Olympische Spiele 2008 in China boykottieren?

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Wieviele Athleten wollen denn die Eröffnungsfeier boykottieren? Einer? Zwei? Hundert?
 
Keine Ahnung, das wird sich zeigen. Wenn eine Athletin für sich entscheidet, diesen Weg gehen zu wollen, finde ich das völlig in Ordnung. Sie hat ihr Ziel erreicht, wenn sie damit besser schlafen kann. Noch ist die Diskussion im Gange, aber um einen medienwirksamen Effekt zu erzielen, müsste sich die Anzahl der Athleten schon noch erhöhen.

Es würde auch nicht genügen, wenn pro Land nur einige wenige Athleten fernblieben. Wenn dagegen zwei oder drei größere Staaten komplett mitmachen würden, wäre es unübersehbar.

Ich sehe diese Maßnahmen als Zeichen in Richtung der chinesischen Bevölkerung, die unter dem Einfluss der Zensur steht. Wenn die Eröffnungsfeier (live) übertragen wird, dann fällt es schon auf, wenn einige Staaten zum Beispiel nur einen Fahnenträger auflaufen lassen.
 
Ja, ein Zeichen. 30 Tage später wird sich niemand mehr daran erinnern können. Was soll ein Boykott von Sportlern, Konsumenten oder Staatschefs schon ausrichten? China stellt 20% der Weltbevölkerung, allein der Binnenmarkt ist gigantisch.
Ich weiß, dass das alles ein Symbol sein soll, aber in meinen Augen legt da einfach niemand von Bedeutung drauf wert.
 
@Odium:
Wenn man alles so betrachtet, wie Du es beschrieben hast, dann könnte man so ziemlich auf alles verzichten: Wer Blumen auf ein Grab legt, ist ein Idiot, weil das in 30 Jahren vergessen sein wird. Wer an einer Demonstaration teilnimmt, vergeudet seine Zeit. Wer einer Oma über die Straße hilft, ist selbst schuld. In 30 Jahren ist die Oma tot und kein Hahn kräht mehr danach.

Symbole machen eine Menge aus. Als John F. Kennedy in Berlin seinen berühmten Satz sagte, hätte er sich auch die Spucke sparen können. Trotzdem war es eine wichtige und nachhaltige Aussage. Oder siehe den Kniefall von Willy Brandt.

Wenn die Welt der Eröffnungsfeier fernbleibt, gerät die chinesische Führung in Erklärungsnot. Die Argumentation mit dem bösen Dalai Lama zieht dann nicht mehr und man wird sich etwas Besseres einfallen lassen müssen. Hier geht es um einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung, von der ich nicht so genau weiß, wie sehr sie die Parolen in den Medien glaubt. Die Leute haben ja kaum Vergleichsmöglichkeiten.


Wie man sieht, machen sich auch andere Sportler ihre Gedanken:
http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,547598,00.html
 
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keshkau schrieb:
...Wenn die Welt der Eröffnungsfeier fernbleibt...

@keshkau: In einem solchen Fall hätte die Welt die Olympischen Spiele komplett boykottieren oder sie erst gar nicht nach China vergeben sollen.
 
keshkau schrieb:
Wie man sieht, machen sich auch andere Sportler ihre Gedanken:
http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,547598,00.html


....aber auch Menschen, die vielleicht ein wenig mehr von China verstehen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,547658,00.html

Der Westen hat noch immer nicht begriffen, dass lautes Poltern gegen China nichts bewirkt. In der jetzigen Debatte verliert China sein "Mianzi", sein Gesicht. Das hat in der Regel zur Folge, dass sich China wieder mehr und mehr abschottet. Man hat hier noch nicht begriffen, dass ein Angriff auf die chinesische Regierung nicht zu kritischen Auseinandersetzungen innerhalb des Landes, sondern zu einer einheitlichen Front gegen die äußeren Kritiker führen wird auch wider besseren Wissens.

Den Tibetkonflikt an sich sehe ich nicht so Schwarz-Weiss wie die Meisten hier.
Ein Boykott der olympischen Spiele hat eher negative Auswirkungen auf die Öffnung Chinas, da die Akzeptanz in der chinesischen Bevölkerung nicht gegeben ist.

Man sollte sich wirklich die Frage stellen, was ein Boykott bewirkt. Sicher, wir können uns alle auf die Schulter klopfen und uns freuen, dass wir alle ach so tolle Menschenrechtler und Demokraten sind und mal so richtig "ein Zeichen gesetzt" haben.

