Kann eine Regierung Armut bekämpfen?

Ich sprach nicht davon, dass diese Subventionen dauerhaft etwas bringen oder dass sie besonders sinnvoll seien. Wenn die Schiffsbauer in Hamburg ihre Erlöse nach drei Jahren Bauzeit nicht auf einen Schlag versteuern müssen, sondern in gewisser Weise subventioniert werden, dann fließt Geld aus der ganzen Republik in diese Region (Erhalt von Arbeitsplätzen, Sicherung von Einkommen, künstlicher Stützung der Konkurrenzfähigkeit usw.)

Den einen wird es genommen, den anderen wird es gegeben. Das ist Subvention.

Ersetze das Wort "Vernichtung" durch "Fehlleitung" und wir sind uns einig.
 
Ich stimme dem Grundton aus dem Einganspost zu.
Ich denke nicht, dass die vielen Probleme mit unseren Sicherungssystemen und die Probleme "Armut" und "Schere Arm Reich" durch einfache Umverteilung von Reich nach Arm gelöst werden können.
Wenn es so einfach wäre, dann hätte die Politik in diese Richtung reagiert (gut, zum Teil geschehen, Stichwort: Reichensteuer -- auf der anderen Seite: Unternehmenssteuerreform: Milliarden Entlastung für Kapitalgesellschaften usw...)

Das Problem "Schere Arm Reich" liegt (zumindest Teilweise) in der Globalisierung begründet.
Kapital ist extrem "mobil" und verzinst sich auf Offenen Finanzmärkten einfach effizienter.
Da kann der einfache Arbeiter nicht mithalten. Er ist (geographisch) relativ gebunden.
Er hat einen Effizienznachteil gegenüber denen, die viel Kapital haben.
-- Dies ist ein nüchterner Fakt, muss man erst mal Schlucken.

Die Reichen höher zu belasten; dies ist durchaus möglich. Man muss sich aber im klaren sein, dass eben die "Reichen" sehr flexibel sind. Stichwort: Niedrigsteuerländer. Beim Geld hört die Heimatverbundenheit schnell auf. Nahmhafte Unternehmensberatungen erstellen für Firmen und Reiche Famililien Checklisten, mit denen werden die "günstigsten" Wohnsitzstaaten ermittelt.
-- Ein weiterer nüchterner Fakt.

Bevor man also wieder irgendwie, irgendwo nach Umverteilung ruft, sollte man sich ein wichtiges Problem der Versicherungsökonomik vor Augen führen.
Das Trittbrettfahrer Problem:
Beispiel -- Arbeitslosenversicherung.
Zur vereinfachung teilebn wir die Arbeitslosen in 2 Gruppen ein. Die einen wollen Arbeiten, finden aber keinen Job. Die anderen wollen erst gar nicht arbeiten, bemühen sich erst gar nicht um einen Job. Diese 2 Gruppen sind in der Realität beobachtbar, allerdings sind die Übergänge fließend.
Das Problem besteht nun darin, dass die 2. Gruppe (wollen erst gar nicht arbeiten) unberechtigterweise abkassieren. Das kostet Geld -- viel Geld.
Jeder € der zusätzlich in die Arbeitsolsenversicherung gepumpt wird, kommt zu einem gewissen Teil den "Abkassierern" zugute.

Um das System (Versicherungssysteme im Allgemeinen) besser, effizienter zu machen, sollte Energie (Geld , Anreize) dafür aufgewandt werden, die "Abkassierer" (Trittbrettfahrer) zu identifizieren -- Dann bleibt mehr für die "echten" Bedürftigen über.

Dies ist, im Gegensatz zur Forderung "mehr Geld für Arbeitslose", viel komplizierter aber wahrscheinlich wirkungsvoller.

mfg
 
@Mustis
Es ging doch in der letzten Debatte vor allem um das Auskommen mit dem Hartz-IV Regelsatz und weniger um Hürden bei der Stellensuche?
Klar haben es vor allem alleinstehende Eltern mit Kindern bei der Stellensuche schwerer.
Für eine alleinstehende Mutter mit 1 Kind bleibt vom Einkommen sicher weniger hängen. Sie bekommen allerdings auch für das Kind Kindergeld.

