Kann eine Regierung Armut bekämpfen?

@Mustis
Ja ein Haus können die wenigsten bar bezahlen. Deshalb wird man in guten Zeiten dafür ansparen. Nun kommen aber die schlechtem, was passiert mit Deinem Ersparten bei Hartz-IV? Vielleicht hast Du ja noch nichtmal das Haus, weil der Eigenanteil noch nicht ausreichend hoch ist.
Und so könnte man es auf jedes andere Beispiel übertragen. Niemand spart schliesslich grundlos und schon garnicht darauf, dass er es dann für die Arbeitslosigkeit verbrauchen "darf".

Klar können viele nicht mit Geld umgehen. Sie habens wohl leider auch nie gelernt und widerstehen auch den Verführungen der Wirtschaft nicht. Warum soll sich das auch in der Arbeitslosigkeit nun plötzlich von jetzt auf gleich ändern?
Man sollte weniger bestrafen, als mehr aufklären und fördern. Wirklich fördern, nicht nur verwalten, in miese Jobs abschieben oder rausekeln. Damits langfristig für alle Beteiligten besser wird und auch so bleibt.

z.b. haben die Mini/Midi-Jobs dafür gesorgt, dass die Mehreinnahmen in den Sozialkassen eher ausblieben. Sie haben das Lohndumping kräftig gefördert. Und sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sozialversicherungspflichtige Jobs abgebaut wurden. Sie haben die Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt erhöht, Working-poor gefördert. Aber keine Armut wurde bekämpft. Alleine die Zahl der Aufstocker ist drastisch gestiegen. Das sollte zu denken geben.
Wem außer Politikern nützen die schönen Statistiken?

Zu den 24 Mrd.: Wer hat denn das Geld einbezahlt. Die Steuerzahler. Also sollte man es ihnen auch wiedergeben, klar. Dumm nur, dass viele Arbeitslose auch Steurezahler waren, eigentlich noch sind. Zum puren Stopfen von Löchern sehe ich da keinen effizienten und wirksamen Sinn. Das Geld sollte schon zielgerichtet besonders zur nachhaltigen Förderung und Entlastung des Arbeitsmarktes und Sozialpolitik investiert werden, am besten vollumfänglich und sofort. Stattdessen wird es Jahre zurückgehalten, debattiert und immer nur vertröstet. "Die Kassen sind leer." :freak:
 
Relict schrieb:
Und so könnte man es auf jedes andere Beispiel übertragen. Niemand spart schliesslich grundlos und schon garnicht darauf, dass er es dann für die Arbeitslosigkeit verbrauchen "darf".

Klar können viele nicht mit Geld umgehen. Sie habens wohl leider auch nie gelernt und widerstehen auch den Verführungen der Wirtschaft nicht. Warum soll sich das auch in der Arbeitslosigkeit nun plötzlich von jetzt auf gleich ändern? Man sollte weniger bestrafen, als mehr aufklären und fördern.
Das sehe ich anders. Unabhängig vom Einkommen, oder ob überhaupt Einkommen da ist, sollte jeder einen Haufen Geld zur Verfügung haben, der nur im Notfall ausgegeben wird. Dieser Notfall ist nicht die Premiere eines neuen Audi A3 oder ein Sonderangebot im Reisebüro, sondern die kaputte Waschmaschine oder die Arbeitslosigkeit. Und so wie's ausschaut ist sparen und investieren nicht bei jedem angesagt. Aber wer das nicht tut, der hat in meinen Augen keine Förderung, kein Mitleid und erst Recht nicht noch mehr Geld verdient. Wie oft musste ich mir schon dumme Kommentare, während der Schulzeit und des Zivildienstes anhören, weil die Leute mit 19 einen kleinen Kredit aufgenommen haben um sich eine Karre zu holen. Da wurde gelacht, über mein Fahrrad. Als diese stolzen Autofahrer dann nach der Ausbildung nicht übernommen wurden und die Kreditrate nicht mehr zahlbar war, verging denen das Lachen.
Ich finde sowas nicht richtig. Es hilft nichts Menschen zu fördern, die nicht mit Geld umgehen können. Entweder man lernt das frühzeitig oder nicht. Wer einmal einen Kredit aufnimmt, um etwas konsumieren zu können, wird das auch wieder tun. Diese Leute blenden einfach aus, dass sie Schulden haben. Über Geld spricht man schließlich nicht, aber die Mobiltelefone und neuen Schuhe, die sieht man.

