Lübke schrieb:
das gesamte kapital und die bürgschaften? wenn die geberländer sagen "wir lassen uns das nicht bieten" müssten sie theoretisch nur den geldhahn zudrehen und tsipras hätte nur noch die wahl zwischen der sparpolitik um so gerade noch zu überleben (einnahmen decken ausgaben) oder seiner politik und griechenland damit den endgültigen wirtschaftlichen todesstoß versetzen (ausgaben übersteigen einnahmen erheblich, keine fremdkapitaloption mehr).
Die Bürgschaften sind kein Trumpf der Bürgen sonder ein Trumpf des Schuldners. Weigert sich der Schuldner zu zahlen, werden die Bürgschaften wirksam und die Bürgen müssen für Verluste gerade stehen.
Zudem kann Griechenland aktuell seine laufenden Kosten abzüglich Schuldendienst selbst finanzieren, sind also im Falle eine zugedrehten Geldhahnes nicht sofort auf frische Kredite angewiesen.
_killy_ schrieb:
Klar, der Rauswurf Griechenlands würde Verluste bescheren, darauf hat sich aber der Markt mittlerweile eingestellt. Der "Grexit" ist schon eingepreist. Die Alternative wäre, noch mehr Geld den Griechen hinterherzuwerfen und somit den Verlust noch zu erhöhen. Da die bisherigen Reformen auch noch zurückgenommen werden sollen, würde man nur noch zusätzliches Geld verbrennen. Eine Verbesserung der Gläubigerposition lässt sich dadurch nicht erreichen.
80% der griechischen Schulden liegen inzwischen bei offiziellen / staatlichen Gläubigern, wie hier etwas vom Markt eingepreist sein soll, ist mir nicht klar.
Es ist unklar, ob Griechenland als EURO-Mitglied seine Schulden jemals bedienen kann. Bei einem Grexit, bei dem die Drachme (oder wie die neue griechische Währung dann auch heißen mag) gegenüber dem Euro massiv abwerten wird und damit die reale Schuldenlast nochmals enorm steigt, ist dies in meinen Augen noch unwahrscheinlicher.
Für die Gläubiger besteht die Frage dann darin, ob sie keinerlei Zugeständnisse machen, damit aber einen Totalverlust riskieren oder ob sie versuchen mit Griechenland einen Kompromiss zu finden, der es der griechischen Wirtschaft erlaubt wieder auf die Beine zu kommen, der eine langfristige Perspektive eröffnet und so eine Schuldenrückzahlung in der Zukunft realistischer macht.
Ansonsten denke ich, reden wir hier bislang nur über die Mitgliedschaft in der Währungsunion, nicht die EU-Mitgliedschaft.
Fun-Fact: Der neue griechische Finanzminister ist Ökonomieprofessor mit Schwerpunkt Spieltheorie. Der weiß, wie man pokert
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