Aber bei 2 kinderlosen Hartz-IV-Empfängern oder einer arbeitslosen 3-köpfigen Familie (2 Eltern, 1 Kind) fallen nunmal viele geteilte und einmalige Kosten an. Telefon, Internet, TV-Gebühren, Strom usw., da teilt man sich als Gemeinschaft herein, der Single zahlt den vollen Preis.
Auch bei den Lebensmitteln kommt man mit Mengenpacks günstiger weg.
Und ein junger Mensch, der noch bei seinen Eltern lebt und/oder vieles noch dort erledigen lässt oder gar von ihnen ab und zu "gesponsert" wird, kommt sicher auch besser weg, als andere, welche diesen Bonus nicht haben.

1 Kind fällt immer ab, bekommt man immer relativ gut mit durch und groß.
Ich als Ex-DDR Kind, einer alleinerziehenden Mutter, die im 3-Schichtensystem in der Produktion arbeiten ging, bei 20 DDR-Mark Kindergeld (=Preis für 1 Paar Schuhe) kann da durchaus mitreden. Mir ging es nicht wirklich schlecht und ich hatte meine gute Versorgung und Schulbetreuung (zb. Hort, außerschulische betreute Freizeitveranstaltungen).
Hier fängt es doch schon an und der Staat ist gefragt. Ein Kind müsste daher gar nicht zum Problem werden, würde es entsprechende Rahmenbedingungen geben. Auch hier kann der Staat maßgeblich Armut mindern und Flexibilität für die Arbeitslosen ermöglichen. Warum haben wir denn zunehmende Kinderarmut?

Zum Thema Geldmangel. Man hat ja noch zb. laufende Kredite, Versicherungen, Sparanlagen, die teilweise schon Jahrzehnte laufen. Wenns danach ginge, dürfte man derartiges nie machen, weil jeden Normalbürger kann Arbeitslosigkeit irgendwann treffen. Und wenn man es dann doch mal wird, dann hat man ein Problem, es wird größtenteils angerechnet. Nicht jeder weiß vorher längere Zeit schon sicher über seinen Abgang bescheid und ist gar davon überzeugt um Vorkehrungen zu treffen, wie zb. Abstoßen aller entbehrlichen Kosten. Jeder hofft doch zumindest noch, das es doch noch irgendwie weitergeht, selbst unmittelbar danach.

Beim Kündigen vor Laufzeitende entstehen oft große finanzielle Einbußen, oft sogar ggü. dem was man bereits eingezahlt hat. Wofür hat man dann überhaupt jahrelang eingezahlt oder sichs vom Essen abgespart? Es wird ja quasi irgendwo bestraft, ggü. denjenigen die ihr Geld stets verjuchtelt haben.

Genauso bei der bereits vorhandenen Grundausstattung. Die meisten haben nun mal eine Existenz vor der Arbeitslosigkeit aufgebaut. Klar hat man dann auch in der Arbeitslosigkeit noch bspw. gute Technik, gut erhaltene Möbel, tolle Wohnung, gute Klamotten, Auto. Wenn man dies jetzt alles verkaufen würde und in eine Absteige ziehen würde, um das Klischee eines Arbeitslosen zu bedienen, ist niemanden geholfen. Wie gesagt, nicht jeder hat die Kraft oder noch die Zeit aus diesem Loch wieder herauszukommen und sein Leben nochmal ganz von vorne zu beginnen. Es nützt der Gesellschaft herzlich wenig, sich quasi unvermittelbare Penner, die sich selbst aufgegeben haben heranzuziehen. Ich kenne da leider einige, die mit den Jahren der Arbeitslosigkeit extrem abgebaut und nichts mehr haben. Hätte man bei so manchem niemals gedacht.

Und nur das meinte ich damit. Da entsteht nunmal für den arbeitenden Steuerzahler der Eindruck, dass es denen doch recht gut geht. Sie können sich ja noch einen relativ guten Lebensstandard erhalten. Dann wird pauschalisiert und es auf alle Empfänger übertragen. "Ihnen gehts ja noch zu gut, ich habe auch nicht mehr, trotz Arbeit".

