Wo entsteht das Geld?

AW: Wo entsteht das Geld

Ich glaube, dass der Zinseszins kein echtes Problem ist, solange alles „normal“ läuft und Kredite nur an Personen/Unternehmen mit Bonität vergeben werden und die Bank immer in einem Bereich bleibt, wo sie ausfallende Zahlungen verkraften kann.
Für mich sind die „kreativen“ Finanzprodukte das größte Problem. Die Finanzwirtschaft hätte sich niemals so sehr von der Realwirtschaft abkoppeln dürfen. Und genau das muss man wieder ansetzen. Holt die Börse zurück in die Realität, lieber eine stabile Wirtschaft, als eine sprunghaft wachsende mit vielen Krisen und wenigen Leuten die richtig reich werden.
 
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Und weißt du was das Schlimmste daran ist? Meist steckt der Staat hinter der Entwicklung von Finanzprodukten die dann zur Krise führen. Beispiel: Finanzkrise - ausgelöst durch MBS, CDO, CDS usw. -> initiert wurde dies in der Bill Clinton Ära, er wollte auch einkommensschwachen Familien ermöglichen, Eigentum zu erwerben. Banken sollten diesen einkommensschwachen Haushalten Kredite zur Verfügung stellen, im Gegenzug durften sie die Risiken über MBS verbriefen und weitergeben ...

Aber auch in Deutschland konnte man sowas Ähnliches beobachten. Die Abschreibungsmodelle für Ostimmobilien haben erst zum Bauboom geführt - völlig unabhängig vom Bedarf - und dann ebenfalls zur Krise und Verfall der Preise.

Es sind meist "gut gemeinte" staatliche Eingriffe, welche zu Fehlsteuerung führen. Aus meiner Sicht hätten die Banken auch nicht "geretet" werden sollen. Einige wären pleite gegangen und andere wären zwar mit hohen Verlusten aus der Krise gegangen, würden aber noch bestehen bleiben. Aufgrund des 3-Säulen-Banksystems in Deutschland wäre aber die Kreditversorgung zu keinen Zeitpunkt gefährdet gewesen. (Volksbank, Sparkassen, Geschäftsbanken)
Durch die Bankrettung fehlt aber den geretteten Banken der notwendige Druck, sich zu verbessern.

Aus meiner Sicht sollte ein Staat immer nur für ordentliche Rahmenbedingungen sorgen und nicht direkt in die Wirtschaft eingreifen.
 
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Dazu muss man erstmal definieren, was Geld überhaupt ist. Am einfachsten bezeichnet man Geld als allgemein akzeptiertes Tauschmittel, dasss von allen Handeltreibenden anerkannt wird. Bei uns geschieht das durch das Gesetz. Wenn du in EURO-Raum etwas geschäftlich ( legal ) verkaufen willst, dann musst du EURO als Tauschmittel akzeptieren. Dann gehts natürlich weiter mit Bankguthaben. Mit denen kann man ja dank der EC-Karte auch fast überall bezahlen. Die sind also auch Geld. Nun ist es so, das deine Bank dein Geld auf deinem ja nicht einfach rumliegen hat, sondern es gegen Zinsen verleiht. Das verliehene Geld wird irgendwie wieder auf einem Bankkonto landen, währen dein Guthaben immer noch das selbe ist. So ensteht durch Kreditvergabe noch mehr Geld. Geld entsteht also durch das Gesetz und seine Institutionen ( EZB ) und durch Kreditschöpfung.
 
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Grüße euch Gemeinde :)

Wollte mal was Fragen ob einer mir mal erklären kann was genau passiert wenn jemand eine Finanzierung (abstottern von Schulden) hat oder bei Tarifverträgen wie Smartphonevertrag geschiedet wenn eine Finanzkrise kommt?
Die Schulden bleiben doch bestehn oder? Egal ob es die Währung Geld oder sonstiges noch gibt oder nicht mehr.
Sprich Schulden so oder so sind doch schlecht?

