AbstaubBaer schrieb:Werbung/Marketing darf etwas übertreiben, nicht dreist lügen. Praktisch sehe ich keinen Widerspruch, man kann beide Dimensionen berücksichtigen: Die Versprechen vorab müssen ein Maßstab sein, der Unterhaltungswert des Spiels ein anderer. Dann kann man entscheiden, ob man ein gutes Spiel honorieren möchte (was NMS zu Release wohl nicht war) oder Bullshit abstrafen möchte. Hello Games war da ziemlich dreist, weil sie ihre Ankündigungen nie relativiert haben. Hätte man machen können. Aber das bräuchte etwas Anstand.
Vorab gesetzte Versprechen können aber keinerlei Maßstab sein, da es halt nur Versprechen sind. Sie besitzen keinerlei Wert, außer jenen, den man ihnen selbst zuschreibt. Das gilt bei kleinen und größeren, bei Wahrheiten und Lügen. Die Entwickler können letztlich einem das Blaue vom Himmel erzählen (was auch oft vorkommt), doch kann dann ein Titel rauskommen, der nicht einmal die Hälfte der versprochenen Inhalte besitzt, und trotzdem gut sein kann.
Das Produkt sollte daher letztlich immer unabhängig davon bewertet werden. Selbiges gilt für Entwicklerstudios, Entwicklerorte (Made in Germany) etc.
Ein Gegenbeispiel dieser ganzen Misere ist Gothic 3. Der Titel hatte letztlich alles, was ursprünglich von Piranha Bytes und Jowood kommuniziert wurde. Trotzdem war der Titel beim Release eine technisch wie spielerische Katastrophe. Trotzdem wurde er von der Fachpresse zum Großteil in Deutschland mehr als großzügig bewertet (was dann auch hierzulande die Diskussion um "Fachpresse gekauft?" mit anregte, und ich bezweifel, dass Jowood jeder Fachzeitschrift in Deutschland mit dem Anwalt gedroht hat (siehe damaliger Beitrag in der PC PowerPlay)).
Die Titel sollten einzig für sich stehen und auch dahingehend eine Wertung erhalten inklusive Relation zu gleichen oder ähnlichen Titeln.
Die Handlungsweise von Publishern, Entwicklern etc. kann extra bewertet werden.
Oder anders gesagt: Assassins Creed 4 ist kein schlechtes Spiel, nur weil Ubisoft selber eine Firma mit mal mehr oder mal minder fragwürdigen Handlungsweisen ist. Mass Effect: Andromedar ist kein abgrundtief schlechtes Spiel, nur weil EA einen fragwürdigen Ruf hat.
Natürlich haben Entscheidungen bei Publishern und Entwicklern Einfluss auf die Qualität des Titels, aber dieser Einfluss sollte extra bewertet werden und nicht mit in eine Wertung einfließen (ob von Seiten der Fachpresse oder von sich persönlich).
Um so überraschter war ich im letzten Sommer als viele total Wild auf dieses kleine Spiel waren.
Das ganze war letztlich ein sich aufbauender Wirbelsturm, den sowohl User, die Fachpresse, als auch die Entwickler (allen voran Sean Murray) aufbauschten. Es wurden aus dem gezeigten Material viele Mutmaßungen getroffen und die wildesten Träume zum Spiel erdacht. Leider hat Murray diese nie genügend entkräftet, zum Großteil sogar selber aufgebaut.
Das beste Beispiel dafür ist der vermeintliche Multiplayer-Aspekt des Titels. In einem früheren FAQ zum Titel wurde geäußert, dass No Man's Sky kein MMO sein wird, da die Wahrscheinlichkeit sich zu treffen sehr gering sei. Da diese Antwort recht vage war, wurde Murray immer wieder darauf festgenagelt. Er gab dabei zunächst immer wieder die selbe Antwort aus dem FAQ, wahrscheinlich, weil er selber noch nicht sicher war, ob es nicht doch vllt. am Ende zu einem richtigen Multiplayer-Modus gereichen kann. Später jedoch äußerte er sich entweder gar nicht mehr direkt auf diese Fragen oder bestätigte letztlich doch, dass es eine Multiplayer-Komponente vorhanden sein wird.