Es braucht daher immer Motivation und Lebenssinn. 1-EUR-Jobs dienen leider nicht dazu. Im Gegenteil. Bei diesem Umfeld wurden einige noch weiter heruntergezogen. Stattdessen wurden ABM-Maßnahmen stark abgebaut. Auf der anderen Seite schreit ein Herr Sinn dauernd nach Kombilohn und andere nach Mindestlohn. Auch wenn ich nicht unbedingt Freund des Kombilohnmodells bin, so tragen doch beide nicht unwesentlich zur Armutsbekämpfung bei.
Kündigungsschutz ist mir im Prinzip Schnuppe, da er in der Praxis eh kaum greift. Es findet sich immer ein Grund und Weg jemanden loszuwerden.


Übrigens bin auch ich gegen viele Subventionen. Auch in der Agrarbranche. Das hat aber vor allem seine Ursachen in der EU-Subventions- und Abschottungspolitik. Genauso missfällt mir das Oligopol der Stromkonzerne, überhaupt der Handel über die Börsen. Strom, Getreidepreise etc., alles könnte wesentlich günstiger für den Endverbraucher sein.
Deutschland ist schon lange nicht mehr so unabhängig in seiner Gesetzgebung, wie es sein könnte. Allerdings werden auch viele EU-Richtlinien eher über das Ziel hinaus umgesetzt. Andererseits werden sich nicht selten beim Abschauen von unseren Nachbarländern nur einige Schmankerl herausgepickt und in unser System eingefügt, ohne das jeweilige landesspezifische Gesamtsystem, deren Rahmenbedingungen dabei mit einzubeziehen. Gutes Beispiel ist die Zeitarbeit.
Dennoch ist die Armutsbekämpfung nicht minder ein EU-weites Problem und somit auch eine EU-Aufgabe.
 
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Den einen wird es genommen, den anderen wird es gegeben. Das ist Subvention.

Nein das ist nicht die Definition von Subventionen. Siehe Subvention - Wikipedia. Nach deiner Definition wäre der Kauf von Waren auch eine Subvention in doppeler Hinsicht. Vorsicht mit solchen Pauschalisierungen.

Ich als Ex-DDR Kind, einer alleinerziehenden Mutter, die im 3-Schichtensystem in der Produktion arbeiten ging, bei 20 DDR-Mark Kindergeld (=Preis für 1 Paar Schuhe) kann da durchaus mitreden.

Du Vergleichst hier einfach mal den Sozialismus mit dem Kapitalismus? Wie unfair! Es gab auch Dinge die einfach unfein waren gegenüber der Tatsache, dass die die "Arm-Reich-Schere" nicht wirklich groß war, aber es gab sie auch!

Wofür hat man dann überhaupt jahrelang eingezahlt oder sichs vom Essen abgespart?

Genau das sollte nicht passieren. Wenn ich mir etwas nicht leisten kann, dann kann ich das defakto auch nicht, nur weil ich in der Lage bin es kurzfristig über einen Kredit im ersten Moment zu finanzieren. Kredite sind im Prinzip das Gegenprinzip zum Sparen. Man gibt das Geld erst aus und zahlt es dann langsam zurück, während man beim Sparen erst "einzahlt" und es dann gehäuft ausgibt. Es ist eine andere Art der Finanzierung, aber das finanzielle Potenzial muss trotzdem vorhanden sein. Wer Luxus auf Pump kauft und genau weiß, dass es sehr sehr sehr knapp kalkuliert ist, ist selbst Schuld!
 
Es macht schon Sinn, dass man sein Vermögen beim Antrag von AloGeld angeben muss.
Was wäre die Alternative: Haus im Grünen, dickes Auto, 100.000.- auf dem Konto und einmal im Monat AloGeld kassieren. Macht nicht wirklich Sinn.
Zudem:
Das Beispiel vom Groß (Normal) Verdiener zum Hartz 4 Empfänger ist zwar real, es stellt aber die absolute Ausnahme dar.
Man sollte sich eher über die sogenannten "Hartz 4 Dynastien" Gedanken machen.
 
Man sollte sich eher über die sogenannten "Hartz 4 Dynastien" Gedanken machen.

Das sehe ich auch so. Habe ich hier auch schon mal anklingen lassen, dass dies ein Teufelskreis ist. Die Einstellung vom Sozialstaat sein Leben finanzieren zu lassen, wird nicht selten in die nächste Generation mitgegeben. Leider sind das auch die Bevölkerungsschichten die im Gegensatz zu beispielsweise Akademikern viele oder überhaupt Kinder haben, während sich letztere dieses sehr wohl viel eher finanziell leisten können, sich aber lieber "selbst verwirklichen" wollen.
 