Daher halte ich nichts von fördern und betreuen, nur die weitere Kürzung von Leistung bringt solche Menschen zurück auf den Boden.
Als Student habe ich 580€ Einnahmen gegenüber 390€ Miete und Unigebühren. Das heißt ich bin arm. Aber ich fühle mich nicht so, weil ich weiß, was ich mir leisten kann und was nicht. Der wesentliche Unterschied zu echter Armut ist doch, dass andere in meinem Fall trotzdem ins Kino wollen oder jedes Jahr ein neues Handy brauchen. Sie wollen nicht akzeptieren, dass sie bis auf weiteres aus der schillernden Konsumwelt ausgeschlossen sind und das schlägt denen auf den Magen.
 
@Relict
Lohndumping und wer da deiner Meinung nach wieder alles schuld ist. Man kann das Thema auch etwas weniger emotional angehen.

Bestimmte Arbeitsleistungen werden von unserem Markt einfach sehr niedrig Entlohnt -- nämlich die Arbeitskraft der Geringqualifizierten. Warum: Weil Firmen einfache Arbeit woanders billig bekommen. (Schwellenländer usw...)

Und nochmal: natürlich muss man seine Vermögenswerte angeben wenn man AloGeld beantragt (bei Bafög übrigens dasselbe)
Haus,Auto,100.000 auf Konto + 1 mal im Monat AloGeld abhohlen--Nee oder
 
Gegen zu niedrige Löhne in Deutschland brauchen wir Mindestlöhne neben den Sozialtransfers wie Arbeitslosengeld II, Wohn- oder Kindergeld. In der USA z.B. ist es völlig normal 2 Jobs anzunehmen um überhaupt den Grundbedarf zu decken .... das ist sehr schlimm !
 
LOSTBOYS schrieb:
Gegen zu niedrige Löhne in Deutschland brauchen wir Mindestlöhne neben den Sozialtransfers wie Arbeitslosengeld II, Wohn- oder Kindergeld. In der USA z.B. ist es völlig normal 2 Jobs anzunehmen um überhaupt den Grundbedarf zu decken .... das ist sehr schlimm !

Ich dachte die Sache mit der Pin Group war Praxisbeispiel genug :-/
 
@DugDanger
Auch besser qualifizierte werden nicht mehr gut bezahlt. Wir haben übrigens 30000 arbeitslose Ingenieure. Alles arbeitsscheue Assis?

Man muß schon sehr hoch und vor allem speziell qualifiziert sein, um wirklich gefragt und gut bezahlt zu werden. Alles andere gleicht eher Glück oder Vitamin B. Und das es billigere Schwellenländer oder mangelnde (Entsende-) Gesetze ist bestimmt nicht die Schuld der Betroffenen.
Und sicher gibt es genug gut qualifizierte, die für Appel und Ei arbeiten gehen.
Bildung ist nicht alles, um Armut wirksam zu bekämpfen.
Hatten wir ja schon, selbst ne Akademikerschwemme, wo sich die Firmen die besten, jüngsten, dynamischen herausgepickt hatten und ihre alten erfahrenen Ingenieure in Vorruhestand geschickt haben, welche nun stattdessen die Sozialkassen belasteten.
Nun wo der Nachschub nicht mehr so üppig ausfällt barmt man und guckt blöd aus der Wäsche.
Wer mehr Qualifikation fordert, sollte mal selber qualifizieren und nicht dauernd den Staat fragen.

Haus,Auto,100.000 auf Konto + 1 mal im Monat AloGeld abhohlen--Nee oder
Ich bitte Dich. Man kann es auch übertreiben. Selbst mit Arbeit kommt heutzutage kaum wer auf diese Summen. Oder lebst Du in den Emiraten?
Ich rede hier über Mittellose und Arbeitslose, über Perspektiven und Armut in Deutschland. Ich weiß echt nicht wo ihr lebt.

Nein wir haben natürlich keine Armut, alles paletti. Nur faule, reiche, gierige und abzockende Arbeitslose Schmarotzer, welche die armen Steuerzahler mit höchster krimineller Energie abzocken und schröpfen und die hervorragenden und reichlichen Jobs nicht annehmen wollen. :freak: ;)


@Odium
Als Student habe ich 580€ Einnahmen gegenüber 390€ Miete und Unigebühren. Das heißt ich bin arm.
Nun es sind nun mal nicht alle arbeitslose Studenten oder Jugendliche. Die Mehrheit nicht. Mancher Arbeitsloser und auch Rentner hat sogar weniger.
Kommt es mit nur so vor, oder seht ihr tatsächlich nur euer eigenes Umfeld, den vergleichen anch zu urteilen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Schade. Man kann mit dir überhaupt nicht sachlich diskutieren.
Natürlich sind nicht alle Arbeitslosen Schmarotzer. Ein Gewisser Teil aber schon. Dieser Teil schadet den Bedürftigen. Ein Ansatzpunkt von vielen. Das ist ein nüchterner Fakt, also bitte nicht gleich wieder unsachlich werden.