Zeitgeist Teil 2 - auch sehr gut mal ins Bewusstsein gebracht was Geld und Wirtschaft ist
 
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Sprich Schulden so oder so sind doch schlecht?
was sind denn schulden? schulden bedeutet doch, dass du jemanden etwas schuldig bist. das kann geld sein, das kann ein gefallen sein, das kann eine bestimmte leistung sein...
was ist die ursache für deine schuld? dass du etwas dafür bekommen hast.
ob es nun schlechter ist, das bekommen zu haben und dafür eine gegenleistung zu schulden, oder es nicht bekommen zu haben und dafür frei von einer schuld zu sein, musst du für dich entscheiden.

zur monetären schuld: wenn du jemandem 1.000,- € schuldest, schuldest du ihm auch noch 1.000,- € in einer finanzkriese. wieviel gegenwert die 1.000,- € dann haben, steht auf einem anderen blatt.
 
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Also wenn eine Währung abgewertet wird, dann haben es die Schuldner sehr einfach bei der Tilgung des Kredits.

Schau einfach mal in die Krisen zu Anfang des 20 Jahrhunderts. Aufgrund der Hyperinflation konntest du 1 Millionen Kredit aufnehmen und dir ein Haus kaufen und 14 Tage später konntest du für 1 Millionen ein Brötchen kaufen. Gleiches gilt, wenn die Währung an sich abgewertet wird. Profitieren tun dann die Schuldner.

Ist auch immer gern von Ländern als Mittel genommen wurden, um schnell die Schulden loszuwerden. Italien hat in den 70iger viel Schulden aufgebaut und bei einer Inflation von 10%> diese dann abgewertet. Somit mussten sie am Ende effektiv weniger zurückzahlen als sie aufgenommen haben. (anhand der Kaufkraft gemessen)
 
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ja nur die kehrseite der medalie: du enteignest dadurch quasi alle sparer und machst alle löhne, gehälter und renten quasi wertlos.
diese hyperinflationen sind ja im grunde nix anderes, als den leuten ihre ersparnisse wegzunehmen um damit die schulden auszugleichen.
 
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_killy_ schrieb:
Und weißt du was das Schlimmste daran ist? Meist steckt der Staat hinter der Entwicklung von Finanzprodukten die dann zur Krise führen. Beispiel: Finanzkrise - ausgelöst durch MBS, CDO, CDS usw. -> initiert wurde dies in der Bill Clinton Ära, er wollte auch einkommensschwachen Familien ermöglichen, Eigentum zu erwerben. Banken sollten diesen einkommensschwachen Haushalten Kredite zur Verfügung stellen, im Gegenzug durften sie die Risiken über MBS verbriefen und weitergeben ...
Du meinst wohl den "Community Reinvestment Act". Alles was ich dazu damals an Studien gelesen habe, sagte aus, dass dieser keinen signifikanten Beitrag zur Krise geleistet hat.
Aber für viele marktorientierte Politiker und Bänker ist ein solches Programm natürlich eine tolle Argumentationshilfe, wenn es darum geht sich gegen eine strengere Regulierung zu stemmen, auch wenn am Ende die Substanz fehlt. "Seht her, nicht der Markt ist Schuld an der Krise, sondern, wie immer, der Staat. Also lasst bloß nicht zu, dass sich der Staat einmischt oder strengere Regeln einführt."
Die Produkte selbst hat sich auch nicht Herr Clinton ausgedacht, sondern einzig diese, dem damaligen Zeitgeist der Liberalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte entsprechend, keiner Regulierung unterzogen.

_killy_ schrieb:
Es sind meist "gut gemeinte" staatliche Eingriffe, welche zu Fehlsteuerung führen. Aus meiner Sicht hätten die Banken auch nicht "geretet" werden sollen.
Politik macht sicherlich oft Fehler und häufig hätten sie besser die Finger aus dem Spiel gelassen, aber ich sehe den Fehler nicht in der Rettung der Banken sondern im Ausbleiben tiefgreifender Reformen im Nachgang. Nach dem Motto "Never miss a good crisis", hätte die Gelegenheit genutzt werden müssen, was leider Großteils ausgeblieben ist.