Es ist ja nicht so, dass gegen "Abzocker" oder Arbeitsunwillige nicht bereits verschärfter vorgegangen würde.
Die Zahl der Leistungskürzungen und Leistungsentzüge bei Hartz IV und beim Arbeitslosengeld I (ALG I) ist ind en letzen Jahren extrem gestiegen. Bei Hartz IV nahm sie von 2006 bis 2007 um 66% zu, beim ALG I um 21%.

Monatlich werden im Schnitt ca. 120000 Sanktionen verhängt.
Bei 22% aller Sanktionsfälle liegt Arbeitsverweigerung vor – Job, 1-EUR-Maßnahme oder Weiterbildung.
Jüngeren Arbeitslosen wird dabei häufiger das Arbeitslosengeld II gestrichen als älteren, Männern öfter als Frauen und Alleinstehenden einige Male mehr als Alleinerziehenden oder Leistungsempfängern mit Familie.

Wiederholt sich der Pflichtverstoß, so tritt seit 2007 eine verschärfte Kürzung als Folge ein. "Eine Wiederholung der Pflichtverletzung ist anzunehmen, wenn innerhalb eines Jahres nach Beginn einer vorangegangenen Sanktion eine neue Pflichtverletzung begangen wird."

Dem gegenüber stehen in 38% (Hartz-IV) und 49% (ALG I) der Fälle, da gaben die beklagten Arbeitsgemeinschaften oder Agenturen für Arbeit voll oder teilweise zugunsten der Betroffenen nach. Die Sanktionen, die gegen Bezieher von Hartz IV oder Arbeitslosengeld I verhängt werden, sind zum großen Teil unberechtigt.


SO geht es also auch nicht. Eine weitere Absenkung des ALGII führt nicht nur zu mehr Schwarzarbeit, es führt wohl bei der aktuellen Gesetzeslage und Entwicklung zu noch mehr Lohndumping und Armut. Die Abzocker und Geldvernichter sind doch nicht in erster Linie bei den Hartz-IV Empfängern zu suchen, aber bei denen wird doch bereits am striktesten durchgegriffen und gekürzt. Was passiert den gesparten Millionen? Kommen sie denn den wirklich Bedürftigen zugute. Hat sich denn deren Regelsatz entsprechend erhöht? Kommt mir jetzt nicht mit den 2 EUR mehr (347,-) seit 2007.
Im Gegenteil der Pflegesatz wird sogar auf den Regelsatz mit angerechnet.


@The_1st_Knight
Das Sparen bezog ich nicht auf Kredite. Man kann Geld auch ohne Kredite oder Kapitalanlagen ansparen. Das schützt aber vor nichts.
Bei der DDR ging mirs vorallem um die Rahmenbedingungen für Kinder und Eltern. Kind und Arbeit, sogar Arbeitspflicht. Das hat wenig mit dem System ansich bzw. dessen anderweitigen Negativseiten zu tun. Sondern einfach mit Familien-, Bildungs-, und Sozialpolitik, was durchaus auch hierzulande umsetzbar wäre.
 
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Ich denke schon dass es SO geht.
Jeder AloGeld Empfänger der das System ausnutzt ist einer zu viel. Diese zu identifizieren ist nicht mit "Kürzung der Beiträge" gleichzusetzen.
Desweiteren schreibst du..."Monatlich werden im Schnitt ca. 120000 Sanktionen verhängt.Bei 22% aller Sanktionsfälle liegt Arbeitsverweigerung vor"....
Das ist absolut gesehen aber eine beträchtliche Zahl. Sie stützt die These des Trittbrettfahrertums.

Ob und in welcher Höhe Sanktionen verhängt werden oder diese dass Problem lösen ist in der Tat strittig.
Das ein Problem besteht, hast du selbst allemal bestätigt.

