Der Austausch der Fotos, der auch Thema in dem Spiegel-Artikel war, scheint nur die Praxis einiger weniger Journalisten gewesen zu sein. Vielleicht wäre sie nicht einmal an das Tageslicht gekommen, wenn die Chinesen es nicht akribisch darauf anlegen würden, die ausländische in Verruf zu bringen. Aber auch ZDF-Korrespondenten wurden bedroht, obwohl ihnen keine Fehler nachgewiesen werden konnten. Das ist eine völlig unnötige Einschüchterung der Presse, die nicht zu Olympia passt.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Wenn absichtlich Fotomaterial vertauscht wurde, dann sollen die Chinesen uns darauf aufmerksam machen. Dieses Recht haben sie. Das Problem ist aber, dass diese Verfehlungen innerhalb Chinas anders eingesetzt werden. Dort wird den Menschen der Eindruck vermittelt, dass die gesamte Weltpresse es darauf abgesehen habe, den Ruf Chinas zu schädigen. Erstens stimmt das so nicht und zweitens ist es der Versuch, von den Problemen mit und in Tibet abzulenken.
Es geht mir nicht darum, dass es in China schon immer Restriktionen für die Presse gab, so schade das auch ist. Vielmehr hat China im Zuge seiner Olympia-Bewerbung zugesichert, dass bestimmte Restriktionen während der Olympiade gelockert werden. Doch davon spüren wir nichts. Die langjährigen Ostasien-Korrespondenten bobachten ganz im Gegenteil eine Verschärfung des Klimas gegenüber den Medien. - Nun könnte man gegenhalten, dass die Spiele noch nicht angelaufen sind. Aber das ist kurzsichtig. Viele ausländische Delegationen halten sich während der Vorbereitungen immer wieder im Land auf. Auch die Presse sammelt bereits Filmmaterial, um ihre späteren Zwischenberichte zu untermalen.
Deshalb wäre gerade in diesem Jahr ein weniger restriktives Vorgehen der chinesischen Regierung notwendig gewesen, um die Zusagen einzuhalten. Die Ausweisung aller Ausländer aus Tibet passt nicht in dieses Bild. Und wie ich im ersten Beitrag schon schrieb, ist eigentlich China in der Bringschuld, um eine friedliche und Olympia-adäquate Gesinnung zu beweisen. Schließlich erinnert man sich noch an das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens aus dem Jahr 1989.
Ich rate niemandem dazu, chinesische Waren zu boykottieren. Doch ich denke, dass ein Boykkott ein klares Zeichen setzen würde. Und wenn man dennoch teilnimmt, dann sollte man seinen Protest vor Ort kundtun. Doch im fürchte, das wird nicht in der Form möglich sein, dass die chinesische Bevölkerung davon etwas mitbekommt.
Vor der Vergabe der Sommerspiele nach Peking hätten die chinesischen Vertreter versichert, die Ausrichtung Olympias in ihrem Land werde die soziale Frage und besonders die Menschenrechte voranbringen, sagte Rogge vor Journalisten in Peking. Er verlangte von China, seine "moralische Verpflichtung" zu respektieren.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,546550,00.html
Das IOC hat den Sportlern nun den Rücken gestärkt und zwischen (erlaubten) Meinungsäußerungen und (verbotenen) Demonstrationen unterschieden.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,546560,00.html