Und dass der Staat ihnen kein Heroin „verschreibt“, ist der Gesetzeslage geschuldet. Man kann schlecht eine Droge verbieten und dann als fürsorgender Staat seine Bevölkerung damit vollpumpen. Das wäre tatsächlich schizophren.
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) Ja. Sehe ich natürlich auch so.
Allerdings ist es natürlich auch schon schizophren, wenn ich auf der einen Seite hingehe, und dem Abhängigen durch die Definition als Krankheit einen Großteil der "Schuld" abnehme, und dann auf der anderen Seite alleine schon den Drogenerwerb unter Strafe stelle. Das passt einfach hinten und vorne nicht. Und an der Stelle entpuppt sich die Rolle von Staat und Gesellschaft als schizophren.
Wenn Schwerstabhängige in Fixerstuben versorgt werden, dann doch nur aus der Erfahrung heraus, dass eine Therapie bei ihnen so gut wie keine Aussicht auf Erfolg (mehr) hat. Trotzdem will man diese Menschen davor bewahren, sich auf kriminellem Wege Geld beschaffen zu müssen, wodurch wiederum Dritte schädigen würde.
Da bringst du vielleicht ein bisschen was durcheinander.
Fixerstuben sind öffentlich zugängliche Räumlichkeiten, die grundsätzlich jeder betreten und nutzen kann, um dort in Ruhe und in sauberer Umgebung seine Droge konsumieren zu können.
Das, was du meintest, nennt sich "Heroinstudie" oder "Heroin-Programm". Die Heroinstudie wurde tatsächlich ins Leben gerufen, um Menschen, die man als "schwerst-abhängig" bezeichnet ein möglichst würdevolles Leben zu ermöglichen, in dem sie nicht mehr straffällig werden müssen. Sie werden dort ärztlich und sozial betreut und es wird in Zusammenarbeit von Klient und Personal versucht, wieder einen Platz in der Gesellschaft einnehmen zu können, evtl. gar trotz Droge arbeiten gehen zu können.
Es würde schon helfen, wenn Du auf meinen Beitrag (#73) eingehen würdest
Ich habe meine Frage bewusst an Dug Danger gerichtet. Aber ich versuche zumindest kurz auf deinen Post einzugehen.
Dein Post hat mir übrigens z.T. auch gefallen.
Ich hatte aber nicht genügend Zeit und nicht genügend Motivation, um auf deine Worte angemessen eingehen zu können.
Ich finde deine Texte generell manchmal schwer zu beantworten. Du schreibst zwar oft viel kluges Zeugs. Aber du vergisst in meinen Augen manchmal, das Wesentliche als solches hervorzuheben und ggf. die dir wichtigen Fragen auch als Fragen gerichtet an die gewünschte Person, zu formulieren.
Man kann die Sache nämlich durchaus von der anderen Seite betrachten, ohne ein Menschenfeind zu sein.
Ja. Da hast du sicherlich recht. Und da bin ich manchmal vielleicht auch nicht ganz klar und vielleicht nicht ganz fair, weil emotional belastet.
Aber dennoch habe ich das (wohl das gesamte) Thema gut genug durchleuchtet. D.h. meine Gedanken sind keine naiven Gedanken oder Illusionen oder ähnliches. Sondern alles ist gut durchdacht und basiert auf Erfahrungen etc. pp.
Was nicht heißt, dass es hier und da keine kleineren Ungereimtheiten oder Unstimmigkeiten geben kann.
Also klar. Sicherlich kann man die Kriminalisierung von harten Drogen auch als Versuch des Selbstschutzes betrachten.
Allerdings befürchte ich ganz stark, dass dieses Verbot bzw. die Kriminalisierung aus einer sehr einseitigen (oder egoistischen) Betrachtungsweise resultiert. Das zu erläutern würde jetzt auch wieder zu weit führen. Und ich bräuchte sicher auch meine Zeit, die passenden Worte und Beispiele dafür zu finden.