Ich habe nur theoretisch argumentiert und Funktionsmechanismen beschrieben.
Ob bestimmte Instrumente, die heute eingesetzt werden genau richtig sind ist schwer zu beurteilen.
Es gibt negative Folgen von Hartz 4 -- richtig.
Auf der anderen Seite haben wir 1 Mio Arbeitslose weniger.
Relict, du schreibst dann einfach: SO geht es nicht -- solche Aussagen sind dann immer etwas gewagt.
Wie gesagt, ich habe mehr beschrieben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Sparen bezog ich nicht auf Kredite. Man kann Geld auch ohne Kredite oder Kapitalanlagen ansparen. Das schützt aber vor nichts.

Ich habe mit der erwähnung von Sparmodellen nur aufzeigen wollte, dass es egal ist auf welche Weise man spart solange das Potenzial für das Sparen überhaupt vorhanden ist. Es ging mir um das "vom Mund absparen"! Das sollte nicht sein und deutet darauf hin, dass man über seine Verhälntisse investiert.

Bei der DDR ging mirs vorallem um die Rahmenbedingungen für Kinder und Eltern. Kind und Arbeit, sogar Arbeitspflicht. Das hat wenig mit dem System ansich bzw. dessen anderweitigen Negativseiten zu tun. Sondern einfach mit Familien-, Bildungs-, und Sozialpolitik, was durchaus auch hierzulande umsetzbar wäre.

Ja, mir ist schon klar um was es ging und auch ich komme aus diesem System (wenn ich auch nicht sonderlich lange dort gelebt habe). Aber man darf hier nicht einfach einzelne Facetten miteinander vergleichen sondern muss diese in ihrem Kontext sehen. Wir können nicht einfach ein Teil eines vollkommen anderen Wirtschaftssystems übernehmen und erwarten, dass dies auch hier funktioniert. Das ist blind und naiv.
 
@DugDanger
Klar besteht ein Problem.
Du unterschlägst allerdings dabei die Willkür und Inkompetenz.

Dem gegenüber stehen in 38% (Hartz-IV) und 49% (ALG I) der Fälle, da gaben die beklagten Arbeitsgemeinschaften oder Agenturen für Arbeit voll oder teilweise zugunsten der Betroffenen nach.

Ziehe mal diese Zahlen von den obigen ab. Und dann hast Du das Ausmaß.
Und genau das meine ich mit dem Eindruck, den jeder individuell in seinem Umfeld erfährt.
Es wird durchaus allerhand getan. Die wirklichen Ursachen liegen aber wo ganz anders.

@The_1st_Knight
Das hat vorallem was mit der Gesetzgebung und dem Haushalt zu tun. Das Wirtschaftssystem ist anders, aber um ein Kind zu betreuen und großziehen zu können, für Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen, ist weder von Sozialismus, noch Kapitalismus stark abhängig.
Es ist schlicht ein Verteilungsproblem.
 
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Das mit dem Abzocken kann in etwa so laufen: Das ALG I läuft aus und die ARGE beauftragt ein Unternehmen mit der Betreuung, Qualifizierung, Bewerbungsunterstützung usw. des Arbeitslosen.

Dort muss der Arbeitslose zu den Terminen erscheinen, was er aber nicht immer macht. Die Leute in dem Laden sind aber nun keine Unmenschen und lassen das vielleicht einmal oder sogar zweimal mit sich machen. Anschließend bekommt die ARGE eine Rückmeldung, dass der Typ nicht zu seinen Pflichtterminen erschienen ist. Daraufhin wird ihm der Hartz-IV-Satz gekürzt.

Nun kommt der Mensch wieder zur Vernunft, nimmt seinen Termin wahr und wird an eine Zeitarbeitsfirma vermittelt. Da er zur Annahme dieses Jobs verpflichtet ist, unterschreibt er den Vertrag. Nehmen wir an, unser Arbeitsloser sei nur gering qualifiziert und würde als sog. Helfer eingesetzt werden.

Im Grunde ist er jetzt wieder in Lohn und Brot, da er bei dem Zeitarbeitsunternehmen angestellt ist, das ihn regelmäßig bezahlt. Nun wird er für den nächsten Morgen beim Kunden xy eingeteilt, um z. B. bei der Inventur zu helfen oder im Lager zu arbeiten. Dort erscheint er aber nicht. Der Kunde ist stinksauer, der Personaldisponent des Zeitarbeitsunternehmens steht mit dem Rücken zur Wand.

