Schön war es als Exportweltmeister.

Das US-Handelsbilanzdefizit hat eine lange Tradition. Es steigt mal auf Rekordniveau, dann schwächt es sich mal wieder ab. Die Meldungen dazu sind meist relativ kurz gehalten. Ansatzweise wird davon geschrieben, dass Europa davon profitieren kann oder dass sich der Dollarkurs verändern könnte.

Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass die Mehrheit der Schreiberlinge tatsächlich die mittel- und langfristigen Auswirkungen beurteilen kann, die sich daraus für die USA, für Europa oder für die Weltwirtschaft ergeben.

Das ist mein mein Kritikpunkt in diesem Thread. Da verändert sich ein Wert und man neigt schnell dazu, ihn negativ oder positiv zu beurteilen. Aber die Zusammenhänge sind vielschichtiger, was allerdings kein Grund ist, sie unter den Tisch fallen zu lassen.

Es ist jedenfalls nicht gesund, wenn man dauerhaft große Überschüsse oder Defizite erzielt, die nicht durch andere Komponenten ausgeglichen werden können. Das ist so ähnlich wie mit der Staatsverschuldung.
 
Das mit den Jobs im Urlaubssektor wäre eine Milchmädchen Rechnung:

Wenn nämlich die Jobs im Export wegfallen dienen die Jobs im Bereich der Dienstleistungen (Hotels etc.) vielleicht einfach nur zur Kompensation.

Länder mit negativer Außenhandelsbilanz werden wohl kaum auf einen grünen Zweig kommen. Sieht man das Land als Unternehmen, wird es schnell offensichtlich. Ein Unternehmen mit einer negativen Bilanz kann nur von den eigenen Ersparnissen leben. Sind die irgendwann weg, droht der Insolvenzverwalter.

Wichtiger als die Höhe der positiven Bilanz ist aber eben die Nachhaltigkeit. Es bringt nichts dies Jahr +10% wenn man nicht gleichzeitig absichert, dass man in nächsten Jahren nicht unter 0% kommt.

/edit:

@keshkau:

Wenn ich nachhaltig sicherstellen kann ständig große Überschüsse zu erwirtschaften, wieso sollte dies schlecht sein?
Ein Unternehmen welches es schafft jedes Jahr eine positive Bilanz von 10% zu haben und absichert, dass dies auch weiterhin so bleibt, ist wohl kaum als schlecht zu bewerten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein Unternehmen welches es schafft jedes Jahr eine positive Bilanz von 10% zu haben und absichert, dass dies auch weiterhin so bleibt, ist wohl kaum als schlecht zu bewerten.
Milchmädchen-Rechnung hin oder her. Eine Bilanz (ital. bilancia, Waage) ist per Definition immer ausgeglichen: Der "erwirtschaftete Wohlstand" (gemeint sind die Güter) fließt beim Export ins Ausland, dafür steigen die Forderungen gegenüber dem Ausland bzw. das Geld (Verkaufsentgelt) fließt ins Inland.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bilanz

Würde man dieses Geld eines Tages wieder im Ausland ausgeben, dann würde sich das Verhältnis umdrehen (Importüberschuss). Aber das passiert ja gerade nicht, wenn man jedes Jahr einen Exportüberschuss erzielt.

Deshalb meinte ich, dass man für das Ausland schuftet. Möchte ich darin unbedingt Weltmeister sein? Also ich weiß nicht.
 
Ich glaube, da müssen wir wohl eine Ecke differenzierter denken. Sehr viele Länder in Afrika exportieren ihre Rohstoffe unveredelt in andere Länder, die daran eine Wertschöpfung betreiben. Typisches Beispiel ist der Import Eisenerz nach Deutschland und der Export einer Drehbank aus dem Material in das gleiche Land zurück.
Soweit ich weiß ist ein Exportüberschuss immer eine gute Möglichkeit, Wohlstand in das Land zu bringen.
 
Dem Ausland zunächst einen Teil der Güter zu überlassen, lohnt sich nur, wenn in Zukunft (mehr) Güter zurückfließen, wenn also später Importüberschüsse entstehen. Ein Land, das auf Dauer mehr exportiert als importiert, verschenkt einen Teil der produzierten Güter.
Zu relativieren ist auch die Vorstellung, Exportüberschüsse seien ein zuverlässiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit des Inlandes als Standort für die Produktion international handelbarer Güter und Dienstleistungen. Das Gegenteil kann der Fall sein. Exportüberschüsse werden nämlich auch und gerade dann erzielt, wenn die Investoren den Standort Deutschland meiden
http://www.uni-koeln.de/wiso-fak/eekhoff/pub/HB3_12.pdf
 
Ein gewisser Exportüberschuss an Waren ist für Deutschland mehr als gesund. Wir brauchen doch die ausländischen Devisen um unsere Rohstoffimporte (ja genau, wie haben ja so wenig davon, außer unseren Grips) zu bezahlen.

Außerdem (und das ist nicht zu unterschätzen) reist der Deutsche an sich gern und trägst somit auch das Geld, dass für Deutsche Waren ins Land gekommen ist, wieder ins Ausland zurück. Und das ist auch eine Art 'Wohlstand'. Betrachtet also bitte auch, wie viel Geld für ausländische Dienstleistungen wieder ausgegeben wird. Isoliert die Handelsbilanz zu betrachten hilft da nicht weiter.
 
Für die Importe allein braucht man keinen Exportüberschuss. Dafür würde es theoretisch genügen, wenn sich Importe und Exporte die Waage hielten (ausgeglichene Handelsbilanz). Der Aspekt der Dienstleistungsbilanz (Reisen ins Ausland) wurde bereits angesprochen.

Interessant ist schließlich die gesamte Leistungsbilanz (verlinkt in Beitrag Nr. 16).
 
sebko schrieb:
Ein gewisser Exportüberschuss an Waren ist für Deutschland mehr als gesund. Wir brauchen doch die ausländischen Devisen um unsere Rohstoffimporte (ja genau, wie haben ja so wenig davon, außer unseren Grips) zu bezahlen.
Haben wir einen Überschuss sind die Importe schon bezahlt und wir haben immer noch was über.
 
Ja, wir haben genau das über, was wir unter anderem dafür brauchen um die Dienstleistungsimporte zu bezahlen. Aber da hat keshkau ja schon einiges dazu gesagt...
 
Adam_Smith schrieb:
Länder mit negativer Außenhandelsbilanz werden wohl kaum auf einen grünen Zweig kommen. Sieht man das Land als Unternehmen, wird es schnell offensichtlich. Ein Unternehmen mit einer negativen Bilanz kann nur von den eigenen Ersparnissen leben. Sind die irgendwann weg, droht der Insolvenzverwalter.

Nach ihrer Logik müsste jedes Land das Ziel haben eine Exportüberschuss zu erwirtschaften. Nur wird das nicht gehen, da die Summe aller Importe und Exporte zwangsläufig Null sein muss. Darum kann man das Ganze nicht wie ein Unternehmen sehen. Denn ein Unternehmen kann zum Beispiel nicht seine Währung abwerten.
 
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