Moin,
ich stand vor ca 3 Jahren vor einer ähnlichen Entscheidung, da mein Vermieter gestorben ist.
Habe mich letztlich dazu entschieden, die Wohnung zu kaufen.
Beim aktuellen Zinsniveau sollte sich jeder zumindest stark überlegen, ob er etwas kauft.
Das Zauberwort ist wie so oft: Günstig kaufen (dafür braucht es Zeit), sich nicht überschulden, und sehr sehr viele verschiedene Banken anfragen, die Zinsspanne ist enorm. Ich habe z.B. fast 1 Jahr banken angefragt und letztlich über 2,5% günstiger finanziert zu den ersten Angeboten (!!!)
Wenn du kaufen und vermieten willst kommt an
laufenden wiederkehrenden Kosten i.d.R. folgendes auf dich zu:
- Grundsteuer
- Finanzierungskosten pro Monat
- Hausverwaltung? Hausgeld (!) (das kann sehr viel sein, je nachdem, wieviele Eigentümer es gibt)
- Schönheitsreperaturen
- Rücklagen für Reparaturen an die Hausverwaltung (!)
- Versteuerung Einkünfte Vermietung
Glaube das ist es so im Groben. Das alles sollte die zu erhebende Miete einigermassen abfedern, im Besten Falle (über-)kompensieren, damit du auch noch leben kannst.
Für ein Angebot einer Bank brauchst du ein konkretes Objekt, einfach so bekommt man meines Wissens keine Angebote mehr.
Du suchst dir also irgendwas in der Preisrange und fragst verschieden Banken an. Dann siehst du wo die Richtung hingeht.
Frag auch die Hausverwaltung falls vorhanden, was an größeren Investitionen geplant ist und wieviel Rückstellungen vorhanden sind (!).
Letztlich muss sich jeder, der jetzt gegen das Kaufen ist auch folgendes Bewusst machen:
Diese lange Niedrigzinsphase wird irgendwann enden, der Bedarf an Immobilien wird in den Städten konstant bleiben, das Angebot kommt hier meist nicht hinterher. Die Mieten werden nicht sinken, wenn der Zins steigt. Die Kaufpreise werden sich etwas nach unten korrigieren (höhere Kapitalkosten), trotzdem bestimmt die Nachfrage den Preis.
Jeder, der jetzt über 40/45 ist, sollte bedenken, dass man nicht endlos lange Finanzierungen von Banken bekommen kann. Hier gibt es ein "virtuelles" Zeitfenster, ab gewissem Alter bekommt man schlicht kaum mehr Kredite zur Finanzierung. Oder sehr teuer.
Das, zusammen mit dem konstanten Bedarf, der bevorstehenden Zinsanpassung die irgendwann kommen muss... Man kann es sich denken. Schlechte Aussichten für Mieter in Großstädten.
Also meine Meinung: Kaufen ja, aber ein Objekt das sich gut vermieten/verkaufen lässt falls sich die Lebensumstände ändern, und sich an der jährlichen Wertsteigerung, der Miete in die eigene Tasche erfreuen. Aber nicht zu jedem Preis kaufen. Und das braucht Zeit um so Angebot zu finden. Kleinanzeigen helfen hier (gedruckt), viele ältere Mitmenschen und Immobilienbesitzer verkaufen oldschool zu vernünftigen Preisen.
Hausverwaltungen fragen, wer verkaufen will. Proaktiv auf Makler zugehen usw.
So kann man auch noch gute Angebote finden.
Hoffe das hilft.
vg Chris