_killy_ schrieb:
Einige wären pleite gegangen und andere wären zwar mit hohen Verlusten aus der Krise gegangen, würden aber noch bestehen bleiben. Aufgrund des 3-Säulen-Banksystems in Deutschland wäre aber die Kreditversorgung zu keinen Zeitpunkt gefährdet gewesen. (Volksbank, Sparkassen, Geschäftsbanken)
Durch die Bankrettung fehlt aber den geretteten Banken der notwendige Druck, sich zu verbessern.
Wenn das internationale Finanzsystem völlig an die Wand gefahren wäre, wäre in Deutschland auch nichts mehr zu holen gewesen - 3-Säulen hin oder her.

_killy_ schrieb:
Aus meiner Sicht sollte ein Staat immer nur für ordentliche Rahmenbedingungen sorgen und nicht direkt in die Wirtschaft eingreifen.

Da stimmt natürlich jeder zu. So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Aber leider versteht jeder etwas anderes darunter.
 
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Über dieses Programm sind die MBS Verbriefungen erst marktgängig gemacht wurden. Die beiden Staatsbanken Freddie Mac und Funny Mae haben hier fleißig mitgemischt.

Ich weiß nicht, welche Artikel du da gelesen hast - geh aber mal davon aus, dass der Autor keine Ahnung von dem Thema hatte. Im Zweifel kann er eine CLN nicht von einem CDS unterscheiden ...

Inhalt des Programms war es doch, Haushalten mit geringen Einkommen zu Wohneigentum zu verhelfen. Stichwort "Subprime" wirst du sicher schonmal gehört haben. Als die Zinsen stiegen, konnten sich die Haushalte mit geringen Einkommen die Finanzierungsraten nicht mehr leisten - dies betraff nunmal alle Haushalte mit geringen Einkommen. Die Risiken wurden mittels MBS, CDOs etc. verbrieft und an vielen Banken weitergeben. Deshalb auch der Domino-Effekt.

Also ja, Ursache für die Subprime - später Finanzkrise war der Eingriff des Staates über dieses Programm.

Wir sind uns aber einig - wer rettet - der braucht nicht zu reformieren. Besser wäre es, nicht einzugreifen und die Banken/Wirtschaft reguliert sich selbst. Ist effizienter als jede Rechtsvorschrift.
 
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Von der englischen Wikipedia seite zum CRA: http://en.wikipedia.org/wiki/Community_Reinvestment_Act

Economist Stan Liebowitz wrote in the New York Post that a strengthening of the CRA in the 1990s encouraged a loosening of lending standards throughout the banking industry. He also charged the Federal Reserve with ignoring the negative impact of the CRA.[103] According to Manhattan Institute scholar Howard Husock, the CEO of a midsize bank reported that 20% of his institution's CRA-related mortgages were delinquent in their first year and probably 7% would end in foreclosure.[108] In a commentary for CNN, Congressman Ron Paul, who serves on the United States House Committee on Financial Services, charged the CRA with "forcing banks to lend to people who normally would be rejected as bad credit risks."[109] In a Wall Street Journal opinion piece, Austrian school economist Russell Roberts wrote that the CRA subsidized low-income housing by pressuring banks to serve poor borrowers and poor regions of the country.[110]

However, the Financial Crisis Inquiry Commission formed by the US Congress in 2009 to investigate the causes of the 2008 financial crisis, concluded that "the CRA was not a significant factor in subprime lending or the crisis".[111] Ben Bernanke, then Chairman of the Federal Reserve, wrote that experience and research contradict "the charge that CRA was at the root of, or otherwise contributed in any substantive way to, the current mortgage difficulties."[112] Other economists and government officials, including Janet Yellen, then President and CEO of the Federal Reserve Bank of San Francisco,[113] FDIC Chair Sheila Bair,[114] Comptroller of the Currency John C. Dugan,[115] and Federal Reserve Governor Randall Kroszner,[116] also hold that the CRA did not make a significant contribution to the subprime crisis. According to Yellen, now current Chair of the Federal Reserve, independent mortgage companies made risky "higher-priced" loans at more than twice the rate of the banks and thrifts; most CRA loans were responsibly made, and were not the "higher-priced" loans that have contributed to the current crisis.[113][117][118] Others have also concluded that the CRA did not contribute to the financial crisis, notably, Nobel laureate Paul Krugman,[119] Tim Westrich of the Center for American Progress,[120] Robert Gordon of the American Prospect,[121] Ellen Seidman of the New America Foundation,[122] Daniel Gross of Slate,[123] and Aaron Pressman from BusinessWeek.[124] ...
 
