Naja reden wir nun von kritischer, rationaler Herangehensweise oder nicht. Wenn ich Bild nicht nur blind glaube, sondern auch in massiver einseitiger Berichterstattung einen Aufruf zu
Die Bild-Zeitung mag ja vieles sein, unverantwortlich, einseitig und zweifelhafte Standards haben. Aber sie liefert das was ihre Leser eh wollen. Wenn du einerseits sagst, Intoleranz hätten keinen Platz in der Gesellschaft, aber die Bild-Zeitung als Beispiel dafür anbringst, dass sie nicht nur existiert, sondern verbreiteter ist als meine Ansicht, ja dann hat sich das Thema doch erledigt, oder nicht? Man muss sich eben nur die Nische suchen, in der man vor sich hindämmern kann. Argumente findest du auch dort genug. Ob die stimmen oder pauschal sind, das ist ja egal, weil es ja auch um Intoleranz geht, nicht um Lösungen.
Kritik als solche, ob links, rechts, blau oder bunt findest du in den Medien auch genug. Wenn du glaubst es gäbe nur die eine Wahrheit wirst du mit einer glücklich und kannst dich dann wundern, warum das andere so gar nicht sehen, aber im Prinzip ist es durchaus so, dass es noch ein vielfältiges Angebot gibt und im Netz umso mehr, wenn auch oft dann schon losgelöst von jeder Rationalität. Man muss sich aber interessieren. Warum soll man aber eine Meinung "tolerieren" die auf der selbst gewählten Dummheit beruht? Genau das kritisiere ich ja, dass deine Forderung hier nur eine Entschuldigung ist, sich nicht weiter mit einem Thema zu beschäftigen als es einem bestimmte Leute vorgeben.
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Im privaten Gespräch (aber auch generell bei Meinungsäußerungen wie hier) musst du natürlich bedenken, dass der andere vermutlich ein ähnlicher ignoranter Sturkopf ist wie man selber, der aus ein paar Schnipseln Information ein Weltbild baut und das dann verteidigt.
Gerade weil hier im Forum die Zeit zu überlegen ist, wird sich noch viel mehr auf eine bestimmte Position versteift und Argumente oder was man dafür hält gesucht. Ich bin der Meinung im direkten Gespräch, wenn man sich uneins ist, kann man viel schneller zu einem Ergebnis kommen, meist zu einer gewissen Einigkeit, sicher manchmal auch zu erheblichen Streit.
Was ich eigentlich vorhin sagen wollte (und was ich wohl gemerkt im Kontext hier darlegte, wo der Denkfehler liegt, nicht um dir hier etwas nachzuweisen): Wenn man es so sagt, dass es keineswegs der gewünschte rationale Ansatz ist, sondern Polemik und pauschales Vorurteil. Man geht in eine Diskussion so rein, dass man nicht ein Problem kritisiert, sondern erstmal nur ein Problem benennt. Da geht es dann den meisten dann so wie das hier lief, man macht sich sein Bild dazu, was denn damit gemeint ist und es ist meistens so, dass es mit dem gesunden Menschenverstand nicht in Einklang zu bringen ist, wie das ein Argument sein kann, denn es kam ja keines, nur eine Feststellung.
Schlimmer noch, als Begründung kommt dann etwas, was sich gar nicht an einer Gruppe festmachen lässt. Widerspruch blockt man damit ab, dass das Gegenteil ja eh nicht erwiesen ist, man sich aber ansonsten natürlich überzeugen lassen würde. Wen wundert es da, dass da die Offenheit oder auch das Rationale bezweifelt wird und diese Meinung als intolerant abgelehnt wird. Das Beispiel hatte ja nichts konkret nachvollziehbares anzubieten, es ging nur darum eine ganz bestimmte Gruppe als unangenehm zu definieren, ohne das man dafür konkrete Gründe nennen konnte. Davon ab richtete sich die Verurteilung auch pauschal gegen eine bestimmte Neigung, nicht gegen eine konkrete Handlungsweise und das ist keine falsch verstandene politische Korrektheit, sondern ist eine Geisteshaltung, die sich aus den schlechten Erfahrungen in breite Teile der Gesellschaft ausgebreitet hat. Das man andere nicht pauschal für etwas verantwortlich macht und das man nicht körperliche oder sonstige Merkmale als Definition einer unerwünschten Gruppe her nimmt.
Warum sollte man das dann akzeptieren, weil du eben sagst, das sei aber so zu akzeptieren, weil das deine Meinung sei und du davon überzeugt bist, dass du vielleicht doch im Recht sein könntest, es nur keiner hören wolle. Während man sich bewusst ist, dass es eigentlich Intoleranz ist, aufgehübscht mit ein paar fadenscheinigen Argumenten.