Natürlich ist der Großteil der Arbeitslosen geringqualifiziert. Die Arbeitlosenquote von Hochschulabsolventen ist minimal.
http://www.karrierefuehrer.de/hochschule/his-2.html
Geht aus jeder x beliebigen Studie hervor.
Natürlich ist Bildung demnach das beste Mittel gegen Arbeitslosigkeit.
Willst du etwa das Gegenteil behaupten? Hoch Qualifizierte die für Appel und Ei arbeiten? Was wäre denn die Alternative? Weniger Bildung? Worauf willst du überhaupt hinaus?

Was soll dieser Satz: (Zitat Relict)...Wer mehr Qualifikation fordert, sollte mal selber qualifizieren und nicht dauernd den Staat fragen...

Zum Thema Schwellenländer: Daran hat natürlich niemand expliziet Schuld.
Trotzdem muss es erwähnt werden -- Nämlich um die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Man muss es sich eben klar machen, dass Firmen die Möglichkeit haben billige Arbeit im Ausland nachzufragen. Ein Mindestlohn beschleunigt somit diesen Abwanderungsprozess (Wenn er zu hoch ist) Damit wird das Arbeitsangebot knapper, relativ zur Arbeitsnachfrage. Die Arbeitslosen sind somit in einer schlechteren Situation als vor dem Mindestlohn. Eine Kurzfristige Antwort für Gering Qualifizierte wären dann eben Kombi Löhne. (Zum Teil mit Agenda 2010 eingeführt, allerdings mit zu geringem Aufstockungs Gehalt)
 
Odium schrieb:
Ich dachte die Sache mit der Pin Group war Praxisbeispiel genug :-/

Die Pin Group dürfte ja wohl so zeimlich das schlechteste Argument gegen einen Mindestlohn sein. Außer man spielt darauf an wie leicht man in DE Gesetze/Vorschriften aushebeln/umgehen kann.


@Dugdanger

Soll wohl bedeuten. Die Wirtschaft sollte sich selbst darum kümmern daß sie auf genügend Fachkräfte zurückgreifen kann. So wie es Momentan ist finanzieren wir mit Steuergeldern das Studium von zukünftigen Führungskräften.
Zweckmäßig wäre es daß das Studium komplett eigenfinanziert wird, ggf. über Kredite.
Wäre außerdem ein Anreiz schneller zu studieren. Für die meisten dürfte es kein Problem sein den Kredit später abzuzahlen.


Kombilöhne, und alles was bezuschußt wird, haben nur den Effekt daß damit reguläre Stellen verdrängt werden.
Also muß ein Mindenstlohn her mit dem man von seiner Arbeit leben kann auch als 'Geringqualifizierter'. 8-9 € sollten dazu ausreichen.
Gleichzeitig dazu muß ein einfaches Steuersystem her.
Die Erbschaftsteuer sollte erhöht werden. Schafft den Anreiz mehr Geld zu spenden oder Stiftungen zu gründen oder zu investieren.
 
Zuletzt bearbeitet:
"Wer mehr Qualifikation fordert, sollte mal selber qualifizieren und nicht dauernd den Staat fragen."

Trifft einen weiteren guten Punkt über den man sprechen sollte.
Es vergehen kaum ein paar Wochen wo man nicht das klagen der Wirtschaft und Industrie hört über mangelnde Fachkräfte. Man sollte sich aber auch hinterfragen warum es so ist.

1. Kann es nicht einfach sein das viele Unternehmen und Betriebe es versäumt haben ihre eigenen Mitarbeiter weiterzubilden? Sich selbst Fachkräfte auszubilden und den eigenen zugeschnittenen Pool zu nutzen? Nein stattdessen nutzt man Lehrlinge als Billigkraft aus und nutzt überwiegende unterbezahlte Leiharbeit, dass das kein richtiger Motor ist wurde wohl just festgestellt.
Ich glaube bei telepolis gelesen zu haben das Deutsche Unternehmen bei der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter besonders schlecht dastehen, es ist jedoch schon eine weile her - das ich das gelesen habe.

2. Kann es auch z.T. daran legen das viele Anforderungen einfach sehr gewaltig sind? Es muss nicht einmal daran liegen, möglicherweise ist die Vergütung dafür auch noch zu gering.
 