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CRA with "forcing banks to lend to people who normally would be rejected as bad credit risks.

Es wurden durch dieses Programm Kredite ermöglicht an Personen die sonst keinen Kredit bekommen würden. (wg. zu hohem Risiko)

concluded that "the CRA was not a significant factor in subprime lending or the crisis"

Aber eine Untersuchung einer Person die zufällig danach FED Präsident wurde (Ben Bernanke), hat ergeben, dass dieses Programm nicht die Ursache der Krise ist.

Na da bin ich jetzt aber überzeugt!
 
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Schau dir den letzten Satz an. Da stehen noch andere die auch keinen Zusammenhang sehen (z.B Paul Krugman). (Ich teile diese Meinung jedoch nicht, kenne aber auch die Literatur nicht gut genug für ein qualifizierteres urteil). Wie heißt es doch so schön "Don't hate the player, hate the game"
 
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Als erstes fällt mir Krugman ein, der zwar eine klare politische Einstellung vertritt, aber als Wirtschafts Nobelpreisträger doch mehr als "keine Ahnung" zu dem Thema hat.

Ja, das war der Inhalt des Programms. Aber das war bei weitem nicht die einzige Grundlage, warum Subprime-Kredite vergeben wurden.

Die Immobilienpreise waren im Vorlauf stetig und stark gestiegen. Banken haben auch ausserhalb des CRA Häuser ohne Eigenkapital finanziert und dies auch sehr aggresiv bei eigentlich absolut kreditunwürdigem Klientel beworben.

Nach dem Kauf konnten die eigentlich mittelosen Käufer die Preissteigerungen sogar wieder beleihen und damit ihren Konsum finanzieren. Wenn doch etwas schief gegangen ist, haben die Hausbesitzer einfach den Schlüssel an die Bank zurück geschickt. Die hatte damit aber auch kein großes Problem, da sie nun im Besitz einer Immobilie ist, die wegen der gestiegenen Preise den Kreditausfall sogar überkompensiert. Also Anreize auf allen Seiten, das Spiel mitzuspielen. Probleme gab es erst, als die Preise nicht mehr stiegen und dann plötzlich rapide fielen und die Risiken durch Verbriefungen bereits global verstreut waren. Damit hat aber fatalerweise niemand gerechnet - in meinen Augen klassisches Marktversagen. Alan Greenspan nannte eine solches Verhalten zuvor "Irrational exuberance".

Du siehst, der Domino-Effekt funktioniert auch ohne staatlich gesetzte Anreize und die Krise wäre auch ohne CRA gekommen. Die privaten Banken sind ganz ohne Staat auf die Idee gekommen, in großem Stil Kredite and nicht kreditwürdige Personen zu vergeben.

Wenn es kein Marktversagen gäbe und die friktionslose Lehrbuchökonomie Realität wäre, wäre die Selbstregulierung immer optimal. Aber ich glaube, dass wir in einer anderen Realität leben und Regulierung daher sehr wohl nötig ist.

Zur Rettung: Hier ist doch die Frage, ob das Risiko eines totalen Zusammenbruchs nicht schlicht zu groß war und die Rettungen daher tatsächlich "alternativlos". Viele Entscheidungsträger hatten die Große Depression vor Augen und wollten die Fehler, die damals gemacht wurden und inzwischen wohl erforscht und dokumentiert sind, nicht wiederholen. Die Folgen der Rettungsverweigerung bei Lehmann kamen dann noch oben drauf. Die Anreize, die durch solch eine Politik gesetzt werden (Stichwort: too big to fail), müssen aber danach durch entsprechende Reformen und Regulierungen wieder eingefangen werden. Die ist nicht geschehen.
 
