sbj schrieb:
Stimme dir zu. Wenn sich JEDER zurücknehmen muss, wieso gilt das dann in diesem Fall nur für uns?
Das stimmt doch gar nicht. Jeder muss es sich gefallen lassen, auch mal kritisch bewertet zu werden, was auch in Form von Karikaturen geschehen kann. Natürlich kriegen die Moslems im Moment besonders viel Flak von allen Seiten angesichts der Weltsicherheitslage, weil viele Menschen zu blöd sind, zwischen hier lebenden überwiegend moderaten Moslems und radikalen Moslems im Nahen Osten zu unterscheiden. Von daher kann ich auch verstehen, wenn das Fell der hier lebenden Moslems langsam immer dünner wird, wenn sie sich fortwährend für Taten rechtfertigen müssen, mit denen sie genauso wenig zu tun haben wie wir mit dem NSU-Terrorismus, und wenn sie ständig das Gefühl haben, unter einem generellen Terrorverdacht der Öffentlichkeit zu stehen.
Niemand erwartet von dir, dass du Mohammed-Karikaturen toll finden musst, und bestimmt hat es Karikaturen gegeben, die im Ton unangemessen waren. Aber deine Reaktion darauf sollte nicht sein, dass du eine Einschränkung der Meinungsfreiheit dahingehend forderst, dass eine kritische und in der Karikatur auch bissige Auseinandersetzung mit dem Islam und dessen Propheten de facto verboten wird. Stattdessen solltest du mit den Mitteln antworten, die dir von unserer Gesellschaft, zu der auch du gehörst wie jeder andere Deutsche!, zugesichert werden.
Dazu mal zwei Beispiele:
1. Beispiel - Eine Zeitung druckt eine Karikatur, in der Mohammed angesichts der Taten der Islamisten sein Gesicht bedeckt und flucht "Leute, ich bin allmächtig! Ich brauche euren Terror nicht, um meine Ehre zu verteidigen!". Wie für eine Karikatur üblich ist der Zeichenstil comichaft überzeichnet.
Fazit: Eine solche Karikatur verletzt nicht die Sitten, Normen und Gesetze unserer Gesellschaft. Und du solltest dich nicht von einer solchen Karikatur beleidigt fühlen, richtet sie sich doch explizit an Islamisten und nicht an dich. Wenn dich aber schon eine bloße, in dem Fall überzeichnete Abbildung Mohammeds aus der Fassung bringt und du dich durch eine solche zutiefst verletzt fühlst (selbst wenn sich diese nicht diffamierend gegen die Muslime richtet), dann hast du ein Anpassungsproblem mit der Gesellschaft.
Wir sind nun mal eine Gesellschaft, in der die Bindung zur Religion nicht so ausgeprägt ist wie in vielen islamischen Ländern oder bspw. auch den USA, und das ist verdammt nochmal auch gut so. Und wenn Moslems für ihre Kinder eine Befreiung vom Sportunterricht fordern oder Christen den Kreationismus in den Schulunterricht drücken wollen, dann werde ich wild, denn ich will und werde nicht zulassen, dass sich unsere Gesellschaft 30 Jahre zurück entwickelt, um religiösen Gefühlen gerecht zu werden.
Die Christen mussten "Das Leben des Brian" aushalten und lernen, dass ihr Glauben nicht vor Kunst und Meinungsfreiheit geschützt wird. Die Moslems müssen aushalten, dass auch ihr Prophet nicht nur von der Schokoladenseite porträtiert wird, und auch Moslems müssen lernen, dass sich ihr Glauben im Diskurs der freien Meinungsäußerung bewegt, haben aber auch die damit verbunden Rechte, um sich zu Wehr zu setzen.
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2. Beispiel - Eine Zeitung druckt eine Karikatur, die Mohammed als Untermenschen zeigt, der mit Ziegen ins Stroh steigt.
Fazit: Aber Hallo, das ist Nichts, was sich irgendein Moslem gefallen lassen müsste. Als Moslem würde ich da sofort auf Basis der von dir zitierten Rechtsgrundlage eine Anzeige gegen die Zeitung anregen.