Ey Peiper, da haste ja was angestoßen. selbstfinanziertes Studium. Ich höre die Masse an Sozialen und lInken bereits auf dich zu rennen. Oo Nicht das wir uns falsch verstehen, ich unterstütze deine Meinung, aber wunder dir nicht, dass dir gleich der blanke Hass entgegenschlägt. ^^

Und so manchesmal hab ich das Gefühl, der gemeine Bürger weiss gar nicht so genau was er will. Gleiche Ausbildungschancen für jeden bis zum Hochschulabschluß wollen weit mehr als die Hälfte der Deutschen und dann kommt hier das Argument, wer Bildung will, soll selbst qualifizieren und nicht den Staat fragen. Und als nächstes soll die Privatwirtschaft die Ausbildungschancen für alle gleich gestalten oder wie? Oo Ich glaube hier gibts nur ein entweder oder. Der Staat hat jahrelange für Bildungsgleichheit gekämpft, was ich sehr begrüße, auch wenn man drüber streiten kann, ob das Abi da nicht der Schlußstrich sein sollte. Da kann man nicht auf einmal fordern, dass die privatwirtschaft selber ihre Leute qualifizieren soll. Denn worüber die meisten arbeitgeber klagen ist die furchtbare Allgemeinbildung, die Berufseinsteiger nach Schule und Studium haben! Da kommt der Fachkräftemangel her, nicht weil die Betriebe nicht fortbilden. Bildungsurlaub ist soagr gesetzlich geschützt! Aber selbst Gymnasiasten und Studenten legen ein allgemeinwissen an den Tag, da kräuselt es den Humanisten die Zehennägel vom nagelbett. Und die ist nunmal grundlage! Nur Fachidioten braucht keiner, denn dann müssen wieder Leute eingestellt werden, die die Schnittstellen bilden usw. und ja die Anforderungen sind in den letzten Jahrzehnten gestiegen wie nie zuvor. Aber was soll man machen, wenn wir in einer Zeit leben in der in einem Jahr soviel neues Wissen gewonnen wird, wie vor 100 jahren in einem ganzen Jahrzehnt, wenn nicht soagr noch länger? Die Welt wird nunmal immer komplizierter, dass Wissen wird immer mehr und da müssen die Menschen notgedrungen mitziehen. Natürlich ist dies eine Herausforderung, aber Resignation, weil es schwerer wird, kann doch nicht der Weg sein, den wir gehen wollen. Denn dann sind wir ruckzuck Dritte Welt, genügend Länder, die die Ressourcen und den Willen haben gibt es genug. Allein China und Indien reichen da vollkommen aus.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Man sollte Hartz IV mal durchgemacht haben, und am Besten dann wenn man fürs Alter schon etwas vorgesorgt hat, wenn man einen schönen Bausparvertrag hat oder andere Dinge für die Zukunft. Dazu kann man dann im Falle des Falle Lebwohl sagen - wenn man denn staatliche Unterstützung möchte!

Nein das wünsche ich keinem. Und das solltet ihr auch nicht. Und eine der wenigen Möglichkeiten seine Altersvorsorge zu schützen, sind Riester-Sparverträge. Diese werden nämlich nicht berücksichtigt, sollte man mal in die Verlegenheit kommen Hartz IV beziehen zu wollen. Außerdem sollte man Bausparverträge sicherlich nicht nutzen um seine Altersvorsorge zu betreiben...

Hatten wir ja schon, selbst ne Akademikerschwemme, wo sich die Firmen die besten, jüngsten, dynamischen herausgepickt hatten und ihre alten erfahrenen Ingenieure in Vorruhestand geschickt haben, welche nun stattdessen die Sozialkassen belasteten.

Vorruheständler beziehen staatliche Rente? Und ich dachte bisher, die staatliche Rente wird ab einem festgelegten Alter bezahlt. Na da lag ich dann wohl falsch, oder doch nicht?
 
Zuletzt bearbeitet:
@DugDanger
Schade. Man kann mit dir überhaupt nicht sachlich diskutieren.
Sorry. Der "Scherz" bezog sich weniger auf Deinen Post, sollte vielmehr mein Zwischenresümee meines bisherigen Eindruckes dieses Threads sein.

Egal. Auf was ich bei der Bildung hinaus will? Selbst wenn alle Arbeitslosen Akademiker wären. Es würde deshalb nicht automatisch mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geben. Wir werden uns zukünftig damit abfinden müssen, dass auf dem Arbeitsmarkt größere Fluktuation zwischen Arbeit haben und arbeitslos sein vorherrscht. Bei dem einem längere Zeit, beim anderen kürzer, bei wenigen vllt nie. Es wird daher immer Arbeitslose geben. Wir können die Zahl mindern, aber nicht abschaffen. Diese Illusion habe ich mir schon länger abgeschminkt.

