Kann eine Regierung Armut bekämpfen?

Das mit der Wohnungsgröße (80 qm) kann hinkommen, wenn die Miete entsprechend niedrig ist. Man schaut dann eben, wie viel eine angemessene Wohnung für zwei Personen maximal kosten dürfte, um bezahlt zu werden. Wenn die größere Wohnung preislich nicht darüber liegt, sollte das kein Problem sein. So spart man die Kosten für den Umzug.
 
Ich find es schade, daß die Gesellschaft so auseinanderbricht. Ein Gemeinwesen funktioniert nur, wenn es allen gut geht. Je mehr Sorgen der Einzelne hat, desto weniger schert er sich noch um andere. Sieht man auch hier im Thread bei einigen ganz gut :)

Wenn alle, die die Sozialleistungen des Staates verteufeln, mal endlich auswandern wuerden...geschieht aber nicht. Stattdessen wird gegen die Schwächsten der Gemeinschaft ...nein, es wird über die Schwächsten der Gemeinschaft geredet....von einem hohen Roß herab...bequemt man sich sozial zu sein. Wer zum Thema nur das Übliche zu berichten weiss, aber keinerlei eigene Erfahrung mit einbringen kann, sollte doch die Klappe halten.

Find es schon sehr frech einem H4-Empfänger Reichtum zu unterstellen und das Problem bezahlbarer Lebensmittel im Hinblick auf die Inflationsrate zu verneinen und zu leugnen. Schämt euch was. Ihr könnt ja mal spaßeshalber Euer Leben auf 347€ runterfahren...

Erst wenn die Zweifler an Armut (wobei ich die geistige tatsächlich bedrohlicher empfinde) diesen Schritt selber einmal durchgespielt haben, sollte man über andere in finanziell schlechter Lage sprechen.

Die Menschen sind verschieden. Es gibt nicht ohne Grund Milliarden unterschiedlicher Fingerabdrücke. So ist das auch mit den Leben der Menschen. Man kann den Druchschnittsbürger eben nicht züchten. Ein Mensch ist eben kein PC, sondern ein Individuum. Ich glaube manchmal vergessen das einige, wenn man über andere spricht.

OT: Ich weiss auch nicht, wie man das Gemeinwesen zusammenhalten kann. Offensichtlich soll es so sein. Der Mensch ist im Grunde genommen eh nur auf seine "Sippe", seinen "Clan" ausgelegt und nicht auf große Dinge wie einen Staat. Vielleicht liegt genau da das Problem. Wo sind die Familien, die zusammenhalten? Wo das Sonntagsessen? Wo die Großfamilie mit Oma, Opa, Vater, Mutter, Kind unter einem Dach? Jeder lebt seinen eigenen "klein-Scheiss" und so kommt es eben, dass viele auch überfordert sind mit finanziellen Belastungen (ich weiss das aus Erfahrung, denn alle Generationen vor mir sind bereits verstorben - nun habe ich die gesamte Geiselhaft eines Grundstückseigentums - ging vorher zusammen(!) naemlich wirklich leichter).

Naja. Aber macht mal weiter. Find es schon interessant, so manche Ansichten durchzulesen. Das merk ich mir dann mal für später - und trete auch mal so auf :)
 
roguelike: Einige hier sind Schüler und Studenten, andere verdienen schon Geld. Und selbst wenn man nie zur Unterschicht gehört hat, kann man sich doch eine Meinung bilden. Dafür muss man doch selbst nicht arbeitslos gewesen sein um zu verstehen, dass das ein ganz unglücklicher Zustand für viele ist. Du bringst den Aspekt der Menschlichkeit mit ein, das ist ok, aber was für dich wie eine Diskussion von-oben-herab aussieht, ist ganz normal. Doch wenn man Armut besiegen will, muss man das ganze aus der Distanz sehen. Wenn man anfängt, sich diese Stories aus dem Stern reinzuziehen und mit den Leuten "zuviel" mitfühlt, dann trifft man falsche Entscheidungen.
Es wär nett, wenn du einmal genauer erklären könntest, was du unter Gemeinwesen verstehst. Eine Solidargemeinschaft nach kommunistischem Vorbild oder eine Leistungsgesellschaft?
 