@woods, dann könnte man noch anmerken dass die staaten die Bankentrennung aufgehoben haben was erst zu derivativen Finanzprodukten nach heutigem Ausmaß geführt hat. Das beinhaltet auch die Verbriefungen
 
@ Woods

Du beschreibst sehr schön die Folgen des CRA -> steigende Immobilienpreise haben dazu geführt, dass auch Banken außerhalb des CRA Kredite an Personen mit fragwürdiger Bonität vergeben wurden. Für mich ist das CRA Programm aber die Ursache, alles was danach kam ist aus meiner Sicht eine Folge aus diesem Programm.
Ohne CRA hätte es aber auch diesen starken Preisanstieg der Immobilien nicht gegeben. (da die Nachfrage ja dann nicht künstlich gepusht wäre)

Egal, Thema ist ja nicht die Finanzkrise ...
 
In der amerikanischen Subprime-Geschichte wurden genauso wenig "unsinnig" Kredite vergeben, wie bei "Handy ohne Schufa" (seit einer Dekade erfolgreich in der nächtlichen TV-Werbung in Deutschland). Hat man höhere Ausfallraten macht man höhere Zinsen und "Handy ohne Schufa" istr ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man mit Ratenverträgen mit ausgewählt gerade hochrisikokunden, mit Leuten, die nach Schufaeinträgen hochgradig wegen Zahlungsunfähigkeit am Pranger stehen, gut Geld verdienen kann. Das Problem war, dass das Risko, das Freddie Mac und Fanny May noch bewusst eingegangen sind, beim Weiterverkauf der Kredite in gepackten Paketen verschleiert wurde und die XYbank Kleinkleckersdorf zu unaufmerksam war, das zu durchschauen, weils vielleicht auch zu gut versteckt war. Deutsche Bank hat das Spiel ja von Anfang an durchschaut und ist profitabel (vom massiven Image-Schaden abgesehen) durch diese Subprime-Geschichte durchgewandert - dafür ist deutsch jetzt das Synonym für Abzocker. Wie auch immer, die staatliche Subventionierung der Kredite spielt dabei eine Nebenrolle - jeder Staat subventioniert Wohnraum für Arme, Deutschland und Frankreich subventionieren Plattenbauten, die USA subventionierten genagelte Bretterbuden, die auch Dimensionen weniger kosteten, als deutsche Eigenheime.
 
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Lübke schrieb:
am ende hat jeder durch das medium geld die möglichkeit, die gegenleistung für seine leistung zu erhalten, die ihm beliebt. seien es produkte aus dem supermarkt oder ein haarschnitt oder die reparatur deines autos oder dem ausleihen von geld, wenn du mal mehr haben willst, als du durch bereits erbrachte leistungen vergelten könntest. vollkommen unabhängig davon, was du ihnen als gegenleistung bieten könntest.

Dies ist der zentrale Schwachpunkt. Die Funktionen des Geldes wurden bereits einige Male angesprochen. Versäumt wurde jedoch, zwischen Tauschmittelfunktion und Wertaufbewahrungsfunktion (Recheneinheit ist logisch, das kann man gut ausblenden) eine Wertung vorzunehmen bzw. Rangfolge abzuleiten.

Denn eines ist klar, je besser "Geld" als Wertaufbewahrung (bzw. -Steigerung in Form von Rendite) taugt, desto größer ist dessen Kontrolle über die Prozesse der ursprünglich(st)en Tauschmittlelfunktion. Geld war zunächst als bloßes Medium gedacht um das von dir genannte Problem zu lösen, dass ein direkter Gütertausch nicht von beiden Parteien angestrebt wird oder sinnvoll ist. Wenn es nun aber auch selbst (in Form von Verzinsung) "arbeitet" und unbegrenzt aufbewahrungsfähig ist (also faktisch abgekoppelt vom dahinterstehenden Gegenwert einen eigenen Gebrauchswert erhält), dann werden Geldbesitzer und auch Nicht-Geldbesitzer danach streben, nicht Güter anzuhäufen sondern Geld. Das geschieht nicht, weil das Geld so "praktisch und handlich" in der Aufbewahrung ist, sondern weil es nicht an Wert verliert (inflationäre Entwicklungen sind hier noch unberücksichtigt).