Und natürlich wird es dadurch Working-poor (das ist aber "dank" unzureichender Gesetzgebung bislang hausgemacht)und niedriger qualifizierte geben (nicht jeder hat auch unbegrenztes Potenzial oder Zeit, Kraft und Geld dafür). Wenn wir es nicht erkennen wollen und entsprechend handeln wird es somit auch weiterhin Armut geben.
Wir müssen uns also Gedanken darüber machen, wie wir Mittellose und Arbeitslose für ihre Zeit dieses Zustandes überbrücken und lebenswürdig auffangen. Bisher macht man sich eher verstärkt Gedanken, wie man sie los wird.
Auch daher kann ich Ansichten nicht teilen, die zu einer weiteren Kürzung als Motivationsschub dienen sollen. Der einzige Schub wäre Überlebenskampf auf die ein oder andere Art, keine Armutsbekämpfung.

Ich wollte zwar in diesem Thread nicht nochmal so sehr auf die Mindestlohn- und Kombilohnmodelle eingehen. Da ich mittlerweile sogar für ein kleines Bürgergeld bin. Aber vielleicht sollten wir der Vollständigkeit halber auch hier mal in die uns umgebenden Nachbarländer schauen. Beispiel Niederlande. 80% Zeitarbeit und Mindestlohn. Wie kann das nur gehen? ^^
Doch wir haben ja noch nicht mal das Entsendegesetz & co. entsprechend eingeschränkt und auf weitere Branchen ausgeweitet. Immernoch werden zb. unsere Fleischer oder Bauarbeiter gegen billige und rechtsschwächere "Fremdarbeiter" (Subs) ausgetauscht. Mehrere "Minijobs" können zudem die wenigsten leisten, mangels zeitlicher Flexibilität und Einsatzfähigkeit (auch auf Abruf) bei den arbeitgebenden Unternehmen. Soo reichlich ist die Auswahl nun auch wieder nicht, als dass man sich die für seinen Zeitplan passenden Unternehmen schnell mal eben zusammenstellen könnte.

Außerdem sollte man sich auch mal die Hintergründe tatsächlich offener Stellen anschauen. Weniger RTL-Dramen schauen. Das ist nicht nicht die Mehrheit.

@The_1st_Knight
Auf Riester habe ich jetzt gewartet. ;) Ja Riesterrente ist inzwischen sogut wie anrechnungssicher.
Davon abgesehen, dass es Leute gibt, die Riester finanziell nicht bedienen können, ist es doch irgendwo auch eine Privilegierung ggü. anderen Spar- und Vorsorgevarianten. Wenns danach geht, dürfte ja kaum einer mehr andere Finanzanlagen machen, weil die sind ja im Falle des Falles bei Hartz-IV eh großteils gefährdet. Bei Bargeld oder Sparbuch erstrecht.
Klar gibt es den Vermögensfreibetrag von 150,- EUR für jedes Lebensjahr (minimal 3100,-EUR, max 9750,- EUR), aber rechnet das mal eurem Vermögen gegen.

Es ist sicherlich auch ein Problem der eigenen Einstellung zum Sozialsystem. Aber sind wir mal ehrlich, wer spart schon auf seine Arbeitslosigkeit hin und fühlt sich zudem dann noch völlig gerecht behandelt, wenn er sein Geld für den Leistungsanspruch kündigen und aufbrauchen muß, während ein anderer sein Geld gleichgültig monatlich verjuchtelt hat oder nie dazu kam und dies nicht muß?

Vorruheständler beziehen staatliche Rente?
Die damalige Vorruhestandsregelung wurde ja abgeschafft, es ging um den geltenden Zeitraum. Vorzeitiger Renteneintritt ist mit erheblichen Renteneinbußen verbunden. Ich sprach allgemein von allen Sozialkassen. Ein gekündigter 50-jähriger bezieht nunmal Sozialleistungen, wie jeder andere, mit weniger Chancen auf erfolgreiche Vermittlung. Jünger wird er auch nicht und somit wird es noch schwieriger. Stattdessen schreit die Wirtschaft weiter nach Fachkräftemangel, weil sie nicht die Leute bekommt, die sie sich wünscht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Davon abgesehen, dass es Leute gibt, die Riester finanziell nicht bedienen können, ist es doch irgendwo auch eine Privilegierung ggü. anderen Spar- und Vorsorgevarianten.