Hallo

Ich habe rein garnichts gegen Meinungen von anderen. Aber vielleicht sollte man mal überlegen, ob sie sich still für sich überlegt und auch behält oder eben damit versucht andere zu überzeugen. Wir leben hier in einem Sozialstaat, es ist nunmal so. Diesem Umstand haben wir vieles zu verdanken. Ich halte rein garnichts davon, diesen zu demontieren oder aber schlechtzureden bzw. aber Meinungen in die Welt zu setzen, die dem Gesamtwohl keineswegs dienlich sind.

Stell Dir mal vor, es sind Millionen, die eine solche Meinungen auch noch laut aussprechen...Ich bin mir sehr sicher, daß genau diese Menschen dann mit70-80 auf einmal feststellen "huch, ich kann ja garnicht mehr...mein Körper ist ja dahin...wo issen der Sozialstaat gleich nochmal?"

Ob Leistungen zuviel oder zuwenig gezahlt werden ist doch völlig unerheblich...und selbst wenn sich einige in der Hängematte ausruhen...sagt mir das nur, ihr habt nie Hermann Hesse gelesen...auch einige "Knulps" muss es geben....solltet ihr mal lesen!

Mein Deutschland ist mit Einführung diverser Gesetze in den 90er Jahren bereits verstorben, skoll. Denn genau da fing die Problematik an, mit der wir uns heute konfrontiert sehen. Was es für eine Gesellschaft war? Ich denke es war eine viel viel liberalere und sozialere als heutzutage - jedenfalls wird es immer schwerer, tatsächlich sozial denkenden Menschen zu begegnen. Stichwort:"Jeder sein eigen Klein-Scheiss"...Dem einen schmeckt das nicht, der andere stört sich daran...aber worum gehts denn eigentlich? Es geht einzig und allein um das Neid-Monster im Menschen..Nichts weiter, ok, mangelnde sprachliche Ausdrucksfähigkeiten vielleicht noch, bzw. die eigenen Grenzen im Geist....diese beiden Umstände sind es, die die 90er wohl in nie erreichbare Fernen rücken lassen - und eben auch die Gesellschaft, in der es mir persönlich mehr Spaß gemacht hat, zusammen einen Staat zu bilden.

Aber ich habe mich damit arrangiert. Hartz4 sei Dank brauch ich nun mit Arbeit auch nicht mehr als 347€. Vielen Dank für dieses kostenlose Trainingsprogramm. Derweil freue ich mich fuer viele nur noch dafür, daß sie mit ihren Äusserungen sicher irgendwann noch mehr Sozialstaat niedermachen und irgendwann genau diesen aber benötigen...er aber nicht mehr existiert und auch die Menschen nicht mehr zusammenhalten. Warum auch? Hat man ihnen doch Sicherheit genommen. Ich denke daher schon, daß Meinungen zwar okay sind, aber man manche mal besser für sich behält...der Ast auf dem wir alle (noch) sitzen stammt schließlich vom selben Baum...
 
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Tut mir leid, rougelike, aber was du da redest ist alles andere als sozial. Was ist daran sozial, eine Mittelschicht immer weiter auszubeuten, um ein Sozialsystem aufrecht zuerhalten, was für ein demografisches Gefüge entwickelt wurde, dass längst nicht mehr existent ist? Ist es für dich sozial, eine Schicht immer weiter zu belasten nur damit eine immer größer werdende Zahl Nutznießer aus einem veraltetem System ihr Einkommen haben? Du redest davon, dass die Diskussion von oben herab geführt wird und machst nichts weiter als das Gegenteil, nämlich von unten nach oben. Siehst auch nichts weiter als deine kleine Welt und vernachlässigt die Tatsache, dass der Mittelstand mehr als die Hälfte zum Sozialen System beiträgt und damit essentieller Förderer des selben ist. Da darf ich doch verwundert Fragen, wo du da ein egoistisches Verhalten siehst derselben siehst. Ist es nicht rechtens von genau dieser Mittelschicht die Kritik zu hören, dass eine immer stärkere Umverteilung zu ihren Lasten nicht sein kann? Wo ist das Neid, wenn man anmerkt, dass man schon Unmengen an Geld zahlt und Hauptfinanzé des Systems ist? Du wirfst vor, dass man für die Abschaffung des Sozialstaates argumentiert. Sorry, aber das ist völliger Humbug! Er soll nicht abgeschafft werden, sondern es ist zu überlegen, wie die Aufrechterahltung zu schaffen ist. Aber es kann nicht sein, dass die Mittelschichten immer mehr abgeben müssen, damit andere Schichten auf dem selben Niveau bleiben. DAS ist nicht solidarisch und schon gar nicht fair! Jeder hat seinen Teil dazu beizutragen, nicht eine einzelne Schicht. Was bei dir aber rausklingt ist, dass die ja aber noch genügend haben. Na und? Es kann trotzdem nicht sein, dass nur Sie dafür aufkommen muss, um anderen den selben Standard wie vorher zu ermöglichen.
 