Fakt ist: Sony hat sich in das Spiel eingekauft. Das wird mit Sicherheit nicht ohne irgendwelche Forderungen gelaufen sein. Das Spiel war unter Umständen vielleicht nicht einmal für die PS4 geplant.
Die Entwicklung von No Man's Sky ist mit Quellen recht gut im englischen Wiki hinterlegt. Der Titel war zunächst nur ein kleines Privat-Projekt von Sean Murray, welches später zunächst im Entwicklerstudio Hello Games selbst fahrt aufnahm. Da war aber noch gar nicht geplant, auf welchen Geräten der Titel letztlich erscheinen soll. Jedoch war die Fachpresse und Industrie nach einem ersten Trailer sehr begeistert und Sony setzte sich mit Murray in verbindung.
Dieser wollte jedoch nur Sonys Marketingsupport, dafür sollte der Titel zunächst zeitlich exklusiv für die PS4 kommen, später auf den PC (wurde letztlich geändert, zeitgleicher Release angepeilt).
Natürlich hat Sony sich das Spiel für die PS4 gesichert und die XBO blockiert. So wie Microsoft Rise of the Tomb Raider. Ich halte es für plausibler, dass wie bei anderen (semi-)exklusiven Spielen ein Zugpferd für die Plattform ins Portfolio sollte. Das unterscheidet Sony von Publishern, die kein eigenes Ökosystem besitzen. Schlechte Spiele funktionieren in dieser Rolle nicht. Was wäre sonst der Gewinn für Sony (oder Microsoft), ein paar Euros durch ein überhyptes Spiel?
Gerade da der Titel ein Quasi Vorzeigetitel für die PS4 werden sollte, wird sich Sony bemüht haben, um über die Entwicklung des Titels im Laufenden zu bleiben, damit das ganze keine Bruchlandung wird (wie du selbst sagtest, schlechte Spiele funktionieren dafür nicht). Daher mutet es schon seltsam an, dass Sony das ganze so hat laufen lassen.
Hätte Sony so massiv Druck (so massiv, dass nicht Performance oder Stabilität, sondern Features ohne Ende unter die Räder gekommen wären) ausgeübt und das Spiel voll von den Gleisen geworfen, dann wäre in der Richtung sicherlich schon längst etwas durchgesickert. Aus dem Entwicklerteam etwa, um den Ruf zu retten, gerade weil es sich nicht um ein Sony-Studio handelt. Andere Theorie wäre: Den Entwicklern ist vielleicht einfach das Geld ausgegangen, die Fähigkeiten oder sie wollten keinen Rückzieher bei Terminen machen. Das passt zwar nicht in die Story der edlen Indie-Studios, wäre aber - auch ohne Anhaltspunkte - ebenso denkbar.
Der Punkt mit den Finanzen dürfte unwahrscheinlich sein. Sony bot Hello Games immer wieder finanziellen Support an, den Murray aber ablehnte, selbst nachdem das Entwicklerstudio unter Wasser gestanden hatte. Hätte letztlich wirklich Geld eine Rolle gespielt, damit der Titel weiter entwickelt werden kann, dann wäre das wohl kein Problem gewesen.
Außer natürlich, da Murray aus Gründen des Indie-Entwickler-Gedankens gegen einen finanziellen Support einer großen Firma war, dass es letztlich wirklich am Geld fehlte und er es eben aus diesem Grund gegen die Wand gefahren hat.
Wobei das komisch wäre, das er aus persönlichen Gründen seinen eigenen Ruf, den des Entwicklerstudios etc. damit aufs Spiel gesetzt hat.