Güter verlieren (i. d. R.) aber mit dem Zeitverlauf an (physischem) Wert. Paradoxerweise passiert das beim Geld, welches nur zum Zwecke des Tausches und auch nur in Höhe des "echten" Gegenwertes geprägt (bzw. gedruckt oder auch einfach "geschöpft") wurde nicht. Steigt (wie heute) die Geldmenge schneller als die reale Menge an Gütern und Dienstleistungen, wäre das der Inflationsaspekt. Damit ist eine Menge an Geld (heute) faktisch mehr wert, als der Gegenwert in Gütern und Dienstleistungen. Wenn jetzt aber Geld (zumindest) auf der selben Stufe steht wie ein Gut, dann ist Geld nur noch rudimentär ein Tauschmittel mit ausgleichender Mittlerrolle (und ebenfalls ein Gut).
 
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Du musst aber auch schauen, dass der Euro nicht nur in Deutschland genutzt wird. Du musst also auch die Inflation der anderen Länder betrachten. Weiterhin gilt zu beachten, welche Geldmenge du betrachtest.

Auch gibt es nicht nur Güter sondern auch Dienstleistungen. Je größer der Anteil der Dienstleistungen in einer Marktwirtschaft ist, desto geringer drückt sich der Wertverlust der Güter durch Inflation aus.

Und am Ende zählt, wenn du sowohl heute als auch morgen darauf vertrauen kannst, dass du mit dem Geld auch Waren und Dienstleistungen einkaufen kannst und dass die Preise sich nicht extrem bewegen (inflationär oder deflationär), solange erfüllt das Geld die Funktionen, die es auch soll.

PS bitte nicht mit Zinseszins kommen ... islamische Länder haben auch Banken, welche Kredite vergeben ... auch in Deutschland kannst du Sharia-Konforme Kredite und Investitionen vornehmen. (es gibt ja auch den ein oder anderen islamgläubischen Mitbürger) ;)
 
_killy_ schrieb:
Du musst aber auch schauen, dass der Euro nicht nur in Deutschland genutzt wird. Du musst also auch die Inflation der anderen Länder betrachten. Weiterhin gilt zu beachten, welche Geldmenge du betrachtest.

Ich habe bewusst und explizit keine derzeit umlaufende Währung angesprochen. Das ist auch überhaupt nicht erforderlich. Alle (Weltleit-)Währungen teilen diese grundsätzliche Entwicklung weg vom Tauschmittel hin zur gleichgewichtigen "Ware".

Auch gibt es nicht nur Güter sondern auch Dienstleistungen. Je größer der Anteil der Dienstleistungen in einer Marktwirtschaft ist, desto geringer drückt sich der Wertverlust der Güter durch Inflation aus.

Das ist nur eine statistische Spielerei. Das BIP unterscheidet in Summe auch nicht zwischen Gütern und Dienstleistungen. Man könnte jetzt beginnen die Industrie- bzw. Dienstleistungssektoren einzelner Länder auseinandernehmen und gegeneinander zu gewichten, was aber nicht zielführend wäre, weil diese Sektoren zunächst historisch gewachsen sind und Dienstleistungen (heute) ebenso inflätionären bzw. deflationären Einflüssen unterliegen.

Und am Ende zählt, wenn du sowohl heute als auch morgen darauf vertrauen kannst, dass du mit dem Geld auch Waren und Dienstleistungen einkaufen kannst und dass die Preise sich nicht extrem bewegen (inflationär oder deflationär), solange erfüllt das Geld die Funktionen, die es auch soll.

Am Ende zählt, ob eine direkte Koppelung des Geldmengenwachstums mit der realen Produktion von Gütern bzw. dem Erbringen von Dienstleistungen erreicht werden kann. Dann könnte man sich das Märchen vom Glauben und Vertrauen sparen. Ich glaube, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Banken in arge Liquiditätsschwierigkeiten kommen könnte, wenn ein ebenfalls nicht unwesentlicher Teil der Bevölkerung kurzfristig in bar über ihre Sichtguthaben verfügen wollte - ebenfalls wieder landes- und währungsunabhängig.