Ich finde die Statistik schon von daher unsinnig, dass man einen pauschalen Prozentsatz des BIP oder Durchschnittseinkommens nimmt um Armut zu definieren.
Der Satz sagt aber rein gar nicht darüber aus wie gut oder schlecht man damit leben kann da die Lebenshaltungskosten nicht berücksichtigt werden.
Mit 50% eines deutschen Gehaltes kann ich in Deutschland evtl. besser Leben als mit 90% eines chinesischen Gehaltes in China.
Mit 700 Euro im Monat lässt es sich sicher in ner 40m² Sozialwohnung in nem Ghetto in Brandenburg leben ohne dass man unterversorgt und ständig pleite ist.
Mit 700 Euro in Düsseldorf, Frankfurt oder München wirds da schon einiges schwerer.

BessenOlli schrieb:
Für mich werfen die Zahlen aber eine völlig andere Frage auf: Beweisen die Ergebnisse nicht, dass der Sozialstaat niemandem hilft, sondern die Leute lediglich abhängig macht? (In den USA ist die Armutsgerenze kaum anders als bei uns, wenn man die etwas niedrigeren Lebenshaltungskosten mit einrechnet sowieso. Und dort sind ebenfalls zwischen 12 und 15% der Menschen arm. Ohne Arbeitslosen- und Kindergeld sowie hohe Steuern.)
Die haben dann evtl. geringere Abgaben, aber gerade für die 15% ganz unten macht es sicher einen großen Unterschied ob man z.B. krankenversichert ist oder nicht.
Soll heißen je mehr Sozialstaat desto eher lässt sich die "Armut" ertragen oder zumindest überleben.
 
@Mustis
ah, bei dir hat die neoliberale Masche die Schuldigen in der sogenannte Unterschicht zu suchen vollen Erfolg. Denn wenn man meint das "die da unten" einem ja nur auf der Tasche liegen und man ja eh schon zu viel bezahlt für diese ganzen Sozialleistungen übersieht, das man als Angehöriger der Mittelschicht ruck zuck sehr schnell selber unten landen kann.

Mir ist jedenfalls die "Unterschicht" viel näher als die Oberschicht und genau die Oberschicht ist das eigentliche Problem. Die Oberschicht konzentriert ein unglaubliches Geldvermögen in ihre Hände was eigentlich von der Allgemeinheit erarbeitet wird.

Aber es war halt schon immer einfacher nach unten zu treten und so reiben sich die oberen Zehntausend fleißig die Hände über die Zwietracht der kleinen Leute, frei nach dem Motto "Teile und Herrsche". Solange wir mit uns sebst beschäftigt sind können wir kaum die eigentlich Verantwortlichen für soziale Ungleichheit ausmachen, und das sind ganz bestimmt nicht die Arbeitslosen, Migranten oder Alten.

Aber du hast gewiss recht mit der Behauptung das die Mittelschicht ausgebeutet wird. Nämlich um die Steuergeschenke an die Reichen und Konzerne zu finanzieren, das stimmt wohl.
 
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keshkau schrieb:
Das mit der Wohnungsgröße (80 qm) kann hinkommen, wenn die Miete entsprechend niedrig ist. Man schaut dann eben, wie viel eine angemessene Wohnung für zwei Personen maximal kosten dürfte, um bezahlt zu werden. Wenn die größere Wohnung preislich nicht darüber liegt, sollte das kein Problem sein. So spart man die Kosten für den Umzug.