Dabei kann nichts rauskommen, weil ja schon der Weg zu einer Diskussion, zu einer Überzeugungsarbeit auch versperrt ist, das hat man ja schon ganz zu Anfang getan, mit dem vermeintlichen Argument, das nicht als untauglich bezweifelt werden darf. Das die meisten sich darauf erst gar nicht einlassen, weil sie dort eher ihre eigene Überzeugung in Gefahr für Misskredit sehen, weil sie ja gar nicht so absolut argumentieren wollen und können, weil es für sie ja nur eine Selbstverständlichkeit ist, und meist kein Anlass für große Überzeugungsarbeit, ist nun mal durchaus so. Aber ist halt die Frage, welche Vorurteile schädlich und aggressiv sind und welche nicht.
Gerade im direkten Gespräch, aber auch hier ist es extrem schwer mit jemandem offen zu diskutieren, der sich direkt mit einem absoluten Urteil in die Diskussion einbringt und danach immer wieder auch eigentlich davon losgelöste Argumente einbaut. Z.b. eben das angeblich nicht zum Nachwuchs beitragen. Man verstrickt sich in Diskussionen, wo dann nur noch Meinung auf Meinung trifft, weil es an den Haaren herbeigezogen ist und wie das alte Sprichwort so geht, wirst du dann mit der Erfahrung geschlagen.
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Also wenn du nicht mal in der 12-13 das Thema Israel hattest (da hatte ich es soweit ich weiß zum wiederholten Male), dann ist das echt erstaunlich. Okay klar, dass es im GK nicht direkt zum Abi-Thema wird, damit muss man rechnen. Aber das es so gar nicht Teil gewesen sein soll, speziell auch wegen des andauernden "Friedensprozesses". Speziell aber Themen wie der Sechstagekrieg sind ja etwas, wo man gar nicht groß Kontroversen befürchten muss. Da gibt es ja eine durchaus differenzierte Deutung der Ereignisse, die allgemein auch nicht bezweifelt werden. Und "Schuld der Juden" meint eben (die gemäßigte Interpretation wohl gemerkt!), das man sämtliche Ereignisse dort ursächlich dem jüdischen Volk zuschreibt, und generell Angriffskriege usw. als per se gerechtfertigt auch dargestellt sehen will. Während die Ereignisse hochkomplex waren und sind. Nur so hört sich das eben an, wenn dann gesagt wird, es würde nicht darüber diskutiert, weil man da "vorsichtig" sein müsse. Gerade aber das sehe ich nicht und habe ich auch niemals so vernommen. Zumal komplette Kritiklosigkeit gegenüber Israel ja eher ein konservatives Phänomen (eben auch Bild z.b.) ist und nicht das der Gutmenschen.
Aber zum Thema Integration ist natürlich schon die Formulierung erstaunlich. Das liest sich nämlich so, als ob du eben nicht mit sondern über die "Ausländer" reden wolltest. Und aus meiner Schulzeit weiß ich auch, dass das palavern in der Klasse nichts an einem Zustand ändert. Da gibt es zwei Optionen, man akzeptiert, dass es Fakt ist und es keinen tieferen Grund gibt, außer der Tatsache, dass eben die Zusammenstellung zufällig erfolgte, weil alle die Bedingungen erfüllten. Oder man vermutet Sabotage, geht auf die Barrikaden (Eltern sind da ganz entscheidend), zieht es ein Halbjahr durch und am Ende kommt ein fauler Kompromiss raus, bei dem alle ihr Gesicht wahren. Sicherlich war das Gymnasium nicht "städtisch", aber ebenso wie jede andere Schule Heim der kaputten Typen und der machtpolitischen Spielchen.
Tatsache ist, dass eine solche Zusammensetzung nichts negatives ist und auch eben nicht im Stile des Homosexuellen-Beispieles so laufen sollte, dass du Ausländer nicht magst, weil sie bei dir in der Klasse sind, sondern das du eben ein Problem feststellst und dann die Ursache dafür suchst und ansprichst. Oder willst du ernsthaft diskutieren, das bestimmte Personen hier in der Klasse nichts zu suchen haben, ein Zustand, an dem sie nichts ändern können, was du aber mit ihnen diskutieren willst?
Wenn es aber nur darum geht, es waren zu viele Ausländer in der Klasse, aber sonst auch nichts erwähnst, wo sich das dann z.b. äußert und wo der Vorteil der besseren Verteilung liegt, auch im Hinblick darauf, dass ja auch teils auf Wahlfächer etc. Rücksicht genommen werden muss, dann ist das eben nicht rational und keine sinnvolle Grundlage.
Ich will mit dir das jetzt auch nicht diskutieren, nur aufzeigen, das es gerade das Hingeworfene ist, was eine intolerante Meinung erst entstehen lässt und die Abneigung auslöst.