Ja ist es, aber soll eben auch davor schützen, dass Wohlhabende Hartz IV beziehen obwohl Sie genügend Rücklagen haben. Und wer soll bitte entscheiden ob das nur die private Altersvorsorge ist oder ob die Person auch von dem Geld lebt und dieses mit dem zusätzliche Bezug von Hartz IV "aufstockt". Man kann nur das eine oder das andere haben. Gut finde ich es aber auch nicht, dass ich erst meine Ersparnisse aufbrauchen soll, bevor ich Sozialleistungen bekomme. Eine andere Möglichkeit wäre eine extrem genaue Einzelfallbetrachtung. Aber wer will diese durchführen? Das kostet auch wieder einen Haufen Geld und ist kaum zu bewältigen.

Ich bezweifle aber mal, dass die Leute, die finanziell nicht in der Lage sind einen Riestervertrag zu bedienen, sonst viele Möglichkeiten haben zu sparen. In der heutigen Zeit würde ich zu erst einmal zusehen, dass ich mein Geld (sofern ich welches für die Altersvorsorge übrig habe) vor dem Staat in Sicherheit bringe. Klar werden auch diese Leute sparen, aber das hat andere Gründe und an dieses Geld wollen sie auch jederzeit rankommen, während das bei diversen anderen Geldanlagemöglichkeiten nicht so ohne weiteres möglich ist.
 
@The_1st_Knight
Hier mal ein kleines Beispiel aus dem Alltag:

www.versicherung-in.de schrieb:
Ein über 50 jähriger Mann war über Jahre hinweg selbstständig und hat seine Altersvorsorge versucht mit einer Lebensversicherung aufzubauen, da er in die gesetzliche Rentenversicherung nicht mehr einbezahlt hat. Deshalb hat er auch von der gesetzlichen Rente nur knapp 90 Euro monatlich zu erwarten.
Durch den bezug von Hartz IV wurde verlangt dass er die Lebensversicherung, die etwa einen Rückkaufswert von 45.500 Euro hat, verkaufen muss,.
Dagegen klagte der 51 jährige vor dem Bundessozialgericht (Az. B 14/7b AS 68/06 R) und verlor den Prozess. Das Gericht ist der Auffassung dass Arbeitslose auch dann zum Verkauf der Lebensversicherung gezwungen werden können, wenn außer der LV so gut wie kein Anspruch auf eine Rente besteht.
Die Begründung dass der Kläger bei einem Verkauf der Lebensversicherung vor der Altersarmut steht und dann auch von der Sozialhilfe dadurch leben muss, sahen die Richter nicht so.
Vor dem Bezug von Hartz IV muss das Vermögen verwertet werden, sofern es über den Freibeträgen liegt außer der Verkauf wäre unwirtschaftlich. Dies ist bei Lebensversicherungen der Fall wenn der Verkauf der Lebensversicherung deutlich unter den bezahlten Beiträgen liegt.

Findest Du das fair? Ich nicht und frage mich wo überhaupt noch ein Sinn und Anreiz für Altersvorsorge liegen soll, bei diesen Aussichten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vor diesem Problem stehen aber alle Selbstständigen. Diese bekommen eben nur wenig Rente und müssen, wenn sie nicht mehr arbeiten, von ihrem ersparten leben. Das ist eben das oft genannte unternehmerische Risiko. Außerdem dürfte das Beispiel ein ziemlicher einzelfall sein, denn aus der Selbstständigkeit gehen nur wenige im Alter noch einmal arbeiten, oder sehe ich das falsch? Als Selbstständiger hat man dafür in der Zeit in der man arbeitet, meist ein deutlich höheres Einkommen und andere Vergünstigungen, die ein normaler Arbeitnehmer nicht hat.

Und wie hat er es sich vorgestellt von 45.500€ seinen Lebensabend zu finanzieren? Wenn er mit 50 Jahren "erst" einen Rentenanspruch von 90€/Monat hat, dann würde das arg eng...

Sooooo alltäglich ist ads Beispiel nicht!
 
@Relict
Ich kann nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob der Betrag richtig ist, aber ich habe einen Freibetrag von 200 Euro pro Lebensjahr im Hinterkopf, den man für die Alterssorge zurücklegen kann und der dann nicht angetastet werden kann. Bei einem 50-Jährigen wären das läppische 10.000 Euro, was natürlich ein Witz ist, selbst für einen Arbeitnehmer, der noch "ordentlich" in die gesetzliche Rente eingezahlt hat.

Gerade für Selbstständige müsste der Freibetrag astronomisch höher liegen. Damit meine ich: 25 Jahre Rente ab dem 65. Lebensjahr mit jeweils 2.000 Euro pro Monat = 600.000 Euro. Minimum!