Und dann?
Wie schon beschrieben fällt der Boykott von Gigabyte, Grundig, Lenovo oder dem ipod wohl weg.
Man erreicht mehr durch Bildungsinitiativen wie Wissenschaftleraustausch oder einfach wirtschaftliche Präsenz. In China bildet sich das, was bei uns immer dünner wird,- eine Mittelschicht. Das ist die Crux an der Geschicht. Die Öffnung Chinas ist an den wirtschaftlichen Erfolg des Landes geknüpft.

Da müssen wir uns wohl entscheiden. Wollen wir ein politisch gemäßigtes aber wirtschaftlich starkes China oder lieber anders herum?
Ich befürchte das spätestens hier sich wieder so einige nicht mehr ganz sicher sind. ;)

MFG
 
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Viele Menschen im Westen sehen das von Grund auf anders die Chinesen, denn wir rechnen die Dinge gegeneinander auf: Die Chinesen verlieren vielleicht ihr Gesicht, aber die Tibeter verlieren ihre Kultur oder ihr Leben. Was wiegt schwerer? Man möchte der chin. Regierung auch keinen Persilschein ausstellen, nur weil das Land wirtschaftlich von Bedeutung ist. - Wer hätte im Zweiten Weltkrieg guten Gewissens Geschäfte mit den Nazis machen können? Die brauchten auch Rohstoffe aus aller Welt und waren eine große Nachfragemacht. Aber sie haben sich nicht korrekt verhalten und hätten eigentlich abgestraft werden müssen.

Was den Gesichtsverlust angeht: Die Chinesen haben für das Olympiajahr Verbesserungen hinsichtlich der sozialen Lage und der Zensur bzw. den Menschenrechten versprochen. Nun halten sie sich nicht daran, wie es scheint. Aber da redet niemand von Gesichtsverlust. Warum wohl?

Die Chinesen haben ihre Sichtweise, wir haben unsere. Ich finde es nicht schlimm, wenn wir unsere Meinung dazu äußern. Selbst die Geschäfte beruhen auf Gegenseitigkeit. Warum sollen wir uns immer den Chinesen anpassen müssen? Sie könnten sich ebenso gut an unseren Vorstellungen orientieren und sich etwas zurücknehmen.

http://www.erfolginchina.com/fileadmin/junius/Rollen_-_Regeln_-_Gesichter.pdf

Flashmob-Demos der Peking-Besucher fände ich übrigens lustig.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,547427,00.html
 
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@keshkau

Es geht nicht darum, den Chinesen einen Persilschein auszustellen. Mir geht es darum einen Weg zu finden, China langsam einen Weg in ein anderes Wertesystem finden zu lassen. Mit Druck von Aussen bewirkt man das Gegenteil.

Die Tibeter haben unter den Chinesen nicht ihre Kultur aufgeben müssen. Das ist ein gerade jetzt verbreiteter Irrglaube. Politisch ist es nicht mehr unabhängig, kulturell ist es das weitestgehend geblieben. Der Lebensstandard ist unter den Chinesen sogar gestiegen.

Auch der tibetischen Exilregierung, die man nicht mit dem Dalei Lama verwechseln sollte, geht es nur um Macht. Unter dieser Regierung hätten die Tibeter weit weniger zu lachen. Richtige Unabhängigkeit gab es bei den Tibetern das letzte Mal gegen Ende des 19. Jh. Die Briten lassen grüßen.

Versteh mich bitte nicht falsch. Natürlich können und müssen wir unsere Meinung sagen und verteidigen aber wenn wir China wirklich verändern wollen, müssen wir uns anpassen. Ein Boykott der olympischen Spiele aufgrund nicht umgesetzter Zusagen in Bezug auf die Zensur etc. ist m.E. ein legitimer Grundfür eine Absage. Diese Pseudobetroffenheit in Bezug auf Tibet ist es nicht.

MFG

edit: flashmob-Demos find ich witzig
 
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Die Unabhängigkeit Tibets interessiert mich eigentlich nicht. Das können die Tibeter und die Chinesen gerne untereinander ausmachen. Was mir gegen den Strich geht, ist die Reaktion der chinesischen Führung auf die Demonstrationen/Ausschreitungen in Tibet. Man schickt die Ausländer nach Hause und ansschließend liegen ein paar Dutzend Leichen auf der Straße. Das ist der Skandal, der mich an das Massaker von 1989 erinnert.