Eine 80 m² Wohnung ist definitiv zu groß für 2-Personen selbst wenn der Kostenrahmen noch im Rahmen ist. Die Behörden beharren dann darauf das es unnötiger Raum ist und man sich eine kleinere und günstigere Wohnung suchen sollte oder man bekommt halt nicht den vollen ALG II Betrag.
Das habe ich durchgemacht, bei mir hat sich die Behörde beschwert weil meine Wohnung um 5 m² zu groß ist, nee ich beharrte auf den Wohnung und komm halt mit weniger Geld aus.
Mir als Singleperson macht es nicht viel aus - da ich rel. gut mit Geld umgehen kann und genau weiß was ich mir leisten kann und was nicht. Außerdem ist dies ohnehin nur ein praktisches Überbrückungsjahr um im Sommer eine Vollzeit Weiterbildung (wofür ich mich ganz allein gekümmert hab) zu beginnen.
Derzeit mach eine Teilzeitbeschäftigung, bin aber auf ALG II angewiesen um "Leben" zu können, damit gehöre ich genau zu den Menschen die die Statistik verschönern aber unverändert die Staatskasse belasten.
Das funktioniert wunderbar (der Agenda 2010 muss man für diese Entwicklung wirklich danken), das Volk bekommt vorgegaukelt die Arbeitslosigkeit sinkt stetig - es funktioniert sogar so gut das man Vollzeitbeschäftigung (auf Basis dessen wie es bei der ARGE läuft) für jeden möglich hält bzw. einige Politiker das so sehen.
Das dadurch solide bezahlte Vollzeitjobs verloren gingen und noch gehen werden spielt keine Rolle.
Arbeit, darauf kommt es nur noch an und ist ein Gut geworden was als solches auch nur noch gehandelt wird - genau so wie bei einer Börse nur das der Wertverfall belohnt wird, nicht die Wertsteigung!
 
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Odium schrieb:
ich denke wenn man klug kalkuliert, dann kommt man auch mit 300€ für alles hin, wenn man Miete und Strom wegrechnet.

Na prima, dann sollte wir endlich den flächendeckenden Lohn von 900€ Brutto einführen.
Damit kann sich jeder ein Dach über dem Kopf und sich sogar noch was zum beißen leisten!
Die Großkonzerne würde es freuen, endlich Maßen an Billigkräften.
Nur Frage ich mich wie unser Wirtschaftssystem funktioneren soll wenn das Gehalt nur noch für Grundbedürfnisse ausreicht?
Natürlich, Discounter wie Aldi und Co. würde es freuen, Maßen an neuer Kundschaft während sämtliche Einzelhändler entgültig dicht machen können.

Das ist natürlich leicht zu sagen wenn man sich nur für ein paar Jahre Studium, das man sich ganz selbsverständlich von den Steuerzahlern finanzieren läßt, einschränkt, in Erwartung eines anschließenden üppigen Gehaltes. Was aber wenn dieser Zustand womöglich das ganze Leben anhält? Was ist das für ein Leben wenn man sich nichts leisten oder gönnen kann?
Eigentlich könnte man überstpitzt sagen daß man sich am besten gleich das Leben nimmt dann hat man es wenigstens hinter sich.
 
Eigentlich könnte man überstpitzt sagen daß man sich am besten gleich das Leben nimmt dann hat man es wenigstens hinter sich.

Ich weiß nicht ob das zynisch sein soll oder zum lachen anregen? Lustig ist es nicht, dann sei konsequent und sage "wieder n Arbeitsloser weniger". Das kanns nicht sein!

Meiner Meinung nach tut der Staat schon etwas für die Armen in unserem Land, ob dies genug ist hängt letztlich auch davon ab, wo der Betreffende Wohnt und lebt, welche Ansprüche er an sein Leben, seine Wohnung etc. stellt.

Von seiten des Staates aber Unterschiede in der Höhe der Bezüge zu machen, je nach Region, wird nicht machbar sein, da es die Sozialschmarotzer sofort für sich ausnutzen würden.
Und die gibt es, auch wenn das sicher nicht die Mehrzahl ist.