PS bitte nicht mit Zinseszins kommen ... islamische Länder haben auch Banken, welche Kredite vergeben ... auch in Deutschland kannst du Sharia-Konforme Kredite und Investitionen vornehmen. (es gibt ja auch den ein oder anderen islamgläubischen Mitbürger) ;)
Abgesehen davon, dass in meinen Einschätzungen nichts von Zinseszinseffekten steht, bin ich kein Freund dieser Art von "proaktiver" Diskussion. Sollte ich mich dazu entschließen, lasse ich es dich wissen. :D
 
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Du wirfst nur ein paar Sachen durcheinander. Beispiel "Geldabheben". Natürlich entspricht die Summe aller Münzen und Scheine nicht der Summe der Sichteinlagen. Dies hat aber nichts mit der Verfügbarkeit/Wertigkeit des Geldes zu tun, sondern vielmehr damit, dass nunmal viele Transaktionen nicht mehr bar abgewickelt werden. (sondern Lastschrift, EC, Kreditkarte etc.) Die jeweiligen Zentralbanken überwachen den Geldverkehr und schauen wie viel wirklich an Münzgeld und Scheine Verfügbar sein müssen. (der gedruckte Wert entspricht ja nicht dem Herstellungswert/Materialwert) (deshalb ja auch die Unterscheidung in die verschiedenen Geldmengen M1 bis M3)

Weiterhin müssen die Banken seit der Krise und mit Einführung von Basel III ein genau solchen Szenario - kurzfristige Geldabhebung - auch testen und den Zentralbanken melden. Da darf ich dich also beruhigen, dass an diesem Punkt gearbeitet wurde.

Bzgl. Dienstleistungen -> hab ich geschrieben, da du nur die Waren und den Wertverlust von Waren bei Lagerung angesprochen hast. In dem ein oder anderen "Youtube erklärt dir die Finanzwelt Video" werden gerne Dienstleistungen außen vor gelassen. So klingt dann die Dienstleistung der Geldleihe gleich viel unseriöser wenn man dies mit dem Milch-Bauern vergleicht ... ;)

Interessant ist doch, welche Währungen durch die Steigerung der Geldmenge der Wirtschaft und der Bevölkerung schaden und welche Währungen trotz Geldmengensteigerung keine negativen Auswirkungen auf die Bevölkerung haben.

Übrigens ist es eine Mär zu glauben, die Banken wären Illiquide. In Europa sind es die Mittelmeerstaaten, welche die EZB indirekt zwingen, die Geldmenge hoch zu halten. Diese haben immer gerne versucht über Inflation ihre Schuldenberge abzubauen. Aktuell schaffen es diese Staaten einfach auch nicht, sich vernünftig zu reformieren. Lieber soll Deutschland da für Schulden einstehen, Hartz IV für alle Europäher zahlen usw. Der Reformwille unserer Nachbarn ist leider nicht sehr hoch.
Über den Liquiditätsüberschuss & dem niedrigen Leitzins soll versucht werden die Wirtschaft anzukurbeln. Nur brauchen Unternehmen nicht nur günstige Fremdmittel, sie brauchen auch Ideen, Produkte, Personal & andere Rahmdaten um produzieren zu können. Hier fehlt die Einsicht, nur Geld zur Verfügung zu stellen, bringt noch lange kein Wirtschaftswachstum. Wir haben ein Leitzins von 0,15% und Liquidität im Überfluss - schaust du aber nach Frankreich, Spanien, Italien oder Griechenland bleibt der Nach-Finanzkrise-Boom aus.

PS nicht den Zinseszins nicht alzu persönlich nehmen ... alle paar Monate springt ein neu angemeldeter User hier rein und hinterlässt ein Beitrag, dass dieser doch Teufelszeug wäre. Islamische Geldsystem wäre ja viel besser ... ohne zu wissen, dass auch dort Gebühren genommen werden. Und da du "das Geld arbeitet in Form von Zinsen" geschrieben hast, wollte ich dieser Argumentation gleich mal den Wind aus den Segeln nehmen.
 
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