Der Angestellte bekommt beispielsweise eine Abmahnung. Bei der nächsten Arbeitsverweigerung erhält er die (fristlose) Kündigung. Wie ist die Sachlage? Er hat den Job angenommen, der ihm angeboten wurde. Doch nun ist er wieder arbeitslos. Also erneut Hartz IV beantragen und schauen, welcher Job als Nächstes angeboten wird.

Gegen solche Strategien ist kaum ein Kraut gewachsen. Und leider sind das keine ganz so seltenen Ausnahmefälle.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es ist schlicht ein Verteilungsproblem.

Verteilung von was Geld? Hmmm klingt nach einem Unterschied zwischen Kapitalismus, in dem Individualität gefördert wird und dem Sozialismus, in dem möglichst alle gleich behandelt werden sollen.

Und natürlich macht es einen Unterschied ob man ein Kind im Sozialismus oder im Kapitalismus großzieht. Das Umfeld allein hat schon eine riesige Bedeutung für die Bewusstseins ausprägung des Kindes. Außerdem werdne Prioritäten anders gesetzt. Gelder werden anders verteilt und du kannst nicht abstreiten, dass in der DDR Schwangere bevorzugt worden. Heute interessiert es an der Kasse keinen mehr ob die Frau Schwanger ist oder nicht. Sie muss sich wie alle anderen hinten anstellen, außer es gibt Mensche, die diese von sich aus vorlassen.

Auch die Gesetzgebung war in der DDR eine andere. Wie kannst du also behaupten die Systeme wären ohne weiteres in diesem Punkt vergleichbar und führst im gleichen Atemzug Gegenargumente als fürsprechende Argumente auf?
 
The_1st_Knight schrieb:
Es ging mir um das "vom Mund absparen"! Das sollte nicht sein und deutet darauf hin, dass man über seine Verhältnisse investiert.
Man investiert ja gerade nichts, man spart. Hast Du zb. Deinen PC vom letzten monatlichen Einkommen vollständig finanziert oder isser gar abgefallen?
Oder musstest Du dafür einige Zeit sparen. Wenn nicht dann weiß Du was ich meinte.

Es gibt nur 3 Möglichkeiten: Sparen, Kredit aufnehmen oder verzichten. Nur bei letzterem kommt man zu nix. Denn eine Wohnung will nunmal befüllt sein. Wer lebt schon gern im Leerraum, einzig von der Hand in den Mund oder vom Betteln, bis es irgendwann mal monatlich komplett abfällt? Gerade als Arbeiter dient Besitzstandserweiterung durchaus auch als Motivation für den Sinn seiner Arbeit. Wer lebt schon um zu arbeiten, ist doch eher umgekehrt?


Und beide Systeme sind sich mindestens in einem einig. Sie brauchen Nachwuchs nicht nur für ihre Sozialsysteme, am besten qualifizierten. Verhungern oder fallen gelassen werden müsste kein Kind. Spätestens hier trägt auch das Individuum als Teil der Gemeinschaft für selbige bei.

"Gelder werden anders verteilt." Ja genau ein Verteilungsproblem, grundsätzlich.


keshkau schrieb:
die ARGE beauftragt ein Unternehmen mit der Betreuung, Qualifizierung, Bewerbungsunterstützung usw. des Arbeitslosen.
Naja. Eher verschickt die ARGE nur mehr oder minder seriöse und zumutbare Stellenangebote aus ihrer Datenbank. Selbst die Vergabe für Weiterbildungs- oder gar Umschulungsmaßnahmen wurde in den letzten Jahren stark eingeschränkt, trotz produzierter Milliardenüberschüsse. In der Mehrheit der Fälle geht es eher um schnelle Vermittlung, als Qualität, irgendwas-irgendwo, hauptsache weg und raus aus der Statistik. Der Großteil an Sanktionen wird durch weitaus einfacher gelagerte Fälle verhängert. Zb. Eigenkündigung, bewusste oder fahrlässige Unterschlagung von Vermögens- und Einkommensverhältnissen, Partnerschaften usw.
Engagement, Kompetenz und Qualität schwanken leider von Vermittler zu Vermittler sehr stark. Und leider sind auch viele Weiterbildungseinrichtungen mehr an der schnellen Kohle interessiert, als an Qualität. Auch besteht ein größeres Problem bei Firmen, ein bewusster Mitnahmeeffekt bei Förderleistungen und Eingliederungsbeihilfen. Wo wir wieder bei subventionen sind.
 