Wenn allein die Tibeter die Schuldigen waren, dann hätte es doch wunderbar gepasst, die ausländischen Gäste vor Ort zu belassen. Die hätten in aller Ruhe dokumentieren können, was da konkret vorgefallen ist. Doch so lief es nicht. Die Chinesen fielen in ihre altbekannten Handlungsmuster zurück, obwohl sie im Vorfeld hoch und heilig das genaue Gegenteil versprochen hatten.
 
@keshkau

Da stimme ich Dir zu. Das hätte man aber im Vorfeld wissen müssen. Jeder Experte weiß, dass China nicht in der Lage war und ist, die zugesagten Lockerungen durchzuführen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei der Vergabe der Spiele wirklich daran geglaubt wurde. Meiner Meinung nach hat man dies sogar wissentlich in Kauf genommen. Ohne Tibet wäre es auch nicht wirklich aufgefallen.

Das soll die Chinesen nicht entschuldigen, die die Situation natürlich auch für sich ausschlachten.

Tja, der Schuß ging wohl nach hinten los.

MFG
 
Die Olympischen Spiele werden ohne größeren Eklat durchgezogen werden. Und in nem Jahr interessiert das Vorgehen der Chinesen gegen die Tibeter kein Schwein mehr.
 
Hi all

ich muss als deutschschulaufgabe eine debatte über den boykott in chine (pro oder contra) halten
wäre vielleicht einer so nett und könnte mir kurz zusammenfassen was für und was dagegen spricht
ich hab schon viel recherchiert und meine dass es mehr dagegen gibt (vielleicht auch weils meiner persönlichen meinung entspricht) aber ich brauch noch welche dagegen
und wenns sonst noch was wichtiges gibt immer her damit
n paar quellen wären auch gut

wobei ich ja mein dass es vor 8 jahren bereits zu dem fehler gekommen ist, als man die olympiade nach china geschickt hat. der konflikt dort ist schon seit knappen 300jahren und wenn man deswegen jetzt boykottieren will find ich es schwachsinn.. weil man kann doch nicht meinen dass die chinesen dieses problem innerhalb ein paar jahren in griff bekommen wenn sie es 300jahre lang nicht geschafft haben.

...ich mach mich ez mal ran die ganzen seiten durchzulesen

thx schonmal für die antworten
 
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Bullayer schrieb:
Die Olympischen Spiele werden ohne größeren Eklat durchgezogen werden. Und in nem Jahr interessiert das Vorgehen der Chinesen gegen die Tibeter kein Schwein mehr.
... so wird es kommen, so war es immer. Auch der Boykott in Moskau hat wenig verändert. Im Gegenteil, in der eh. DDR hat der Normali das kaum registriert und alles freute sich über den Medaillenregen. Und das ist der entscheidende Punkt. Zur Olympiade wird wieder ein noch größerer Fernseher gekauft, um ja nichts zu verpassen und wer denkt, daß es sich hierbei nur um "dicke-Harz-4-Empfänger" handelt, träumt schon wieder. So lange wir in Deutschland auf hohem Niveau meckern können (Steuern, Preise, Benzin u.a.) und es dabei schön warm in der Stube ist, werden wir gern das jeweilige weltpolitische Problem diskutieren. :evillol:
 
e-ding schrieb:
@keshkau

Die Tibeter haben unter den Chinesen nicht ihre Kultur aufgeben müssen. Das ist ein gerade jetzt verbreiteter Irrglaube. Politisch ist es nicht mehr unabhängig, kulturell ist es das weitestgehend geblieben. Der Lebensstandard ist unter den Chinesen sogar gestiegen.

Auch der tibetischen Exilregierung, die man nicht mit dem Dalei Lama verwechseln sollte, geht es nur um Macht. Unter dieser Regierung hätten die Tibeter weit weniger zu lachen. Richtige Unabhängigkeit gab es bei den Tibetern das letzte Mal gegen Ende des 19. Jh. Die Briten lassen grüßen.

Versteh mich bitte nicht falsch. Natürlich können und müssen wir unsere Meinung sagen und verteidigen aber wenn wir China wirklich verändern wollen, müssen wir uns anpassen. Ein Boykott der olympischen Spiele aufgrund nicht umgesetzter Zusagen in Bezug auf die Zensur etc. ist m.E. ein legitimer Grundfür eine Absage. Diese Pseudobetroffenheit in Bezug auf Tibet ist es nicht.

