Hmm, dass die Juden ja daran selbst schuld seien, ist schon eine gewagte These, v.a. in dieser (leicht relativierten) Pauschalität.
Zunächst: bevor die Römer in Palästina das Zepter in die Hand nahmen, bestand ein jüdischer Staat (Hasmonäer-Königreich), der sich in den Wirren des späten Hellenismus seit der zweiten Hälfte des 2. Jhs. eine beachtliche Machtposition erarbeitete. Mit dem Eingreifen unter Pompejus in den 60er Jahren des 1. Jhs. v.Chr. wurde Palästina ein Klientelstaat, der aber weitgehende Autonomie besaß. Erst die nachhaltige Zerschlagung dieser Autonomie vor dem ersten Aufstand begründete den Widerwillen. Dazu lese man z.B. Flavius Josephus.
Zudem muss man sagen, dass diese Region urbanisiert war und über große Zentren verfügte, das war kein Barbaricum.

Der vermeintliche Segen römischer Kultur war da eher überschaubarer Natur.
Umso hervorhebenswerter ist die Tatsache, dass erst der Bar Kochbar-Aufstand unter Hadrian dazu führte, dass Juden aus Palästina massenhaft vertrieben wurden und somit den Ursprung der Diaspora und ihrer Probleme im Westen Europas markiert. Radikale christliche Auffassungen, die den Juden gegenüberstanden, intensivierten diese Problematik.
Dieser Unwillen zur Anpassung setzte sich im Mittelalter fort und resultierte in den damaligen Judenverfolgungen.
Das ist eine Umkehrung der Kausalitätskette. Im religiös aufgeheizten Klima der Kreuzzüge, in dem allein aufgrund der Andersartigkeit jüdische Lebensweisen verurteilt wurden, ist an eine direkte Verantwortung der Juden an ihren eigenen Progromen nicht im entferntesten zu denken. Im Gegenteil: es wurden Lügen gestreut, um die Volksmasse gegen Juden aufzuhetzen.
Der Punkt ist doch: auch wenn Unterdrückungen lange zurückliegen: diese bilden eine praktisch ungebrochene Kontinuität bis in das 20. Jh., das ist in dieser Form schon sehr außergewöhnlich.
hatten die Juden jedoch meist die Möglichkeit durch einem Glaubenswechsel den Hass und die Verfolgung gegen sie zu vermeiden.
Würdest Du auch Deinen Glauben und Deine Identität wechseln wollen, wenn der einzige Grund dafür besteht, dass die umgebende Gesellschaft Deinen Glauben als minderwertig erachtet? Im übrigen nutze den Juden im 3. Reich ein vorher vollzogener Glaubens-Wechsel rein gar nichts.