Wenn Arbeit den Menschen in die Lage versetzt davon leben zu können, würde die Zahl derer die sich garnicht um Arbeit scheren sicher etwas abnehmen, was denen zu gute kommen könnte, die wirklich brauchen, egal wie auch immer sie in die Notlage gekommen sein mögen.

Das was aber gegenwärtig fordert, nämlich den Reichen mehr abzuknöpfen und den Mittelstand zu fördern funktioniert so nicht.

Machen wir uns doch nichts vor, in der globalisierten Welt von Heute ist der Großunternehmer ganz schnell weg wenn s Ihm zu teuer wird.(siehe Alois Müller)

Dem Mittelstand hingegen steht diese Option meist nicht zur Verfügung, er muss hier sehen wie er klar kommt und kann entsprechend geschröpft werden.
Daran ändern auch die Linken nichts.
 
roguelike schrieb:
Wenn alle, die die Sozialleistungen des Staates verteufeln, mal endlich auswandern wuerden...geschieht aber nicht.

Das wären dann viele Menschen, die das Sozialsystem finanzieren. Das möchtest Du bestimmt nicht. ;)

Das unsere Sozialsysteme von der Idee her gut sind ist unbestritten. Die Kopplung an Erwerbsarbeit (demographische Entwicklung) lässt sie allerdings früher oder später zusammenbrechen. Ein steuerfinanziertes System, in das alle!!! einzahlen bei gleichzeitiger Verschlankung der Struktur (Bsp. Krankenkassenirrsinn) wird notwendig. Die gesetzliche Rentenversicherung würde ich z.B. stark umstruktieren, wenn nicht sogar abschaffen.
Aber das ist ein anderes Thema.

Hier geht es ja um Armut. Die Definition von Armut ist bei der Diskussion entscheidend. Was ist arm? Ich halte die Armutsdefinition, die sich auf ein monatliches Mindesteinkommen bezieht für nicht aussagekräftig, da sie sich bei steigendem BIP ebenso nach oben verschiebt. Ich halte daher die Einkommenshöhe für zu abstrakt, um eine ausreichende Einschätzung zu liefern.
Auch ein Vergleich zu anderen Ländern bietet sich nicht an, da der Bezug zu den Lebenshaltungskosten fehlt.

Es ist also entscheidend, welche Rahmenbedingungen ein Staat bietet, um Armut entgegenzutreten. In Deutschland ist jederzeit gewährleistet, ein Dach über dem Kopf zu haben und nicht hungern zu müssen. Das sind die wichtigsten Indikatoren für Armut. Auch der Zugang zur Schulbildung ist kostenfrei.

Natürlich ist das System nicht perfekt. Die Absicherung der Grundbedürfnisse ist jedoch gewährleistet. Der zwangsweise Verzicht auf Konsum ist meinen Augen kein Indiz für Armut.

Ich sehe keine Notwendigkeit, in Deutschland die "Armut" gesondert zu bekämpfen.

MFG
 
Aber Armut kann sich auch in "Bedürftigkeit" äußern. Damit ist nicht das Kindergeld als Transferleistung gemeint. Es gibt bestimmte Unterstützungsleistungen, die wohl jeder nachvollziehen kann, etwa der Fall einer kinderreichen Familie, die viel Wohnraum benötigt, den sich der Familienernährer von seinem Gehalt aber nicht leisten kann. Dann gibt es eben Wohngeld.

Als arm würde ich jedoch jemanden bezeichnen, der einen Vollzeitjob hat, vielleicht noch Frau und Kind, der aber nicht in der Lage ist, sich bzw. seine Familie von diesem Gehalt zu ernähren. Es mag viele Gründe dafür geben, warum dieser Mensch nicht mehr verdient (zu viele Mitbewerber um den Job, geringe Qualifikation, fehlende Tarife, geringer gewerkschaftlicher Organisationsgrad usw.).

