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@franeklevy
Ich möchte darauf hinweisen, dass Sozialstaatlichkeit – auch wenn sie Verfassungsrang hat – zunächst einmal von irgendjemandem im Land erwirtschaftet werden muss. Wenn der Kuchen kleiner wird oder gar nicht erst auf den Tisch kommt, kann man ihn anschließend auch nicht verteilen. Wenn wir in Deutschland, das zugleich Exportland ist, keine ausreichende Beschäftigung mehr haben, etwa weil unsere Produkte keine Abnehmer mehr finden, dann machen die Unternehmen keine Gewinne mehr, von denen sie noch Steuern zahlen könnten und dann stehen die Leute auf der Straße und rufen nach Arbeitslosengeld statt selbst in die Steuerkasse und in die Sozialversicherungen einzuzahlen. – Wir haben nun einmal den Weltmarkt und die Deutschen können sogar noch froh darüber sein.
Etwas differenzierter könnte man sich schon fassen. Für den Teilbereich der Jugenddelinquenz empfehle ich z. B. folgende Lektüre: http://www.krimz.de/fileadmin/dateiablage/E-Publikationen/kup50-2.pdf
Das muss kein Fehler sein. Viele Menschen haben sich z. B. auf Hartz IV eingestellt und scheinen damit über die Runden zu kommen. Denen geht es dann teilweise gar nicht mehr darum, sich aktiv um Arbeit zu kümmern. Wenn jemand zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen wird, dann geschieht das vor allem unter dem Blickwinkel der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit. Es zeigt demjenigen auch, dass er etwas für die Gemeinschaft leisten soll, weil ja die Gemeinschaft schließlich auch für ihn aufkommt. Im Kern ist das durchaus gerechtfertigt, weshalb ich nicht von Arbeitszwang reden würde.
Bei Bismarck ging es nie darum, sich als Arbeitsloser zurückzulehnen und auf die monatliche Unterstützung zu warten. Man sollte nicht gleich verhungern, wenn man einmal ohne Job war. Die heutigen Sozialleistungen gehen weit über das damalige Niveau hinaus.
… und konzentriert sich damit auf seine eigentliche Aufgabe, nämlich auf die Schaffung von Rahmenbedingungen für das Leben seiner Bürger. Die Sozialleistungen waren in der Vergangenheit z. T. recht hoch (siehe Frühverrentung), jetzt werden sie eben wieder gesenkt. Aber auch hier spielt Punkt 1 eine Rolle. Wir wollen nicht riskieren, die Gehälter über Gebühr mit Sozialabgaben zu belasten.
Und jetzt komm mal wieder zurück auf den Boden der Tatsachen.
Cash cow ist tatsächlich der Ursprung dieser Nickname-Ableitung.
1. Aus dem Wohlfahrtsstaat wird ein „nationaler Wettbewerbsstaat“ (Joachim Hirsch), der die Aufgabe hat, durch seine Politik die Konkurrenzfähigkeit des „eigenen“ Wirtschaftsstandortes auf dem Weltmarkt, Wachstum und Beschäftigung zu fördern.
Ich möchte darauf hinweisen, dass Sozialstaatlichkeit – auch wenn sie Verfassungsrang hat – zunächst einmal von irgendjemandem im Land erwirtschaftet werden muss. Wenn der Kuchen kleiner wird oder gar nicht erst auf den Tisch kommt, kann man ihn anschließend auch nicht verteilen. Wenn wir in Deutschland, das zugleich Exportland ist, keine ausreichende Beschäftigung mehr haben, etwa weil unsere Produkte keine Abnehmer mehr finden, dann machen die Unternehmen keine Gewinne mehr, von denen sie noch Steuern zahlen könnten und dann stehen die Leute auf der Straße und rufen nach Arbeitslosengeld statt selbst in die Steuerkasse und in die Sozialversicherungen einzuzahlen. – Wir haben nun einmal den Weltmarkt und die Deutschen können sogar noch froh darüber sein.