Problem dabei: Wenn der Mann mit 60 Jahren tot umfällt, hat der Staat 10 Jahre lang für ihn gezahlt. Und er vererbt seine 600.000 Euro, wobei der Staat (bis auf die Erbschaftssteuer) leer ausgeht.
 
Zuletzt bearbeitet:
@The_1st_Knight
Und wie hat er es sich vorgestellt von 45.500€ seinen Lebensabend zu finanzieren? Wenn er mit 50 Jahren "erst" einen Rentenanspruch von 90€/Monat hat, dann würde das arg eng...

Er war selbständig. Da sitzt das Geld oft knapp. Zahlungsmoral, Investitionen etc, kennen wir ja.
Soweit ich weiß war das auch ein Restbetrag. Er hatte früher schonmal die Versicherung, um 20000,- beliehen. Sein Pech war eigentlich hauptsächlich, dass er diese LV nicht vor Renteneintritt unkündbar/ unbeleihbar gemacht hat.
Aber immerhin.

PS:
Man hätte ihm ja auch eine Frist einräuimen können, vor Leistungsbezug diese Versicherung entsprechend umzuändern und nicht aufbrauchen zu müssen. Das ist bei den Versicheren und Banken durchaus möglich. Aber das Gericht sah dafür wohl keine Ausahmeveranlassung. (keinen Härtefall)

@keshkau
Ja stimmt.
Meine obigen Zahlen zum Freibetrag sind inzwischen etwas überholt, sorry ältere Quelle. Dennoch kein Grund zum Freudentanz. ;)

Vermögen ist alles Geld und alle Gegenstände und alle Rechte, die der Arbeitssuchende verkaufen könnte.
Nicht zum Vermögen gezählt werden:
Hausrat (TV, Fernseher, Möbel, Küchengeräte) und für jeden Arbeitssuchenden ein eigenes angemessenes Kraftfahrzeug (Auto, Motorrad, Mofa).
Jedoch gilt auch hier eine 6000,- EUR-Grenze.


Nehmen wir mal an du bist 40 Jahre und dir stehen jährlich 200 EURO zustätzlich als eindeutige Altersvorsorge zu. Also vor Renteneintritt unkündbare/ rückkauflose Versicherung/ Kapitalanlage.
Das macht bei unserem Beispiel 8000 EUR anrechnungsfreier Betrag ausschließlich nur für die Altervorsorge.

Pro Lebensjahr haben wir noch einen allgemeinen Freibetrag von 200,- EUR, maximal 13000,- EUR pro Person. Letzteres entspricht übrigens einem Lebensalter von 65 Jahren. Lebt diese Person mit einem 50-jährigen Partner zusammen, erhöht sich der Freibetrag noch einmal um 10000,- EUR auf insgesamt 20000,- Euro (= +10000 Grund-FB bei 50 jähr).

Für unseren 40-jährigen macht das also nochmals 8000 EUR anrechnungsfreies Vermögen.

Etliche bisherigen Anlagevermögen liegen darüber bzw. viele Konstellationen (vor allem < 50 Jahre) erreichen diese Freibeträge nicht und überschreiten diese Grenzen somit nicht selten. Was bedeutet, alles darüber hinaus wird für den Leistungsanspruch angerechnet oder anders ausgedrückt, man bekommt mehr oder weniger längere Zeit kaum bis keine Leistungen vom Staat.


@all
Übrigens um nochmal auf den Mindestlohn zu kommen:

Gesetzlich vorgeschriebener Mindestlohn in den Niederlanden: 7,30 Euro brutto pro Stunde, das sind ~1000 Euro/mtl. Netto !
Solche Regelungen gibt es immerhin in 18 von 25 EU-Staaten, übrigens auch in den USA.
Gut 4% Arbeitslosigkeit gibt es in den Niederlanden, quasi Vollbeschäftigung. Der Mindestlohn wurde in den 60er Jahren eingeführt und ist dort kein Arbeitsplatzvernichter. Irgendwas machen wir also anders bzw. falsch.
Nun, in D gilt immerhin für Baufacharbeiter ein Mindestlohn von 12,47 EUR/h brutto. Bei der flächendeckenden Mindestlohndiskussion debattiert man allerdings über ca. 7,50 EUR. Selbst das wird noch als zu hoch und ungeeignet in Frage gestellt. Was soll man dazu noch sagen?