Tatsache ist und bleibt aber, dass solche Leute - die working poor - arm sind. Ein Dach über dem Kopf und keinen leeren Magen zu haben, ist da meines Erachtens nicht genug, um die Grenze zu ziehen. Armut definiert sich für mich auch in der fehlenden Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Nun kann man argumentieren, dass der Besuch öffentlicher Spielplätze kostenfrei ist. Man darf aber nicht übersehen, dass sich ein beachtlicher Teil des sozialen Miteinanders im kommerzialisierten Raum abspielt. Und wenn jemand arm ist, geht er eben nicht in die Kneipe, um sich dort mit anderen Leuten das Finale der Champions-League anzusehen, weil ihm die drei Bier im Laufe des Abends zu teuer wären.

Wem das Beispiel zu Alk-lastig ist, der nehme die Eintrittskarten für das Freibad usw.
 
@keshkau

Natürlich ist die Situation der working poor schlecht und selbstverständlich sollte hier Abhilfe geschaffen werden. Dennoch ist eine finanziell schlechte oder prekäre Situation noch keine Armut.

Im Gegensatz dazu existiert natürlich eine gefühlte Armut, die immer dann entsteht, wenn das soziale Umfeld vermögender aufgestellt ist.
Ob das jetzt das Champions-League Bier oder der Theaterbesuch ist, spielt da keine Rolle.
Es entsteht hier eine soziale Armut die sich allerdings nur schwer quantifizieren lässt.

MFG
 
Also ich muss dazu sagen, Armut lässt sich nur schwer wirklich erfassen. Was ist Armut, wo fängt sie an, wann fängt sie an, wie äußert sie sich? Natürlich ist dies alles eine Frage auch der eigenen Vorstellung.
So, aber ob der Staat Armut bekämpfen soll, wann die Armut beginnt, ist hier die entscheidende Frage. Für den einen beginnt Armut schon dann, wenn eine Person sich keine „Bier“ abends mit seinen Freunden mehr leisten kann, andere sagen, sie beginnt da, wo man den Kindern keine Geschenke mehr kaufen kann, wieder andere sagen, sie beginnt da, wenn ein Mensch nicht mehr selbstständig von seinem verdienten Geld das nötigste fürs Leben kaufen kann. Wo ist nun die Armut, welche Armut muss bekämpft werden, welche Armut zu bekämpfen ist sozial gerecht? Nun, da werde die Meinungen je nach Gesinnung, aber auch Erziehung auseinander gehen. So ist es für den einen nicht gerecht, mehr Steuern zuzahlen, nur damit eine Familie ihren Kindern Geschenke kaufen kann, weil sie es sonst nicht könnten, für diesen Menschen fängt vielleicht die Armut erst da an, wenn die Leute ohne Hilfe nicht mehr über die Runden kommen.

Wo bleibt auch die Gerechtigkeit? Ich muss ehrlich sagen, ich würde es nicht in Ordnung finden, das mein Vater wieder von 43% auf 46% oder höher eingestuft wird, nur damit eine Familie ihren Kindern wieder „tolle“ Geschenke zu weihnachten kaufen kann. Wohin gegen ich aber klar dafür bin, dass ein Mensch, der am Existenzminimum lebt, oder darunter, klar unterstützt werden soll und muss. Auch sollten hier Familien unterstützt werden die eben nicht „wohlhabend“ sind oder ihre Kinder selbst nicht versorgen können. Aber eben so, dass sie die Kinder vernünftig versorgen können und für die Kinder genug Geld für die Schulausbildung da ist. Kurz um: Die Kinder müssen die Möglichkeit haben Gesund ernährt zu werden, eventuell Sport treiben zu können und die Chance auf eine vernünftige Schulausbildung zu haben, aber nicht auf „tolle“ Geschenke! Alles weiter wie das ermöglichen in Urlaub zu fahren oder ihren Kinder „tolle“ Geschenke zu machen oder in einer „großen“ Wohnung zu leben, finde ich wieder sozial nicht ok, da einer der eben was Verdient auch was davon haben soll. Nur, jetzt kommen wir zu einer Sachen die wirklich paradox ist. Viele meckern über die soziale Ungerechtigkeit in Deutschland, nur, vielen hier ist wohl nicht klar, dass ein Arbeitsloser in Deutschland immer noch besser versorgt ist, als in vielen anderen Teilen der Welt, genau so wie mit der Krankenversicherung. Natürlich gibt es Länder, wo es vielleicht sogar eine noch bessere Versorgung gibt, (Schweden) aber diese Länder haben auch weniger „Arbeitslose“ und vor allem auch weniger Menschen.
In Deutschland gibt es aber viele Zulagen, Kindergeld usw. Ich würde sagen: Wenn man das Kindergeld etwas verändert, wäre schon viel getan. So das man sagt, je mehr Geld jemand verdient des so weniger bekommt er, bis er gar kein Geld mehr bekommt, und die Sozialschwächsten Familien bekommen das höchste Kindergeld. Oder das man eben sagt: Diese Kindern bekommen ab der Schulzeit weniger Kindergeld, dafür wird ihnen aber Schulsachen von der Schule gestellt.