Darauf wird es wohl hinauslaufen. Keine rein staatliche Post mehr, keine rein staatliche Telefongesellschaft, kein alleiniger staatlicher Stromanbieter. Das geht mit Konkurrenz alles viel besser und vor allem preiswerter. Warum sollte das im Sozialwesen grundsätzlich anders sein. Wir sehen doch, dass z. B. die Rendite für unsere heutigen Rentenbeitragszahlungen eher mau sein wird. Auf dem Kapitalmarkt wäre wahrscheinlich mehr zu holen, wovon alle profitieren könnten.2. Aus dem Sozialstaat wird ein Minimalstaat.
3. … Was sie an der Wohlfahrt spart, geht für Maßnahmen gegen den Drogenmissbrauch, Kriminalität und Gewalt drauf.
Etwas differenzierter könnte man sich schon fassen. Für den Teilbereich der Jugenddelinquenz empfehle ich z. B. folgende Lektüre: http://www.krimz.de/fileadmin/dateiablage/E-Publikationen/kup50-2.pdf
4. An die Stelle des aktiven Sozialstaates, wie man ihn bei uns bisher kannte, tritt – sehr stark vom Kommunitarismus, einer US-amerikanischen Denkrichtung, beeinflusst – ein „aktivierender“, Hilfebedürftige nicht mehr ohne entsprechende Gegenleistung alimentierender Sozialstaat.
Das muss kein Fehler sein. Viele Menschen haben sich z. B. auf Hartz IV eingestellt und scheinen damit über die Runden zu kommen. Denen geht es dann teilweise gar nicht mehr darum, sich aktiv um Arbeit zu kümmern. Wenn jemand zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen wird, dann geschieht das vor allem unter dem Blickwinkel der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit. Es zeigt demjenigen auch, dass er etwas für die Gemeinschaft leisten soll, weil ja die Gemeinschaft schließlich auch für ihn aufkommt. Im Kern ist das durchaus gerechtfertigt, weshalb ich nicht von Arbeitszwang reden würde.
5. Der deutsche Sozial(versicherungs)staat, seit seiner Begründung durch Otto von Bismarck im Kern darauf gerichtet, die männlichen Industriearbeiter mit ihren Familien vor Standardrisiken wie dem Tod des Ernährers, der Invalidität und der Armut im Alter zu schützen, wird zu einem Fürsorge-, Almosen- und Suppenküchenstaat gemacht, der nicht mehr den Lebensstandard seiner Klientel erhält, sondern ihr nur noch eine Basisversorgung angedeihen lässt.
Bei Bismarck ging es nie darum, sich als Arbeitsloser zurückzulehnen und auf die monatliche Unterstützung zu warten. Man sollte nicht gleich verhungern, wenn man einmal ohne Job war. Die heutigen Sozialleistungen gehen weit über das damalige Niveau hinaus.
6. Ergänzend stellt der postmoderne Fürsorgestaat als „Grundsicherung“ bezeichnete Minimalleistungen bereit …
… und konzentriert sich damit auf seine eigentliche Aufgabe, nämlich auf die Schaffung von Rahmenbedingungen für das Leben seiner Bürger. Die Sozialleistungen waren in der Vergangenheit z. T. recht hoch (siehe Frühverrentung), jetzt werden sie eben wieder gesenkt. Aber auch hier spielt Punkt 1 eine Rolle. Wir wollen nicht riskieren, die Gehälter über Gebühr mit Sozialabgaben zu belasten.
7. Die sozialpolitische Postmoderne trägt beinahe mittelalterliche Züge und lässt einen Rückfall in den Feudalismus befürchten.
Und jetzt komm mal wieder zurück auf den Boden der Tatsachen.
Takama schrieb:Also Keshkau, (übrigens ein cooler Name, ich schätze von Cashcow abgeleitet, also das, was der Bürger für die Wirtschaft darstellt.)
Cash cow ist tatsächlich der Ursprung dieser Nickname-Ableitung.
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