur wer anderen mit seiner Arbeit hilft, den eigenen Wohlstand schneller zu steigern, verrichtet in unserer Gesellschaft eine wichtige Tätigkeit, die auch gut bezahlt werden soll ... der Rest wird von unserer Gesellschaft zunehmend als unwichtig gelabelt.
Aber was wird aus unserer Gesellschaft, wenn wir sukzessive alles "abbauen" womit man langfristig keine Millionen scheffeln kann?
Es gibt Bereiche des Gesellschaftlichen Zusammenlebens, die keine Profite abwerfen, deren Wegfall sich aber als destruktiver erweisen könnte, als unser Bankensystem vor 2008.