Übrigens bestehen immer noch Umgehungsmöglichkeiten: ausländische Billigarbeiter werden offiziell als Selbständige angeheuert. Ohne Mindestlohn und vor allem ohne teure Sozialversicherung. Und mangels rechtlicher Möglichkeiten ggü. deutschen AN halten sie auch zwangsläufig eher die Schnauze und lassen sich folglich mehr bieten. Unsere gewippten AN zahlt dann zum Dank der Steuerzahler. :freak:
 
Zuletzt bearbeitet:
hört doch mal auf einfach irgendwelche Sachen anderer Länder auf uns zu beziehen... Haben die Niederlande ein ähnlich starkes Kündigungsrecht wie wir? Ist das soziale Netzwerk ähnlich ausgebaut wie bei uns? Sowas und viel mehr muss berücksichtigt werden bevor hier ein direkt vergleich gezogen werden kann. Es ist nicht die Frage , dass ein Mindestlohn sinnvoll sein kann. Die Frage ist, passt es zum bestehenden System. Also muss erstmal das gesamte System zwischen Niederlanden und Deutschland vergleicht werden und da treten deutliche unterschiede auf. Auf diese Weise könntest du auch steuerfreiheit für alle Deutschen fordern, denn das funktioniert in Luxemburg, Liechtenstein und manch anderem Land auch....

außerdem wozu ein Mindestlohn von 7,30 die Stunde? Wer kommt den da als vollzeitbeschäftigter drunter? Das dürften einzelfälle in sehr wenigen Branchen sein. Deswegen einen flächendeckenden Mindestlohn zu fordern, ohne groß zu prüfen ob das in unser System passtm, halte ich für vorschnell gedacht. Und wieso hier auf einmal Selbstständige als Beispiel herangezogen werden ist mir schleierhaft. Der ursprüngliche Armuts-Bericht erfasst nur abhängige angestellte und keine Selsbtständigen.
 
@Mustis

Anteil Billigjobber auf 22 Prozent gestiegen !

Einen Niedriglohn erhält, wer weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns verdient.
In Deutschland lag die Schwelle 2006 bei 6,81 Euro im Osten und 9,61 Euro im Westen.

Demnach arbeiten heute 6,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland für wenig Geld.

http://www.welt.de/wirtschaft/article1914517/Bei_Niedrigloehnen_fast_schon_US-Verhaeltnisse.html
http://www.welt.de/wirtschaft/article1916351/Deutschland__das_Spitzenland_der_Billigjobber.html

Und das ist nur eine Studie und Statistik.
Ich kenne mittlerweile in der Praxis, gerade im Einzelhandel Löhne von nur 5,- EUR, kann diese Statistik deshalb bestätigen.
Auch die Zunahme der Aufstocker lässt grüßen. Wenn sie schon staatlich aufgestockt werden müssen, dann müssen sie ja irgendwo auch zuwenig unterhalb des Niveaus verdienen, oder etwa nicht?


Und Holland ist durchaus gut mit unserem System vergleichbar. Auch in Sachen Gesundheitssystem.
Das man natürlich die länderspeziefischen Rahmenbedingungen mit beachten sollte, erwähnte ich bereits in vorigen Posts.
Komsich. Die Zeitarbeit konnte man sich aber recht gut rauspicken, ohne deren Rahmenbedingungen zu beachten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Na super was bringt Mindestlohn dann? denn Ossis 50 Cent mehr und den Wessis auf einen Schlag einen gerechtfertigten Lohn von 2,30 Eur weniger. Die werden sich bedanken! Die 5 Euro im Einzelhandel sind mit sicherheit keine Vollbeschäftigten. UNd ein 400,- Nebenjobber oder ne zeitweise Aushilfkraft, die bisschen für Orddnung sorgt und regale einräumt, wäre vom Mindestlohn eh nicht betroffen. Zumal das niemand machen muss, es gibt ausreichend und deutlich besser bezahlte Nebenjobs. Es ist zudem immer fraglich, ob eine Lösung hermuss wenn man von wenigen Ausnahmefällen ausgeht.

Der Artikel ist leider sehr interprätativ geschrieben. Der durchschnittliche Lohn ist zwar angeben, ich denke aber, dass es sich um Nettlöhne handelt, den 4,5 Brutto kann ich mir beileibe nicht als durschnitt vorstellen. Dies würde bedeuten, dass eine gewisse anzahl sogar für noch weniger arbeitet und von 3,50 auch noch sämtliche Abzüge herunterzurechnen, da blieben ja kaum mehr 2 Euro übrig. Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Leider wird danach sofort vom gesunkenen Bruttlohn gesprochen. Ob dies aber im direktem zusammenhanh steht mag ich bezweifeln. Die Schreibweise ist jedenfalls unseriös.
 
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