Vielleicht kann ich es kurz erklären und es reicht dir als Erklärung schon. (nee geht nicht xD. das dauert länger. aber ich versuche es trotzdem)
Grundsätzlich gehe ich erstmal davon aus, dass wir ja in einer Gesellschaft oder Gemeinschaft leben, die sich aus den unterschiedlichsten Individuen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen und Interessen zusammensetzt.
Solange ein Interesse oder Bedürfnis gewisse Grenzen nicht überschreitet und damit nicht mehr schadet als hilft, halte ich es für schützenswert. Es darf nicht verboten werden. So denke ich. Denn ansonsten würde die Gesellschaftsordnung zu stark in die Selbstbestimmung des Individuums eingreifen.
Ich denke, wenn du meine weiteren Ansichten kennst, kannst du dir den Rest zuammenreimen.
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)
Ich denke halt sehr stark, dass ein striktes Drogenverbot, so wie es derzeit hier ausgeübt wird, einen solchen zu tiefen Eingriff in die Selbstbestimmung des Individuums darstellt.
Stell dir mal vor, du bist heroinsüchtig geworden (wie auch immer) und dann beziehe da auch mal den von dir vorhin genannten Faktor des Kontrollverlustes mit ein!
Was meinst du, wie schlimm es für dich ist, die Kontrolle über deine Heroinsucht verloren zu haben. Du hast also damit auch die Kontrolle über etwas verloren, was gleichzeitig illegal ist.
Das ist ein einziges Dilemma. Das kann man garnicht mehr anders bezeichnen als einerseits "Krankheit" und andererseits als eine (deine) Form der Sorge um verschiedene deiner Bedürfnisse.
Zu diesen Bedürfnissen zählen eben die verschiedensten Sehnsüchte, die man in seinem bisherigen Leben nur sehr unzureichend erfüllt bekommen hat. Viel hängt mit den kindlichen Bedürfnissen nach mütterlicher (elterlicher) Zuwendung zusammen. Die Bedürfnisse nach Geborgenheit und Schutz spielen da auch sehr oft eine sehr große Rolle. Da man da äußerst unterversorgt geblieben ist, hat sich ja diese "Sucht" entwickelt. Diese Sucht war ja erstmal noch stoffungebunden. Aber so stark, dass man die Kontrolle darüber verloren hat und die Erfüllung dieser Sehnsüchte letztlich an einen Stoff (hier das Heroin) gebunden hat.
Auch wenn dieser Weg natürlich und sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss ist. So hat aber dennoch niemand (auch und erst recht der Gesetzgeber nicht) das Recht, mir diesen Weg zu versperren oder gar auf kriminelle Steine zu bauen.
Und hier fängt dann für mich auch spätestens der Verstoß gegen Grundgesetz und Menschenrechte an.
Denn das Gesetz zwingt einen definitiv schon so nicht beneidenswerten Menschen dazu, straffällig zu werden. Es zwingt ihn also u.U. dadurch auch dazu, gegen seine eigenen Prinzipien zu verstoßen, Dinge zu tun, die der eigenen Persönlichkeit eigentlich zutiefst widerstreben. Das fühlt sich für den Betroffenen ganz sicher sehr sehr mies an. Ich denke damit ist er einer permanenten Demütigung und Qual ausgesetzt, weche sich alleine schon kaum noch ohne Psychopharmaka oder Drogen aushalten lassen.
Hinzu kommen dann natürlich leider noch Dinge wie Statusverlust, Verlust von Freundeskreis und Arbeitsplatz.
Es entwickeln sich Ängste, da man jeden Tag vor der Polizei auf der Hut sein muss. Vom Streß mal ganz zu schweigen.
Es enstehen Schamgefühle, weil man eben kriminell geworden ist, Freundeskreis und Arbeitsplatz verloren hat.
Das alles würde nicht entstehen (oder nur in deutlich geringerem Ausmaß), wenn es die Möglichkeit gäbe, sein Suchtmittel (und auch Medikament, denn Heroin wirkt auch sehr beruhigend, angstlösend und schlaffördernd) per Rezept in der Apotheke bekommen zu können.