@Mustis
Es ging doch in der letzten Debatte vor allem um das Auskommen mit dem Hartz-IV Regelsatz und weniger um Hürden bei der Stellensuche?
Klar haben es vor allem alleinstehende Eltern mit Kindern bei der Stellensuche schwerer.
Für eine alleinstehende Mutter mit 1 Kind bleibt vom Einkommen sicher weniger hängen. Sie bekommen allerdings auch für das Kind Kindergeld.
Aber bei 2 kinderlosen Hartz-IV-Empfängern oder einer arbeitslosen 3-köpfigen Familie (2 Eltern, 1 Kind) fallen nunmal viele geteilte und einmalige Kosten an. Telefon, Internet, TV-Gebühren, Strom usw., da teilt man sich als Gemeinschaft herein, der Single zahlt den vollen Preis.
Auch bei den Lebensmitteln kommt man mit Mengenpacks günstiger weg.
Und ein junger Mensch, der noch bei seinen Eltern lebt und/oder vieles noch dort erledigen lässt oder gar von ihnen ab und zu "gesponsert" wird, kommt sicher auch besser weg, als andere, welche diesen Bonus nicht haben.
1 Kind fällt immer ab, bekommt man immer relativ gut mit durch und groß.
Ich als Ex-DDR Kind, einer alleinerziehenden Mutter, die im 3-Schichtensystem in der Produktion arbeiten ging, bei 20 DDR-Mark Kindergeld (=Preis für 1 Paar Schuhe) kann da durchaus mitreden. Mir ging es nicht wirklich schlecht und ich hatte meine gute Versorgung und Schulbetreuung (zb. Hort, außerschulische betreute Freizeitveranstaltungen).
Hier fängt es doch schon an und der Staat ist gefragt. Ein Kind müsste daher gar nicht zum Problem werden, würde es entsprechende Rahmenbedingungen geben. Auch hier kann der Staat maßgeblich Armut mindern und Flexibilität für die Arbeitslosen ermöglichen. Warum haben wir denn zunehmende Kinderarmut?
Zum Thema Geldmangel. Man hat ja noch zb. laufende Kredite, Versicherungen, Sparanlagen, die teilweise schon Jahrzehnte laufen. Wenns danach ginge, dürfte man derartiges nie machen, weil jeden Normalbürger kann Arbeitslosigkeit irgendwann treffen. Und wenn man es dann doch mal wird, dann hat man ein Problem, es wird größtenteils angerechnet. Nicht jeder weiß vorher längere Zeit schon sicher über seinen Abgang bescheid und ist gar davon überzeugt um Vorkehrungen zu treffen, wie zb. Abstoßen aller entbehrlichen Kosten. Jeder hofft doch zumindest noch, das es doch noch irgendwie weitergeht, selbst unmittelbar danach.
Beim Kündigen vor Laufzeitende entstehen oft große finanzielle Einbußen, oft sogar ggü. dem was man bereits eingezahlt hat. Wofür hat man dann überhaupt jahrelang eingezahlt oder sichs vom Essen abgespart? Es wird ja quasi irgendwo bestraft, ggü. denjenigen die ihr Geld stets verjuchtelt haben.
Genauso bei der bereits vorhandenen Grundausstattung. Die meisten haben nun mal eine Existenz vor der Arbeitslosigkeit aufgebaut. Klar hat man dann auch in der Arbeitslosigkeit noch bspw. gute Technik, gut erhaltene Möbel, tolle Wohnung, gute Klamotten, Auto. Wenn man dies jetzt alles verkaufen würde und in eine Absteige ziehen würde, um das Klischee eines Arbeitslosen zu bedienen, ist niemanden geholfen. Wie gesagt, nicht jeder hat die Kraft oder noch die Zeit aus diesem Loch wieder herauszukommen und sein Leben nochmal ganz von vorne zu beginnen. Es nützt der Gesellschaft herzlich wenig, sich quasi unvermittelbare Penner, die sich selbst aufgegeben haben heranzuziehen. Ich kenne da leider einige, die mit den Jahren der Arbeitslosigkeit extrem abgebaut und nichts mehr haben. Hätte man bei so manchem niemals gedacht.
Und nur das meinte ich damit. Da entsteht nunmal für den arbeitenden Steuerzahler der Eindruck, dass es denen doch recht gut geht. Sie können sich ja noch einen relativ guten Lebensstandard erhalten. Dann wird pauschalisiert und es auf alle Empfänger übertragen. "Ihnen gehts ja noch zu gut, ich habe auch nicht mehr, trotz Arbeit".
Es braucht daher immer Motivation und Lebenssinn. 1-EUR-Jobs dienen leider nicht dazu. Im Gegenteil. Bei diesem Umfeld wurden einige noch weiter heruntergezogen. Stattdessen wurden ABM-Maßnahmen stark abgebaut. Auf der anderen Seite schreit ein Herr Sinn dauernd nach Kombilohn und andere nach Mindestlohn. Auch wenn ich nicht unbedingt Freund des Kombilohnmodells bin, so tragen doch beide nicht unwesentlich zur Armutsbekämpfung bei.
Kündigungsschutz ist mir im Prinzip Schnuppe, da er in der Praxis eh kaum greift. Es findet sich immer ein Grund und Weg jemanden loszuwerden.
Übrigens bin auch ich gegen viele Subventionen. Auch in der Agrarbranche. Das hat aber vor allem seine Ursachen in der EU-Subventions- und Abschottungspolitik. Genauso missfällt mir das Oligopol der Stromkonzerne, überhaupt der Handel über die Börsen. Strom, Getreidepreise etc., alles könnte wesentlich günstiger für den Endverbraucher sein.
Deutschland ist schon lange nicht mehr so unabhängig in seiner Gesetzgebung, wie es sein könnte. Allerdings werden auch viele EU-Richtlinien eher über das Ziel hinaus umgesetzt. Andererseits werden sich nicht selten beim Abschauen von unseren Nachbarländern nur einige Schmankerl herausgepickt und in unser System eingefügt, ohne das jeweilige landesspezifische Gesamtsystem, deren Rahmenbedingungen dabei mit einzubeziehen. Gutes Beispiel ist die Zeitarbeit.
Dennoch ist die Armutsbekämpfung nicht minder ein EU-weites Problem und somit auch eine EU-Aufgabe.