Nachdem du darauf verwiesen hast (und ich brav alles gelesen habe), nochmal ein Kommentar von mir.
Ich halte das ganze inzwischen weniger für ein Problem als eher für eine Art natürliches Gleichgewicht. Die meisten Menschen finden das exponentielle Bevölkerungswachstum der Vergangenheit bedenklich. In den Entwicklungsländern haben sie immer noch Geburtenraten zwischen 3-5 Kindern pro Frau und wenn wir davon ausgehen, dass jeder Staat irgendwann einmal das Niveau erreicht, das wir in Deutschland in den 70ern hatten, dann ist das Problem der Überbevölkerung auch gelöst.
Und dieses Phänomen, das wir immer weniger Kinder bekommen, führe ich nicht auf Religion oder Kultur zurück. Sie ist vielmehr ein Ausdruck von dem, was unsere Wirtschaft braucht.
Heute brauchen wir hochqualifizierte Arbeitskräfte und jeder weiß, dass mit der Bildung auch die Chancen steigen, ein hohes Einkommen zu bekommen. Daher konzentrieren sich die Eltern darauf, möglichst wenig Kinder möglichst gut zu versorgen. Und Kinder sind teuer. Unter einem Bruttoeinkommen von 35.000€ wird die Versorgung (und bestmögliche Ausbildung) von mehr als zwei Kindern fast unmöglich. Kinderreichtum können sich daher nur die Gutverdiener leisten - und die ziehen es scheinbar vor, allerlei Dinge zu konsumieren statt fünf Kinder in die Welt zu setzen.
Der zweite Grund mag vielleicht etwas komisch klingen im ersten Moment. Aber ich denke, dass viele Menschen es nicht mehr als oberstes Ziel ansehen, irgendwann Kinder zu bekommen. Man kann heute seine Freizeit auf viel mehr Arten verleben als früher und dauerhafte Werte auf eine andere Weise schaffen. Wo das Kind einmal der Lückenfüller für ein Leben gegen Langeweile und Monotonie war, so gibt es heute ganz andere Möglichkeiten
etwas mit seiner Zeit anzustellen.
Und dann gibt es noch das Problem, überhaupt den richtigen Partner zu finden. Bei der Ausbildung haben Frauen kürzlich die Männer überholt und stellen jetzt die Mehrzahl, was Abiturabschluss und Studentendasein angeht
(Zahlen). Dennoch hat sich ihr "Beuteschema" nicht verändert. Ausnahmslos alle Frauen suchen einen Mann der mindestens soviel verdient wie sie und einen sozialen Status hat, der ihrer ebenbürtig ist. Das führt dazu, dass sich bei Onlinebörsen überdurchschnittlich viele Frauen mit Abitur und Männer mit Hauptschule
tummeln - eben jene, die es 'draußen' schwerer haben den richtigen Partner zu bekommen
(Interview des Forschers zu dem Thema). Ich bezweifle, dass die Menschen dieses System allzu schnell ändern können, es ist in die Gene eingebrannt.
All das sind Faktoren, die unsere Geburtenrate bei 1,3 einpendeln ließ. Kinder sind dank unseres Renten- und Sozialsystems auch nicht mehr für das eigene Überleben notwendig, sondern eigentlich nur noch als langfristiges Hobby anzusehen. Die einzig sinnvolle Lösung, um die Demographie daher anzupassen, sind hohe finanzielle Belohnungen des Staates. Optimal ist natürlich die Einrichtung von Stätten, die die Eltern unterstützen und es unterbinden, dass das Kindergeld (etwa 500€) nicht für den Aktienfond für das Kind genutzt wird.