MFG

Hast du zufällig z.B. Harrer's Buch Sieben Jahre in Tibet gelesen?
Dann wüsstest du das du soeben die Tatsachen sehr verdreht hast.
Tibet war nie unter britischen Einfluss, Tibet war schon immer eine autonome Gegend die oft durch die Mongolen, Chinesen oder Nepalesen angegriffen wurde. Der Portala und andere Bauten sind beeindruckende Zeugnisse davon wie kriegerisch dieses Land einmal war.
Tibet war jedoch "immer" indirekt ein pro-verbündeter Staat für China der die Grenzen absicherte.
Der Konflikt hat sich erst mit den Rot-Chinesen zugespitzt, als Bürkergrieg in China durch die rotchinesen herrschte wollte Tibet Unruhen der im Land verweilenden Chinesen verhindern und verwies die Chinesen freundlich aus. Zu dieser Zeit schickte Tibet auch die ersten Delegationen in die weite Welt hinaus.

Tibet mag zwar sehr feudalistisch gewesen sein, doch Harrer's Buch zeigt beeindruckend das Tibet so mehr als nur zufrieden war. Das äußerst einfache System funktionierte überraschend gut.

Und der Exilregierung geht es um eine freie Religionsausübung und Autonomie, ähnlich so wie bei uns die Sorben in Sachsen gehandelt werden. Die Exilregierung will nicht einen eigenen tibetischen Staat!
Anders dagegen die zahlreichen Vereinigungen in Tibet (vor allem die von der Jugend), diese wollen eine eigenständige Regierung und diese waren es auch die Gewalt gegen die Chinesen ausübten!
Eine freie Religionsausübung gibt es jedenfalls nicht, China diktiert den Klöstern die Anzahl der Mönche auf!
China hat Gesetze erlassen im Falle des Versterbens der Lama's und des Dalai Lama's, mit den Ziel "systemfreundliche" in jene Ränge zu bekommen.
China siedelte massenweise Han-Chinesen nach Tibet um, Tibeter sind in Tibet mitterweile in Unterzahl - um mal ein paar Beispiele genannt zu haben.

EDIT
Hier noch ein Link (Quelle GEO) dazu was ich geschrieben habe.
Wenn das freie Religionsausübung ist, haben wir eine überdimensionierte freie Religionsausübung in Deutschland.
 
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China lässt alle ausländischen Studenten im Vorfeld der Olympischen Spiele ausweisen. Im Juli und August müssten alle ausreisen, so Peking. Zehntausende sind davon betroffen, Ausnahmen gibt es nicht. Auch für einen Wiedereinstieg in das Herbstsemester könnte es knapp werden. Unterdessen verteidigte China auch die verschärften Einreisebestimmungen im Vorfeld der Olympischen Spiele. Die Visa-Vergabe funktioniere im Gegensatz zu anderen Ländern in China "ziemlich bequem".

[Quelle]

Braucht man eigentlich nicht mal mehr kommentieren.
 
Wer die Spiele boykotieren will, der soll alle klamotten aus china ausziehen und dann wird er sowieso wegen eregung öffentlichen ergernisses verhaftet
 
Ich glaube ich muss meine Meinung ändern.

Das kann alles nicht Wahr sein, wenn da wirklich ein Zusammenhang mit den Olympischen Spielen besteht...und es scheint so.

China legt es drauf an, vielleicht auch mit Absicht, auf einem Boykott.

So Dumm können die doch nicht sein, es sei die wollen die Spiele mit Absicht ausfallen lassen.

Nein, das ist nicht der Olympische Gedanke!
 
Ich glaube China ist nur der Gastgeber, um ein schönes Bild von sich zu zeigen, das nicht der Fall ist.Denn die Menschen dort werden sehr unterdrückt; sowohl die Tibeter, Uiguren aber auch die Chinesen selber.Die Menschenrechte sind in China minimal vertreten, was sehr schade ist :(
Ein Boykott würde nichts daran hindern , was in Tibet oder sonst noch geschiet.
Ein Boykott wäre eine sehr grosse Entäuschung für die Sportler und es ist ein Ereignis für die Sportler und nicht für die Politiker . Geld spielt vielleicht noch eine grosse Rolle,aber man soll bedenken ,dass die Spiele den Weltfrieden wiederspiegeln sollen
 
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