Ach wie weit könnte man das Thema führen, eines ist auf jedenfall klar, vielen Familien wäre schon damit geholfen, wenn Wasser und Energieversorgung mit 7% statt 19% versteuert werden.
 
Eben, wenn die Nebenkosten günstiger wären für schwach gestellte Haushalte wäre einem schon ordentlich geholfen und wenn man über Kinder und Familienarmut spricht, wäre es auch eine große Hilfe würden Kindersachen nicht mit 19 MwST belastet werden sondern mit den ermäßigten Steuersatz.
Es ist eigentlich abartig das Kindernahrung 19% MwST beinhaltet, Tiernahrung dagegen nur 7%. Was ist dafür die Grundlage?
Auch wäre es den Familien geholfen würden endlich Kinderkrippen und Kindergärten günstiger werden.

Armut ist ein subjektives Empfinden. Jeder hat seine eigene persönliche Armutsgrenze. Man kann das schwierig pauschalisieren genau so wenig wie man pauschalisieren kann wie und was zu Spielesucht führt.
Aus meiner Sicht ist man Arm, wenn man Gesundheitlich zurückstecken muss (Beispiel Zahnarzt, Arzneisachen), wenn man nicht in der gesellschaftlichen Mitte wohnt (anstelle von gut durchgewürfelten Wohnvierteln, in Wohnvierteln wo man meist nur die selben Leidensgenossen findet).
Wenn man sich nicht neue Sachen groß leisten kann sondern sich Sachen aus zweiter Hand holt.
Wenn keine ausgewogene Ernährung statt findet.
Und in heutiger moderner Zeit mit Informationen und Informationssystemen nicht umgehen kann, sich also Informationen nur aus der Klatschpresse oder aus dem Propagandafernsehen holt und sich davon eine meist gelenkte Meinung aufbaut.
 
OMaOle schrieb:
Ich weiß nicht ob das zynisch sein soll oder zum lachen anregen? Lustig ist es nicht, dann sei konsequent und sage "wieder n Arbeitsloser weniger". Das kanns nicht sein!

Ist das denn nicht die aktuelle Sprachregelung?
War ja bei den Rentern auch schon so. Da wird vom 'sozialverträglich ableben' fabuliert.
Könnte man ja auch auf Geringverdiener und Arbeitslose anwenden.
Da doch alle nur noch als Kostenverursacher angesehen werden wäre das doch der nächste Schritt.


da es die Sozialschmarotzer sofort für sich ausnutzen würden.

War ja auch einer der Gründe warum man H4 eingeführt hat. Hat nur leider nichts gebracht.
Die große Mehrheit wird gegängelt und diese 'Zielgruppe' ist immer noch unangreifbar.
1. besteht deren Lebensinhalt nur daraus herauszufinden wie und was man noch alles Abzocken kann und 2. fehlt den Kontrolleuren immer noch der Datenabgleich der einzelnen Behörden.

Wenn Arbeit den Menschen in die Lage versetzt davon leben zu können

Was uns wieder zum Mindestlohn bringt.

in der globalisierten Welt von Heute ist der Großunternehmer ganz schnell weg wenn s Ihm zu teuer wird

Was hindert uns daran die Steueregesetze so zu ändern daß jeder Deutsche, egal wo er seinen Wohnsitz hat, seine Steuern un DE zahlt.
Es gäbe dann zwar immer noch die Möglichkeit die Staatsbürgerschaft zu ändern aber ich bezweife daß dieser Schritt sehr populär ist.