Zuletzt bearbeitet:
Man investiert ja gerade nichts, man spart. Hast Du zb. Deinen PC vom letzten monatlichen Einkommen vollständig finanziert oder isser gar abgefallen?
Oder musstest Du dafür einige Zeit sparen. Wenn nicht dann weiß Du was ich meinte.

Wir reden aneinander vorbei. Ich meinte nur, dass es nicht sein kann, dass man auf Essen und lebenswichtige Dinge verzichtet oder diese einschränkt, um das so gesparte Geld für andere (Luxus-)Güter auszugeben. Das verstehe ich unter "vom Mund absparen"! Und das ist ein deutlicher Indikator dafür, dass dieses Gut den möglichen Lebensstandard überschreitet.
 
Hört mal mit dem Blödsinn auf, die milliarden Überschüsse werden nicht Zweck gebunden genutzt. Oo Damit werden demnächst zum Beispiel Förderungen für Ausbildungsplätze und Prämien finanziert. Inwieweit diese sinnvoll sind, steht auf einem anderen Blatt, aber die Überschüsse werden schon genutzt, auch für bedürftige.

@ Relict ich glaube du hast noch nicht verstanden, dass Sparen auch Investition ist. Du bildest nur erstmal eine Rücklage (Sparen) von dem was du überhast. Sparen kann aber auch durch Verzicht zustande kommen. Man verzichtet auf nen neuen TV zugunsten eines Pc als Beispiel. Sparen ist also in aller regel auch investition, nur legt man diese erstmal zurück.
 
@The_1st_Knight
Ich glaube auch. ;)
Das Essen ist aber fast noch das einzige wo man sich überhaupt noch etwas einschränken und sparen kann. Bei den gestiegenen Fixkosten (Strom, Wasser, Müll, Heizung, Sprit, MwSt.) eher kaum, das ist im Gegenteil meist teurer geworden, trotz sparsameren Umgangs. Man kann auch keinem zumuten nun gleich asketisch zu leben, nur weil wir unsicheren Zeiten leben.

Von Luxusgütern sprach ich ja garnicht. Wo ist überhaupt genau die Grenze zwischen Luxus und Lebensstandard? Ich denke mal die ist fließend und vor allem Ansichtssache.
Doch ich glaube auch kaum, dass die Mehrzahl Arbeitsloser Luxusgüter während ihrer Arbeitslosigkeit anzuschaffen vermag.
Klar wird es immer irgendwo Ausnahmen geben, auch eure sogenannten Dynastien, Großfamilien, Hinterzieher, Kriminelle, whatever. Die gibts in jeder Schicht, egal ob sozialabhängig oder nicht. Wo es was zu holen oder einzusparen gibt, wird es immer Versuche geben.

Diese Tatsachen kann man doch aber nicht mit weiterer Kürzung des Regelsatzes allgemein begründen und selbige damit legitimieren? Erst recht nichts halte ich von steigende Motivation durch weitere Kürzung. Soll tatsächlich Ausnutzung von Not und Schwäche das Fundament unserer Gesellschaft sein?

Selbst wenn wir alle Leistungsbezüge auf 0 herunterfahren und generell wieder Lebensmittelmarken an jeden verteilen, würde sich nichts am Grundproblem ändern, es würde sich nur verlagern. Die neu entstandenen Probleme, aber auch die bisher durch die öffentliche Sündenbockdiskussion gegen Hilfeempfänger in den Hintergrund geratenen Probleme würden wieder mehr ins Bewusstsein rücken. Das wäre aber auch das einzig positive daran. Nur auf wessen Knochen?

Das muss auch anders gehen, wenn wir uns als soziale Marktwirtschaft weiterhin titulieren wollen. Viele Beispiele dafür und auch Ursachen für Missstände wurden ja hier schon erwähnt.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Mustis
die milliarden Überschüsse werden nicht Zweck gebunden genutzt.
Hat auch niemand behauptet. Aber über deren Verwendung dürfen wir hier doch durchaus diskutieren.
Ein Großteil der Überschüsse wird immer noch zur Haushaltskonsolidierung genutzt oder verbleibt in der Kasse.
Geredet und debattiert wird allerdings schon länger. Passiert ist in den letzten Jahren noch nicht allzu viel.

