Wie Geld "entstehen " kann
In der Volkswirtschaftslehre,
Bereich Makroökonomie werden Kapital, Grund und Boden, technisches Wissen und Arbeitskraft als entscheidende Produktionsfaktoren gesehen. Geld ist Hauptbestandteil des Produktionsfaktors
Kapital. Geld kann nur Produktionsfaktor sein, wenn es sich auch
im Wirtschaftskreislauf befindet. Bei der Zentralbank lagerndes Geld ist kein Produktionsfaktor, da es sich nicht im Wirtschaftskreislauf befindet!
Exkurs: Geld muss ein knappes Gut bleiben, damit es seine Verteilungsfunktion für die Wirtschaftsgüter gut erfüllen kann. Man stelle sich vor, morgen meldet die EZB mit einer Pressemitteilung „Wir haben in unseren Tresoren 123.000.000.000.000 Euro als gedruckte Geldreserve!“
„Frisches Zentralbankgeld“ ist der Schlüssel bei der Geldentstehung in unserer heutigen Weltwirtschaft. Damit nicht unkontrolliert neues Geld entsteht, gibt es einheitliche Bewertungsvorschriften, an die sich die Marktteilnehmer halten sollen. Die Versuchung ist sonst zu groß, jedes x-beliebige Wirtschaftsgut mit einer eigenen Fantasiebewertung zu versehen und damit frisches Zentralbankgeld zu erhalten. Die Zentralbank (in Europa EZB) muss aber auch verlässliche wahre Daten über die exisitierenden Wirtschafts- und Geldwerte erhalten, deshalb die Pflicht zur Bilanzierung der Unternehmungen mit möglichst realen Wirtschaftsdaten (-werten). Aus diesem Grund ist es meist gesetzlich verboten, gesunkene Wirtschaftswerte weiterhin in einer Bilanz mit dem höheren Anschaffungspreis auszuweisen, auch wenn der jeweilige Wirtschaftsgutinhaber persönlich einen höheren Wert ansetzen möchte.
Wie Geld (vereinfacht) heutzutage zum Beispiel entstehen kann: Fall 7 unbelastetes Feldgrundstück aus altem Familienbesitz wird durch Planungsrecht zu Bauland umgewandelt (Verkehrswert alt: 40.000 Euro, neuer Verkehrswert: 1.000.000 Euro), Eigentümer geht zur Hausbank und erhält 500.000 Euro als 1-Jahreshypothek ausgezahlt,
Hausbank geht zur Nationalbank und gibt Grundstückshypothek als Pfand und erhält 500.000 Euro frisches Zentralbankgeld. "Geld ist entstanden" und in den Wirtschaftskreislauf eingespeist worden.
[Bilanzerhöhung bei der Nationalbank 500.000 Euro bei Ausleihe+bei Forderungen (gegenüber Hausbank), Bilanzerhöhung bei der Hausbank 500.000 Euro bei Ausleihe + Forderungen gegenüber Grundstückseigentümer, Bilanzerhöhung um 960.000 Euro beim Grundstückseigentümer bei Grundvermögen und 500.000 Euro bei Verbindlichkeiten bei der Hausbank =Nettovermögensgewinn 460.000 Euro, Erhöhung des BIP um 500.000 Euro]
Wie Geld (vereinfacht) heutzutage vernichtet werden kann:
Grundstückseigentümer verprasst/verschleudert die 500.000 Euro im ersten Jahr und ist bis auf das Grundstück mittellos. Bei Baugrunduntersuchungen wird festgestellt, dass man auf dem Grundstück wegen nicht tragfähigem Untergrund überhaupt nicht bauen kann, das Baurecht wird wieder aufgehoben. Der Verkehrswert sinkt wieder auf 40.000 Euro.
Nach einem Jahr wird die Hypothek an die Hausbank fällig und die Zentralbank stellt ihren Pfandkredit gegenüber der Hausbank fällig.
Hinweis: Jede Nacht stellt die Zentralbank den Hausbanken den Tagessaldo aus allen Tagestransaktionen der Banken untereinander zur Fälligkeit/zum Ausgleich. Jede Hausbank ist zum Ausgleich eines Negativsaldos zwingend verpflichtet, ansonsten wird ihr die Banklizenz sofort entzogen.
Die Hausbank muss also an die Zentralbank die 500.000 Euro zwingend zurückzahlen. Hat die Hausbank die 500.000 Euro nicht vom Grundstückseigentümer erhalten, so muss sie das Grundstück verwerten und die restlichen 460.000 Euro aus ihrem Eigenkapital (EK) beisteuern. Diese 460.000 + 40.000 Euro sind das „vernichtete Geld“, da es dem Wirtschaftskreislauf als Kapital dauerhaft entzogen wurde.
[Bilanzminderung bei der Zentralbank um 500.000 Euro bei Ausleihe und Forderung, Bilanzminderung bei der Hausbank um 500.000 Euro bei Ausleihe und Forderung + Minderung des EK um 460.000 Euro, Bilanzminderung bei Grundstückseigentümer um 1.000.000 Euro, Vermögenswechsel beim Grundstückskäufer von 40.000 Euro Geld in Sachwert Grundstück, Rückgang des BIP um 460.000 Euro]
Die vom Grundstückseigentümer in den Wirtschaftskreislauf verprassten/verschleuderten 500.000 Euro sind erst neues, nach 1 Jahr aber lediglich umgewandeltes Geldumlaufvermögen (der Bank, des Grundstückskäufers) und natürlich nicht verschwunden, aber nicht mehr direkt nachverfolgbar (mehrfach umgewandelt in Löhne, Materialkäufe, Kapitaldienste usw.) und auch nicht das "vernichtete Geld".
Hier ist sicherlich der Punkt, wo ein Halbwissender behauptet, das Geld sei ja nicht vernichtet, sondern nur „woanders“.
Kurzzusammenfassung:
Von der Zentralbank wurden 500.000 Euro in den Wirtschaftskreislauf eingebracht.
Durch den Wertverlust des Grundstückes mussten diese 500.000 Euro dem Wirtschaftskreislauf nach 1 Jahr durch die Zentralbank wieder entzogen werden (=Geldvernichtung).
Die vom ehemaligen Grundstückseigentümer ausgegebenen 500.000 Euro stammten anfangs aus neuem Geld, nach 1 Jahr aber durch Umwandlung aus bereits vorhandenem Geld des Wirtschaftskreislaufes (EK der Bank und 40.000 Euro vom Käufer des Grundstückes). Die Geldvernichtung fand im obigen Beispiel bei der Hausbank statt.
Sollten mir beim schnellen Entwerfen obigen Beispiels Zahlenfehler unterlaufen sein, bitte ich um Korrekturhinweise!