Zu unserem Mehrwertsteuersytem braucht man eigentlich nichts mehr zu sagen außer Lobbyarbeit und Bürokartenirrsinn. Ist eine der vielen Baustellen im System DE.

Das Märchen vom gerechten Staat


keshkau schrieb:
Tatsache ist und bleibt aber, dass solche Leute - die working poor - arm sind. Ein Dach über dem Kopf und keinen leeren Magen zu haben, ist da meines Erachtens nicht genug, um die Grenze zu ziehen. Armut definiert sich für mich auch in der fehlenden Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Das ist ja das was ich auch meinte. Was bringt es mir wenn ich Essen und Unterkunft habe für den Rest was das Leben lebenswert macht nichts vorhanden ist.
Armut darf in DE nicht mit den Maßstäben der 3. Welt verglichen werden. Bei uns ist so viel Geld im Umlauf daß es wird eben nur verschwendet oder landet in den falschen Kanälen.
 
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Interessant, wir sind nach 176 Posts also zu dem gleichen Problem gelangt, dass es schon seit Jahren in der Politik gibt: Die richtige Definition von Armut ist unmöglich. Wenn es Ansichtssache bleibt, wann jemand arm ist und wann nicht, dann werden wir niemals zufriedenstellende Lösungen finden können, um die Problematik anzugehen. Ich finde es ärgerlich, dass es hier keine wissenschaftlichen Untersuchungen gibt, die helfen könnten. Nur ein Telepolis-Artikel deutete mal an, dass das Glück eines Menschen nicht von dem abhängt, wieviel er hat, sondern wieviel er geben kann (Quelle liefere ich nach, falls Interesse besteht).
 
Odium schrieb:
Interessant, wir sind nach 176 Posts also zu dem gleichen Problem gelangt, dass es schon seit Jahren in der Politik gibt: Die richtige Definition von Armut ist unmöglich.

Aber das ist genau der Punkt. Laut EU-Definition ist arm, wer weniger als 60% des Durschnittseinkommens erzielt. In einem Staat, in dem die Hälfte der Menschen 1,5 Mio. € verdient, gleichbleibendes Preisnivieau vorausgesetzt, wäre die andere Hälfte, der der jeder einzelne 500.000 € erzielt, definitionsgemäß arm, da er unter der Messwert von 1,0 Mio. € liegt. ;)

Wie jede Statistik ist auch diese nur aussagefähig, wenn man ihre Berechnungsgrundlagen kennt und berücksichtigt. Leider ist da in diesem Thread bisher genauso wenig der Fall wie in der öffentlichen Diskussion.

Daher ist die Antwort auf die Frage dieses Threads auch zwangsläufig keine Frage der Sozialpolitik, sondern ein Rechenexempel: Die Bekämpfung der Armut klappt mit positivem Effekt auf die Statistik dann, wenn die Spannbreite zwischen 60% und 100% des Durchsschnittseinkommens gesenkt wird.

Entweder durch Erhöhung der niedrigen Einkommen, die dann aber keiner mehr bezahlt, oder durch Absenkung der höheren Einkommen, die dann aber keiner mehr akzeptiert.

Trotzdem wäre statistisch gesehen die Lösung zur Bekämpfung der Armut eine staatlich bestimmte Einkommens-Obergrenze von z.B. 15.000 € pro Jahr eine einfache Variante. Dann wäre jeder, wirklich jeder Geringverdiener oder Hartz-4-Empfänger oberhalb der 60%-Grenze des Durchschnittseinkommens und damit definitionsgemäß nicht mehr arm. De facto wären dann zwar alle arm, aber das scheint ja niemanden zu stören. Hauptsache, die Statistik ist o.K.! :D

Viele Grüße, Tiguar
 
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@Tiguar

Jupp, das zeigt, dass der Armutsbegriff basierend auf der statistischen Einkommensauswertung realitätsfern ist.

Das deutsche Durchschnittseinkommen liegt bei ca. 3.500 € Brutto. Das würde bedeuten, dass alle Bezieher von Bruttoeinkommen unter 2100€ als arm gelten.
 
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