Anders als z.B. Maxxis war jedoch Hello Games vom eigenen Erfolg abhängig und kein Auftragsstudio, das einem größeren Publisher mit starken finanziellen Mitteln angehörte. Geht No Man's Sky schief, dann hat Hello Games ein Problem. Daher kann ich mir absolut nicht vorstellen, dass alle Firmenintern auf Murray gehört haben ohne auch nur einmal Bedenken zu äußern. Der Erfolg des Projekts war für das Entwicklerteam nach der Überflutung quasi überlebenswichtig.
Die Fähigkeiten dürften es auch nicht gewesen sein, da ein Teil der ursprünglichen Features (Raumkämpfe z.B.) nun nachträglich hinzugefügt worden waren und sicherlich zum Teil auch im ursprünglichen Code vorhanden waren, nur eben noch nicht streamlined.
Aber das ist alles halt Spekulatius, wie immer.
62 ist immer noch genügend, bzw nicht schlecht. NMS wurde schlecht bewertet, nämlich mit 37%.
*hebt eine Augenbraue* Wo hat No Man's Sky eine Metacritic Wertung (Fachpresse) von 37%?
Für den PC sind es 61.
Für die PS4 71.
Mafia 3 hat 62 für den PC.
Und Mafia 3 auf der PS4 hat 68.
Letztlich ist auch Mafia 3 kein guter Titel, aber auch nicht extrem schlecht. Nach einigen Patches waren auch die größeren technischen Probleme gefixt. Die DLCs sollen dazu auch recht gute Stories bieten, die teilweise besser als das Hauptspiel sind.
Trotzdem hinkte der Titel den Vorgängern hinterher, leider.
Spaß kann man damit trotzdem haben (spiel mal http://www.metacritic.com/game/pc/game-of-thrones).
Aktuelle sehe ich den nächsten Hypetrain bei Star Citizen den Bahnhof einrollen und mein Gefühl sagt mir, dass da die ein oder andere Enttäuschung noch auf uns zukommt.
Natürlich geh ich nicht von Worst-Case-Szenario aus wie bei No Man’s Sky und wünsche mir auch, dass es ein super Game wird, trotzdem ein mulmiges Gefühl bleibt.
Ich habe bei Star Citizen dahingehend ein mulmiges Gefühl, dass der Titel quasi für den Erfolg von Crowd Funding steht.
Alle bisherigen Titel, sei es Pillars of Eternity, oder Shantae, oder oder, waren eher "kleinere" Titel, manchmal Nischentitel ohne den umwehenden Hauch einer AAA Produktion.
Star Citizen dagegen soll so viele Inhalte, extrem gute Grafik etc. etc. bieten.
Wenn das Projekt nach hinten los geht (was ich nicht hoffe, auch wenn ich dem Titel kritisch gegenüber stehe), dann dürfte das einen nicht geringen Einfluss auf den Ruf und die Machbarkeit von Spielen durch Crowd Funding haben.
In ähnlicher Position befindet sich Kingdom Come.
Abseits davon für die, die noch Interesse für das Spiel hegen:
http://www.gamestar.de/artikel/no_mans_sky,3318417.html
Ergänzung ()
GTA 3 schrieb:Bietet das Spiel denn nun mehr Abwechslung? Habe das zuletzt zwei WOchen nach realese gezockt.
Ich empfehle dir das Video von Gamestar zum Patch 1.31
http://www.gamestar.de/videos/no-ma...player-vom-mega-update-atlas-rises,94056.html
Aber kurz: das Spiel wird nur erweitert um einige Elemente, das grundlegende Gameplay ist weiterhin das gleiche. Du farmst, Baust, erkundest. Nur jetzt mit mehr Möglichkeiten. Wenn du ursprünglich schon sehr wenig Spaß an dem Titel hattest, dann wird sich das mit den bisherigen Patches nicht groß ändern mMn.
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