Übrigens bald 24 Milliarden in der Kasse
http://www.focus.de/finanzen/news/agentur-fuer-arbeit_aid_64732.html

Man verzichtet auf nen neuen TV zugunsten eines Pc als Beispiel. Sparen ist also in aller regel auch investition, nur legt man diese erstmal zurück.

Ja schön, und? Auf was willst Du eigentlich hinaus. Willst Du damit behaupten, Arbeitslose machen dies nicht auch so, üben keinen Verzicht? Können sich stattdessen nen fetten absparen?

Überhaupt ist man ganz ohne Rücklagen auch ziemlich arm dran.
Ich gönne wirklich jedem mal paar Monate in den Genuß von Hartz-IV zu kommen, ganz ohne Rücklagen und Gönnern, vielleicht wird dann manches klarer.
 
Worauf ich hinaus will? Das viele Leute dieses Prinziep nicht verstehen und statt Rücklagen zu bilden einen Kredit nehmen um sich etwas leisten zu können. Und das ist grad bei schnelllebiger TEchnik und kleineren Beträgen einfach tückisch und gelinde gesagt dumm. Auch ein Haus kann nicht einfach auf Pump gekauft werden, Eigenkapital sollte einfach vorhanden sein. Der Markt bietet diese Möglichkeiten zwar an und es schadet sicher nicht, in seltenen Fällen so etwas zu nutzen. Das Problem ist doch aber, dass viele genau das nicht schaffen. Kaum ist Geld da, wird es ausgegeben. Dazu kommt das vermeintlich kostenlose Einkaufen per Kreditkarte, per Katalog und späterer Zahlung und was es sonst noch Sachen in der Richtung gibt. Die LEute verstehen zum teil nichtmal mehr, dass sie da Geld ausgeben. Oder sich aufgrund der Finanzierungsarten allein durch die zinsen verschulden. Hätten sie stattdessen Rücklagen gebildet, wären die gleichen Investitionen ohne Schulden möglich gewesen. Und solche Sachen. Leider trifft das eben genau auf diese Schichten zu bzw. kommt es dort zu besonders hervor. Und ich finde nicht, dass ich sämtliche Dummheit aus Solidarität mittragen muss. Dummheit/Unwissenheit schützt schließlich vor Strafe nicht.


Zu den 24 milliarden. Was ist daran so schlimm? Warum müssen die zwangsweise ausgegeben werden und nicht wieder zurück an den Staat zwecks Konsolidierung gehen? Die Überschüsse entstehen ja auch deshalb, weil die arbeitslosenzahlen sinken bzw. allgemein mit höheren kosten gerechnet wurde. Es sind ja keine wirklichen überschüsse die da produziert werden. Schließlich verdient die ARGE kein Geld. ^^
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Da muss ich zustimmen.
Man sollte Hartz IV mal durchgemacht haben, und am Besten dann wenn man fürs Alter schon etwas vorgesorgt hat, wenn man einen schönen Bausparvertrag hat oder andere Dinge für die Zukunft. Dazu kann man dann im Falle des Falle Lebwohl sagen - wenn man denn staatliche Unterstützung möchte!

Außerdem läuft es bei Hartz IV so das man rasch in irgend eine Beschäftigung oder Bildungsinitiative gesteckt wird. Verweigerer bekommen auf jedenfall einen geringeren Regelsatz!
Fördern soll sich das nennen doch in der Realität dient es nur dazu Statistiken zu verschönern, um den Volk von Bekanntgabe zu Bekanntgabe vorzugaukeln die Arbeitslosenzahlen sind gesunken, es geht bergauf!
Ach wie schön wieder eine Million Arbeitslose weniger - nein richtig heißt es wieder eine Million die zu irgend etwas abgeschoben wurden und weiterhin genau so Hartz IV beziehen wie vorher, da die Beschäftigung nur eine minimale Entlohnung beinhaltet und Hartz IV zum Überleben notwendig ist! Beachten sollte man da das man damit ebenfalls nichts für die Rente oder der Zukunft tun kann!
Dank der Agenda 2010 und den ARGE hat sich Deutschland nämlich richtig schön zu einem Dumpinglohnland entwickelt.
 
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