Lübke schrieb:
ich kenne harz IV-empfänger und kann diese aussage nur ganz klar verneinen. die leben nicht in einem karton unter der brücke und die leiden auch keinen hunger. die leben wie du und ich. ordentliche wohnung, fernseher, pc, genug zu essen und am wochenende mal losgehen ist auch mal dran. ein vollkommen normales leben also.
Also ich habe das ganz anders erlebt. Als Hartz4ler darf man fast gar nichts mehr besitzen. Alle bescheidenen Ersparnisse, die man sich in seinem Arbeitsleben erarbeitet hatten, müssen aufgezehrt werden. Einschließlich Altervorsorge, Lebensversicherungen oder Geld das man für die Ausbildung von Kindern zurückgelegt hat usw. Wenn jemand helfen will, dann muss er das heimlich tun, sonst wird das Geld gleich wieder von den sowieso schon mickrigen Bezügen abgezogen.
Meine Eltern haben vorher schon nicht in Luxus gelegbt, sondern ein normales, eher bescheidenes Mittelständler-Leben geführt. Eine Wohnung in einem (alten) Zweifamilienhas, ein Auto, alle paar Jahre mal Urlaub in Dänemark, meine kleine Schwester lebte zu der Zeit noch mit im Haushalt und wollte studieren usw.
Nichts davon wäre unter Hartz4 dauerhaft möglich gewesen. Das Geld hätte dafür einfach nicht gereicht. Nicht mal um regelmäßig Fleisch auf den Teller zu bringen.
Die Lebensqualität meiner Eltern wäre deutlich unter den Durchschnitt abgerutscht und damit weit weg von allem, was man (in unseren Breiten) als Luxus bezeichnen könnte.
im grunde widerspricht deine definition meiner aussage nichtmal: unser sozialsystem ist extrem teuer und wir können es uns kaum leisten, andere länder können es sich gar nicht leisten. also ist es doch luxus, oder?
Das Problem andere Länder, besonders den USA, ist eher, dass der Wohlstand da noch viel ungleichmäßiger verteilt ist als bei uns. In den USA gibt es mehr Reichtum, als in jedem anderen Land der Welt, und sie könnten sich somit auch das beste Sozialsystem der Welt leisten. Aber sie tun es nicht. Statt dessen ist alles darauf ausgelegt, die wenigen Reichen immer Reicher und die vielen Armen immer ärmer zu machen. (Und das nennt sich dann Freiheit.)
Die Umverteilung von unten nach oben ist da noch viel schlimmer als bei uns. Aber das macht die Ungerechtigkeit von Hartz4 nicht besser. Es ist und bleibt ein Instrument, um Menschen/Familien systematisch in Armut zu stürzen, aus der sie selbst kaum wieder heraus kommen können.
Zwar nicht "afrikanische Armut" oder auch "US-amerikanische Armut", aber weit unter dem, was man in Deutschland als normales Leben ohne Luxus beschreiben würde. Es fehlt dabei an allen Ecken und Enden an Dingen, die man nicht nur als Annehmlichkeit ansieht, sondern die auf Dauer richtig weh tun, wenn man sie nicht mehr hat.
Ich bin wirklich kein besonders fleißiger Mensch, aber ich würde niemals mit einem Hartz4ler tauschen wollen und ich wünsche niemandem, jemals in diese schlimme Situation zu kommen.
Diejenigen, die Hartz4 für "Luxus" halten, haben offensichtlich selbst immer den Luxus genossen, niemals auch nur ernsthaft in Erwägung ziehen zu müssen, selbst mal in diese Situation zu kommen.